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Flügel, Julian

[eingestellt am 19. September 2012]

By: hahnertwins

Die Hügel der Rhön machen hart und zäh

"Julian Flügel, den Namen muss man sich merken!" Das waren die Worte von Jan Fitschen nach den Deutschen Meisterschaften 10km Straße 2010 in Ohrdruf. Bei Deutschen Meisterschaften startete Julian Flügel schon öfters, doch mit dem Ausgang des Rennens hatte er bis dahin nicht wirklich etwas zu tun. In Ohrdruf lief er sehr selbstbewusst, machte zwischenzeitlich das Tempo und überquerte am Ende als Sechster die Ziellinie. Das ist typisch für den Hessen. Er macht einfach sein Ding. Mit seiner Aussage zeigte Fitschen ein gutes Gespür. Denn das Jahr 2011 sollte das bislang erfolgreichste für den Schützling von Jürgen Stephan werden.

Seit diesem Jahr startete der heute 26jährige auch nicht mehr für den PSV Grün Weiß Kassel, sondern für die LG Telis Finanz Regensburg. Sein Lebensmittelpunkt blieb aber weiterhin in Hessen. 5-6 Mal pro Jahr sei er lediglich in Regensburg, entweder zu Wettkämpfen oder für ein paar Tage zum Training. Mit seiner neuen Mannschaft holte er zugleich den deutschen Crossmeistertitel auf der Kurzstrecke und die Bronzemedaille im Einzel. In der Sommersaison purzelten dann die Bestzeiten über 1500m, 3000m, 5000m, 10000m und 10km Straße. Der krönende Abschluss folgte im Dezember mit dem ersten Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft bei den Cross Europameisterschaften in Velenje, Slowenien. Dies hat ihn motiviert und treibt ihn jeden Tag im Training an. Schließlich möchte er nochmals bei einer internationalen Meisterschaft starten. "Das war letztes Jahr schon eine tolle Erfahrung und da möchte ich wieder hin. Vielleicht ja auch mal auf der Straße oder Bahn." Auch einen Marathonstart kann er sich mittelfristig vorstellen. Ob dies schon die Distanz bei der EM 2014 in Zürich ist, weiß er noch nicht. Auch die 10.000m gefallen ihm sehr gut.

Wenn man oft wegen Wettkämpfen unterwegs ist, ist es schön, eine Heimat zu haben. Mit dem Namen Julian Flügel verbindet man viele Ortsnamen. Wo fühlt er sich zu Hause? Hofbieber, Fulda, die Rhön, Wiesbaden, Regensburg, Kassel- alle Orte haben ihren Platz im Leben von Julian. Er stammt aus Hofbieber, einem Ort in der Rhön und in der Nähe von Fulda, sein Trainer ist aus Kassel und auch er ist lange für einen Verein aus Nordhessen gestartet. Julian wohnt in Wiesbaden und startet für die LG Telis Finanz Regensburg. Seine Heimat sei für ihn noch immer die Rhön, auch wenn er nur noch einmal pro Monat dort sei. Hier sei er schließlich aufgewachsen und an diesen Ort habe er viele schöne Erinnerungen. Das Training in der hügeligen Landschaft mache hart und zäh. Außerdem findet man dort viele geeignete Cross-Wiesen. Da wundert es nicht, dass die längsten Spikes-Nägel im Schrank von Julian 18mm lang sind. Dafür braucht man fast schon einen Waffenschein. Noch heute schwärmt Julian von seiner Trainingsgruppe in der Heimat, die ihn zum Laufen gebracht hat.

Als Jugendlicher hat Julian Fußball gespielt, mit der Leichtathletik hatte er nicht viel zu tun. Sein Freund Markus Jahn, der für die LG Baunatal startete, zählte schon damals zu den schnellsten Läufern in Hessen. "Dann hat Markus mich mal bei einem lockeren Dauerlauf mitgenommen und ich habe schnell Gefallen am Laufen gefunden." Seine Freunde und damaligen Trainingskollegen inspirierten ihn und spornten ihn an. So schnell wollte er auch einmal laufen. In der Gruppe waren die Brüder Markus und Matthias Jahn, sowie Markus Kessler. Alle drei waren schon bei deutschen Meisterschaften gestartet. Da wollte Julian auch einmal hinkommen. Die Stimmung in der Gruppe stimmte einfach, zusammen trainierten sie mit viel Spaß und Freude. Dies zeigt auch eine kleine Anekdote vom Trainingslager 2009 auf der holländischen Nordseeinsel Texel. Dort hat Julian sein verrücktestes Training absolviert. Wie das aussah? "Um 2 Uhr nachts und teilweise nackt".

Seit knapp sechs Jahren wohnt Julian in Wiesbaden. Meistens trainiert er dort alleine, manchmal schließt er sich der Gruppe vom TV Waldstraße um Günther Jung an. Im Winter trifft man sich einmal pro Woche zum Zirkeltraining oder auch mal zum Cross- oder Hallentraining. Die Zeit während des Studiums an der Business School Wiesbaden konnte er sich sehr frei einteilen und so gut mit dem Leistungssport verbinden. Nun hat er eine 75% Arbeitsstelle. "Ich bin sehr froh, dass mein Arbeitgeber mich dabei unterstützt und mir die Möglichkeit bietet, mich stärker auf den Sport zu konzentrieren." Bei so viel Power darf die nötige Regeneration nicht fehlen. Am besten entspannt Julian bei 100 Grad in der Sauna. Außerdem geht er gerne Bergsteigen. Dabei lässt er seine Gedanken schweifen. "Wenn man bei Temperaturen um den Gefrierpunkt den ganzen Tag auf einem Gletscher unterwegs ist, hatte ich schon oft den Gedanken: Jetzt eine Sauna auf der Berghütte, das wäre ein Traum!"

Sein Ehrgeiz und die Gabe, sich quälen zu können, haben ihn weit nach vorne gebracht. Mittlerweile zählt er bei deutschen Meisterschaften zum Favoritenkreis, Einzelmedaillen hat er schon gesammelt, die Goldene möchte er noch gerne seiner Sammlung hinzufügen. Nach dem famosen Jahr 2011 hätten es ihm viele in diesem Jahr zugetraut. Über 10000m wollte er eine Zeit unter 29min laufen, doch eine Verletzung bremste ihn aus. Seit April konnte er nun nicht mehr wirklich trainieren. Doch Julian gibt sich kampfbetont und lässt sich nicht unterkriegen. "Da fehlt einem schon etwas, wenn man seit 10 Jahren praktisch jeden Tag gelaufen ist und dann plötzlich gar nicht mehr. Ich versuche mich abzulenken, unternehme viel mit Freunden und meine Freundin und mein Trainer unterstützen mich auch super, sodass ich den Mut nicht verliere. Ich bin sicher, es kommen auch wieder bessere Zeiten."

Nach der Verletzungsmisere soll es für Julian wieder bergauf gehen. Im November soll es mit dem Training wieder losgehen, bei den Cross-Wettkämpfen möchte er angreifen. Seine Gegner können sich vor ihm in Acht nehmen. Und das nicht nur wegen seiner 18mm Dornen unter den Schuhen.

 

Julians Bestzeiten:

1500m 3:57,69min (2011)
3000m 8:08,88min (2011)
5000m 14:02,85min (2011)
10000m 29:36,37min (2011)
10km Straße 29:41min (2011)
Halbmarathon 1:07:44h (2010)


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