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44. Old Mutual Two Oceans Marathon Kapstadt

[eingestellt am 01. April 2013]

By: Gabi Gruendling

Fotos: Peter Gruendling

große Marathonmesse im Congresszentrum

Geschichtswand

Die Sieger der letzten Jahre

11.000 Ultras warten auf den Startschuss

Debutanten Hände hoch!

Die Startlinie kommt näher

Noch in Kapstadt ist es schon taghell

Dichtes Feld

Let’s party

Die Sonne geht auf

Versorgungsstelle – Plastiktütchen statt Plastikbecher

Unermüdliche Helfer an der ganzen Strecke

Unterwegs massig Wellen

Erster Blick aufs Meer

Km 20 am Eingang von Fish Hoek

Cola wurde in kleinen Flaschen gereicht

Überall Zuschauer

Nicht überall wurde der Verkehr komplett ausgesperrt

-

Überall riesige Trucks für die V-Stellen

Der Bus am ersten Cut-off für die Unglücklichen, die aus dem Rennen genommen werden

Der XXL-Stuhl an der Katzenellenbogen Road: Deutschland lässt grüßen

Man beachte die Schuhe

Bergfest!

Der Anstieg zum Chapman’s Peak Drive beginnt

Erster Blick um die Kurve auf das, was noch kommt

Einer der 7 h-Pacemaker alleine auf weiter Flur

Der Fels hält

Blick auf den höchsten Punkt auf dem Chappi

Der höchste Punkt im Sturm

Banane gefällig?

Faxen für die Galerie

Sanitätsstelle

Hinunter nach Hout Bay

Im Kreisverkehr wurden die Autos durch die Läufer geschleust

Der lange Anstieg zu km 46m, dem letzten Cut-off, beginnt

Die Aussteiger werden vorbei gefahren

Spalier

Kurz vor km 50

Cola oder Powerade?

Die Katzenaugen sind tückisch

Nass war’s nicht etwa vom Regen sondern von tausenden nicht ausgetrunkener Sackets

Die letzten Kilometer Ri Ziel – und immer wieder Steigungen

Immer noch ein dichtes Feld

Letztes Einpeitschen

Ziel voraus!

Der 7 h-Bus kommt nach 6:55 h ins Ziel

Gleich geschafft!

Jetzt aber!

Die ersehnte Medaille wartet

Vorbereitung der Siegerehrung

Das Essen für die Gäste aus dem Ausland

1,5 h nach Zielschluß war das Gelände verwaist

350 Marathons & Ultras: Erich Carmohn, ein Hamburger in Kapstadt

 

Einmal Kapstadt und zurück

Kapstadt, 30. März 2013 - der TwoOceans Marathon am Südzipfel von Südafrika hat keinen festen Termin. Vielmehr findet er immer am ersten Samstag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt – nämlich am Ostersamstag. In diesem Jahr war das schon Ende März. Daß die deutsche Fraktion die zweitgrößte Ausländergruppe nach den 403 am Start befindlichen Briten war, lag sicher nicht am deutschen Frühling, der eher ein Winter ist. Denn wer sich entscheidet, den schönsten Marathon der Welt, wie die Veranstalter ihn selbst bezeichnen, laufen zu wollen, bucht sein Ticket sicher schon ein halbes Jahr vorher.

56 km mit 850 Höhenmetern gilt es zu absolvieren. Die ersten 25 km gelten als harmlos, wenn nicht flach. Ganz eben sind aber nicht viele Streckenabschnitte. Irgendwie geht es ständig etwas wellenförmig „durch die Gegend". 11.000 Läufer ist das Ultramarathonfeld stark, das um 6.30 Uhr, also zu noch nachtschlafender Zeit, auf die Fußreise geschickt wird. Aber auch wenn es noch dunkel ist, wenn nach dem Blasen des Fischhorns der Startschuß über das Startgelände hallt, so wird es rasend schnell hell.

In fünf Startblocks wird gestartet, man wird grundsätzlich nach Vorleistung oder Qualifikationsleistung einsortiert. Nur die Besitzer einer sogenannten „Blue Number", also diejenigen, die schon mehr als 10 Mal am Two Oceans Marathon teilgenommen haben, dürfen auf jeden Fall im mittleren Block C starten. Aber auch diejenigen, die ganz hinten in Block E auf die Strecke gehen, brauchen nicht länger als maximal fünf Minuten, um ihren Chip auf der Startmatte auszulösen. Leihchips, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es hier nicht. Wer keinen hat, muß sich einen kaufen. Mit 30 Rand oder umgerechnet zur Zeit ca. 2,70 € ist der aber vergleichsweise billig. Ihn aufzuheben ist das Gebot der Stunde, denn wie unser Championchip ist auch dieser wieder einsetzbar.

