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Welcome back to Kenya

[eingestellt am 17. Februar 2013]

By: hahnertwins

Bild Norbert Wilhelmi

Gepäck wird auf dem Matatu verstaut

Der Äquator

Olympiasieger Mo Farah (Bild Wilhelmi)

Tempotraining (Bild Wilhelmi)

Kräftemessen nach dem Training

Links Physio Jeroen Deen, rechts Abel Kirui

Unser Handwerkszeug

Die Österreicher in Aktion

Um 6.50 Uhr Ortszeit landet unser Flieger auf dem Jomo Kenyatta Flughafen in Nairobi. Begrüßt werden wir von der afrikanischen Sonne und unserem Matatu-Fahrer, der uns in unser Camp nach Iten bringen soll. Die nächsten sieben Stunden geht es quer durchs Land, wir fahren an Ananasstauden vorbei, sehen Zebras und überqueren den Äquator. Wir schlafen, bewundern die Landschaft aus dem Fenster heraus und genießen es, wieder in Kenia zu sein. Das Land mit seinen Menschen hat uns in seinen Bann gezogen, die Ruhe und Gelassenheit, die die Menschen ausstrahlen und die Offenheit und Freundlichkeit, mit der uns begegnet wird. Kenianer lachen mit ihrem Herzen, das sieht und spürt man.

Wir trainieren hier zusammen mit dem Bundeskader Langstrecke/Marathon, unter der Leitung von Katrin Dörre-Heinig. Katharina Heinig, Veronika Pohl, Nina Stöcker, Markus Weiß-Latzko, Falk Cierpinski und wir sind aus Deutschland hier oben. Außerdem sind noch zwei Österreicher, Valentin Pfeil und Christian Steinhammer bis Ende Februar hier, so dass wir beim Frühstück eine große Tafel haben mit traumhaftem Blick über das Rift Valley.  

Die beiden Österreicher haben diesen Samstag, 16. Februar, die kenianischen Crossmeisterschaften in Nairobi aufgemischt. Sie waren zwei von vier Muzungus, die sich auf die 12 km, aufgeteilt auf sechs Runden, wagten. Außer ihnen waren noch ein Kanadier und ein Georgier am Start. Der kenianische Leichtathletikverband brauchte ausländische Starter, um das Gold Label der IAAF zu bekommen. Somit wurden Reise und Unterkunft bezahlt, und ein einmaliges Erlebnis war es für die beiden auf jeden Fall. Per Matatu ging es also Freitag 7 h lang nach Nairobi zum Flughafen, Wilson International, dem Austragungsort der kenianischen Crossmeisterschaften. „Am Samstagmorgen saßen wir um 6.30 Uhr beim Frühstück und wussten immer noch nicht, wann der Start ist. Jeder hat uns eine andere Uhrzeit genannt“, berichtet Valentin von dem Ausflug nach Nairobi. „Dann ist plötzlich um 7Uhr ein kenianischer Busfahrer zu uns gekommen, und meinte, wir müssten sofort losfahren. Um 7.45 Uhr sei der Start. Wir haben gefragt, welchen Start er denn meine. Den, der Männer, der Frauen oder den der Nachwuchsläufer? No, no, no. Everybody is starting at 7.45am, meinte er nur. Also sind wir mit ihm zum Start aufgebrochen. Letztendlich war unser Start um 11 Uhr, und natürlich sind wir getrennt von den Frauen und den Junioren gestartet.“ Und Christian fügt eine weitere Anekdote hinzu. „Da waren zwei ältere kenianische Läufer, die ich zwei Mal überrundet habe. Als ich ins Ziel gelaufen bin, standen sie mit einem Wasserbecher bereits hinter der Ziellinie. Die sind wohl einfach zwei Runden früher Richtung Ziel abgebogen.“ Für einen Zielsprint hat es für Christian nicht mehr gereicht. „Ich war so ausgetrocknet, ich habe das noch nie erlebt, dass ich jede Runde Wasser trinken musste, um überhaupt ins Ziel zu kommen.“ Valentin wurde bester Muzungu, also bester weißer Läufer. Vermutlich sind die kenianischen Crossmeisterschaften von der Leistungsdichte besser besetzt als die Weltmeisterschaften im Cross, da dort die Teilnehmerzahl pro Nation auf sechs beschränkt ist. Die ersten zwei Kilometer ist die Spitze in 5:30min angelaufen, wohlgemerkt in einem Crosslauf! 

