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Jotter, Ria

[eingestellt am 14. Mai 2013]

By: Saskia Helfenfinger-Jeck

Fotos: Erich Jotter

Ria Jotter feiert ihren EM-Titel im Sprint-Duathlon

Bei der WM in Budapest 2009

So kennt man sie bei Läufen: Immer ein Lächeln auf den Lippen

Auf dem Rad

Das Pfälzer Uhrwerk

Mitte der 90er Jahre war es, als Ria Jotter beim Schifferstadter Silvesterlauf Kontakt zu Läufern der TSG Maxdorf aufnahm und sich dem Verein anschloss. Von da an begann eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Die Dannstadterin läuft und radelt seitdem von Sieg zu Sieg, von einer Top-Platzierung zur nächsten. Wie ein Uhrwerk.

Doch die 59-Jährige ist nicht nur unglaublich erfolgreich, sondern einfach auch richtig sympathisch. Immer gut gelaunt und ein Lächeln auf den Lippen, nie um Worte verlegen – das ist Ria Jotter. In der Lauf- und Duathlonszene ist die 59-Jährige bekannt wie ein „bunter Hund“.

Seit fast 20 Jahren zählt sie zur europäischen Duathlon-Spitze in ihrer Altersklasse. Ihr letzter Coup: der Titelgewinn bei den Europameisterschaften im Sprint (W60) im niederländischen Horst. „Ich habe mich so unglaublich gefreut“, sagt eine, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten Titel noch und nöcher sammelte. Weltmeisterin über die Langdistanz (10 km Lauf – 40 km Rad – 5 km Lauf) 2005 in Barcis/Italien, vierfache Vize-Weltmeisterin, einmal Bronze, zehn Mal Deutsche Meisterin und zwei Mal Europameisterin – so lautet die stolze Bilanz der Ria Jotter. Wenn die 59-Jährige aufkreuzt, kann sich die Konkurrenz warm anziehen. Und wer glaubt, dass die Dannstadterin nach all den Jahren die Laufschuhe oder das Rad in absehbarer Zeit an den Nagel hängen würde, der kennt die lebensfrohe, immer gut gelaunte Jotter nicht. „Siege sind für mich immer wieder ein neuer Ansporn und entfachen meinen Ehrgeiz“, unterstreicht Jotter, die nach einem mageren Jahr 2012 noch so vieles vorhat. Eine Achillessehnenverletzung setzte sie im letzten Jahr schachmatt. Einige Volksläufe – mehr war nicht drin. Geregeltes Training - Fehlanzeige.

Doch Jotter tankte neue Energie. Der Erfolg kehrte zurück. Auch wenn rund um die Europameisterschaften nicht alles ganz planmäßig verlief. Erst wartete Jotter lange Tage und Wochen auf ihren neuen Triathlonanzug, den sie laut DTU bei internationalen Meisterschaften tragen muss. Und dieser wollte und wollte nicht beikommen. Am Mittwoch vor dem Wettkampf traf das Paket im heimischen Dannstadt endlich ein. „Und dann hatte ich noch die Befürchtung, dass er nicht passt.“ Damen-Größe M, zu eng, Herren-Größe L - der saß wie angegossen. „Zum Glück hatte ich vorausschauend drei Anzüge bestellt.“ Das Problem war erst einmal gelöst. Als Jotter dann die Radstrecke in Horst sah und gemeinsam mit Teamkollege Roland Jochem, dem Europameister in der M65, die Strecke abfuhr, verging selbst einer lebenslustigen Sportlerin wie sie es ist erst einmal das Lachen. 60 Kurven, so schätzt Jotter, verteilt auf 20 Kilometer, forderten höchste Konzentration von den Athleten. Sie sei ja technisch nicht so eine herausragende Fahrerin, sagt eine, die quasi tagtäglich im Sattel sitzt und jedes Fitzelchen der Pfalz kennt.

Im Rennen selbst begann ihre stärkste Widersacherin, die Britin Sharon Bardsley, wie die Feuerwehr, lief die ersten fünf Kilometer in 21:28 Minuten und lag zunächst vor Jotter. Doch auf der Radstrecke witterte die Dannstadterin ihre Chance und überholte Bardsley. „Als ich sie am Wendepunkt sah, war ich mir schon relativ sicher, dass es mit dem Sieg klappen könnte“, erzählt Jotter. Doch eine Schrecksekunde musste die Dannstadterin überstehen. Eine Katze kreuzte unbeeindruckt vom Wettkampf die Radstrecke, eine vor Jotter fahrende Athletin stürzte und die 59-Jährige konnte nur noch um Haaresbreite ausweichen. „Meine Güte! Hatte ich da ein Glück“, atmet sie noch heute durch, wenn sie an diesen Moment denkt. Inzwischen ist der Alltag im Hause Jotter zurückgekehrt. Die Vorbereitungen auf die Deutschen Meisterschaften in Falkenstein im Vogtland Ende Mai laufen auf Hochtouren. „Das wird eine deftige Radstrecke“, sagt sie beim Blick auf das Streckenprofil. Doch Jotter ist in Sachen Trainingsplanung längst ein alter Hase, weiß, was sie braucht.

Die 59-Jährige ist keine, die lange still sitzen kann. Deshalb gehört der tägliche Sport einfach dazu. Neben den Rad- und Laufeinheiten besucht sie regelmäßig die Aerobic- und Yogastunden der TSG Maxdorf, macht Krafttraining. Ria Jotter ist ein echtes Powerpaket, ein Energiebündel, das nur selten zu bremsen ist. Nicht nur bei Duathlons, sondern auch bei Straßen- und Bergläufen in der Region taucht ihr Name in den Siegerlisten auf. Ihre Bestzeiten, die zwar schon einige Jährchen zurückliegen, sind nicht von schlechten Eltern. Unzählige Male kratzte sie an der 40-Minuten-Marke über zehn Kilometer. „Aber ganz gereicht hat es nicht“, nimmt sie ihre Bestzeit von 40:32 Minuten mit Humor. 1:29 Stunden im Halbmarathon, gelaufen in Karlsruhe, und 3:14 Stunden beim Bienwald-Marathon in Kandel können sich ebenfalls sehen lassen. „Natürlich komme ich an solche Zeiten nicht mehr ran. Auch die Konkurrenz nimmt zahlenmäßig ab. Das bringt das Alter mit sich“, erklärt sie lachend und schmiedet weiterhin fleißig Pläne für die nächsten Wettkämpfe.


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