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Interview mit Ultratrail-Vizeweltmeister Florian Neuschwander

[eingestellt am 11. Juli 2013]

By: Gabi Gründling

Fotos: Angela Strosny

Nahrungsaufnahme während des Rennens (mit Jens Lukas)

so schnell, daß es staubt

Faxen mit René Strosny

das Bronzeteam: Florian Neuschwander, René Strosny, Carsten Stegner (vlnr)

Überraschung in Wales

Florian Neuschwander (Trierer Stadtlauf e.V.) wurde bei seinem ersten Einsatz im Nationaltrikot auch zu seiner eigenen Überraschung auf Anhieb Vizeweltmeister im Ultratrail. Auf der 76 km-Runde in Wales kam er nicht mal 10 min nach Weltmeister Ricky Lightfoot (GBR) ins Ziel. Zusammen mit seinen Teamkollegen Carsten Stegner und René Strosny erlief er auch noch die Bronzemedaille in der Mannschaftswertung. Bevor er in den wohlverdienten Urlaub flog, hat er uns noch ein paar Fragen beantwortet:

Bisher warst Du ja eher als durchaus schneller Straßenläufer bekannt, der auch schon mal auf die Bahn geht. Nach nur zwei kleinen Ultratrails über 50 km hattest Du Dir in den Kopf gesetzt, zur Ultratrail-WM gehen zu dürfen. Was hat Dich darauf gebracht?

Ich spiele schon mit dem Gedanken Ultras zu laufen seit 2009 als ich in England war. Ich las ein englisches Buch 'The Ghost Runner' was mich super inspiriert hat. Es geht darin um einen Ultra Läufer, der davor Boxer war und einmal ein kleines Preisgeld gewonnen hatte. Als er anfing zu laufen und bei Rennen starten wollte bekam er keine Lizenz und durfte bei keinem Lauf teilnehmen, weil es damals als Amateursportler verboten war Geld anzunehmen. Also startete er ohne Nummer aus den Hinterhalt als The Ghost Runner. Er gewann Ultra Rennen wie London to Brighton. Es war sein Traum den teilnehmerstärksten Ultralauf der Welt zu gewinnen. Den Comrades Marathon in Südafrika. Er schaffte es aber nicht ganz. Seine beste Platzierung war der vierte Platz. Diese beiden Rennen will ich auf jeden Fall auch mal laufen!

3x 50 km im Wettkampf und ein Trainingslauf über 60 km - das waren Deine längsten Einheiten in der Vorbereitung. In Wales bist Du dann beherzt gleich vorne mitgelaufen. Hattest Du nie Zweifel, ob das gut gehen kann? 

Klar hatte ich ein paar Zweifel. Nicht wegen der Streckenlänge, sondern ob die Muskulatur das mitmacht. Dass ich die 77 km packen würde war mir klar, aber ich hatte schon Schiss vor Krämpfen etc. gegen Ende. Es ging aber alles gut !

Welche Gefühle und Gedanken beherrschten Dich jenseits der 60 km-Marke?

Ich dachte mir, einfach bis 60 km wie im Training durchlaufen. Das habe ich ja schon zwei Mal gemacht. Und dann schaffst du die letzten 17 km auch noch!  

Gleich bei Deinem ersten Einsatz im Nationaltrikot so ein großer Erfolg - hast Du nur davon geträumt oder tatsächlich damit gerechnet?

Mit einer Top Ten Platzierung habe ich gerechnet, aber nicht mit dem Vize Weltmeister Titel. Das ist schon Wahnsinn und ich kann es immer noch nicht ganz glauben, dass ich das Ding so gut durchgezogen habe!

Und was kommt jetzt? Du hast vor ein paar Monaten mal gesagt, den Dt. Rekord über 50 km angehen zu wollen. Zieht's Dich also nach wie vor auf die flachen schnellen Strecken?

Mich wird es weiter auch auf die Strasse ziehen. Ich renne einfach die Rennen auf die ich Bock habe. Und wenn ich morgen 800 m auf der Bahn rennen will dann mach ich das einfach. Im Herbst habe ich einen schnellen Marathon geplant. Ich will endlich die 2 h 20 knacken. Danach will ich vielleicht bei der 50 km DM erst mal unter 3 h 00 bleiben und vielleicht dann nächstes Jahr den deutschen Rekord holen. Mal sehen. Nächstes Jahr im Frühjahr will ich irgendwo an einem internationalen langen Ultratrail teilnehmen. Wo weiss ich noch nicht genau.

Ein drei Jahre altes, aber aktualisiertes Portrat von Florian findet Ihr hier

 

 

 

 

 


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