Kanzlei.org - laufend gut beraten

Heinig, Katharina

[eingestellt am 20. August 2012]

By: Hahnertwins

 „Ohne Laufen bin ich nicht ich!“

Katharina Heinig ist mehrmalige deutsche Meisterin in der Jugend und bei den Juniorinnen, im Jahr 2012 holte sie sich bei den deutschen Halbmarathonmeisterschaften mit dem dritten Platz in 1:15:49h ihre erste Medaille bei den Frauen. Am 22.August wird die Frankfurterin 23 Jahre alt.  In diesem Alter hatte ihre Mutter mit 2:26:52h eine gesamtdeutsche Bestzeit im Marathon aufgestellt. Ihre Mutter, das ist die ehemalige deutsche Langstreckenläuferin Kathrin Dörre-Heinig, die in den 1980er und 1990er Jahren im Marathon 21 Mal unter der aktuellen Olympianorm von 2:30h blieb. Solch einen großen Namen stets vor sich zu haben ist Glück und Bürde zugleich. Katharinas Vater, Wolfgang Heinig, war gleichzeitig der Trainer von Kathrin Dörre-Heinig und er betreut nun auch seine Tochter. Klar kommt es dann oft zum Mutter/Tochter Vergleich, vor allem in den Medien. Zumal beide im Alter von 20 bzw. 21 Jahren ihr Marathondebüt mit einer Zeit von 2:45:54h bzw. 2:46:05h gaben. Doch Katharina lässt sich nicht davon beirren und unter Druck setzen. „Ich möchte mir selbst einen Namen machen.“  Diesen Satz glaubt man der sympathischen Hessin sofort. Bei ihrem zweiten Marathon hatte sie Verletzungspech, kämpfte sich dennoch mit einer beachtlichen Zeit ins Ziel. Doch sie konnte nicht das zeigen, was sie wollte. Im Frühjahr 2012 lief sie in Hannover ihren dritten Marathon und blieb zum ersten Mal mit ihrer Zeit von 2:39:03h unter 2:40h. Doch auch hier hatte sie aufgrund von Magenproblemen nicht ihr volles Leistungsvermögen ausschöpfen können. In diesem Sommer hat sie den JP Morgan Chase Lauf in Frankfurt sowie den Münchner Citylauf gewonnen und am Wochenende war sie die beste Deutsche beim internationalen Schortenser Jever-Fun-Lauf. Wir haben Katharina zu einem Interview getroffen. 

Du bist als kleines Kind viel herumgereist. Wann hattest du zum ersten Mal das Gefühl, eine richtige Heimat gefunden zu haben? 

Ich denke ab dem Zeitpunkt, als meine Eltern unser Häuschen im Odenwald bauten, konnte ich sagen: Hier bin ich zu Hause. Aufgrund der vielen Wettkampf-und Trainingsreisen meiner Eltern habe ich schon viel von der Welt gesehen, nur leider muss ich sagen, dass ich jetzt nicht mehr alle in Erinnerung habe.  An jeden neuen Ort, wo wir ankamen, fragte ich: Sind wir jetzt zu Hause? – Das gab meinen Eltern zu denken und ja, wir zogen nach Südhessen.

Wo ist deine Heimat heute?

Seit 7 Jahren wohne ich jetzt in Frankfurt. Erst 4 Jahre auf dem Sportinternat und seit 3 Jahren in meinen eigenen 4 Wänden. Mir ist Frankfurt sehr ans Herz gewachsen. Ich liebe diese Stadt und sehe sie als meine neue Heimat an. Natürlich fahre ich immer wieder gerne zu meinen Eltern nach Hause – in meine alte Heimat, in der ich aufgewachsen bin! Dort lässt es sich super abschalten und relaxen. Wie das so ist, wenn man zu seinen Eltern fährt! 

Vermittelt dir Laufen bereits ein Gefühl von Heimat? 

Ich bin ganz ehrlich. Manchmal könnte ich das Laufen verfluchen. Gerade in solchen Momenten, wenn der ganze Körper schmerzt und man am liebsten auf der Couch liegen bleiben würde. Aber das Gefühl dann nach dem Laufen ist toll – man weiß, man hat was getan. Die Zeit in der ich verletzt war, war immer nervenraubend. Unspezifisch trainieren, Tag für Tag – da sehnt man das Laufen zurück. Und ja, das Laufen ist ein Teil von mir und ohne Laufen bin ich nicht ich. Mein Freund meint auch, als ich nicht laufen durfte/konnte, konnte ich ziemlich unausstehlich werden. 

