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Jubiläumsbecher in der Busspur - Heidi Schmitt

[eingestellt am 05. Dezember 2012]

By: hahnertwins

Laufgeschichten aus der Provinz und von Anderswo

Jubiläumsbecher in der Überholspur. Was erwartet mich wohl auf den nächsten knapp 180 Seiten? Ohne den Untertitel „Laufgeschichten aus der Provinz und Anderswo“ wäre ich aufgeschmissen, so weiß ich zumindest schon einmal eine grobe Richtung. Mit einer ähnlichen Erwartungshaltung, wie ich mich dem Buch annehme, nimmt die Autorin Heidi Schmitt die meisten Volksläufe in Angriff. Interessiert, unbeschwert, neugierig  und mit dem Mut, sich überraschen zu lassen. Für sie ist ein Volkslauf „wie das Leben. Anstrengend, komisch, durchsetzt mit seltsamen Leuten und manchmal schlecht riechend.“ Und Heidi Schmitt ist als passionierte Freizeitläuferin stets live vor Ort, und lässt den Leser daran teilhaben. Denn nur, wer selbst Hobbyläufer ist oder zumindest schon einmal den ein oder anderen Volkslauf mitgemacht hat, weiß von all den „Kuriositäten am Streckenrand“.  

Die meisten Episoden spielen in Hessen, da sie selbst in Frankfurt „läuft, lebt und arbeitet“. Und Frankfurt selbst ist auch für den eigenwilligen Titel des Buches verantwortlich, oder genauer, der Frankfurter Halbmarathon in diesem Jahr. Da dieser nämlich zum zehnten Mal stattfand, konnte sich jeder Läufer einen Jubiläumsbecher sichern. Und drei Mal dürfen sie raten, wo man diesen bekommen konnte: richtig. Natürlich in der Busspur. Und da sich Heidi Schmitt damals dachte, dass ein Buch mit diesem Titel sicherlich ein Bestseller werden würde, war der Titel ihres Buches schnell gefunden. Jenes Plakat in Frankfurt steht stellvertretend für alle Geschichten und Anekdoten, die Volksläufe so bieten.

Der große rote Faden des Buches findet sich in Form des Streuselkuchens. Denn das, was Volkläufe meist besser können als jeder große Laufevent, ist das Kuchenbuffet. Nichts geht über einen mit viel Liebe gebackenen Streuselkuchen, da stimme ich der Autorin voll und ganz zu. Mit viel Freude habe ich daher die Fotostrecke in der Mitte des Buches studiert, 32 farbige Kuchenbilder, meist Streuselkuchen, von 32 Laufveranstaltungen. Danach war ich kurz davor, nach dem nächsten Volkslauf in meiner Nähe zu suchen. Den Bildern nach scheint es in Bonames ganz tollen Kuchen... ähh ich meine, einen ganz tollen Lauf zu geben. Vielleicht teste ich das mal.

Nach den Läufen auf dem Land widmet sich die Autorin noch den Läufen in der Stadt, u.a. dem Stadtmarathon schlechthin: New York. Es ist sehr interessant, das Ereignis von einem Läufer beschrieben zu bekommen, der nicht vorne im Elitefeld platziert ist und dementsprechend just in time zum Start geführt wird. Dem Profi bleibt nämlich verborgen, was der Marathon für die anderen knapp 40.000 Läufer erst einmal verlangt. In der orangenen Zone zu starten, bedeutet nämlich, seit kurz vor sieben Uhr in der Kälte auszuharren und auf den Startschuss zu warten. Da bekommt das Abenteuer Marathon eine ganz andere Facette.

Am Ende ihres Buches beschreibt Heidi Schmitt noch zehn typische Volkslauftypen, die, auch wenn man es kaum glauben mag, wirklich draußen herumlaufen. Der Chefredakteur der RUNNER’S WORLD urteilt zu Recht „Ein Muss für alle Läufer (...), die zur Abwechslung mal ihre Lachmuskeln trainieren wollen.“ Heidi Schmitt hat bereits viele Fans, die regelmäßig den Blog laufen-mit-frauschmitt verfolgen. Ich bin mir sicher, dass sie mit ihren Laufgeschichten aus der Provinz und Anderswo neue Leser für ihren Blog gefunden und den Charme und das Besondere der Volkläufe eingefangen hat.  

ISBN: 978-3-8482-2252-0
13,90€
Books on Demand, Norderstedt


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