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Schmidt, Paul

[eingestellt am 02. Dezember 2014]

By: Volker Goineau

Fotos: privat

Der laufende Arzt aus Dresden 

Der 29jährige Paul Schmidt erlebte zuletzt in Dresden, wie hart ein Marathon werden kann, vor allem wenn es relativ warm ist und man ein zu hohes Anfangstempo eingeschlagen hat. Im Ziel warteten viele Zuschauer nach den beiden Ostafrikanern gespannt auf den schnellsten deutschen Läufer und rechneten mit Paul, doch dann kam zunächst ein Cottbuser Läufer mit knapp unter 2:40 h ins Ziel und erst kurze Zeit danach ein völlig erschöpfter Paul, der sich mit großer Willenskraft ins Ziel rettete. Somit litten viele Freunde und Bekannte mit und wünschten ihm nach dem Rennen die bestmögliche Erholung. 

Doch bis es soweit war, dass er in der Dresdener Laufszene als „local hero“ gilt und auch bundesweit kein Unbekannter unter den Straßenläufern ist, lagen viele Jahre und viele Trainingskilometer hinter Paul. Geboren wurde er im August 1985 nahe Dresden. In der Grundschule war er u.a. im Sprint und Weitsprung relativ gut, sodass sich bereits zeigte, dass er eventuell in einem Leichtathletikverein gut aufgehoben wäre. Doch zunächst ging er einmal wöchentlich zum Schwimmtraining; mehr wollten seine Eltern nicht, da sie befürchteten, dass die schulischen Leistungen ihres Sohnes sonst darunter leiden könnten. In der fünften Klasse kam Paul dann doch zur Leichtathletik. Seine läuferischen Qualitäten zeigten sich im Schulsport. So lief er ohne spezielles Training die 1000m in 3:48 min. Ein Jahr später, in der sechsten Klasse, lief er bereits 3:04min. und nahm nun vermehrt an 1000m- und Crossläufen teil. Er schloss sich dem TSV Dresden an und in der B-Jugend (2001/2002) war er in Sachsen schon ein recht guter Läufer. Im Jahr 2002 qualifizierte er sich für die Deutschen B-Jugendmeisterschaften über 3000m, wo er dann allerdings den letzten Platz belegte. Im letzten Jugendjahr, also 2004, lief er 8:34 min. über 3000m, verpasste aber verletzungsbedingt die Jugend-DM. Dafür sollte er am Ende des Jahres ein anderes Highlight erleben: er qualifizierte sich für die Cross-EM in Heringsdorf auf Usedom, wo er im U20-Rennen startete, und kam so zu seinem ersten internationalen Einsatz im DLV-Trikot. 

Spagat zwischen Medizinstudium und Leistungssport 

Zu dieser Zeit hatte Paul bereits sein Medizinstudium in Dresden begonnen. Im ersten Juniorenjahr, also 2005, hatte er mit Verletzungen zu kämpfen und konzentrierte sich vermehrt auf das Studium. Doch durch eine gute Zeiteinteilung und effektives Lernen schaffte er es in den Folgejahren gut, Studium und Leistungssport miteinander zu kombinieren. So konnte er in den Jahren 2006 und 2007 weitere Fortschritte machen. 2006 lief er die 10km in 30:54 min und reiste im Dezember erneut zur Cross-EM ins italienische San Giorgio su Legnano, wo er diesmal in der neu eingeführten U23-Konkurrenz mit von der Partie war. In den Phasen, in denen er wegen körperlicher „Wehwehchen“ nicht ganz so viel laufen konnte, betrieb er nun Triathlon, wo er es im Jahr 2007 immerhin zum Deutschen Amateurmeister auf der olympischen Distanz bei den 20-24-jährigen brachte. Doch auch läuferisch zeigte er in diesem Jahr gute Leistungen und wurde u. a. Deutscher Hochschulmeister über 5000m in 14:46,49 min. Sich in einer guten Form wähnend konnte er sich leider am Jahresende erkältungsbedingt nicht für die Cross-EM qualifizieren. 