Der Chip dient aber mitnichten der Erfassung der Nettozeit, auch wenn man beim Start, im Ziel und beim TwoOceans noch drei Mal unterwegs über Zeitmessmatten läuft. Ausschlaggebend sind die Bruttozeiten. Wer also aus Block E startet, hat nicht 7 Stunden Zeit, die Strecke zu absolvieren, sondern nur 6:55 Stunden. Die 5 Minuten mögen sich lächerlich anhören, wer aber mit den Zeitlimits kämpft, für den können sie eine Gratwanderung sein zwischen „geschafft" und „disqualifiziert". Die ersten 25 km muß man bis 9.30 h hinter sich gebracht haben, hier wartet ein großer Bus auf diejenigen, die aus dem Rennen genommen werden. Auch für die, die unterwegs freiwillig aufhören oder bei den weiteren Cut-Off-Punkten bei km 38, 42 und 46 unfreiwillig ihren Traum vom Finish begraben müssen, werden Reisebusse eingesetzt, die die Abbrecher dann auch zu allem Überfluß noch auf der Strecke zurück nach Kapstadt bringen.

Die harten Zeitlimits, die auch gnadenlos eingehalten werden, mag man als verwöhnter Deutscher, zumal als langsamer Läufer, ungerecht finden, aber: das ist die Party der Südafrikaner und es gelten deren Regeln. Wer das nicht will, darf sich nicht anmelden, lamentieren bringt nichts.

Bei 11.000 LäuferInnen wird es nie einsam auf der Strecke, auch im hinteren Feld nicht. Ständig hat man Mitstreiter oder Mitleidende, je nach Fortschritt des Wettkampfs, um sich herum. Wer also auf große Städtemarathons steht, der ist hier gut aufgehoben. Wer mehr der Liebhaber einsamer Landschaftsläufe ist, der kann sich hier leicht fehl am Platz fühlen. Auch wenn der TwoOceans Marathon kein Städtemarathon sondern eher ein Landschaftslauf ist. Nach wenigen Kilometern verläßt man die Stadt und kommt „über Land", was aber nicht heißt, daß man die Zivilisation komplett hinter sich lässt. Immer wieder kommt man durch kleinere Dörfer, wo sich auch immer wieder Zuschauer am Streckenrand einfinden. Zu ihnen kommen Hunderte, wenn nicht Tausende von überwiegend gut gelaunten und Stimmung machenden Helfern an den 33 Verpflegungsstellen sowie ca. alle 500 m ein Streckenposten, hier wie zumindest auch in Großbritannien „Marshal" genannt. Zu trinken gab es Wasser und Cola an jeder Verpflegungsstelle, Powerade an 18 Versorgungsstellen. Wer es gewohnt ist, unterwegs zu essen und das in Deutschland auch an allen Verpflegungsstellen vorzufinden, muß sich hier auf andere Verhältnisse einstellen. Bei km 26, bevor es auf den legendären Chapmans Peak Drive geht, gab es kleine salzige Pellkartoffen. Hinter dem höchsten Punkt des „Chappie" stand eine Helferin mit Bananen und laut Übersicht gab es wohl bei km 46 auch noch Schokoriegel. Als Läuferin, die kurz vor den Cutoffs über die Strecke kam, habe ich die Schokolade allerdings nicht mehr gesehen. Oder am Ende doch nicht richtig hingeguckt? Jedenfalls sollte man als Vielesser auch Eigenversorger sein.

Ob es die schönste Marathonstrecke der Welt ist, liegt sicherlich ganz im Auge des Betrachters. Eins ist sie ganz sicher nicht: hässlich. 100% asphaltiert zieht sich die große Runde von und bis Kapstadt über Land und entlang der Küste. Zu sehen gibt es immer jede Menge. Am spektakulärsten ist sicher der fast 10 km lange Abschnitt auf dem Chapmans Peak Drive. Jener Straße also, diesich, zum Teil von überhängenden Felsen überdacht, immer mit Meeresblick durch die Berge zieht und die zum Beispiel von Autofirmen immer wieder gerne für Werbespots genutzt wird. Die mautpflichtige Straße verbindet die Orte Hout Bay und Nordhoek und wird am Marathontag sieben Stunden lang für den Verkehr gesperrt. Die Läufer kommen von Nordhoek und haben etliche ansteigende Kilometer vor sich, auf denen sie natürlich auch mehrfach versorgt werden.

