Kanzlei.org - laufend gut beraten

Fit ohne Geräte: Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht - Mark Lauren

[eingestellt am 17. August 2013]

By: Harald Krauß

Der eigene Körper ist alles, was ein Sportler zum Krafttraining braucht. Mark Lauren setzt diese Erkenntnis in seinem Buch "Fit ohne Geräte" konsequent in ein Trainingssystem um. Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht, das bedarf keiner Maschinen, kann immer und überall betrieben, und so in den Lebensplan integriert werden. 

Grob gesagt, zerfällt "Fit ohne Geräte" in zwei Teile: einen allgemein gehaltenen Abschnitt mit Kapiteln über Trainingsmythen, Ernährung und Trainingsmethoden, dem sich der Hauptteil mit 125 Übungen anschließt.  

Und so zweitegeilt wie das Buch, fällt auch mein Urteil darüber aus, denn so gut der Hauptteil gelungen ist, so wenig gefallen mir die einleitenden Kapitel. Dass er Fitness ohne nähere Begründung unorthodox definiert (weshalb unterscheidet er auf der höheren Ebene zwischen Kraftausdauer und aerober Ausdauer?), will ich ihm gerne nachsehen. Der Abschnitt über Motivation und Zielsetzung ist nicht schlecht, und viele Sportler werden es schätzen, wenn er Trainingsmythen hinterfragt. Es sind immer nur ein paar Seiten, aber als Einstieg recht nett. Den ersten größeren Lapsus leistet Lauren sich indes, als er versäumt, dem Leser klar zu machen, dass Tabatatraining eben nicht aus nur vier mal vier Minuten in der Woche besteht. Er sagt zwar nicht ausdrücklich, dass dem so ist, lässt aber zu, dass dieser Irrglaube weiter besteht.

Von einem renommierten Trainer erwarte ich an dieser Stelle eine differenzierte Darstellung. 

Besonders gravierend finde ich den Mangel in seiner Argumentation. Sie steht ab dem Moment auf tönernen Füßen, in dem er Cardiotraining als Zeitverschwendung bezeichnet. Denn wenn ich Laurens eigene Definition von Fitness als Messlatte nehme, nennt er aerobe Ausdauer auch als Komponente. Nun dreht sich das entsprechende Kapitel um Fettverbrennung, und hierfür verspricht Intervallkrafttraining mehr Erfolg als Ausdauertraining. Dennoch liegt für meinen Geschmack der Schwerpunkt zu sehr auf dem Thema "Kalorienverbrauch", und nicht auf "Fitness".

Dass Lauren sachlich gesehen Recht hat, macht seine Argumentation umso weniger verständlich. Sie ist vor dem Hintergrund des Buches nicht schlüssig. 

Nun reden wir nur von Abschnitten, die an das eigentliche Anliegen des Buches - Eigengewichtsübungen - heranführen. Und kaum haben wir sie hinter uns gelassen, überstrahlt der Hauptteil den ersten Eindruck.

Grob gegliedert in die vier Kategorien Zug, Druck, Beine und Rumpf bietet Lauren ein Füllhorn an Übungen, die er jeweils mit reichlich Variationsmöglichkeiten garniert. Viele Menschen meinen immer noch, Eigengewichtsübungen würden keine Möglichkeit zur Progression bieten. Lauren entkräftet diesen Einwand früh. Für jede einzelne Übung nennt das Buch Varianten, um sie einfacher - oder schwerer - zu machen.

Ein Beispiel: bei den leichtesten Liegestützen stößt man sich im Stehen von der Wand ab. Das andere Extrem sind Liegestütze im freien Handstand. Dazwischen ist alles möglich! 

Weil es so viele Abwandlungen gibt, bleibt es nicht bei "Leicht" oder "Schwer", sondern es wird auch abwechslungsreich. Alle Übungen sind mit Bildern versehen und so beschrieben, dass man sie leicht nachmachen kann. Ebenso stellt Lauren die hauptsächlich trainierten Muskeln heraus, und ordnet sie einem von vier Schwierigkeitsstufen zu. 

Mark Lauren ist übrigens ein Freund von Ganzkörperübungen. Training an Maschinen lehnt er nicht nur deswegen ab, weil sein Konzept "Fit ohne Geräte" heißt, sondern er nennt als handfesten Vorteil dieses Trainings, dass auch die Zusammenarbeit der Muskeln trainiert wird. Auf gut deutsch: Functional Training!

Spätestens an dieser Stelle habe ich mich mit Laurens Buch versöhnt. 

Den Abschluss des Buches bildet ein Trainingsprogramm in unterschiedlichen Stufen (Einsteiger, Fortgeschrittene,...). Wenn man die Hintergründe begreifen will, muss man sich etwas hineindenken, denn die Vielzahl der Methoden, die aus Intervallsätzen, Supersätzen, Stufenintervallen, und, und, und bestehen, wollen zunächst verinnerlicht sein. Nachdem diese kleine Aufgabe erledigt ist, erschließt sich schnell der tiefere Sinn in den Programmen, was dem Sportler die Möglichkeit gibt, sie an seine Bedürfnisse anzupassen. Freilch kann man den Programmen auch "nur so" folgen, es macht eben mehr Spaß, wenn man die Hintergründe versteht. 

Unterm Strich ein sehr gutes Buch, dessen Hauptteil die fehlende Logik in der Argumentation weit überstrahlt.

Kaufen - wegen der Übungen!

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Riva (14. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3868831665
  • 16,99 €

Kossmann Laufdesign