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Franz Stampfl:Trainergenie und Weltbürger-Biografie eines Visionärs - Andreas Maier

[eingestellt am 15. Januar 2014]

By: hahnertwins

Franz Stampfl wurde 1913 in Wien geboren, hat Kunst studiert und war österreichischer Juniorenmeister im Speerwurf. Am stärksten verbindet man jedoch mit ihm die Traummeile von Roger Bannister, dem ersten Meilenläufer unter 4min. Dieser sagt über Franz Stampfl: „Das Vermächtnis von Franz Stampfl? Don’t accept limitations.“

Andreas Maier begibt sich auf die Suche nach dem Menschen und Trainer Franz Stampfl. Hierzu führte er Gespräche mit Sportlern, in deren Leben Franz Stampfl eine zentrale Rolle spielte wie Sir Roger Bannister oder Sir Chris Chataway. Außerdem reiste er nach Australien, um lange und ausführliche Gespräche mit Stampfls Sohn Anton zu führen oder nutzte Filmaufnahmen mit weiteren Verwandten Stampfls. Die mehrseitigen aufgelisteten Quellen am Ende des Buches verdeutlichen die intensive Recherche, die hinter dieser Biografie stecken. Hierbei spart der Autor auch die unschönen Dinge nicht aus, die im Leben Stampfls auftauchen. „Franz Stampfl hat zum Ende seiner Trainerlaufbahn jedenfalls mit einigen seiner Sportlerinnen beim Betrug mitgemacht. An seinen sportlichen Erfolgen ab den 1940er Jahren, seiner Pionierarbeit im Laufsport und der Relevanz seiner Philosophien ändert dies jedoch nichts.“ Man spürt als Leser, dass Andreas Maier ein möglichst umfassendes und authentisches Bild von Stampfl zeigen wollte. Er beleuchtet ihn mit all seinen Facetten.  

„Die Biografie von Franz Stampfl ist die Entdeckungsreise in ein faszinierendes Kapitel des Weltsports und ein wildes Stück Zeitgeschichte. Man kann sein Leben als Verdichtung großartiger Augenblicke lesen oder als Aneinanderreihung von Katastrophen. Man kann ihn als Helden zeichnen oder als tragische Figur. Am besten als Menschen mit herausragenden Fähigkeiten, inneren Konflikten und immenser Ausstrahlung.“ Der Autor Andreas Maier empfiehlt die positive Sichtweise und begründet dies folgendermaßen: „Denn wenn Menschen von Begebenheiten mit ihm erzählen, geraten sie ins Schwärmen, und die Begeisterung, die er einpflanzen konnte, lebt immer noch, auch wenn er seinen Rollstuhl längst verlassen hat.“ Um dies zu unterstreichen, zitiert Maier am Ende Christopher Chataway: „Er war einer der großen Charaktere des 20. Jahrhunderts.“ Zumindest gilt dies ohne Zweifel für die Leichtathletik. Die Biografie heißt nicht umsonst „Biografie eines Visionärs“. Andreas Maier lässt den Leser die Strahlkraft Stampfls spüren. Franz Stampfl, der Mensch, der die erste sub-4-Meile plante und doch nie die Anerkennung bekam, die er verdient oder sich gewünscht hätte. Die Biografie Maiers trägt dazu bei, dass auch Leichtathleten heutzutage etwas mit dem Namen Franz Stampfl anfangen können. 

Überraschend modern und stylisch ist das Cover der Biografie gestaltet. Schwarz-weiß mit pinker Schrift und glänzend. Es wirkt wie ein Magazin. Im Mittelteil gibt es 16 Seiten voller farbiger Fotos, die Eindrücke vom Leben Franz Stampfls vermitteln. Mein Fazit: eine rundum gelungene und lesenswerte Biografie. Dies liegt zum einen an der herausragenden Persönlichkeit Stampfls aber auch am literarisch ansprechenden Schreibstil Maiers.  

ISBN 978-3-200-03366-5
19,90€
190 Seiten
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