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Marathonduell - Sabine Naber

[eingestellt am 24. Juli 2013]

By: Gerd Fischer

Als laufender Krimischreiber und krimischreibender Läufer befasse ich mich seit längerem mit Krimis, die das Thema „Laufen“ aufgreifen und in spannenden Geschichten verarbeiten. Mit dem „Marathonduell“ von Sabina Naber, etablierte Krimi-Autorin in Österreich, liegt nun in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Krimi vor.

Erstens wird das Sportthema Marathon nicht nur eingeflochten, sondern Sabina Naber nimmt die Leser quasi mit auf die Strecke, denn ein wichtiger Erzählstrang ist aus der Perspektive zweier Läufer geschrieben, die gerade den Wien-Marathon absolvieren. In diesen Passagen stehen für Läuferohren bekannte aber auch erstaunlich schöne Sätze, in die man sich als erfahrener Marathoni wunderbar eindenken kann, z.B. „Zuerst ist man wie auf Speed und dann will man nur noch schlafen“ oder „Ich. Schaff. Es. Er wiederholte die Worte und zwar bei jedem zweiten Schritt.“ Und es gibt sicher nicht Wenige, die während oder nach ihrem ersten Marathon dachten: „Und was habe ich davon? Eine Scheiß Plakette ... Irgendein Wüstenheini sprintet allen davon, und der Rest hat eh keine Chance. Ich Vollidiot. So eine saublöde Idee. Besiege dich selbst. So ein Schwachsinn. Ich bin ja nicht mein Feind.“ Die Leser begegnen auf der Strecke vielen Eigenheiten und Läufer-Marotten. Da fühlt man sich wie zu Hause. 

Zweitens haben wir es mit einem Krimi zu tun, bei dem der Täter von Anfang an bekannt ist. Das geht etwas auf Kosten der Spannung. Es geht nicht darum, wer die Tat begangen hat, sondern ob und wie die Ermittler dem Täter auf die Schliche kommen. Zumal der mutmaßliche Täter den Marathon mitgelaufen, zeitgleich aber der Mord geschehen ist. Geht das? Wie geht das? Haben wir es mit einem perfekten Mord zu tun, der dem Täter nicht nachweisbar ist? Aus diesen Fragen gewinnt der Krimi seine Spannung. 

Und drittens das etwas schräge Ermittlerduo Daniela Mayer und Karl Maria Katz, das zum ersten Mal zusammen arbeitet. Mayer ist Lesbe mit Geldproblemen, die sich am liebsten auf dem Kommissariat einen Lenz macht. Katz ist schon etwas älter, den Wien-Marathon mitgelaufen und Zigarillo-Raucher. Anfangs fällt es etwas schwer, sich in die beiden und ihre Dialoge hinein zu versetzen, im Laufe des Krimis wird es zum Vergnügen, den beiden bei der Arbeit „zuzuschauen“. Die Figuren gewinnen an Authentizität und man möchte mehr von ihnen lesen. 

Diese drei Erzählebenen, die ineinander verwoben sind, sorgen für einen etwas holprigen Start in den Krimi und machen es dem Leser nicht ganz einfach, sich in die Story einzufinden. Hat man den Faden gefunden, liest es sich locker leicht, immer mit einem Augenzwinkern (österreichisch!) und im Laufe des Krimis gewinnt er an Tempo. Den Schluss verrate ich natürlich nicht. 

Fazit: Kein hochspannender, aber ein detailliert geschriebener - teilweise schräger - Krimi, bei dem der Wiener Schmäh nicht zu kurz kommt. Für (Marathon-)-Läufer zu empfehlen. Und zum Abschluss noch ein kleines Zitat aus dem Krimi, an dem man sehr schön sehen kann, was einige Punkte ausmachen: „Komm. Nur. Noch. Drei. Kilometer. Drei.“

  • ISBN-10: 3839213797
  • ISBN-13: 978-3839213797
  • Gmeiner Verlag
  • 11,99 €

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