Kanzlei.org - laufend gut beraten

Sind wir nicht alle ein bisschen tri? - Lars Terörde

[eingestellt am 21. Oktober 2012]

By: hahnertwins

Neue Triathlongeschichten vom Kaiserswerther Kenianer

„Sind wir nicht alle ein bisschen tri?“ ist die Fortsetzung der Geschichtensammlung „Barfuß auf dem Dixi-Klo“. Nicht nur der gelbe Einband ist zurück, sondern auch der Kenianer mit seiner ganzen Bagage. Dazu zählen sein Weib, der Sohnemann, sein Schwesterherz und der Schwager. Nein, der Kenianer stammt nicht aus Kenia, sondern aus Düsseldorf, genauer aus dem Stadtteil Kaiserswerth. Sein Spitzname hat weder mit seinem Äußeren noch mit seinen sportlichen Leistungen etwas zu tun, sondern eher mit seinen gewünschten sportlichen Fähigkeiten. Formvollendeter könnte man einen hoch motivierten jedoch wenig talentierten Freizeittriathleten nicht charakterisieren.

Sein Motto sagt schon alles: „Schnell angehen und langsam sterben!“. Und das zieht er auch konsequent durch. Wie viel Lars Terörde im Kaiserswerther Kenianer steckt, lässt sich nur vermuten. Aber es muss schon eine ganze Menge sein.  Denn auf youtube.com findet man ein Video das eine im Buch beschriebene Episode in bewegten Bildern festhält. „Das Duell am Jaufenpass“ ist nämlich nicht seiner Imagination entsprungen, sondern hat wahrhaftig stattgefunden. Der Jaufenpass gehört zur Alpenüberquerung, die der Kenianer von seinem Weib an seinem Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Das Weib merkte nämlich, dass es Schlimmeres als einen Ehemann gibt, der die Wohnung mit Magazinen zum Ausdauersport pflasterte und der lieber das Geld in neue Ausrüstung als in den nächsten Familienurlaub steckte. Ebenjener, wenn er kein Sport treibt und sich statt der Statue eines „gazellengleichen Wunderläufers“ immer mehr der eines „korrupten afrikanischen Staatenlenkers“ näherte. Also das Geburtstagsgeschenk. Auf seine Zweifel war sie vorbereitet: „Lance hatte erst Krebs und hat danach sieben Mal die Tour gewonnen. Du hast nur Übergewicht.“ Das hat gesessen. Und schon war der Sport in sein Leben zurück gekehrt. Bis seine Leistungsfähigkeit einigermaßen hergestellt war, dauerte es ein wenig, umso schneller war sein Mundwerk wieder auf Hochtouren. Der Kenianer über Frauen: „Wenn die nicht die Berge hochkommen, dann sollen sie sich vom Besenwagen zur Bar bringen lassen und sich den Tag mit Prosecco vergolden, während wir unser Ausscheidungsrennen am Berg fahren...“

Das Buch macht wirklich Spaß zu lesen. Jeder hat einen solchen „Kenianer“ im Bekannten- oder Freundeskreis. Der eine oder andere wird sich vielleicht selbst an manchen Stellen wiederfinden, auch wenn man das nie zugeben würde.

Für den Leser ist das Ende des Buches der Anfang der nächsten Trainingseinheit. Buch weglegen, Laufschuhe, Radl oder Schwimmbrille schnappen und auf geht’s zum Sporteln. Denn das Buch verdeutlicht, das Sport nicht einfach nur Sport ist. Menschen drücken sich durch Sport aus, definieren sich teilweise sogar darüber. Sport weckt Emotionen. „Es gab so viele erste Male, an die er eine starke Erinnerung für den Rest seines Lebens gespeichert hatte. Auf manche hätte er verzichten können. Der erste Liebeskummer und die erste Polizeikontrolle, der erste Abstieg seiner Fortuna und die erste vergeigte Prüfung … Andere Premieren zaubern noch heute ein Lächeln auf seine Lippen. Doch es gibt kaum eine Erinnerung, die stärker ist als die an seinen ersten Triathlon.“

Das Talent des Kenianers ist limitiert, doch sein Eifer ungebremst. Für den Triathlonsport mag das gelten. Doch als Autor definitiv nicht. Möge Terörde noch lange dem Triathlonsport erhalten bleiben, ehrgeizig, motiviert und wenig erfolgreich, und möge er uns an seinen Nichterfolgen teilhaben lassen.  

Lars Terörde: Sind wir nicht alle ein bisschen tri? Neue Triathlongeschichten vom Kaiserswerter Kenianer.

Cova donga Verlag
ISBN 978-3-936973-68-6
240 Seiten
12,80 Euro.


Kossmann Laufdesign