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1. Bad Dürkheimer Salinenlauf

[eingestellt am 02. Mai 2012]

By: Martin Rudolph

jede Sekunde Muskelschonung zählt: Friedemann Hecke beim Athletenbriefing

kurze Streckenskizzierung

gespannte Aufmerksamkeit

gleich geht’s los

amerikanische Beteiligung: Ronny Tzur und Stanley Jack Niles

lief mit Gepäck: Thomas Stojek

Bianca Seubert und Gerhard Dahmen – zwei Münchner in Bad Dürkheim

Der führende Adam Zahoran, betreut von Jens Lukas

Beim Abbruch Dritter: Kai Horschig (rechts)

An der Verpflegungsstelle

Ob Klaus Neumann (links) versucht, Wolfgang Olbrich zum Weiterlaufen zu überreden?

Nach zwei Stunden war die Welt noch in Ordnung

Nächtliches Lager im Hotel

Morgendliches Frühstück bei bestem Wetter

Dietrich Eberle lief im Alleingang weiter

Beim Abbruch Zweiter: Stefan Daum (329)

Stromausfall & Land unter in der Walpurgisnacht

Bad Dürkheim, 30.04.2012 – Alles war gerichtet. Die mit offiziellem DLV Vermessungsprotokoll vermessene 776m lange Strecke rund um das Bad Dürkheimer Gradierwerk (Saline) war ab 21:00 für 71 Läufer (ca. 1/3 weiblich) aus Nah und Fern am Vorabend des Maifeiertages Austragungsstätte des 1. Bad Dürkheimer Salinenlaufes.

Ziel war es nicht, eine vorgegebene Distanz in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen, sondern es galt innerhalb von 12h bis zum Morgen um 9:00, möglichst viele Meter innerhalb des festen Zeitfensters abzuspulen. Alles war gerichtet. Eine elektronische Zeitnahme mit Chipmessung stellte sicher, dass jede Runde akkurat gezählt werden konnte.

Alles war gerichtet. Eine von 2 Seiten zugängliche Versorgungsstation, die u.a. von einigen erfahrenen 24h Läuferinnen betreut wurde, sorgte für Alles was der 12h Läufer benötigt. Wasser, Cola, alkoholfreies Weizenbier, Tee, Brühe, mundgerechte Häppchen, Kekse, Kuchen, Obst uvm.

Alles war gerichtet. Anwesende DLV Kampfrichter, die u.a. die Restmeter der letzten angebrochenen Runde vermessen wollten, standen parat.

Alles war gerichtet. Das Teilnehmerfeld war ausgesprochen gut besetzt und die Veranstaltung versprach auch in sportlicher Hinsicht ein Leckerbissen zu werden. Erfahrene 12h und 24h Läufer mit teilweise Berufung in das 24h Nationalteam und Bestleistungen jenseits der 130km in 12h waren im Feld zu finden. Der 46jährige Kai Horschig hat seine Bestmarke über 24h erst im letzten Dezember in Barcelona auf 242,128km verbessert. Der 52jährige Michael Hilzinger kann sogar eine Marke von 244,040km über 24h vorweisen. Der 1 Jahr jüngere Friedemann Hecke hat bereits 233,825km innerhalb von 24h erlaufen und kann in seiner „Laufbahn“ zusätzlich einen 6-Tage Lauf mit 678,990km aufführen.

Das Frauenfeld war nicht minder gut besetzt. Marika Heinlein (W50), 3. Frau bei den Deutschen Meisterschaften im 100km Lauf des Vorjahres, konnte schon einmal über beachtliche 215,906km und Melanie Straß (W35) über 210,703km in einem 24h Lauf jubeln. Alles Marken, die die DLV Kadernormen erfüllen.

Aber auch andere Teilnehmer wie der Ungar Adam Zahoran mit einer Bestzeit von 7:26:34 über 100km versprachen einen spannenden Wettstreit in der Walpurgisnacht.

Alles war gerichtet. Beim Start um 21:00 war noch das letzte Dämmerlicht in der lauen Frühlingsnacht zu sehen.

Neben den Teilnehmern freute sich auch das Organisationsteam der Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V. (LG DUV) auf eine abwechslungsreiche Nacht. Namentlich Gabi und Peter Gründling haben in wochenlanger Vorbereitungszeit an die großen und kleinen Dinge gedacht, die einen erfolgreichen Lauf ausmachen. So standen auch statt Pokale die von Christa Mesel getöpferten Elwetritsche bereit.

Alles war gerichtet. Und der Lauf begann wie geplant.

Mit einem Schnitt von knapp über 5min pro km jagte die Spitze die ersten Stunden um die Salinen. Würde man dieses Tempo durchhalten, würden am Ende über 140 km zu Buche stehen.

