Kanzlei.org - laufend gut beraten

Bubel, Niels

[eingestellt am 24. Juli 2014]

By: Volker Goineau

Fotos: Theo Kiefner

Laufen aus Leidenschaft 

Der 26jährige Berliner Langstreckenläufer Niels Bubel hat in diesem Jahr ein großes sportliches Ziel: die möglichst erfolgreiche Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften im Marathonlauf im Oktober in München. Hier möchte er sein Ergebnis aus dem Jahr 2012, als er in 2:26:42h den 10. Platz belegte, verbessern. Doch bis zu dieser Leistung hatte Niels einen langen Weg hinter sich. 

Niels wurde im August 1987 im südwestlichen Berliner Bezirk Zehlendorf geboren und wuchs hier auf. Seine sportlichen Anfänge hatte er beim Turnen. Diese Sportart übte er bereits als Kleinkind aus und blieb bis zum 11. Lebensjahr dabei. Es zeichnete sich jedoch ab, dass er zu groß für eine erfolgreiche Karriere als Turner werden würde; so probierte er sich in den Folgejahren in anderen Sportarten. Über Hockey kam er zur Leichtathletik, welche er zunächst beim Zehlendorfer TSV 1888 („Z88“) ausübte. Doch nach einiger Zeit verlor er hier die Lust, sodass er im Alter von 15 bis 18 Jahren nur hobbymäßig joggte und Fußball spielte, ehe er sich den „Kreuzbuben Schmargendorf“ anschloss, mit welchen er in der Kirchenliga kickte. Nachdem er privat eine schwere Zeit durchgemacht hatte, setzte er sich das Ziel, im Jahr 2005 als 18jähriger den Berlin-Marathon zu laufen. Er schaffte dies auch und erreichte nach 3:48:30h das Ziel, ohne dass er sich speziell darauf vorbereitet hätte. Dies zeigte damals schon seinen starken Willen, den er auch in den folgenden Jahren in unterschiedlichen Lebensbereichen unter Beweis stellen sollte. 

Nach diesem Marathon hatte Niels Blut geleckt und etwas mehr als ein Jahr später machte er sich auf die Suche nach einer Laufgruppe in einem Leichtathletikverein. So landete er beim Berliner SV 1892 in Wilmersdorf, für welchen er von 2007 bis 2010 lief, wobei er zwischen der Mittel- und der Langstrecken-Trainingsgruppe hin- und herwechselte. Durch das ambitionierte Training machte er schnell Fortschritte und lief beispielsweise im Jahr 2009 die 10km in 32:31min und den Halbmarathon in 1:12:22h. In den Jahren 2010 bis 2012 lief er für den SC Brandenburg Berlin; zu diesem Verein hatte es seine gesamte Trainingsgruppe vom BSV gezogen. Er probierte sich auf unterschiedlichen Strecken aus, unter anderem über 3000m Hindernis. Mitte 2012 wechselte Niels jedoch wieder zu Trainer Volkmar Scholz und konzentrierte sich nun wieder auf die Straßen-Langstrecken und insbesondere den Marathonlauf, für welchen sein Herz seit jeher schlägt. Im Training liebt er es, lange Strecken zu laufen und Wochenumfänge von 200km sind für ihn keine Seltenheit. Bei seinem ersten ernsthaft vorbereiteten Marathon im Oktober 2012 erzielte er eine Zeit von 2:26:42h und belegte damit wie eingangs erwähnt den zehnten Platz bei der DM in München. Seit dem Jahr 2013 läuft Niels für den Verein „Die Laufpartner“. Diesen Namen trägt auch der 2007 gegründete Laufladen in Wilmersdorf, dessen Inhaber Niels‘ Trainer Volkmar und Lennart Sponar sind. Mittlerweile stehen seine weiteren Bestzeiten bei 31:14min über 10km und 67:50min im Halbmarathon. Letztere Zeit lief er im Spätsommer 2013 in der Vorbereitung auf den München-Marathon, bei dem es dann leider nicht so gut für ihn lief. Doch hatte er ein anderes Highlight: am letzten September-Sonntag machte er beim Berlin-Marathon 35km Tempo für Irina Mikitenko, die schließlich den W40-Weltrekord auf 2:24:53h verbesserte. Hier machte er einen ausgezeichneten Job und war natürlich auch viel im Fernsehen zu sehen, wobei er auch mehrfach vom Kommentator erwähnt wurde, was seine Bekanntheit in der deutschen Laufszene deutlich gesteigert haben dürfte. 