Die Straßen sind teilweise sehr stark nach rechts oder links abfallend, was Läufern, die eh Knie- oder Hüftprobleme haben, schon zusetzen kann. Außerdem muß man verstärkt auf die vielen Katzenaugen achten, die vor allem rechts und links des Mittelstreifens in den Asphalt eingelassen sind. Sie bringen als ausgemachte Stolperfallen so manchen Läufer zu Fall.

Hatte es 2012 noch den ganzen Tag geregnet, wartete die Ausgabe 2013 mit dem stärksten Wind auf, den 7 h-Zugläufer Shawn in den 22 Jahren seiner Teilnahme bisher erlebt hat. Wenn man eine große Runde läuft, ist es logisch, daß der Wind mal von vorne und mal von hinten kommt. Am Anstieg des Chapmans Peak Drive, liebevoll „Chappie" genannt, kam er von vorne und zwar so stark, daß die Fotografen auf dem höchsten Punkt, die ja mit dem Rücken im Wind standen, ihre liebe Mühe hatten, sich auf den Beinen zu halten. Hatte man den höchsten Punkt überschritten, blies der Wind in Böen derart von vorne, daß man bergab kaum einen Schritt vorwärts kam. Viele Läufer flüchteten sich an die rechte Seite der Straße, weil sie sich von den Felsen wenigstens ein bißchen Windschutz erhofften. Der Wind war auch für die Helfer ein hartes Geschäft. Die Plastikflaschen, in denen Cola angereicht wurde sowie die Plastiksäckchen, aus denen man Wasser und Powerade trank, wehten so schnell davon, daß diejenigen, die fürs Müllsammeln veranwortlich waren, stellenweise nicht hinterher kamen. Aber auch für die, die nicht dem Müll hinterherrennen mußten, war stundenlanges Herumstehen im Wind sicher nicht die beste Alternative für einen gemütlichen Samstag.

Apropos Samstag: eine kleine Gruppe von Läufern war schon am am Freitag auf eigene Faust, aber mit Startnummer, auf der Ultramarathonstrecke unterwegs. Sie gehören einer Religionsgemeinschaft an, die u.a. das Laufen am Samstag verbietet und dürfen schon am Freitag offiziell laufen. Allerdings sind dann keine Straßen abgesperrt und Versorgungsstellen gibt es auch keine. Wer sich dem aussetzt, muß seinen Sport und seine Religion schon sehr lieben.

Sehr anspruchsvoll ist, nach dem Chappie, auch der Anstieg von Hout Bay bis km 46, dem vierten und letzten Cut off. Danach geht es erstmal wieder bergab. Wer aber denkt, er kann es jetzt bis ins Ziel rollen lassen, hat den Anfang des Berichts schon wieder vergessen: Irgendwie geht es ständig etwas wellenförmig „durch die Gegend". Der letzte Wadenbeißer wartet zwischen km 54 und 55 auf die Läufer und erst wenn die Universität quasi schon in Sicht ist, auf deren Gelände sich das Ziel befindet, geht es tatsächlich noch mal ein Stück bergab und dann flach die letzten 200-300 m über Rasen.

Hier fällt eigentlich nach exakt 7 Stunden das Fallbeil. Wer in 7 Stunden und einer Sekunde ins Ziel kommt, gilt als nicht angekommen, erhält keine Medaille, erscheint nicht in der Ergebnisliste. „Eigentlich" deshalb, weil es in diesem Jahr zur Regel auch eine Ausnahme gab. Wegen einer größeren Baustelle am Ende des Chapmans Peak Drive war man davon ausgegangen, daß man immer wieder Läufergruppen würde anhalten müssen, um den Verkehr queren zu lassen. Dieser „Nothalt" könne bis zu fünf Minuten dauern und deshalb wurde der Zielschluß um diese geschätzte Zeit verlängert. Ob es tatsächlich zu so langen Pausen kam, ist der Berichterstatterin nicht bekannt. Einzig vor dem Einstieg in den Chappie wurden wir auf einem kleinen Rasenstück gesammelt, im Gehschritt 50 m zur Straßenüberquerung geführt und bis dahin war die Gruppe groß genug, um den Autoverkehr anzuhalten und das Läuferfeld queren zu lassen.