Nach fast 3h wurde das erste Mal Bilanz gezogen:

Adam Zahoran (Unix Sport) hatte nach 2:55:29 die 44. Runde (=34,179km) passiert. Das bedeutet ein Schnitt von 5:07min/km. Nur 7 sek hinter ihm folgte Stefan Daum (LG DUV). Sein Vereinskollege Michael Hilzinger hatte diese Marke ca. 2min später erreicht. Kai Horschig von der TSG Schopfheim hatte nach 2:55 eine Runde weniger. Aber nach einem Viertel der Zeit ist dies Alles noch Makulatur. Ein 12h Lauf beginnt erst so richtig in der 2. Hälfte. Geduld ist ein wesentliches Merkmal des Ultramarathonläufers. Man konnte vielen Teilnehmern anmerken, dass sie konzentriert und recht locker ihre Runden abspulten – so auch die Spitzengruppe.

Auch bei den Frauen lief alles nach Plan. Melanie Straß (LTF Marpingen) als 5. im Gesamtfeld hatte ein beeindruckend konstantes Tempo aufgenommen und nach 2:54:33 hatten die Zeitnehmer 42 Runden registriert – ein Tempo von 5:21 min/km. Würde man dies durchgehalten, könnten es am Ende 135km werden.

Es folgten Marion Dang (LSV 07 Lu-Triathlon- Lions Club LU) mit 40 Runden nach 2:54:31 und Marika Heinlein mit ebenfalls 40 Runden nach 2:56:01.

„Normalerweise“ würde man bei einem 12h Lauf nicht großartig von einem Zwischenergebnis nach ca. 3h berichten. Normalerweise. Bereits eine Weile waren Wetterleuchten von der Ferne zu sehen. Aber es war weiterhin eine angenehm laue Walpurgisnacht.

Doch dann zeigte der Himmel von einer Minute zur anderen, welche Urgewalten möglich sind. Ein kurzer Wind. Dann die Ruhe vor dem Sturm. Und auf einmal öffneten die Wolken alle Schleusen und unglaubliche Wassermengen stürzten über die Salinen hernieder (die Messstation der Stadt Bad Dürkheim, nur 300 m Luftlinie von der Saline entfernt, vermeldete später 12 Liter in 16 Minuten!). Als unangenehme Begleiterscheinung fiel nicht nur der Strom in der ganzen Umgebung aus, sondern setzte trotz Wetterschutz unter dem Gradierwerk die Zeitmessung unter Wasser und damit außer Betrieb. Zwar war alles Menschenmögliche für die Premiere des Bad Dürkheimer Salinenlaufes gerichtet, aber gegen die höheren Wettermächte kann bei einer Sportart, die unter freiem Himmel stattfindet, niemand etwas ausrichten.

Nach knapp 4,5h war aufgrund des Unwetters eine Fortsetzung des Laufes ohne Zeitnahme nicht mehr möglich. Mit schweren Herzen mussten Gabi und Peter Gründling die Reißleine ziehen und das Rennen abbrechen. Für die Teilnehmer, die sich bestens auf den langen Lauf durch die Nacht vorbereitet hatten, war der Abbruch bedauerlich – insbesondere weil einige auf Kurs einer persönlichen Bestmarke lagen. Gabi Gründling war fassungslos und Dank der Hilfsbereitschaft des angrenzenden Mercure Hotels konnten die gestrandeten Teilnehmer und Helfer im Trockenen Unterschlupf finden.

Der Zwischenstand nach etwas mehr als 4,5h wurde noch gerettet und zeigt, dass es bis zum Abbruch ein gutes und spannendes Rennen war:

Adam Zahoran (Unix Sport) nach 4:38:51 => 54,376km (Schnitt: 5:08min/km)
Stefan Daum  (LG DUV) nach 4:40:51 => 53,599km
Kai Horschig (TSG Schopfheim) nach 4:40:48 => 52,822km
Michael Hilzinger (LG DUV) nach 4:35:25 => 50,492km

Melanie Straß (LTF Marpingen) nach 4:40:46 => 52,046km (Schnitt:5:24min/km)
Marion Dang (LSV 07 Lu-Triathlon- Lions Club LU) nach 4:40:11 => 48,162km
Marika Heinlein (1. FC Geesdorf) nach 4:36:41 => 47,385km
Sabrina Glöckner (Running Pony Ranch) nach 4:35:19 => 43,501km

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. 2013 soll wieder der 6h Lauf in Kleinkarlbach ausgetragen werden und 2014 wird die 2. Auflage des Salinenlaufes gestartet – und dann über 12h. Wieder wird Alles menschenmögliche gerichtet sein.

Veranstalter: www.salinenlauf.de  

Ergebnisse:
http://lg-duv.de/images/stories/Salinenlauf/ergebnisse_salinenlauf2012.pdf

Noch ein kleiner Redaktionshinweis zu den Fotos: durch das jähe Ende der Veranstaltung haben wir natürlich weit weniger Fotos als geplant. Eigentlich sollte ab Morgedämmerung nochmal eine große Fotosession stattfinden. So haben wir von den führenden Frauen leider keine Fotos.


Kossmann Laufdesign