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Soldaten im Trainingsanzug. Die Sportfördergruppe der Bundeswehr

[eingestellt am 18. September 2012]

By: hahnertwins

Foto pixelio.de/Gerd Altmann

Die Sportfördergruppe der Bundeswehr gibt es seit 1968. Olympia 1972 in München stand vor der Tür und man wollte den sportlichen Leistungen der Ostblockstaaten etwas entgegensetzen. In einer Übergangsphase gehörten ihr 824 Soldaten an, die in 15 verschiedenen Sportfördergruppen deutschlandweit organisiert sind. Bis Ende 2012 soll die Zahl auf 744 gekürzt aber dann konstant gehalten werden. 30Mio € jährlich lässt sich Deutschland die Spitzenförderung kosten, das sind 120Mio € je Olympiazyklus. Jeder Sportsoldat kostet rund 35.000€ im Jahr. Die Kosten trägt das Verteidigungsministerium. Sport bedeutet Kampfgeist, Spitzenleistung, Fairness und Leistungswille.

Wenn ein deutscher Sportler eine internationale Medaille holt, färbt dies auch auf das Land ab. In anderen Staaten wie Russland, Großbritannien, den USA oder Trinidad und Tobago weiß man schon viel mehr über die Strahlkraft des Sportes. Shakehands mit Väterchen Putin himself, ein Sportauto und eine fürstliche sechsstellige Geldsumme lässt es sich Russland kosten, um seinen Olympiasieger Ivan Ukhov gebührend zu empfangen. In Deutschland undenkbar. Fußball überstrahlt alles. Die Kanzlerin besucht die Deutsche Fußballnationalmannschaft regelmäßig, fiebert bei den Länderspielen mit und schaut sogar in der Umkleide vorbei. Doch bei den Leichathleten in London sucht man sie vergebens. Nicht nur Robert Harting vermisst die Unterstützung von Frau Merkel, deren Besuch „ganz andere Kräfte freisetzen“ würde.

Wer Sportsoldat werden will, muss mindestens 18 Jahre alt sein und dem A-C Kader angehören. Für Randsportarten ist eine A-Kader Zugehörigkeit notwendig, in anderen Sportarten reicht auch der B- oder C-Kader. Den Vorschlag zur Aufnahme stellt der Spitzenverband, im Fall der Leichtathletik also der DLV. Dann erfolgt ein Personalplanungsgespräch zwischen dem Spitzenverband und der Bundeswehr. Nach Aufnahme in die Sportfördergruppe und Ableisten der Grundausbildung wird der Sportsoldat zum Wehrdienst einberufen und an den Trainingsstandort versetzt.

Ziel der Sportfördergruppe ist es, den deutschen Spitzensportlern Chancengleichheit gegenüber anderen Staaten einzuräumen und ihnen den Anschluss an die internationale Leistungsspitze während des Wehrdienstes zu ermöglichen. Die Hälfte aller Olympiateilnehmer in London dienen als Sportsoldaten ihrem Land. 115 der 391 mannstarken deutschen Olympiamannschaft gehören der Bundeswehr an. Zu ihnen gehört Diskuswerfer Robert Harting, Kugelstoßerin Nadine Kleinert, Turner Marcel Nguyen, Triathletin Anja Dittmer oder Degenfechterin Imke Duplitzer.

Die Grundausbildung ist für Sportsoldaten auf acht Wochen gekürzt, und anschließend teilt sich die Dienstzeit in 70% Sport und 30% Militär. Wobei die Aufteilung nur einen Richtwert darstellt. Das heißt, der Sportler bekommt viel Zeit für Training und Wettkampfvorbereitung. Lehrgänge, Weiterbildungen und militärische Übungen wie Schießtraining  decken den militärischen Tätigkeitsbereich des Sportsoldaten ab. Es besteht für sie die Möglichkeit, innerhalb von fünf Jahren die Ausbildung zum Feldwebel zu durchlaufen. Sportsoldaten machen in erster Linie Sport, nur in zweiter Linie sind sie Soldaten. Die Zahlen sprechen für sich. 44 Prozent der insgesamt 465 Medaillen bei den vergangenen 11 Olympischen Sommer- und Winterspielen gingen an Sportsoldaten.

Die Sportfördergruppe der Bundeswehr ermöglicht es den Leistungssportlern, sich voll und ganz auf ihren Sport zu konzentrieren. Um diese Förderung zu rechtfertigen, müssen die Sportler bestimmte Leistungen erbringen. Natürlich ist dies in gewisser Weise auch Druck für den Sportler, aber Leistung zu bringen gehört zum Sportlerdasein dazu. Die Sportfördergruppenzugehörigkeit ist wie die Kaderzugehörigkeit  an die sportliche Leistung gekoppelt. Wenn die notwendige Leistung nicht erbracht wird, kann es demnach sein, dass die Förderung beendet wird. Manchmal ist dies bereits nach einem Jahr der Fall.

Die Förderung im Männermarathon ist auf der niedrigsten Förderstufe des DLV, und dieser sieht momentan keinen Grund, diesen Bereich zu unterstützen, da die Erfolgsprognose gleich null sei. Daher werden keine Plätze bei der Bundeswehr an den Marathon der Männer vergeben. Eine Ausnahme gab es im letzten Jahr für André Pollmächer, aber da er seine Zielsetzung London 2012 nicht erreicht hat, wird er 2013 nicht weiter verpflichtet. Es ist ein Teufelskreis, aus dem man so schnell nicht herauskommt. Stimmt die Leistung nicht, gibt es keine Förderung. Aber wie soll ohne Förderung die Leistung wieder erbracht werden? Überlässt man nicht so eine Disziplin sich selbst und so dem Aussterben?

Beim Frauen-Marathon ist die Situation besser. Mocki ist bereits seit 2001 Sportsoldatin und seit dem 1.September 2012 ist nun auch die deutsche Marathonhoffnung Anna Hahner Sportsoldatin der Bundeswehr. Der Andrang in diesem Jahr war groß, die Platzzahl jedoch begrenzt. Großbritannien hat eindrucksvoll bei den Spielen im eigenen Land gezeigt, was eine frühzeitige und intensive Förderung der Athleten im Land bewirken kann. Nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können Sportler auch außergewöhnliche Leistungen erbringen. Für sich, ihre Sportart und für ganz Deutschland.


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