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Kock, Maren

[eingestellt am 22. September 2012]

By: hahnertwins

Vom Lauftalent zur deutschen Spitzenläuferin

Eigentlich standen die Chancen gut, dass Maren Kock Schwimmerin werden würde. Ihre Mutter war Leistungsschwimmerin und ihr Name, eine nordische Form des Vornamens Marina, bedeutet soviel wie "zum Meer gehörend". Doch Maren zog es nicht ins Wasser, sondern an Land. Beim Citylauf in Lingen erreichte die achtjährige Schülerin Maren Kock auf Anhieb den dritten Platz. Sie wollte laufen, also überredete sie ihre Eltern, dass sie starten durfte. Schon damals wusste Maren genau, was sie will. Und diesen Willen sollte auch sieben Jahre später helfen, nicht aufzugeben, und zu wissen: Ich will laufen, also werde ich auch laufen. Und das machte der mittlerweile 21jährigen Emsländerin schon damals am meisten ganz vorne an der Spitze Spaß.

Nach dem Citylauf wurde sie Mitglied im VfL Lingen, wo sie von Hedwig Wittler ein bis zwei Mal die Woche trainiert wurde. 2003 belegte sie über 800m, 20 00m 3000m und 5000m in der Landesbestenliste von Niedersachsen die Spitzenposition. Wer sollte dieses schnelle blonde norddeutsche Mädchen schlagen? Im Jahr 2004 wechselte sie zu ihrem jetzigen Trainer Arno Kosmider und zur LG Emstal-Dörpen. Es folgte eine Leistungsexplosion und die Aufnahme in den Landeskader. Alles schien wie am Schnürchen zu laufen. Maren hatte Spaß am Laufen und mit dem Spaß auch Erfolg. Mit 15 Jahren war sie die jüngste Teilnehmerin bei den U18 Weltmeisterschaften in Marrakesch. Über 3000m belegte sie in 9:33,29min den siebten Platz. Im selben Jahr bei einer Leistungsdiagnostik in Leipzig zeigte sich ihr großes Talent, das der Bundestrainer Henning von Papen und Beate Conrad sogar eher auf der Mittelstrecke sah. "Maren Kock wird eine 1500m Läuferin", lautete ihr Fazit.

Nach dem tollen Erfolg 2005 in Marrakesch lief es auf einmal nicht mehr so rund. Im März 2006 zog sie sich nach den Deutschen Crosslaufmeisterschaften einen komplizierten Bruch im Fuß zu. 9 Monate Pause lautete das harte Fazit des Arztes. 9 Monate, in denen Maren nicht ihre geliebten Laufschuhe schnüren durfte, sondern nur alternativ trainieren konnte. Dann Ende 2006 die Hoffnung, wieder durchstarten zu können. Doch diese hielt nicht lange an. Es folgte die zweite Operation, da der Bruch nicht gut verheilt war. Im November 2008 dann eine Entzündung des Wadenbeinköpfchens, fünf Monate Ausfall. So schnell konnte es gehen. Der Erfolgsliste von Maren stand nun eine immer längere Verletzungsliste entgegen. Viele Talente verschwinden so auf nimmer wiedersehen. Aber da zeigte sich wieder der Wille des achtjährigen Mädchens von damals. Maren wollte laufen, also wird sie auch laufen. Und wo sie hinwollte, war ihr klar. Wieder zurück an die Spitze Deutschlands.

Im Juni 2009 dann ein großer Schritt vorwärts. 9:32,10min, eine neue Bestzeit über 3000m. Endlich, auch wenn nur um 5 Zehntel verbessert. 5 Zehntel in vier Jahren. Der DLV nominierte sein vormals größtes Talent trotz verpasster Norm von 9:30,0min für die U20 Europameisterschaften in Novisad. 2010, 2011, 2012. Maren holte alle Juniorinnentitel über 5000m und 2011 bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig riss sie nach 3000m als erste die Arme in den Himmel. Ihr erster Titel bei den Frauen. Dieses Jahr bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Karlsruhe musste sie sich über 3000m zwar der Olympiahalbfinalistin Corinna Harrer geschlagen geben, dafür holte sie sich den Titel ein Tag später über deren Paradestrecke 1500m. Maren und die 1500m, so ganz können sie also doch nicht voneinander lassen.

Seit 2012 startet sie für die LG Teils Finanz Regensburg, trainiert wird sie weiterhin von Arno Kosmider und auch ihr Lebensmittelpunkt bleibt weiterhin in Norddeutschland. Sind hier doch ihre Familie, ihr Freund und ihre Arbeit. Bei den Europameisterschaften in diesem Jahr in Helsinki feierte sie ihre Premiere auf großer internationaler Bühne. Aber nicht die 1500m waren im Fokus, sondern mehr als die dreifache Distanz. Gleich in ihrem ersten 5000m Rennen der Saison im Mai in Koblenz unterbot sie die geforderte Norm von 15:30min. Somit musste sie sich der Normhatz vieler anderer Athleten nicht anschließen, sondern konnte sich ganz auf ihren Saisonhöhepunkt vorbereiten. Im Finale lief sie in 15:52,74min die zweitbeste Zeit ihrer Karriere. 100% zufrieden wirkte sie trotzdem nicht, waren es doch 24s über ihrer persönlichen Bestleistung. Aber das Rennen war nicht einfach. Nach zwei Kilometern in 3:05min und dem dritten in 3:10min stand sie auf einmal alleine da. Ihre Mitstreiterinnen stiegen allesamt aus, so musste sie die letzten 2km alleine laufen. Gar nicht so einfach, beim ersten internationalen Großereignis auf einmal ganz auf sich alleine gestellt zu sein.

Unterstützt wird Maren von der emsländischen Sporthilfe. Die richtigen Rahmenbedingungen helfen, die Energie in den Sport stecken zu können. Auch im Beruf hat sie einen guten Weg gefunden, der ihr beides ermöglicht. Als pharmazeutisch-technische Assistentin arbeitet sie 20h pro Woche. Somit bleibt noch ausreichend Zeit für die vielen Trainingsstunden. Und diese werden nicht weniger werden, steht doch im nächsten Jahr mit den Weltmeisterschaften in Moskau das nächste Großereignis an. Und davor gibt es ja auch noch die Halleneuropameisterschaften in Göteborg. 5000m kann sie dort nicht laufen, also wird es wieder kürzer werden. Ein erneuter Abstecher zu den 1500m? Oder die 3000m. Ist ja irgendwie ein Kompromiss, auch wenn Maren ansonsten beim Laufen keine Kompromisse macht. Laufen ist ihr Leben, ihre Leidenschaft. Auch wenn es manchmal Leiden schafft. 

800m        2:05,39min (2012)
1500m      4:11,73min (2012)
3000m      8:55,60min (2012)
5000m    15:27,65min (2012)
10.000m 33:29,14min (2012)


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