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Arne Gabius in Sankt Moritz

[eingestellt am 09. Juli 2012]

By: Gabi Gründling

Fotos: Peter Gründling

Freitag, 06. Juli, 12 Uhr mittags – ich treffe Arne Gabius und seine Freundin Anne am Stadion in St. Moritz. Da wir eh wegen des Swiss Iron Trails in der Gegend sind, hatte ich ihn angemailt und um ein Treffen gebeten. Das Stadion in St. Moritz ist ein Phänomen. Völlig ohne Infrastruktur wie Duschen oder Umkleiden liegt es da unweit des Sees. Arne erzählt, daß im Winter der Zaun entfernt und es als Polofeld genutzt wird. 

Er ist hier, um sich auf 1.800 m Höhe auf die Olympischen Spiele in London vorzubereiten. Zwei Wochen wird er noch hier trainieren, zur Zeit 160 km/Woche. Was für einen Marathonläufer ganz normaler Wahnsinn ist, ist für einen 5.000 m-Spezialisten schon ganz schön viel. Morgens und nachmittags je eine Einheit, dazwischen Gymnastik und vor allem viel Schlaf, dazu Spaziergänge und Wanderungen mit seiner Freundin, so sieht hier seine optimale Vorbereitung auf London2012 aus. Als ich ihn nach dem vom DLV geforderten Leistungsnachweis frage, grinst er und verdreht leicht die Augen. Er wird seinen Leistungsnachweis bringen, darum kommt er nicht herum. Aber als Silbermedaillengewinner von Helsinki muß er dabei zum Glück die Fäden nicht aus der Hand geben. Der Nachweis wird zuhause in Tübingen erbracht, der Bundestrainer reist dafür eigens an – um sich eine harte Trainingseinheit anzusehen, wie Arne sie sich vorstellt, nicht umgekehrt. 

Daß er in diesem Jahr wirklich den Durchbruch geschafft hat, führt er mit darauf zurück, daß er den Kopf nach Ende seines Medizinstudiums nun frei hat. Eine abschlossene Ausbildung in einem Beruf, in dem er keine Probleme haben wird, eine Anstellung zu finden, sind ein guter „doppelter Boden“, auf dem es sich befreit aufbauen lässt. Wenn’s mit der Profikarriere nicht geklappt hätte, dann wäre er halt in eine Klinik gegangen, mit einer „normalen“ 50-60 h/Woche als Arzt. Nach seinen Vorstellungen sollte das mit der Profilaufbahn auf der Laufbahn und ab und zu auch bei Einladungsläufen auf der Straße jetzt vier Jahre gehen und dann würde er sich gerne der Radiologie zuwenden. 

Aufgrund seiner guten Hallensaison und seiner Zeit von 13:13 min in Oslo konnte er die ersten Sponsoren schon von sich überzeugen, weitere werden hoffentlich noch folgen. Zur Zeit wird er von Nike, Ultra Sports und vor allem auch seinem Verein, dem LAV Stadtwerke Tübingen, unterstützt. Nach dem Studium, als ihm die Sporthilfe kommentarlos gestrichen wurde und Sponsor asics, der ihm quasi das Studium finanziert hatte, abgesprungen war, sind kurzfristig seine Eltern wieder eingesprungen, um den 31jährigen finanziell zu unterstützen. 

Arne und Anne sind ein eingespieltes Team. Seine Freundin begleitet ihn zu fast allen Wettkämpfen.gerade haben sie nach Flugtickets für London geguckt.. Da er bekanntermaßen keinen Trainer mehr hat, kann sie sich oft auch ganz offiziell als seine Betreuerin akkreditieren. Wie zum Beispiel auch in St.Moritz, wo dann beide in den Genuß der Elitesportlerkarte kommen, mit der sie zum Beispiel die öffentlichen Verkehrsmittel inklusive der Seil- und Gondelbahnen kostenlos nutzen können. Was bei den Lebenshaltungskosten im Oberengadin schon eine Erleichterung ist. Statt in unmittelbarer Stadionnähe, wie sonst meist, sind sie diesmal in St. Moritz-Dorf in einer Ferienwohnung untergekommen und so auch ein bißchen ab vom „Sportghetto“ rund ums Stadion. Viel unternehmen sie nicht mit anderen Athleten, um auch mal andere Dinge zu sehen und zu hören. 

Bisher ist der Hamburger, der schon als Kind zur Leichtathletik kam, aber im ersten Teenagerstadium lieber Handball spielte als die Laufschuhe zu schnüren, verletzungsfrei geblieben. „Im Jahr komme ich im Schnitt vielleicht auf zwei bis drei Tage, an denen ich wegen irgendwelcher Probleme nicht trainieren kann“ berichtet er und klopft sich dabei 3x an den Kopf. 

Wir wünschen dem sympatischen Sportler jetzt zuerst mal alles Gute für London (sein Ziel: erstmal das Finale am 11. August und da zählt dann jeder Platz), von wo aus er nach der Eröffnungsfeier bis zu seinem Vorlauf am 08. August nochmal nach Hause fliegen wird, um die Spannung hoch halten zu können. Alles Weitere wird sich dann ganz sicher ergeben! 


Kossmann Laufdesign