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Optimales Dehnen. Sport-Prävention-Rehabilitation - Jürgen Freiwald

[eingestellt am 01. Juli 2013]

By: hahnertwins

Ich halte ein umfassendes Grundlagenbuch für Sportwissenschaftler, Sportmediziner, Übungsleiter, Sportler, Physiotherapeuten und alle Sportinteressierten zum Thema „Dehnen“ in den Händen. Laut Verlag ist das Buch in seiner Ausführlichkeit bisher einzigartig im deutschsprachigen Raum. Wirft man einen Blick in das Literaturverzeichnis, glaubt man das gut und gerne. Nicht nur wegen der schieren Anzahl an zitierten Werken, sondern auch aufgrund der großen Anzahl englischsprachiger Literatur.

Der Autor ist Professor an der Bergischen Universität Wuppertal und leitet dort den Arbeitsbereich Bewegungswissenschaften und zudem das Forschungszentrum für Leistungsdiagnostik und Trainingsberatung.

Innerhalb 18 Kapiteln nähert er sich dem Thema Dehnen von all seinen Seiten. Welche Rolle spielt das Bindegewebe, das Nervensystem oder die Blutversorgung? Gibt es Unterschiede bei Geschlecht, Wachstum und Alter? Wie viel Beweglichkeit braucht der Mensch?

Zum Punkt Dehnen gibt es bei Läufern geteilte Meinungen. Wann dehne ich mich, wie, wie oft, und wie lange, oder muss ich mich überhaupt dehnen? Ein stechendes Argument fürs Dehnen wäre wohl, wenn man beweisen könnte, dass es die Leistungsfähigkeit eines Läufers steigert. Allerdings ist das nicht ganz so einfach, wie Freiwald im Kapitel Legenden und Fakten zeigt.

Im 13. Kapitel überprüft Jürgen Freiwald verschiedene Aspekte zum Thema Dehnen auf Fakten. Hier geht es unter Anderem um die Frage, die sich fast alle Läufer stellen: Erhöht Dehnen die Leistungsfähigkeit im Ausdauerbereich? Zur Beantwortung der Frage führt Freiwald verschieden Studien auf. Eine eindeutige Antwort kann auch Freiwald nicht geben, der Leser bekommt aber verschiedene Begründungsansätze pro und contra Dehnen geliefert. So weisen z.B. mehrere Studien darauf hin, dass steifere Läufer effizienter laufen können. Ist Dehnen nun überflüssig, oder mehr noch, lässt es uns langsamer werden? Freiwald fügt hinzu, dass man bei der Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis vorsichtig sein müsse. In Zukunft sei eine Überprüfung des Einflusses von Dehnungen auf die Technik und Ökonomie von Bewegungsabläufen notwendig, bevor man eine konkrete und fundierte Empfehlung zur Kombination von Dehnungen und Ausdauertraining geben könne.

Also heißt es für uns Läufer, abwarten, weiter dehnen, oder auch nicht, je nachdem ob man das Gefühl hat, es tut einem gut oder eben nicht. Wenn sich schon die Wissenschaft nicht einig ist, wie sollen es dann die Läufer sein? Also in den Körper reinhören und selbstständig entscheiden, was einem gut tut.

Für diejenigen, die sich fürs Dehnen entscheiden, sei der letzte Teil des Buches zu empfehlen, der sich der praktischen Umsetzung widmet inklusive Planung von Training und Dehnprogrammen. Hilfreich sind hierbei die Bilder, die die einzelnen Übungen veranschaulichen und die das Nachahmen erleichtern.

 

Spitta Verlag

ISBN 9-783941-964181

404 Seiten

34,80€


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