Kanzlei.org - laufend gut beraten

Running Buddha- Laufend zu sich selbst finden. - Sakyong Mipham

[eingestellt am 17. April 2013]

By: hahnertwins

Sakyong Mipham ist ein hoher buddhistischer Würdenträger, ein spiritueller Führer und tibetischer Lama. Mit Meditation trainiert er seinen Geist, mit Laufen seinen Körper. Neun Marathons hat er bis dato absolviert, seine Bestzeit liegt bei 3:05h. Running Buddha ist kein klassischer Laufratgeber mit Trainingsplänen etc. um schneller zu werden, in seinem Buch beschreibt Sakyong vielmehr die Beziehung zwischen Geist und Körper. Er selbst sieht sein Buch als Leitfaden zur Einbindung bestimmter Meditationselemente in die Aktivität des Laufens. Die Begriffe Achtsamkeit und Gewahrsein ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Wer denkt, das Buch sei nur etwas für spirituelle Menschen und nichts für „reine Läufer“ liegt falsch. Es ist kein Geheimnis, dass Bestzeiten nicht nur mit den Beinen gelaufen werden. Der Kopf und die richtige innere Einstellung spielen eine entscheidende Rolle. „Der Körper profitiert von Bewegung, der Geist von Ruhe und dem Stillsein.“  

Besonders interessant finde ich Sakyongs Art, Schmerzen zu sehen und mit ihnen umzugehen. Jeder Leistungssportler wird regelmäßig mit Schmerzen konfrontiert. Sei es bei einem intensiven Training oder im Wettkampf, wo man an die eigenen Grenzen heranlaufen muss, oder im Fall einer Verletzung. Entscheidend ist nun, wie man damit umgeht. Jeder Marathonläufer weiß bereits an der Startlinie, worauf er sich einlässt und was innerhalb der nächsten Stunden auf ihn zukommen wird. Man muss den Schmerz annehmen und akzeptieren. „Wenn man sich vom Schmerz erschrecken lässt, verschärft er sich nur noch, so als schütte man Benzin ins Feuer.“ Im Falle einer Verletzung entscheidet der richtige Umgang mit Schmerz darüber, ob man die Verletzung als Rückschlag oder als Chance sieht. „Schmerz und Krankheit sind klare Hinweise darauf, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. (...) Die Verantwortung dafür zu übernehmen heißt, nicht dem Schmerz oder irgendetwas anderem die Schuld zu geben. Gleichzeitig brauchen wir uns selbst aber auch nicht schuldig zu fühlen oder zu kasteien.“ Schmerzen aufgrund einer Verletzung sind noch einmal ein anderer Fall. „Schmerz und Krankheit sind klare Hinweise darauf, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.“  

Das Buch teilt sich auf sechs Teile auf, die jeweils den Namen eines Tieres tragen. Begriffe wie Tigerphase oder Windpferdenergie hören sich für unsere Ohren noch etwas seltsam an, wenn Sakyong diese jedoch erläutert, kann man sich recht schnell dort wiederfinden. „Läufer wissen intuitiv, dass Erfolg durch Hingabe und harte Arbeit herbeigeführt werden kann...“ Nichts anderes ist die Energie des Windpferds.  

„Running with the Mind of Meditation: Lessons for Training Body and Mind“ lautet der ursprüngliche englische Titel des Buches. Im Deutschen wurde daraus „Running Buddha- Laufend zu sich selbst finden.“ Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich Läufer von dem deutschen Titel eher abschrecken lassen. Das hört sich nach Selbstfindungskurs an, nach midlife crisis, kurzum nach allem, was der Läufer im Allgemeinen nicht braucht. Schließlich laufe man ja und sei ausgeglichen. Den englischen Titel hingegen finde ich sehr passend, so weckt man das Interesse von Läufern. Hinzu kommt die Tatsache, dass Sakyong selbst schreibt „...werden wir erkennen, dass das Selbst im Kern eine Illusion ist.“ Der deutsche Titel stellt fälschlicherweise die eigene Person in den Vordergrund. Aber „ironischerweise ist das Gefühl von Anteilnahme und Liebe für andere die beste Methode, um uns selbst glücklich zu machen.“  

285 Seiten
Verlag: arkana
ISBN: 978-3-442-34124-5
17,99€


Kossmann Laufdesign