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Bericht der Hahnertwins aus dem Trainingslager in Kenia

[eingestellt am 24. Februar 2014]

By: hahnertwins

Deutsche Mädels mit Florence und der Schweizerin Maja

Mocki, Anna und Lisa mit Chinesinnen und Florence

Anna, Mocki, Lisa

Kenia verbindet, Kenia erdet, Kenia motiviert!

16. Februar 2014. Wir sitzen mit unserem Cheftrainer Renato Canova im Matatu, dem kenianischen Kleinbus, gerade haben wir unser Tempotraining beendet. Wir sind auf dem Weg zurück ins Camp als Canovas Handy piept: eine SMS aus Barcelona mit der aktuellen 10km-Zwischenzeit seines Schützlings Florence Kiplagat. Die Kenianerin läuft zur gleichen Zeit den Halbmarathon in Barcelona mit dem Ziel einen neuen Weltrekord zu laufen.  „31:08min – good pace“ sein cooler Kommentar. Die 15km erreicht sie nach 46:35min. „Now she is really fast. Today she will run the world record.“ Und so war es auch. Nach 65:12min rennt Florence Kiplagat den Halbmarathon so schnell wie noch keine Frau zuvor.

Zwei Tage später sitzen wir beim Abendessen als Canova zur Tür hereinkommt. Er möchte uns jemanden vorstellen. Hinter ihm kommt Florence Kiplagat zum Vorschein. Spontan fängt unser Tisch an zu klatschen. Florence ist gut gelaunt und fragt was wir am nächsten Tag trainieren. Für uns stehen 17 km Tempowechsel am Plan. Mit ein- und auslaufen macht das 22km. Das Programm gefällt ihr anscheinend, denn sie fragt Canova, ob sie uns begleiten darf. Wer kann einer frischgebackenen Weltrekordhalterin schon einen Wunsch abschlagen? So nehmen wir sie am nächsten Tag im Matatu mit zur berühmt berüchtigten Moiben-Road. Das ist die einzige Straße zwischen Eldoret und Iten, die einigermaßen eben verläuft. Für Florence ist das Training easy, uns bringt es an unsere Grenzen und unsere anfangs große Gruppe mit mehreren Chinesinnen, Sabrina Mockenhaupt und einem kenianischen Pacemaker erreicht das Ziel in vielen Kleingruppen. So ist das in Kenia. Am Anfang läuft jeder vorne mit - Gruppe schlägt Plan sozusagen.


„I can also run slowly“ erzählt uns Florence noch hinterher. Am Tag nach dem Weltrekord sei sie wirklich locker gelaufen, ein Kilometer sei sogar in 7min dabei gewesen. Das klingt fast entschuldigend, anscheinend hat sie unsere müden, verstaubten Gesichter gesehen, die ihren scheinbar mühelos schwebenden Laufstil beim heutigen Training bewundert haben.

22. Februar 2014. Heute steht unser erster Longjog auf dem Trainingsplan. Der Wecker klingelt um 5:00 Uhr. Die Laufkleidung haben wir bereits am Abend zuvor gerichtet, nichts wie raus aus dem Bett, ab in die Laufsachen, warme Kleidung überziehen und auf geht es ein Stockwerk tiefer. Um 5:15 Uhr treffen wir uns mit Mocki im Zimmer von Falk Cierpinski. Gemeinsames Frühstück, wir haben Banana-Cake vom Abend zuvor eingepackt, Falk hat für Kaffee gesorgt. Um 5:45Uhr Abfahrt zum anderen Camp, wo wir uns mit Renato Canova und den Chinesinnen verabredet haben. Doch es fehlt noch ein weiteres Matatu, das die Läufer zur Moiben-Road fährt. Also warten wir, auch typisch Kenia. Doch das ist uns gar nicht unrecht. Ein bisschen Zeit zwischen Banana-Cake und Training schadet sicherlich nicht. Schließlich wollen wir keinen unnötigen Boxenstopp einlegen. Manchmal lässt es sich trotzdem nicht verhindern, doch dazu später mehr.

Draußen ist es noch dunkel, der Mond und die Sterne sind zu sehen. Es weht ein frischer Wind, aber sobald die Sonne aufgegangen ist, wird es warm werden. Deshalb starten wir unseren langen Lauf auch so früh. Nach 40min-Warten kommt endlich das Matatu an und in einer Drei-Wagen-Kolonne geht es wieder zur Moiben-Road. Nach 20min-Fahrt sind wir da. Nun ist die Sonne bereits aufgegangen, es ist sieben Uhr und es herrscht ein buntes und geschäftiges Treiben. „10min warming up easy“ lautet die Vorgabe von Canova. Die ersten Läufer setzen sich in Bewegung, manche springen noch einmal schnell hinter den nächsten Busch, die Stimmung ist fröhlich und angespannt zugleich. „Are the toilets for men on the left or right hand side of the road?“ hat Falk einen Kenianer spaßeshalber gefragt. Der hat erst komisch geschaut und dann auch gelacht. Für uns stehen heute 35km auf dem Plan. Als besonderes Highlight läuft auch wieder Florence Kiplagat mit. Bis Kilometer 10 soll das Tempo ruhig sein und dann Stück für Stück gesteigert werden. „Ready, go!“ eine große Staubwolke setzt sich in Bewegung. Die ersten 200m sind relativ ruhig, doch die Dynamik der Gruppe lässt die Beine schneller laufen und schon bald ist das ruhige Anfangstempo über Bord geworfen. Außer dem ersten Kilometer waren alle weiteren unter 4:10min/km Pace. Nun kommt richtiges Wettkampf-Feeling auf. Die Wasserflaschen, die aus dem Auto gereicht werden, wandern von Hand zu Hand. Die Norwegerin trinkt einen Schluck, reicht die Flasche weiter an eine Chinesin und die weiter zum kenianischen Läufer. Das Wetter wird immer wärmer, das Tempo schneller, die Kilometeranzahl steigt und das Ende rückt in Sicht.

Die 35-Kilometer-Marke wird in mehreren kleinen Gruppen erreicht. Falk Cierpinski führt die Liste der unfreiwilligen Boxenstopps mit vier an. Das macht dann aus einem Dauerlauf ein Fahrtspiel. Schließlich sind 30s-45s bei einem 4min-Schnitt nicht ganz so leicht aufzuholen. Ein weiterer prominenter Name auf der Liste ist Mocki und auch die Weltrekordhalterin Florence Kiplagat musste eine kurze Pause einlegen. Die Gruppe läuft natürlich trotzdem weiter. Nach 35 Kilometern hat der Großteil der Gruppe sein Training für den Tag geschafft, manche Läuferinnen sind schon vorher ausgestiegen. Wir Läufer, die das Ziel erreichen, sind glücklich und fertig, die Trainer zufrieden. Florence Kiplagat wird heute sogar 45 Kilometer laufen. Diese Trainingseinheiten behält man noch lange in Erinnerung. Um es mit den Worten Falk Cierpinskis zu beschreiben: „Kenia verbindet, Kenia erdet, Kenia motiviert!“


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