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Seiler, Christian

[eingestellt am 17. Juni 2014]

By: hahnertwins

Fotos: Jörg Stutzke

Christian Seiler bei seinem Sieg am Rennsteig im Mai 2014

Ein Interview mit Mr. Rennsteig

Spätestens seit seinem „Rekord für die Ewigkeit“ ist Christian Seiler der Mr. Rennsteig. Seine jeweils drei Siege im Halbmarathon, Marathon und Supermarathon sind bereits große Klasse, über allen Siegen thront jedoch seit diesem Jahr der Streckenrekord im Supermarathon. Als erster Läufer überhaupt ist der 30-Jährige auf der 72,2km langen Strecke von Eisenach nach Schmiedefeld unter der magischen 5h Marke geblieben.
Für Nicht-Thüringer erklärt der gebürtige Erfurter den Rennsteiglauf wie folgt: „Wer die Fußball-WM 2006 in Deutschland noch in Erinnerung hat, kann sich ausmalen, was jedes Jahr Mitte Mai bei uns in Thüringen los ist.“ Und Christian Seiler stellt dann wohl eine Mischung aus Schweinsteiger, Beckenbauer und Pelé dar: Localhero, Streckenrekordler und Rekordsieger.

Zum Laufen kam er in der Mittelstufe. Wer bei den Crossläufen teilnahm, bekam schulfrei. Das ließ sich Christian Seiler nicht zwei Mal sagen. Er hatte auf Anhieb gewonnen und wurde dann vom Fußball zur Leichtathletik abgeworben.
Christian Seiler arbeitet bei einem Hersteller für medizinische Hilfsmittel als Ingenieur für Kunststofftechnik in Thüringen. Im Gespräch wählt er seine Worte mit Bedacht, observiert seine Gesprächspartner genau und antwortet erst dann. Oft  mit einer guten Portion trockenem Humor, dabei verzieht er keinen Mundwinkel.

Was macht für Christian Seiler den perfekten Wettkampf aus, wann kam er zum ersten Mal mit dem Rennsteiglauf in Berührung und wie bereitet er sich mental auf solch eine große Herausforderung vor? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es im folgenden Interview.

 

Wann bist du zum ersten Mal mit dem Rennsteiglauf in Berührung gekommen?
Im Winter 2003/2004 war ich lange Zeit verletzt und konnte erst gegen März wieder mit dem Lauftraining anfangen. Nach gut 2 Monaten Training habe ich meine Form prüfen wollen und mir den Rennsteiglauf-Halbmarathon dazu ausgesucht.

Du hast in diesem Jahr den Streckenrekord beim Rennsteiglauf pulverisiert und bei der After Race Pressekonferenz angekündigt, diese Zeit nicht mehr angreifen zu wollen. Wie denkst du heute darüber?
Ganz genauso! Ich sage ja nicht, dass ich nicht noch schneller dort laufen kann, aber es lief dieses Jahr einfach alles rund in der Vorbereitung und ich konnte qualitativ hochwertig trainieren. Das noch zu steigern übersteigt meine Motivation, das weiß ich jetzt schon.

Gibt es den einen perfekten Wettkampf in der Karriere eines Läufers?
Ich denke schon und hatte sogar – nach meiner eigenen Definition – bereits einige Läufe, die ich perfekt nennen kann, u.a. den Rennsteig in diesem Jahr.  Da kommt zusammen, dass die Tagesform passt, man seine volle Leistung abrufen kann und dazu auch noch eine kleine Portion Glück hat.

