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Premierensammler Frank Blumenfeld

[eingestellt am 20. November 2013]

By: Christian Werth

Premieren als Seelenbalsam 

Überall wo eine Laufveranstaltung seine Premiere feiert, taucht er auf. Frank Blumenfeld aus Köln ist ein „Premierenläufer“. Der 46-Jährige hat sich auf Laufdebüts spezialisiert, kann bereits 218 Premierenläufe vorweisen. Mit diesem ganz besonderen Hobby strebt er einen Eintrag ins Guinessbuch an, hat die Aufnahme bereits beantragt. Allerdings gibt es in dieser Kategorie bislang auch noch keinen Eintrag. Blumenfeld selbst geht davon aus, dass er mit seiner Sammelleidenschaft zu den Besten gehört. „Ich habe mit vielen alteingesessenen Läufern gesprochen, die insgesamt schon weit mehr als 1.000 Läufe absolviert haben. Aber dennoch kommen die in der Regel nur auf 50 bis 100 Premieren“, rechnet Blumenfeld vor. In der Tat eine beachtliche Leistung, die sich nicht nur aufs Laufen, sondern auch aufs Recherchieren und Reisen bezieht. Selbst wenn die vorderen deutschen Sammelikonen wie Horst Preisler oder Christian Hottas wohl mehr Premierenläufe aufweisen können, ist hierbei auch das besondere Schicksal des Kölners hervorzuheben. 

Immer wieder abgelehnt 

Für seine Leidenschaft nimmt der ehemalige Gartenbau-Pflasterer einiges auf sich. Schließlich ist Blumenfeld erwerbsunfähig und obdachlos, hat nach mehreren Bandscheibenvorfällen und chronischen Rückenbeschwerden vor zwei Jahren Arbeitsstelle und Wohnung verloren. Seitdem lebt er in einer Kölner Obdachlosen-Unterkunft. Seit nunmehr zwei Jahren ist der Harz-IV-Empfänger vergeblich auf der Suche nach einer neuen Bleibe, ist bei mehr als 400 Wohnungsbesichtigungen abgelehnt und auch von Behörden immer wieder enttäuscht worden. Auf seiner eigenen Homepage hat er seine persönliche Odyssee in einem Blog niedergeschrieben. Doch der „Premierenläufer“ ist ein Kämpfer, hat gelernt sich durchzubeißen und gab auch seine Laufleidenschaft trotz aller persönlicher Rückschläge nicht auf. Blumenfeld ist nicht nur auf Bus und Bahn angewiesen, sondern muss sich wegen seines fehlenden Kontos stets persönlich beim Veranstalter melden und seine besonderen Umstände darlegen. In der Regel begegnet man ihm mit Verständnis, sodass er trotz gängiger Bankeinzug-Praxen das Geld bar vor Ort zahlt. Obwohl er nicht viel zum Leben hat, opfert er einen Großteil seines Budgets für Laufteilnahmen und Ausrüstung. Doch das Laufen gibt ihm viel zurück, ist zum wichtigen, halt gebenden Lebensinhalt geworden. 

Ratschläge für Veranstalter 

Seit mehr als 22 Jahren reist der Tausendsassa quer durch Deutschland und hat sich dadurch längst einen Namen gemacht. Häufig wird er von Veranstaltern und Moderatoren erwähnt und interviewt, avanciert dann neben den Spitzenläufern zur Besonderheit. Dann steht er einmal für kurze Zeit im lokalen Rampenlicht, erzählt eloquent über seine Sammelleidenschaft und kann dann sein persönliches Schicksal kurzzeitig vergessen. Mit seiner außergewöhnlich großen Erfahrung gibt er Neuveranstaltern häufig Ratschläge mit auf den Weg. Denn wer könnte die Organisationsqualitäten besser beurteilen als jemand, der schon an 218 verschiedenen Läufen teilgenommen hat. Er selbst hat sich inzwischen im Bereich von 45 min über 10 km eingependelt, hat eine Bestzeit von 41:14 min vorzuweisen. Meistens sind es 10-km-Läufe, aber auch längere Distanzen bis hin zum 50-km-Ultra stellen für ihn kein Problem dar. Marathon läuft er in 3:28:42 h. Blumenfeld beschränkt sich nicht auf Premieren, hat insgesamt schon knapp 900 Läufe mitgemacht. Den besonderen Reiz stellen jedoch die Debüts dar, am liebsten die ganz kleinen, besonders familiären Veranstaltungen, wie er selbst sagt. Hier genießt der Rekordläufer die schöne, gesellige Atmosphäre. 

„Ohne Laufsport im Rollstuhl“ 

Allerdings wird das Sammeln zunehmend schwerer. So gibt es in jedem Jahr weniger Laufdebüts; ganz im Gegensatz zum Laufboom vor 15 Jahren, als die Läufe noch wie Pilze aus dem Boden schossen. Viele Jahre ist der Domstädter für den LTD Köln-Dellbrück gelaufen, wo er jedoch vor drei Jahren ausgetreten ist. „Es hat sich herausgestellt, dass ein Vereinsmitglied betrogen hat und bei einer offiziellen Walking-Wertung nachweislich gelaufen ist“, erzählt er. Dies nahm er zum Anlass auszutreten und hat inzwischen als Ehrenmitglied des SuS Phönix Bielefeld eine neue sportliche Heimat gefunden. Schließlich verachtet Blumenfeld nicht zuletzt wegen seines eigenen Schicksals nichts mehr als Ungerechtigkeiten. „Ohne den Laufsport würde ich wohl schon im Rollstuhl sitzen“, ist sich der „Premierenläufer“ sicher. „Laufen ist Leben, alles andere ist Stillstand“, lautet sein Motto, mit dem er zugleich auf seine aktuelle Lebenssituation anspielt. 


Kossmann Laufdesign