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Neuenschwander, Maja

[eingestellt am 06. November 2013]

By: hahnertwins

Maja beim Frankfurt Marathon

Kontinuierlicher kann man seine persönliche Bestleistung wohl kaum steigern. Von 2:45:22h im Jahr 2006 bei ihrem ersten Marathon schraubte die Schweizerin Maja Neuenschwander bis auf wenige Ausnahmen in fast jedem weiteren Marathon ihre Zeit nach oben. Den vorläufigen Höhepunkt bildete ihre Zeit beim Frankfurt Marathon am 27.Oktober diesen Jahres, als sie in 2:29:42h zum ersten Mal die magische 2:30h knackte. Nur eine weitere Schweizer Läuferin war je schneller. Fränzi Rochat-Moser hält den Ch-Rekord in 2:25:51h.

Maja wurde am 13.Februar 1980 geboren. Ihre Liebe zum Laufen flammte bereits als Kind auf. Ihr Vater nahm sie oft auf kurze Laufrunden mit und mit 11-12 Jahren bestritt sie erste Nachwuchsläufe in ihrer Region. Anschließend trat sie einem Leichtathletikclub bei und begann mit strukturierterem Training. Noch stand das Laufen nicht alleine im Fokus, sondern sämtliche Leichtathletikdisziplinen waren Bestandteil des Trainings. Sprint, Weitsprung oder Speerwerfen konnte sie aber nicht so glücklich machen wie das Laufen.

Mit 17-18 Jahren konzentrierte sie sich ausschließlich auf ihre Lieblingsdisziplin, zuerst die Mittelstrecke und anschließend die Langstrecke. Maja hat also die meiste Zeit ihres Lebens laufend verbracht. Doch was wäre für sie gelaufen, wenn sie die Leichtathletik nicht für sich entdeckt hätte. Konzertpianistin? „Dafür war ich etwas zu trainingsfaul.“ Fußballerin? „Wenn nur der Respekt bei Zweikämpfen nicht da wäre.“ Oder Gourmetköchin? „Muss man da mehr als Pasta kochen?“

Beim Laufen gibt es für Maja keine Ausreden. Sie setzt sich Ziele und diese verfolgt sie dann mit ganzer Motivation und Leidenschaft. Als Schweizerin ist ihr nächstes großes Ziel kein Geheimnis. 2014 ist Zürich Austragungsort der Leichtathletik-Europameisterschaften. Ein Heimspiel, bei dem sie alles geben wird. „Die Strecke in Zürich wird anders sein, daher werden bei diesem Rennen auch andere Qualitäten der Marathonläufer entscheidend auf die Leistung einwirken. Das Streckenprofil wird keine Bestzeit zulassen- ich möchte im Ziel sagen können, dass ich das Beste aus mir herausgeholt habe.“

Dieser Anspruch an sich selbst spiegelt sich auch in ihrer Wettkampfplanung wider. Trotz ihrer erfolgreichen Qualifikation (Hamburg Marathon April 2013 in 2:30:50h) für die Weltmeisterschaften in Moskau entschied sie sich gegen einen Start. „Als Marathonläuferin habe ich 2x pro Jahr die Möglichkeit, mich auf meiner 'Paradestrecke' wettkampfmäßig zu verbessern. Für mich war nach den Olympischen Spielen in London klar, dass ich im Hinblick auf die EM 2014 in Zürich das Zwischenjahr 2013 für eine läuferische Weiterentwicklung nutzen wollte - Ziel war es, meine Bestzeiten auf der Halbmarathon- wie Marathondistanz zu verbessern, dass ich gut gerüstet die Vorbereitung für die Heim-EM in Angriff nehmen kann.“ Gesagt, getan. 1:13:44h und 2:29:42h stehen Ende des Jahres in ihrer persönlichen Bestenliste zu Buche.

In Zürich wird Maja mit einem kompletten Frauenteam an der Startlinie stehen. Aktuell haben bereits je sechs Läuferinnen und Läufer die Norm unterboten. Trotz der hohen Anzahl an Läuferinnen, ist die Zahl junger Nachwuchstalente gering. „Die Szene wird dominiert von Frauen über 33“, so Maja. Ausgenommen sei hier die 23jährige Céline Hauert.

Ihre Bestzeit im Halbmarathon ist Maja beim Greifensee HM gelaufen, der gleichzeitig Austragungsort der Staatsmeisterschaften war. In der Schweiz werden die nationalen Halbmarathon- und Marathonmeisterschaften in große Läufe integriert. In Deutschland bilden die Meisterschaften ein Schattendasein. Wo sieht Maja als Athletin die Vorteile in der Schweizer Herangehensweise? „Das war nicht immer so - will der Verband aber die besten Läufer an der Startlinie von Meisterschaften haben, muss er die Meisterschaften fast zwingend auf attraktiven, sprich schnellen Strecken durchführen, sonst verkommen die Meisterschaften zur Farce. Da wir uns in der Schweiz nicht über Ränge bei Meisterschaften sondern nur über Zeitlimiten für EM/WM/OS qualifizieren können, ist die Wahl der Qualirennen entscheidend.“

Zu gerne würde sie mal mit Paula Radcliffe laufen gehen und sie fragen, was man für eine 2:15er oder 2:17er Zeit trainieren müsse. An Paula ranzukommen ist nicht so einfach, leichter fällt es, sich mit den deutschen Kolleginnen kurzzuschließen. Für den Winter bzw. das kommende Jahr plant Maja gemeinsame Trainingsmaßnahmen mit deutschen Athleten. „Ich denke, ich bin nun auf einem Niveau, wo ich mich über die Grenzen hinaus orientieren und organisieren muss, das könnte ein weiteres Mosaiksteinchen zur sportlichen Weiterentwicklung sein.“ Nicht nur trainingstechnisch, sondern auch wettkampftechnisch möchte sich Maja über die Grenzen hinaus orientieren. Die Marathons in New York, London, Chicago und Boston stehen definitiv auf ihrer „bucket list“.

Egal wo Maja ihre nächsten Marathons nach den Europameisterschaften in Zürich laufen wird, zwei Dinge bleiben gewiss: Die Honigbrötchen am Morgen vor dem Marathon und das Gefühl hinter der Ziellinie: I did it!

Homepage: www.majaneuenschwander.ch

 

Bestzeiten:

5000m: 16:19.82min (Koblenz, 2000)
10.000m: 34:18.47min (Kandel, 2001)
HM: 1:13:44h (Uster, 2013)
Marathon: 2:29:42h (Frankfurt, 2013)


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