In der Nacht verarbeitet man die Erlebnisse und Gedanken des Tages. Was war dein ausgefallenster „Lauftraum“? 

Also ich muss sagen, ich bin jemand, der sich fast jeden Morgen an seinen Traum bzw. an seine Träume der letzten Nacht erinnern kann. Laufträume hatte ich schon viele. Vor einem Wettkampf, dass ich meine Laufschuhe nicht finden würde, verlernt hätte, wie man sich die Schuhe zubindet, den Startschuss verpasst oder gar beim Startschuss losrennen will und sich nicht von der Stelle bewegt. Mein ausgefallenster war wohl, als man während der Laufstrecke plötzlich ins Fliegen überging – ich glaube, ich war recht weit vorne. 

Hast du eine To-do-Liste,  die du in deinem Leben noch abarbeiten möchtest? Wenn ja, was sind die Highlights? 

Die To-do-Liste … ja da habe ich eine! Diese ist sogar recht lang, da ich viel in meinem Leben erleben und sehen möchte. Unter anderem stehen auf der Liste ein Fallschirmsprung, Heißluftballonflug, Tauchen gehen, eine Kanada-Rundreise, die Niagarafälle besuchen und wenn der Leistungssport irgendwann vorbei ist, möchte ich mein eigenes Motorrad fahren. Aber mein Hauptpunkt auf der To-do-Liste ist RIO 2016 !!!! 

Bei schlechtem Wetter trainierst du ab und an auf dem Laufband. Wenn du freie Wahl hättest, an welchem Ort der Welt würdest du dein Laufband aufstellen? 

Da gibt es einen ganz einfachen Ort: auf der Außenplattform des Commerzbank-Towers morgens bei Sonnenaufgang – natürlich ohne Regen. 

Vor kurzem sind die Olympischen Spiele 2012 in London zu Ende gegangen. Welcher Wettkampf oder welche Person dort hat dich am meisten beeindruckt? 

Leider konnte ich aufgrund von Arbeit und Training nicht alle Wettkämpfe verfolgen, die ich gerne gesehen hätte. An dem Abend als unsere Siebenkämpferin Lilly Schwarzkopf *angeblich* disqualifiziert wurde, hielt mich gar nichts mehr im Sessel. Das 100m-Finale der Männer war mal wieder „DIE SHOW“ – die Atmosphäre im Stadion hätte ich gerne live miterlebt. Und von den Sportlern hat mich am meisten meine Trainingskollegin Gesa beeindruckt, wie sie in ihrem Vorlauf „rotzfrech“ vor den Favoriten ins Ziel lief. Ja ich bin ein richtiger Fan von ihr. 

Was antwortest du jemandem, der vorschlägt, die Marathon-Wettbewerbe im Stadion auf der 400m Rundbahn stattfinden zu lassen? 

Ich würde ihn fragen, ob er zu lange in der Sonne gesessen hat!?!  Allerdings fände ich es gigantisch, wenn man den Zieleinlauf ins Stadion verlegen würde! 

Nun kommen wir doch noch zur Mutter-Tochter-Beziehung. Diesmal beziehen sich die Fragen jedoch nicht auf deine berühmte Mutter, sondern wir richten den Blick in die Zukunft. Wird es in 15 oder 20 Jahren eine weitere Läufergeneration Heinig geben? 

Haha… Also die Zukunft werde ich auf mich zukommen lassen. Klar hat man Ziele und Vorstellungen, aber wie es sich entwickelt, wird man sehen. Meine Kinder werden auf jeden Fall selbst über ihre Hobbies entscheiden können, so wie ich das als Kind konnte. Ob sie am Ende im Leistungssport und sogar in der Leichtathletik landen, das wird sich zeigen. Zur Bewegung werden sie jedenfalls angetrieben. 

Kannst du dir vorstellen, später in die Fußstapfen deines Vaters Wolfgang Heinig zu treten und selbst Trainerin zu werden? 

