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The perfect distance - Pat Butcher

[eingestellt am 01. November 2013]

By: hahnertwins

Was ist die perfekte Streckenlänge unter den Mitteldistanzen? In Deutschland wird man wohl verschiedene Antworten bekommen. Sind es die 800m oder doch eher die 1500m? Die Meile ist hier eher unbekannt. In England dürfte die Antwort klarer sein. Keine Strecke ist hier so geschichtsträchtig wie die Meile. Für die Briten ist die Meile mit seinen vier Runden wie ein 4-Akter Theaterstück: Prolog, Exposition, Handlung, Ausgang. Selbst Aristoteles hätte laut Autor keine bessere Drama-Formel finden können.

Das Buch „The perfect distance“ von Pat Butcher handelt von der Rivalität Sebastian Coes und Steve Ovetts, mit dem Hauptaugenmerk auf der Meile. Kann ich als Deutsche, wo die Meile kaum gelaufen wird, von diesem Buch genauso wie ein Brite in Bann gezogen werden? Ich bin gespannt und fange an zu lesen.

Im Buch stehen Sebastian Coe und Steve Ovett im Mittelpunkt. Beide zählen zu den besten Mittelstrecklern aller Zeiten. Und obwohl sie fast nur in großen Meisterschaftsrennen direkt gegeneinander gelaufen sind, wurden die achtziger Jahre von diesen beiden Personen geprägt. Wer in dieser Zeit so wie ich noch nicht die Leichtathletik verfolgen konnte, bekommt vom Autor einen tiefen Einblick über die Bedeutung des Duells. Vor einem Vierteljahrhundert sei Großbritannien gespalten gewesen, nicht zwischen Pro und Contra Thatcher, nicht zwischen arm und reich und auch nicht zwischen Nord und Süd. Am meisten polarisierten zwei Mittelstreckenläufer: „It was Steve Ovett versus Sebastian Coe.“

Der Autor beschreibt wie die beiden Sportler aufgewachsen sind und kreiert durch die zahlreichen Interviews mit unzähligen Personen aus dem nahen Umfeld, mit Trainern, der Familie, ehemaligen Konkurrenten und auch den Hauptakteuren persönlich ein umfassendes und faszinierendes Bild zweier sehr unterschiedlicher Charaktere, die beide außergewöhnlich viel als Läufer erreicht haben.

Der Leser wird in den Bann gezogen von Ovett, dem Naturtalent, der den Presseleuten die kalte Schulter zeigt, der drei Jahre lang über die Meile bzw. die metrische Meile ungeschlagen blieb. Und auf der anderen Seite Coe, Medienliebling, der sein Talent durch Fleiß und Biss hart erarbeiten musste. Lange hatte Ovett seine Nase vorne. Doch Vater Coe hatte einen Masterplan und Stück für Stück formte er Seb zum weltbesten Mittelstreckler - was selbst Ovett in einem Interview verlauten ließ. „ Without question, Seb was the greatest middle-distance runner that we have had in the UK.“

Der Autor belässt es nicht bei einer ausführlichen Beschreibung von Ovett und Coe, sondern widmet ein Kapitel auch Steve Cram, dessen Namen nicht fehlen darf, wenn man von britischen Weltklasse-Mittelstrecklern spricht. Auch ausländische Konkurrenten kommen zu Wort. Der irische Läufer Ray Flynn beschreibt die Situation wie folgt: „If Ovett ran a mile in 4.16, I’d run 4.16.1“. Der Respekt der anderen Läufer war groß. In dem Sog der beiden Briten ließen sie sich aber auch zu Top-Zeiten ziehen. Der Britische Läufer Moorcroft berichtete: „But, because Ovett and Coe did it, and I was racing them, I thought, if they can, I can. And then others came along and said ‚so can I, can I...’

Das Buch fesselt den Leser mit spannenden Rennbeschreibungen, gibt einen interessanten Einblick in die mentale, oft entscheidende Einstellung des Athleten und beschreibt die Hochs und Tiefs einer Sportlerkarriere. Die Inhalte sind ausführlich und über mehrere Jahre recherchiert, und selbst ich als Deutsche kann mich der Faszination über „the perfect distance“, der Meile, kaum erwehren.    

„The perfect distance“ – Pat Butcher. 306 Seiten, Phoenix Paperbook. London (2004): Orionbooks 8,99 Pfund.


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