In diesem Frühjahr lief er seinen ersten Wettkampf jenseits der 42,195km: bei den Deutschen 50km-Meisterschaften in Kienbaum holte er den Titel in 3:04:12h. Irgendwann möchte er sich wahrscheinlich auch im 100km-Lauf versuchen. Doch zunächst sollte die Marathondistanz und eine möglichst deutliche Verbesserung seiner Bestzeit im Fokus stehen. Schließlich kündigt er auch hier nicht ganz unbescheidene Ziele auf seiner Internet-Seite an, an welchen er sich in Zukunft wird messen lassen müssen. 

Nicht nur die sportliche Leistung zählt 

Ein Blick auf seine Homepage (www.niels-bubel.de ) lohnt sich allemal. Hier finden sich die Kategorien „Laufen“, „Leben“ und „Gutes Tun“ sowie das Motto „Leidenschaft ist immer siegreich“. Neben der sportlichen Leistung spielen für Niels die Leidenschaft sowie das soziale Engagement seit jeher wichtige Rollen. So lernte er im Sommer 2007 den kenianischen Blindenweltrekordler im Marathon Henry Wanyoike kennen, den er inzwischen als sein Vorbild bezeichnet. Rückschläge wegstecken und überwinden – dafür steht Henry. Schließlich erblindete er über Nacht als junger Erwachsener an einer unheilbaren Krankheit. Doch er kämpfte weiter. Und brachte es u.a. zum Sieg bei den Paralympics 2000 in Sydney über 5000m. Dass es sich lohnt zu kämpfen, möchte auch Niels seinen Lesern übermitteln. Seine Rennberichte fallen entsprechend leidenschaftlich aus; manchmal vielleicht etwas „zu positiv“ und auch nicht immer mit Eigenlob sparend, doch wer will es ihm verdenken. 

Dass die „Lauferei“ auch für soziale Zwecke genutzt werden kann, hat Niels längst erkannt und engagiert sich auch hier mit Herzblut. So ist er seit Beginn im Jahr 2009 an der Organisation des „Run of spirit“ im Johannesstift in Berlin-Spandau beteiligt. Hier nehmen körperlich behinderte und nicht behinderte Menschen an ein und demselben Sport-Event teil. „Stargast“ ist in jedem Jahr, wie könnte es anders sein, Henry Wanyoike. Außerdem sammelte Niels bei seinem DM-Marathon 2012 Spenden für ein Projekt der deutschen Palliativ-Stiftung. Ein frei wählbarer Betrag pro Sekunde, um die er seine alte Bestzeit verbessern würde, konnte man spenden. Somit hatte er einen weiteren Anreiz, möglichst schnell zu laufen und seine 2:47er Zeit, die er einmal als Begleitläufer für Henry gelaufen war, so deutlich wie möglich zu unterbieten. 

Sehr aktiv – nicht nur im Sport 

Neben dem Sport machte Niels im Jahr 2008 sein Abitur am „Grauen Kloster“ in Berlin-Wilmersdorf, wonach er ein freiwilliges soziales Jahr in seinem Sportverein absolvierte. Im Herbst 2009 nahm er ein Studium der Medieninformatik auf. Für diesen Bereich zeigte er stets großes Interesse; so betreute er schon zu Schülerzeiten mehrere Web-Sites, nicht zuletzt jene der Leichtathletik-Abteilung seines Vereins. Daneben ist er seit vielen Jahren für den DLV bei diversen Veranstaltungen als Kameramann oder Organisator von Live-stream-Übertragungen im Einsatz, zuletzt bei der Junioren-Gala in Mannheim. So machte er sich über die Jahre in der nationalen Laufszene und beim DLV einen Namen. An der Organisation mehrerer Events ist er ebenso beteiligt, nicht nur beim bereits erwähnten „Run of spirit“. Überhaupt versteht Niels es ausgezeichnet, seinen Tagesablauf derart zu organisieren, dass er ein hohes Laufpensum, sein Studium und die weiteren Aufgaben und Jobs, die er übernimmt, unter einen Hut bekommt. Er profitiert wahrscheinlich auch davon, dass er früh gelernt hat, sein Leben selbständig zu organisieren. So lebte er bereits in einer eigenen Wohnung, als er noch zur Schule ging und sein Abitur vorbereitete. Man könnte meinen, dass der Tag für Niels Bubel häufig gut und gerne länger sein dürfte als 24 Stunden. Doch ist es wohl eher so, dass er die vorhandenen 24 Stunden so gut wie kaum ein anderer organisiert und mit Leben füllt (wobei der Schlaf gerade in anspruchsvollen Trainingsphasen natürlich auch nicht zu kurz kommen darf). Getreu dem Motto „Leidenschaft ist immer siegreich“.


Kossmann Laufdesign