Im Ziel angekommen, wird es recht unübersichtlich. Wo gibt es die morgens am LKW abgegebenen Kleidersäcke zurück? Man muß sich durchfragen, Hinweise darauf gibt es nicht. Kann man sich irgendwo umziehen, wenn man seinen Kleiderbeutel endlich in den Händen hält? Auch darauf gibt es keinerlei Hinweise. Zieht man sich dann einfach mitten auf der grünen Wiese um, kann es auch schon mal zu Pöbeleien seitens unangenehm berührter Mitläufer kommen.

Für die ausländischen Teilnehmer gibt es ein Zelt, in dem sie sich treffen können und gesondert versorgt werden. Auch zu dem muß man sich allerdings durchfragen, wenn man nicht die Karte des Zielbereichs auswendig gelernt oder sie in den Kleidersack gesteckt hat. Unter uns: den Besuch des Zeltes für die „Internationals" kann man sich allerdings auch sparen, das Lunchpaket besteht aus einem eiskalten Burger (wahlweise chicken oder beef), einem Apfel, einem Joghurt, einem trockenen Vollkornmuffin, einer Handvoll Trockenfrüchte und einem schokoüberzogenen Marshmellow. Schlechter kann die Versorgung fürs südafrikanische Läufervolk nicht gewesen sein, auf dem Zielgelände roch es sogar nach Gegrilltem.

Begleitend zum Marathon, der ja ein Ultramarathon ist, gibt es noch einen astreinen Halbmarathon, der schon um 6 Uhr gestartet wird. Da diebeiden Starts nur 100 m auseinander liegen und das Ziel identisch ist, will man die Halbmarathonis von der Strecke haben, wenn die schnellen Langstreckler in den gemeinsam genutzten Streckenteil einbiegen.

Auffällig für deutsche Verhältnisse war die große Anzahl von Läufern, die in Vereinstrikots liefen. Erich Carmohn, ein Hamburger, der seit 1972 am Kap der Guten Hoffnung lebt und schon über 350 Marathons & Ultras gelaufen ist, erklärte uns, daß es in Südafrika, ähnlich wie bei uns beim Triathlon, unterschiedliche Preise für Leute mit und ohne Vereinszugehörigkeit gibt. Die Vereinslosen kaufen sich Tageslizenzen zu. Wer nicht gerade nur einen Wettkampf im Jahr läuft, für den rentiert sich in der Regel eine Vereinszugehörigkeit. Aber dann wird auch vorausgesetzt, daß er die Farben seines Vereins im Wettkampf vertritt.

Die Startnummernausgabe mit großer Marathonmesse befindet sich übrigens an völlig anderer Stelle im Congresszentrum von Kapstadt. Sie öffnet schon am Mittwoch vor dem Lauf und schließt am Freitag um 17 Uhr. Danach hat man keine Chance mehr, an seine Startunterlagen zu kommen. Egal, wie weit man anreist und ob man am evtl. späteren Ankommen Schuld hat oder nicht. Auch darauf muß man sich einstellen, wenn man seine Reise plant. Wir hatten uns getreu dem Motto „ankommen – nicht drüber nachdenken – laufen" dafür entschieden, erst am Karfreitag in Kapstadt zu landen. Zwischen Landung und Ende der Startnummernausgabe lagen 6,5 Stunden. Wenn alles planmäßig abläuft wie bei uns, ist das allerdings überhaupt kein Problem. Die Messe hat durchaus Ausmaße, wie wir sie aus Berlin, Hamburg oder Frankfurt kennen. Und man findet dort auch dasselbe Sortiment, kleinere Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Wer denkt, er kann hier ein Schnäppchen machen und Schuhe oder Klamotten günstig einkaufen, täuscht sich allerdings gewaltig. Natürlich gibt es, wie auf jeder Messe, ausgesuchte Sonderangebote. Aber im Allgemeinen kosten die Schuhe dasselbe, das man auch bei uns im Laufladen bezahlt. Auffällig war, wie wenig Technik angeboten wurde.


Kossmann Laufdesign