Wie bereitest du dich mental auf einen Wettkampf vor?
Für Ultraläufe sind die langen Trainingsstrecken das Wichtigste. Man muss sich oft in den Zustand völliger Erschöpfung begeben und dann bewusst das Ruhig-Bleiben trainieren. Die Situation unaufgeregt analysieren und die richtige Strategie auspacken. Panik vermeiden. Wenn ich nach 3 von 5 Stunden Wettkampfdauer nen kleinen Durchhänger habe, kann ich dem eigentlich nur vom Kopf aus begegnen. Dazu muss man solche Situationen vorab im Training erleben. Ansonsten mach ich mir keine großen Gedanken über den Wettkampf, sehe das alles relativ locker, weil ich sicher bin, mich gut vorbereitet zu haben. Die Tasche wird meist auf den letzten Drücker gepackt und das Hotel von unterwegs gebucht. Nach 400 Wettkämpfen ist das alles mittlerweile unspektakulär für mich.

Wie hast du den Streckenrekord gefeiert?
Mit tausend anderen Läufern und Helfern am Abend in Schmiedefeld! Die Feier im Festzelt ist schon legendär und fordert noch einmal letzte Ausdauerreserven von allen Beteiligten. Aber wie mir scheint, können sich die Läufer ihre Kräfte dafür auf der Strecke sehr gut einteilen ;)

Wie viel freie Zeit bleibt dir in der Vorbereitung auf einen großen Wettkampf?
Wochentags nehme ich mir ca. 1h am Tag für das Training, am Wochenende besonders für die langen Dauerläufe auch mal 3h. So kommen 8 – 10 h Training in der Woche zusammen. Es ist also überschaubar und auch für andere Dinge bleibt noch Zeit.

Was bedeutet für dich laufen?
Zu Beginn als reiner Bahn- u. Straßenläufer hatte ich mich viel mehr dem Leistungsgedanken verschrieben und Zeiten und Platzierungen waren das Wichtigste; das Training dafür mehr Mittel zum Zweck. Nachdem ich über die Jahre zu einem reinen Hobbyläufer wurde (der ab und zu trotzdem noch was gewinnt) steht für mich das Laufen als Ausgleich zum Job. Mit dem, was ich da trainiere, bin ich aber trotzdem konkurrenzfähig und nehme deshalb an Wettkämpfen teil. Die Konkurrenzsituation und der Kampf Mann gegen Mann machen nach wie vor Spaß; das hat sich seit der reinen Leistungssport-Zeit nicht geändert.

Welche Läufe stehen auf deiner To-Do-Liste?
Einmal New York laufen, um die Stimmung zu erleben. Ansonsten gibt’s in den Alpen eine ganze Reihe Veranstaltungen, die reizen. Generell laufe ich lieber anspruchsvolle Strecken in der Natur. Wenn man sich bei den Stadtmarathons mal die Zuschauer wegdenkt (oder Läufe wählt, wo erst gar keine sind), ist das eine ziemliche öde Angelegenheit.

Wie sieht dein Traum-Urlaub aus?
3 Wochen durch die Wildnis wandern, Alaska oder so. Zelten und angeln. Mit dem Motorrad offroad durch Patagonien soll aber auch schön sein.

Wo läuft Christian Seiler in 5 Jahren?
Im Großen und Ganzen auch da, wo er heute läuft. Aber nicht mehr mit dem Ziel, als Erster einzulaufen.

Zum Abschluss stellen wir Christian noch fünf schnelle Fragen und bekommen fünf schnelle Antworten.

 

Stadtmarathon oder Landschaftsmarathon?
Landschaftsmarathon!

Thüringer Klösse oder Roster?
Zwischendurch: Roster; Sonntags: Klöße!

Schwarzbier oder Hefeweizen?
Hefeweizen.

Laufen. Alleine oder gemeinsam?
Gemeinsam.

Helene Fischer oder ACDC?
„Hells Bells“ aus Helenes Kehle!

 

 

Bestzeiten

Disziplin

Zeit

Ort/Jahr

3000m

8:27min

Erfurt 2007

10.000m

30:27,45min

Regensburg 2006

10km Straße

29:42min

Karlsruhe 2008

Halbmarathon

1:06:34h

Bad Liebenzell 2007

Marathon

2:18:11h

Berlin 2009

Rennsteiglauf Supermarathon (72,2km)

4:50:56h

Rennsteig 2014


Kossmann Laufdesign