Später selber als Trainerin mal zu arbeiten kann ich mir gar nicht vorstellen. Nur weil man selber Leistungssportlerin ist oder war, heißt das noch lange nicht, dass man selber das Talent zu einem guten Trainer hat. Auch will ich in meinem Beruf als Polizistin dann voll engagiert sein und wenn dann noch so ein paar kleine Bälger um einen herumturnen, ist man voll ausgelastet. 

Welche deiner Charaktereigenschaften würden aus dir eine gute Trainerin machen und welche wären eher hinderlich? 

Ich denke, ich könnte die Sportler gut rumscheuchen und auch mal an ihre Grenzen bringen. Eher hinderlich wäre wahrscheinlich, dass ich Einiges von ihnen abverlangen würde, was manche dann wohl abschreckt wiederzukommen! 

Kommen wir nun zur Sportlerin Katharina Heinig.

Gab es in deinem Leben schon einmal eine Phase, in der du mit dem Gedanken gespielt hast, die Laufschuhe an den Nagel zu hängen?

Leider ja, die gab es und das ist noch nicht mal allzu lange her. Nach meinem dritten Marathon in Hannover im Mai diesen Jahres, der nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt hatte, fiel ich in ein richtiges Loch. Ich fand es einfach nur so ungerecht – das harte Training, die Quälerei und Entbehrungen, die man in einer Marathonvorbereitung auf sich nimmt, für N I C H T S am Ende, das wollte und konnte ich nicht akzeptieren. Daher auch meine Entscheidung erst einmal keinen Marathon mehr dieses Jahr. Für die 10km in Berlin war ich noch motiviert, aber dann war‘s vorbei.

Wer oder was hat dich dazu bewegt, weiter zu machen? 

Gute zwei Wochen bin ich ohne Plan ab und zu laufen gegangen, weil ich mich einfach bewegen wollte und um wieder die Freude am Laufen zu finden. Ich habe mit Freunden, meinem Freund, meinen Eltern und meinem Trainer darüber gesprochen. Mein Trainer hat mir Zeit gegeben, meine Eltern mir die Möglichkeiten objektiv vor Augen geführt und mein Freund meinte, ich soll weitertrainieren, solange ich nicht sicher bin, aufhören zu wollen und ich mich am Ende über die verlorengegangene Zeit ärgere. Das habe ich auch gemacht und es war die richtige Entscheidung. Der Biss kam wieder und auch die Motivation und die Besessenheit, sich zu quälen. Das Training machte wieder mehr Spaß und auch ein klares Ziel stellte sich bei mir wieder ein – WM 2013 in Moskau!! 

Hast du Angst, irgendwann wieder in ein Motivationsloch zu fallen? 

Ein Motivationsloch kann es immer wieder geben, aber Angst davor habe ich nicht, denn ich habe eine tolle Familie, Freunde und Trainingskollegen, die hinter mir stehen, einen klasse Coach und einen super Freund, mit dem/denen ich reden kann und wo ich mir sicher bin, dass sie mich wieder aufbauen und aus dem Loch heraus helfen!!!

Womit belohnst du dich nach guten Wettkämpfen? 

Als ich kleiner war, war dies eine Bratwurst im Brötchen – direkt im Ziel. Heute ist es eine heiße Wanne oder ein Thermenbesuch mit anschließendem Essen in meinem Lieblingsrestaurant.

Was sind deine weiteren Ziele im Jahr 2012?

Ich will in Köln unter 1:14:00h laufen und beim Silvesterlauf in Trier die Mittelstrecklerinnen bissl ärgern.

Wir schreiben das Jahr 2013. Welche Schlagzeile würdest du gerne über dich in der Zeitung lesen?

Frankfurter Allgemeine Zeitung 

Wahlfrankfurterin Katharina Heinig holt mit der Mannschaft Edelmetall in Moskau 

Ich finde das liest sich ganz gut. Bei der Schlagzeile geht es um den Cup, der gleichzeitig mit der WM ausgetragen wird!! 

Vielen Dank für das interessante Gespräch. до свида́ния  в Москва́

Persönliche Bestzeiten 

3000m 9:32,41 min (2007, Schweinfurt)
5000m: 16:48,54 min (2007, Essen)
10-km-Straße: 34:53 min, (2012, Rastatt)
Halbmarathon: 1:15:49 h (2012, Griesheim)
Marathon: 2:39:03 h (2012, Hannover)

 

 


Kossmann Laufdesign