Kanzlei.org - laufend gut beraten

Cierpinski, Falk

[eingestellt am 17. März 2014]

By: hahnertwins

Der Traum von Olympia

„Liebe junge Väter oder angehende, haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar! Waldemar ist da!“ So tönte es von Heinz Florian Oertel voller Euphorie und Begeisterung aus den Fernsehgeräten im Jahr 1980, als Waldemar Cierpinski den Olympiasieg im Marathon in Moskau erlangte. Den zweiten nach seiner ersten Goldmedaille vier Jahre zuvor in Montreal. Zwischen den zwei Goldmedaillen erblickte im Jahr 1978 Waldemars Sohn Falk die Welt.

Falk ist heute auch ein erfolgreicher Läufer. Doch er schlug nicht gleich den Weg seines Vaters ein. Falk war als Junge im Knabenchor aktiv. Er sang sogar als einer der drei Knaben in der Verwandlungsszene in Mozarts Zauberflöte bei einem Auftritt in Berlin. Woher die musikalische Ader komme? „Wenn man in Japan läuft, dann erwarten die Veranstalter, dass man einen musikalischen Beitrag zur Feier leistet. Mein Vater hat dann immer seine Mundharmonika ausgepackt.“

Mit der Pubertät kam das Singverbot und dadurch freie Nachmittage, die Falk sonst nicht kannte. „Ein Freund von mir hat Triathlon gemacht, also habe ich meine freien Nachmittage mit laufen, radfahren und schwimmen verbracht.“ Nun schlug der junge Cierpinski eine Sportkarriere ein, doch es zog ihn noch immer nicht in die Fußstapfen seines Vaters, stattdessen fand er im Duathlon und Triathlon seine Leidenschaft. Disziplin und Durchhaltevermögen habe man im Osten von klein auf gelernt bekommen, berichtet Falk über seine Zeit in der Leistungsschwimmgruppe.

Er wurde deutscher Duathlon-Meister auf der Kurzdistanz und nahm an Weltmeisterschaften teil. 2006 belegte er Platz drei beim Triathlon-Europacup in Portoroz. Warum er trotzdem noch im selben Jahr vom Triathlon zum Langstreckenlauf gewechselt ist? „Mein großes Ziel war und ist die Teilnahme bei Olympischen Spielen. In einer Altersklasse mit den Raelert-Brüdern, Jan Frodeno und Sebastian Kienle, wusste ich, dass dies im Triathlon extrem schwierig werden würde. Die letzte der drei Disziplinen war schon immer meine Stärke. Bereits 2004 bin ich über 10km in 29:50min einen Landesrekord Sachsen-Anhalts gelaufen und so ein bisschen scheint es mir ja in den Genen zu liegen“, erklärt Falk seinen Umstieg auf den Langstreckenlauf.

Nicht nur sein Vater hat eine Laufkarriere hinter sich, auch seine Mutter Maritta Cierpinski (geb. Politz) startete 1972 bei den Olympischen Spielen in München für die DDR im 800-Meter-Lauf. 1,5 Jahre blieben Falk nach seinem Umstieg bis zu den Olympischen Spielen in Peking. 1,5Jahre, um seine Marathonbestzeit von 2:24:27h (Sydney, 2006) auf 2:13:00h zu drücken. Denn dies war die vom DLV geforderte Norm. In 2:15:48h verpasste er zwar beim Hamburg Marathon im Frühjahr 2008 sein Ziel, doch schon ein halbes Jahr später beim Berlin Marathon lief er mit 2:13:30h eine neue Bestzeit und führte damit die Deutsche Jahresbestenliste an. Die Zeit bescherte ihm sogleich einen inoffiziellen Weltrekord, noch nie waren Vater und Sohn addiert schneller auf der Marathondistanz.

Waldemar ist nicht nur Vater und Motivator, sondern sogleich auch Falks Trainer. „Ich empfinde es als großen Vorteil, vom Erfahrungsschatz meines Vaters profitieren zu können. Er hat selbst im Training viel ausprobiert und Fehler, die er gemacht hat, muss ich selbst nicht mehr machen.“ In den Jahren zwischen 2008 und 2013 bremsten immer wieder Atemprobleme und Seitenstechen Falk aus, so dass er nicht an seine Marathonbestzeit heranlaufen konnte und immer wieder Rennen vorzeitig beenden musste. Beim Berliner Halbmarathon 2013 dann erstmals wieder ein positives Renngefühl, das Seitenstechen trat zwar auf, Falk bekam es aber unter Kontrolle. 65:45h, ein großer Schritt vorwärts oder wie es Falk bezeichnet, „ein Meilenstein“.

Berlin ist für ihn ein gutes Pflaster, im selben Jahr beim Marathon läuft Falk in 2:14:50h die B-Norm für die EM 2014 in Zürich und meldet sich zurück im deutschen Langstreckenlauf. 2014 Trainingslager Chiclana/Spanien, Trainingslager Kenia und dann Ende März Start beim Berliner Halbmarathon. Natürlich Berlin, ein gutes Pflaster für Falk. Und dann steht im Frühjahr ein Marathon an. Falk läuft, weil er ein Läufer ist. Auch deshalb zieht es ihn immer wieder ins Trainingslager nach Kenia. Laufen, essen, schlafen. So sieht jeder Tag, jede Woche und jedes Jahr eines Läufers aus. Und das mit Olympia ist ja noch immer offen. Ein Traum, ein Ziel, sein Ziel.  Es wird mal wieder Zeit für einen Cierpinski bei Olympia.

Bestzeiten

5000m          14:37,30min Dessau (GER) 2011
10.000m       30:14,44min Halle (GER) 2011
10km            29:14min Karsruhe (GER) 2008
HM                65:18min Leipzig (GER) 2013
Marathon       2:13:30 Berlin (GER) 2008


Kossmann Laufdesign