Kanzlei.org - laufend gut beraten

Schwarz, Rico

[eingestellt am 04. Januar 2013]

By: hahnertwins

Skilanglauf, Straßenlauf und Rostbratwurst

Gibt man den Familiennamen „Schwarz“ bei wikipedia ein, erfährt man, dass dieser in Deutschland ziemlich weit verbreitet ist. Er steht auf dem 19. Platz unter den häufigsten Nachnamen. Besonders oft tritt er im Süden von Rheinland-Pfalz und an der Grenze zu Holland auf. Holland? Schwarz? Da war doch was. Genau, in Holland, Brunssum, konnte man am 1.04.2012 den Namen Schwarz durch die Lautsprecher hören. Rico Schwarz, ein Langstreckenläufer aus Thüringen ist dort die zweitschnellste 10km Zeit eines Deutschen im letzten Jahr gelaufen. 29:09 min benötigte der sympathische Erfurter. Trotz seines noch jungen Alters von 24 Jahren hat er schon die Höhen und Tiefen des Leistungssports kennen gelernt. Im Jahr 2009 hochgelobt und gefeiert, internationale Einsätze für die Deutsche Nationalmannschaft und dann nach einer holprigen Saison 2012 der Rauswurf aus dem Bundeskader. Fest entschlossen und hoch motiviert blickt Schwarz trotzdem oder gerade deswegen der neuen Saison entgegen. Mit seinem Sieg beim Silvesterlauf in Bietigheim hat er bereits anklingen lassen, was in diesem Jahr von ihm zu erwarten ist. 

Beim Silvesterlauf in Bietigheim hast du überlegen gewonnen. Wusstest du, dass du so stark drauf bist?

Ich wusste, dass ich mit frischen Beinen in einer richtig guten Form bin, allerdings ist mein letztes ernsthaftes Rennen schon eine ganze Weile her. Ich habe einen neuen Trainer (Dieter Hermann) und ich kam eine Woche zuvor aus dem Skilanglauftrainingslager aus Balderschwang. Das sind drei Gründe, wieso ich unsicher war, aber auch sehr gespannt und vorfreudig wie sich der Wettkampf anfühlen wird. Gott sei Dank lief ab dem Startschuss alles wirklich kontrolliert und nach Plan. 

Du warst vor Weihnachten mit mehreren anderen Läufern im Allgäu Skilanglaufen. Aus Thüringen kommen viele gute Skilangläufer und Biathleten. War das für dich in der Jugend mal eine Option?

Ich komme zwar aus Thüringen und war sogar in der Oberhofer Sportkaserne der Bundeswehr, in der sich ein großer Teil der Wintersportelite befindet, allerdings musste ich das Skilanglaufen erst hart lieben lernen. Vor drei Jahren begann ich ernsthaft mit einem solchen Trainingslager, mittlerweile kann ich sogar richtig gut auf den Brettern arbeiten, für eine Langlaufkarriere bin ich aber doch zu untalentiert. Nichtsdestotrotz bin ich immer wieder sehr vom Biathlon- und Skilanglaufweltcup fasziniert. 

In einem Interview im Herbst auf leichtathletik.de hast du angegeben, in diesem Jahr die 3000m Hindernis laufen zu wollen. Wie kommt es zu der Überlegung?

Diese Überlegung kam zusammen mit meinem neuen Coach. Laut ihm bringe ich die richtigen Unterdistanzleistungen mit. Bis es so weit ist, muss ich aber noch einen mindestens genauso langen Weg wie mit den Langlaufskiern hinter mich bringen. Ob ich im Sommer schon so weit bin, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall werde ich die Flachdistanzen immer als meine Hauptdisziplinen ansehen! 

Zu Crossläufen hast du eine sehr spezielle Beziehung. Beschreibe diese mit drei Worten.

Spannend, anspruchsvoll, kalt (oder zu warm, wie bei der Cross WM in Mombasa/ Kenia 2007) 

Bei den Crossläufen bist du im Winter 2012 nicht in Erscheinung getreten. Heißt das im Umkehrschluss, dass man dich bei Hallenwettkämpfen dieses Jahr sehen wird?

Mittlerweile laufe ich sehr gerne Cross, diesen Herbst habe ich darauf verzichtet. Nach einer schwachen Saison 2012 galt es, eine neue Grundlage zu legen, damit ich mein läuferisches Potential ganz ausschöpfen kann. Mittlerweile bin ich so weit, um am 12.01.2013 bei den Thüringer Landesmeisterschaften in Erfurt über die 3000m in die Hallensaison einzusteigen. Leider wird es schwer, ein richtig schnelles 3000m Rennen zu finden, aber ich habe das persönliche Ziel, bis zur Hallen DM in Dortmund meine persönliche Bestzeit in den Beinen zu haben. 

