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Interview mit Anne Schroth

[eingestellt am 28. Oktober 2014]

By: Gabi Gründling

Fotos: privat

Arne und Anne vorm Start "Wir sind bereit" schrieben sie dazu auf Facebook

"Team Gabius" beim Frankfurt-Marathon

Anne Schroth ist die Lebensgefährtin von Arne Gabius. Beim Frankfurt-Marathon war sie am Wochenende als seine Radbegleitung unterwegs - wobei das keine Begleitung an sich ist sondern eine "Versorgung auf dem Rad", Kommunikation ist nicht erlaubt und die Getränke dürfen natürlich auch nur im Bereich der offiziellen Versorgungsstellen angereicht werden. Ich habe Anne ein paar Fragen gestellt, hier sind ihre Antworten:

· Arnes erster Marathon – Deine erste Radbegleitung. Wie oft habt Ihr das zusammen trainiert? 

Arne und ich haben nur zweimal zusammen trainiert. Bei seinem ersten Lauf über 40km habe ich ihn die letzten 18km mit Wasser versorgt und mit Geschichten über unsere neue Heimat Stuttgart-Stammheim abgelenkt – ihm ging’s nicht so gut… Das zweite Mal, kurz vor dem Marathon in Frankfurt, habe ich Arne bei einem Dauerlauf über 16km begleitet. Ich musste das Rennrad unserer Nachbarin ausprobieren – ich war noch nie Rennrad gefahren. 

· Du mußtest 20 km/h strampeln – auch auf einer flachen Strecke ist das über 42 km „Arbeit“. Fährst Du regelmäßig Rad? Oder hast Du für diesen Zweck trainieren müssen?

Wir haben lange in Tübingen gewohnt, da fährt man zwangsläufig Fahrrad – allerdings weder ambitioniert noch so lange. Außerdem ist mein Fahrrad überhaupt nicht „professionell“, es hat eine große Klingel, einen Fahrradkorb und Schutzbleche… Deswegen habe ich mir vor dem Marathon auch ein schnelleres Rad geliehen, um optimal vorbereitet zu sein. Arne ist etwa 20km/h gelaufen; ich musste oft schneller fahren, um vor ihm an den Verpflegungstischen zu sein… Tückisch waren die Kopfsteinpflaster-Passagen in der Frankfurter Innenstadt.Ich habe nicht speziell für den Marathon trainiert, bin aber konditionell recht fit, da ich auch gerne laufe – natürlich in ganz anderen Bereichen als Arne. 

· Vor dem Marathon meintest Du, Du wärst wahrscheinlich nervöser als Arne – hat sich das irgendwann gelegt? Hat er aufgeholt?

Arne und ich sind bereits am Donnerstag vor dem Marathon nach Frankfurt gefahren und es folgte vorab ein regelrechter „Pressemarathon“. Die Medien haben seine Ankündigung, unter 2:12h zu laufen, ernst genommen, allerdings auch recht kritisch hinterfragt, sodass ich erwartet hätte, dass er dann doch irgendwann nervös wird; wurde er aber nicht. Bis zum Morgen des 26.10. war er die Ruhe selbst, auch als wir wegen der Zeitumstellung verschlafen hatten und viel zu spät zum Frühstück gegangen sind. Erst beim Aufwärmen wurde er dann doch etwas nervös. Das hat sich aber nach dem Startschuss sofort gelegt. 

Ich hingegen wusste überhaupt nicht, was auf mich zukommt, war noch nie bei einem Marathon so nah dabei. Meine Aufgabe sollte es sein, auf der Strecke in einigem Abstand hinter Arne herzufahren, ihn etwa 2km vor jeder Verpflegungsstation ab Kilometer 20 zu überholen und ihm in „Gap 8“ seine Verpflegung zu reichen. Kurz vor dem Start habe ich mir so eine Verpflegungsstation erst einmal angeschaut. 

· Am Anfang ist das Starterfeld ja noch sehr dicht – ab wo war denn Radbegleitung überhaupt erlaubt? 

Ich hätte direkt beim Start einsteigen können. Der Reporter vom HR Fernsehen, der ebenfalls auf dem Rad unterwegs war und zwischendurch immer wieder live über Arne berichtet hat, war auch von Anfang an dabei. Ich bin allerdings erst bei Kilometer 4 eingestiegen, als sich das Läuferfeld schon gut sortiert hatte und ich keine Läufer mehr behindern konnte. Bei Kilometer 4 sind die Läufer quasi wieder am Start vorbeigelaufen, sodass es ganz einfach war, dort einzusteigen. 