Während der Dauerläufe rufen uns die Kinder und Jugendlichen englische Sätze und Fragen entgegen. „How are you?“ „What’s your name?“ „You are twins!" Unser Favorit ist aber „My heart beats for you“, den uns ein Kenianer mit viel Gestik und einem breiten Grinsen auf den Lippen zugerufen hat. Zwillinge scheinen in Kenia selten zu sein, oder vielleicht liegt es auch an unserer Hautfarbe, wahrscheinlich ist es die Kombination von beidem.  

Bei unserem letzten Trainingslager in Kenia wurden wir morgens um 6Uhr von zwei Dopingkontrolleuren geweckt. Wir dachten, das bleibt ein einmaliges Ereignis, schließlich liegt Kenia nicht um die Ecke und es ist mit einem immensen Zeit- und Kostenaufwand verbunden, Kontrolleure aus Deutschland nach Kenia zu fliegen. Falsch gedacht. Am Morgen vor unserem marathonspezifischen Lauf durften vier von uns Athleten wieder antreten, vor uns wurden noch weitere ausländische Athleten getestet. Für den langen Dauerlauf war es nicht optimal, schließlich haben wir getrunken und getrunken, um möglichst schnell die Probe abzugeben. Das ganze Wasser intus hat sich dann beim Dauerlauf bemerkbar gemacht. Außerdem musste der Start nach hinten verlegt werden, so dass wir die afrikanische Sonne, mehr als uns lieb war, genießen durften.

Gestern haben wir erfahren, woher der Name Iten stammt. Die Briten haben das Dorf Hill Ten, also „Berg Zehn“ genannt, das war irgendwann zu lang und so wurde Iten daraus. Berg Zehn, das Gefühl haben wir bei jedem Dauerlauf. Nur wenn man auf der Bahn ist, kann man eben laufen, ansonsten geht es bergauf, bergab durch die kenianische Landschaft, an Hütten vorbei, Kühen und riesengroßen freien Acker- und Wiesenflächen. Und plötzlich erscheint völlig unverhofft am linken Wegesrand eine Tankstelle. Ein strategisch günstiger Punkt sieht anders aus, keine Autobahn, keine Schnellstraße, keine Stadt und Häuser in der Nähe.  Dafür viel rote Erde und eine kleine Wellblechhütte neben der Zapfsäule. Wenn man den letzten Berg nach Iten hochrennt, läuft man oben durch ein großes Tor, auf dem „Welcome in Iten. The home of champions“ steht. Der größte Teil der kenianischen Weltklasseläufer kommt aus der Region. Nach dem Athletiktraining haben wir uns mit Abel Kirui, dem amtierenden Marathonweltmeister unterhalten und ihm ein paar Worte Deutsch beigebracht „Guten Tag“ und „Tschüss“, wir sind gespannt, mit welchen Worten er uns das nächste Mal begrüßt. Beim Dauerlauf ist uns Geoffrey Mutai mit einer Läufergruppe entgegen gekommen, der Sieger vom Berlin Marathon 2012. Wir haben ihn gerade noch erkannt, ging ja ziemlich schnell und schon war er wieder vorbei. „Home of Champions“, das passt wirklich. Abels Trainer ist Renato Canova, ein Italiener mit herrlichem Akzent, wenn er Englisch spricht. „It is not enough to be physically fit, you have to be mentally fit“. Die meisten Athleten hätten ein völlig falsches Verständnis von "tough training". „What is tough? You have to think about that again and again. You make your own limits.“ Auch ausländische Topläufer bereiten sich hier oben auf ihre Saison vor. Der Brite Mo Farah, Doppelolympiasieger über 5000m und 10.000m war zeitgleich mit uns auf der berühmten 404m langen Aschebahn im Kamariny-Stadion.  

Egal ob Olympiasieger, Weltmeister oder Viehhirte, laufen scheint in Afrika das Natürlichste auf der Welt zu sein. Abe Gubegna, äthiopischer Autor und Journalist, sagte einmal: „Jeden Morgen wacht in Afrika eine Gazelle auf. Sie weiß, dass sie schneller als der schnellste Löwe laufen muss, sonst wird sie getötet. Jeden Morgen wacht in Afrika auch ein Löwe auf. Er weiß, dass er schneller laufen muss, als die langsamste Gazelle, sonst wird er verhungern. Es spielt keine Rolle, ob du ein Löwe oder eine Gazelle bist: Wenn die Sonne aufgeht, fängst du am besten an zu laufen.“


Kossmann Laufdesign