Seit letztem Jahr trainierst du bei Dieter Herrmann. Was macht eure Zusammenarbeit aus?

Dieter Hermann greift auf eine unglaubliche Erfahrung zurück und hat eine sehr starke Trainingsgruppe in Erfurt formiert. Stefan Eberhardt wird wieder fit, Annett Horna ist bereit für die Hallensaison und Marcus Schöfisch war schon immer ein sehr starker Trainingspartner, der hoffentlich bald sein Potential ausschöpft. Ein großer Vorteil, den ich bei Dieter Hermann sehr schätze, ist sein Understatement beim Bewerten von positiven aber auch negativen Leistungen, was den Athleten einerseits auf dem Boden der Tatsachen hält, ihm gleichzeitig aber nie das Gefühl gibt, eine schwache Trainingsleistung oder ein langsamer Wettkampf seien ein Grund sich hängen zu lassen. Seine ruhige Art färbt einfach ab. 

Von Nils Schumann, ehemaliger Schützling von Dieter Herrmann, weiß man, dass er in seinem Training viel geschwommen ist. Wie oft tauscht du Lauf- gegen Badehose?

In den Vorbereitungswochen sehr oft, allerdings bin ich eher mit dem Aquagürtel unterwegs. Ich bin kein wirklich guter Schwimmer, deshalb kann ich mit dem Gürtel einfach länger und effizienter arbeiten. 

Welchen Stellenwert hat generell Alternativtraining bei dir?

Mittlerweile einen recht hohen, ich bin wie gesagt oft mit dem Aquagürtel unterwegs und nun schon traditionell jährlich auf Skiern. Ich vertrete aber die Meinung, dass man Laufen grundsätzlich nur durch Laufen lernt! 

Du startest schon sehr lange für deinen Verein ASV Erfurt. Kommt es für dich in Frage, für einen anderen Verein zu starten?

Ich werde hoffentlich noch lange für meinen Verein starten dürfen. Er unterstützt mich sehr gut und es gibt wohl keinen thüringischen Verein, der die Förderung dann forciert, wenn der Athlet Probleme hat und diese dringend braucht. Dafür bin ich unglaublich dankbar. 

Mit deiner Zeit von 29:09 min hast du 2012 Platz 2 in der deutschen Bestenliste 10km Straße belegt. Was macht für dich ein Straßenlauf im Vergleich zu einem Bahnrennen aus?

Es ist nicht so eintönig. Lustigerweise war ein einfaches Testrennen die wertvollste Leistung der letzten Saison. Ich war einfach begeistert, wie viele Menschen doch interessiert am Laufsport sind. Die engen Gassen, die wunderschönen Städte und  die anspruchsvollen Strecken haben mich vor allem in Bietigheim wieder sehr fasziniert. Zur Zeit sind es Testläufe aber ich werde mir die zwei, vielleicht drei Gelegenheiten im Jahr nicht mehr entgehen lassen! 

Was war der bisher schönste sportliche Moment für dich?

Das gesamte Jahr 2009 war für mich ein Regen an persönlichen Bestleistungen, Titeln und internationalen Einsätzen. Mein früherer Trainer (Andreas Möckel) und ich haben es damals fast schon in die Thüringer Laufgeschichte geschafft, dafür bin ich ihm sehr dankbar! Dieses Gefühl wieder erleben zu dürfen, wäre zur Zeit wohl mein größter Traum!

In einem Interview im Herbst letzten Jahres hast du gesagt, dass dein Ziel sei, einmal das beste Rennen deines Lebens zu laufen. Von welchen Parametern machst du das abhängig?

Das beste Rennen deines Lebens ist das Rennen, in dem du keine Hundertstel Sekunde hättest schneller laufen können, du taktisch einfach fehlerfrei gelaufen und im Ziel der glücklichste Läufer des Stadions bist.

Nun noch eine letzte Frage. Thüringische Rostbratwurst und Leistungssport. Wie passt das zusammen?

In Thüringen gibt es bei jedem Sportereignis, egal wie groß, Massen an Thüringer Bratwürsten, sie ist nicht wegzudenken, schon gar nicht für einen gebürtigen Erfurter! 

Ricos Bestzeiten: 
800m: 1:52.12min (indoor, 2011)
1500m: 3:44.56min (2011)
3000m: 7:57.64min (2009)
5000m: 13:57.67min (2011)
10.000m: 29:09min (Straße, 2012)
Halbmarathon: 1:07:13h (2008)


Kossmann Laufdesign