Kanzlei.org - laufend gut beraten

Das große Buch vom Ultramarathon - Hubert Beck

[eingestellt am 17. September 2013]

By: Jochen Höschele

Auf 271 Seiten befasst sich DLV-A-Trainer Langstreckenlauf und Ultraläufer Hubert Beck damit, wie der Schritt vom Marathon- zum Ultramarathonläufer aussehen kann, wie man für Ultraläufe trainiert, sich ernährt und wie man seine Leistungen auf Ultramarathondistanzen verbessert. Das alles beschreibt Beck im Vorwort zu seinem Buch, welches er so verfasst hat, wie er es selbst gerne gelesen hätte, als er seine Karriere als Ultraläufer vor über 10 Jahren mit seinem ersten „Swiss Alpine Marathon“ in Davos begann. Die Einteilung des Buches in einen ersten Teil, in dem sich Beck mit der Historie des Ultralaufens sowie den Grundsätzen, gefolgt von Überlegungen zu Training, Willenskraft, Regeneration, Ernährung und Ausrüstung auseinandersetzt, bieten dem Neuling und unerfahrenen Ultramarathonläufer sicherlich wichtige Hinweise. Ambitionierte oder erfahrene „Ultras“ finden hier nur weniges, was ihnen nicht sowieso schon bekannt wäre.

Kurz wird auch das vom Autor kreierte sogenannte „Modulare Ultralauf-Trainingssystem“ vorgestellt, auf welches dann später in den einzelnen Kapiteln noch genauer eingegangen wird. Dieses umfasst nicht nur die allseits bekannten Trainingsbausteine wie Grundlagenausdauertraining oder wettkampfspezifisches Training, sondern auch Faktoren wie Zeitmanagement, Superkompensation, Stretching und Leistungsdiagnostik.

Einen größeren Umfang nehmen dann die Trainingspläne für 100km- und 24h-Läufe ein, jeweils zehn an der Zahl, die den unterschiedlichsten Leistungsklassen gerecht werden – von zwölf bis sieben Stunden bei den 100km-Trainingsplänen, von 160 bis 257km bei den 24h-Plänen. Damit ist ein so breites Spektrum abgedeckt, dass sich hier wohl die meisten Läufer und Leser wieder finden dürften. Über die Qualität dieser Trainingspläne lässt sich natürlich in der Theorie nur eingeschränkt urteilen, jedoch erscheint ihr Aufbau logisch und zielgerichtet und ist mindestens für Ultralaufbeginner oder Unerfahrene eine wertvolle Hilfe, auch den Erfahreneren können die Pläne Anhaltspunkt und Leitlinie sein. Ob das Training für einen geeignet ist, hängt natürlich – wie immer - von den individuellen Bedürfnissen ab.

Schließlich folgt der Teil des Buches, der eher zum Schmökern geeignet ist: Hubert Beck präsentiert und portraitiert vier „Ultralauf-Stars“ (Ann Trason, Sri Chinmoy, Wolfgang Schwerk und Yannis Kouros). Hier macht das Lesen Spaß, wenn aus dem Ultra-Nähkästchen geplaudert wird und zudem sind die vier Persönlichkeiten unterschiedlich genug, als dass für Abwechslung gesorgt ist.

Ein besonderes Bonbon hält das mit Abstand größte (und letzte) Kapitel 12 des Buches parat, welches „Die großen Ultraläufe“ heißt. Allesamt hat Hubert Beck diese „erlaufen“, und seine Erfahrungsberichte hierzu sind in diesem Kapitel eindrucksvoll verarbeitet. Natürlich könnten ewige Nörgler an der Auswahl der neun Läufe herummäkeln, doch Becks ureigene Sicht, seine persönliche Erfahrung bei diesen Läufen wiegt bei weitem schwerer, als würde er über einen Lauf philosophieren, den er selbst noch nicht gemacht hat. Eine bunte Palette hat Hubert Beck in seinem Ultrafarbenkasten und beschreibt diese ausführlich. Ob „der“ Klassiker schlechthin, der „Bieler Hunderter“ oder der „Marathon des Sables“, vom Runden- bis zum Mehrtageslauf ist alles vertreten. Ergänzt werden die Erlebnisberichte durch hilfreiche Rubriken wie „Die größten Fehler“ und „Ausrüstungsempfehlungen“, zugeschnitten auf den jeweiligen Lauf. Obendrein bietet Beck auch noch passende Trainingspläne für jeden dieser neun Läufe am Ende des Erlebnisberichts.

Auch wenn das Buch einige kleine bedauerliche handwerkliche Fehler aufweist (zum Beispiel wird mehrfach der 100km-Straßenweltrekord der Frauen fälschlicherweise Norimi Sakurai und nicht Tomoe Abe zugeschrieben) und das Kapitel „Ernährung“ reichlich unwissenschaftlich daherkommt und sich darin teilweise verwirrende Hinweise finden, ist „Das große Buch vom Ultramarathon“ dennoch sehr lesenswert. Der Einsteiger findet neben Trainingsplänen auch verwertbare Hinweise, die er sich sonst mühsam aus diversen Quellen beschaffen müsste. Für den erfahrenen Ultraläufer gibt es nicht ganz so viel Neues, doch alleine schon die Erfahrungsberichte und die Vielzahl an Trainingsplänen für sämtliche Distanzen lohnen es, dieses Werk zumindest einmal gelesen zu haben.

 

ISBN: 978-3-7679-1153-6

272 Seiten; 254 Abbildungen und 44 Grafiken

Copress Verlag

19,90 €


Kossmann Laufdesign