· Du mußtest vor Arne an der Verpflegungsstelle sein, um ihn zu versorgen – wie habt Ihr Euch verständigt, ob und was er trinken möchte? 

Verständigt haben wir uns während des Rennens gar nicht, das ist nämlich nicht erlaubt. Im Vorfeld hatten wir vereinbart, dass ich ihm ab Kilometer 20 ein Wasser und ein Kohlenhydrat-Getränk anbiete und er dann das Getränk wählt, welches er in diesem Moment benötigt. Er hat allerdings immer nur Wasser und nur bei Kilometer 35 etwas Cola genommen. 

· Hattet Ihr einen Plan B, falls Du eine Panne gehabt hättest?

Ehrlich gesagt: Nein. Die gesamte Vorbereitungszeit war extrem knapp bemessen und wir konnten gar nicht alle Eventualitäten berücksichtigen… Arne hätte sich dann wahrscheinlich mit den Getränken, die der Veranstalter angeboten hat, versorgt. Seine speziellen Kohlenhydrat-Getränke hätten aber nicht zur Verfügung gestanden. 

·  Arnes Zieleinlauf hast Du ja wohl nicht miterleben können, weil Du mit dem Rad vor der Festhalle bleiben mußtest. Damit fehlt bei Dir als Radbegleitung und vor allem auch Lebensgefährtin das allerletzte emotionale i-Tüpfelchen. Wie hast Du das Ende Eures „Projekt Marathon“ erlebt? Erleichtert? Psychisch und/oder physisch ausgepowert? Mit einem „Radlers High“?

Es ist gar nicht schlimm, dass ich nicht in der Festhalle war, als Arne über die Ziellinie gelaufen ist. Ich wusste ab Kilometer 21, dass Arne eine fantastische Zeit hinlegen würde und die Eindrücke von der Strecke mit den vielen Zuschauern waren auch sehr besonders und intensiv. Diese Perspektive hat ja sonst kaum jemand.

Unser Projekt „Marathon“ hat uns beiden alles abverlangt, die positiven Eindrücke überwiegen klar. Erleichterung ist natürlich auch dabei; wenn im Vorfeld eine Debut-Zeit angekündigt wird, die seit über 20 Jahren kein Deutscher mehr gelaufen ist, dann kann das auch schnell das sportliche k.o. bedeuten, wenn hinterher die Leistung nicht stimmt.  

·  Arne sagt ja, er möchte seine Bahnlaufbahn zur Zeit auf keinen Fall zugunsten des Straßenlaufs aufgeben. Was empfindest Du für Dich als Betreuerin schöner? Im Stadion hinter der Bande zu stehen/sitzen und „nur“ mitfiebern zu können? Oder im Straßenlauf selbst Teil des „Wettkampfteams“ zu sein? 

Bei Wettkämpfen auf der Bahn bin ich oft gar nicht dabei. Wenn ich dabei bin, dann übernehme ich gerne Aufgaben auf Seiten der Veranstalter – bei den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin und bei den Europameisterschaften 2014 in Zürich war ich z.B. als Team Attaché für das Wohlergehen verschiedener Teams aus der ganzen Welt zuständig. Denn stundenlang in zugigen Stadien zu sitzen und auf Arnes Lauf zu warten, der meistens auch erst am Ende der Veranstaltung stattfindet, ist nicht so toll. 

Viel besser sind Straßenläufe. Hier laufe ich – wenn Arne nicht gerade Marathon läuft – auch gerne selbst mit. Lustig ist, dass viele Veranstalter denken, dass die Freundin von Arne „selbstverständlich“ auch Profiläuferin ist, sodass ich mich oft im Elitefeld der Frauen wiederfinde…

Arne in Frankfurt auf dem Rad zu begleiten war eine tolle, ganz neue Erfahrung. Ich war direkt im Renngeschehen und konnte gut verfolgen, wie es ihm geht und dass er alle Zwischenzeiten erreicht, die er sich vorgenommen hatte und am Ende sogar immer schneller wurde. Außerdem waren wir tatsächlich zum ersten Mal ein richtiges “Team“ während eines Wettkampfs.

 

Vielen Dank, Anne, für das Interview. Das Team von Laufticker.de wünscht Euch jetzt einen tollen erholsamen Urlaub!

 

 

 

 

 

 


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