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E.ON Mitte Kassel Marathon NL 45-12

[eingestellt am 17. Juni 2012]

By: Newsletter

Fotos: Gabi Gründling

Daniel hat wieder Spaß 

„Ich fühle mich sehr wohl hier bei meinen Freunden in Kassel“, sagt Daniel Ybekal Beriye. Keine Frage: Der 23-Jährige Äthiopier ist angekommen in Nordhessen, was  die Fans auch beim E.ON Mitte Kassel Marathon feststellen konnten. Da lief er im Elitefeld mit und präsentierte sich erstmals einem großen Publikum im Trikot des PSV Grün-Weiß Kassel. Mit seiner Leistung (2:26:22, Platz neun) war Daniel Ybekal, der letztes Jahr beim BMW Frankfurt Marathon in 2:18:26 ein viel beachtetes Debüt hingelegt hatte,   zwar nicht so zufrieden, aber das hatte seinen Grund. „Ich hatte vor dem Marathon wenig Zeit für das Training“, erzählt er. Denn da lagen turbulente Wochen hinter ihm. Der Umzug von Kirchheim nach Kassel, viele Behörden-Gänge, eine Eingewöhnungsphase mit vielen neuen Eindrücken. Inzwischen hat er sich längst eingelebt, hat mithilfe der GWG eine eigene Wohnung und ist guter Dinge. Momentan befindet sich Daniel Ybekal Beriye nach Abschluss des Asylverfahrens in der so genannten Duldung. Fast täglich sind er und Trainer Winfried Aufenanger in Gesprächen mit den Ämtern.

Im November 2012 kam der junge Läufer nach Deutschland, über das Wohnheim in Kirchheim vor ein paar Monaten nach Kassel. In Äthiopien konnte er nicht mehr bleiben. Dort war er politisch aktiv, hatte sich gefreut, als seine Partei bei den Wahlen die absolute Mehrheit errang. Doch die Regierung durfte sie nicht stellen. „Wenn wir keine demokratischen Rahmenbedingungen haben, was ist das dann für ein Leben für mich?“, fragte er sich. Und entschied sich schweren Herzens zur Flucht. In Deutschland heilten die Wunden nur schwer. „Ich hatte keine Freude mehr, bin fast depressiv geworden und an laufen wollte ich gar nicht denken“, blickt Daniel zurück. Doch diese Zeit ist vergessen.

Politisch  ist er aber auch in Kassel aktiv, als „Head of Public Relation“ ist er für die Öffentlichkeitsarbeit der EPPF verantwortlich, die einem demokratischen Bündnis in Äthiopien angehört. Und Laufen ist für ihn wieder selbstverständlich: „Jetzt habe ich wieder Spaß, trainiere endlich wieder richtig mit meinen Kameraden beim PSV und habe noch viel vor“, sagt er. Trotz der beachtlichen Marathon-Leistungen sehen er und sein Trainer die Zukunft eher auf den Mittel- und Langstrecken, wo er das meiste Potenzial hat. Wovon sich nicht nur die Konkurrenz bei diversen Cupläufen in der Region überzeugen konnte, sondern auch in Osterode (1.500 m, 3:50:82) und jüngst beim Citylauf in Oelde, wo er als Sieger des Hauptlaufes den Streckenrekord auf 30:05 verbesserte (wäre als Deutscher Platz vier in der DLV-Jahresbestenliste.)

 


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