Seit dem Jahr 2005 trainierte Paul übrigens viel mit Marc Schulze zusammen und so entstand auch deren gemeinsame Homepage www.runningpower.de, auf der man etwas mehr über diese beiden Langstreckler erfahren kann. Allerdings bedient Paul mittlerweile viel mehr die sozialen Netzwerke wie Facebook und weniger seine Homepage. 

Der Weg zum Straßen- und Marathonläufer 

In den nächsten Jahren konzentrierte sich Paul nun vermehrt auf den Straßenlauf. Im Frühjahr 2008 lief er bei der DM in Calw den Halbmarathon in 67:51 min, was lange Zeit seine Bestzeit bleiben sollte. 2008 folgte ein weiteres Intermezzo als Triathlet im Bundesligateam von Dresden. Im Herbst 2009 lief er sein Marathondebüt in seiner Heimatstadt Dresden in 2:32:45h, womit er den Lauf gewinnen konnte. Während der folgenden zwei Jahre absolvierte er zunehmend höhere Trainingsumfänge, um beim Dresden-Marathon 2011 als umjubelter Lokalmatador den zweiten Platz zwischen zwei Afrikanern in 2:22:03h zu belegen. 

Nun hatte Paul endgültig Blut geleckt. Im Jahr 2012 wollte er sich über 10km der 30min-Marke nähern und den Marathon unter 2:20h laufen. Er absolvierte im Frühjahr ein Höhentrainingslager im kenianischen Iten, wo er in der Spitze bis zu 230 Wochenkilometer abspulte. Nach einer neuen PB von 30:32min beim Dresdner Citylauf im März wollte er im April beim Paderborner Osterlauf „einen drauflegen“. Doch beim Start rissen ihm die Hamstrings im rückwärtigen Oberschenkel, sodass er das Rennen nach wenigen Metern beenden musste. Nun stand also wieder einmal eine verletzungsbedingte Laufpause an. Im Sommer konnte er jedoch wieder gut und viel trainieren, sodass er für den Berlin-Marathon ein hohes Ziel hatte. Er wollte sich mit einer schnellen Zeit der deutschen Spitze nähern, um sich danach eventuell für einige Zeit auf den Laufsport konzentrieren zu können. Doch erneut wurde er von einer Verletzung ausgebremst. 

Als „Hobbyläufer“ zur Halbmarathon-Bestzeit 

Nachdem Paul sein Studium im November 2010 erfolgreich abgeschlossen hatte, war er zunächst als Arzt in Weiterbildung in Kreischa in Teilzeit tätig. So blieben ihm nach wie vor genügend Freiräume für ein anspruchsvolles, umfangreiches Lauftraining. Seit 2013 arbeitet er jedoch als Arzt in Weiterbildung für Kardiologie und Innere Medizin in Rostock. So bleibt ihm nun nicht mehr viel Zeit zum Trainieren. Dafür läuft er immer noch ein paar Dauerläufe pro Woche, diese dann aber meist sehr zügig. 3:30min/km und schneller ist zumeist sein Trainingstempo, und das auch bei den 30ern. Diese long runs ziemlich zügig zu laufen entspricht sowieso seiner Trainingsphilosophie, mittlerweile kommt er allerdings meistens nur noch auf 200-300 Monats-Kilometer. Bereits seit 2005 trainiert sich Paul übrigens selbst, wird dabei von Dr. Matthias Kieb unterstützt, der ihn auch als Physiotherapeut betreut. Paul hat seit jeher eine Skoliose im Rücken, die eigentlich gegen Laufen als Leistungssport spricht. Doch mit Physiotherapie, ausreichend Dehnung und Stabilisationsübungen hat Paul dieses Problem im Laufe der Jahre gut in den Griff bekommen, sodass er nach wie vor intensiv laufen kann. Doch der Beruf steht jetzt wie erwähnt im Vordergrund und er probiert einfach aus, was mit den geringen Trainings-Umfängen läuferisch noch möglich ist. So ist er weiterhin in der deutschen Straßenlaufszene ein häufig und gern gesehener Gast. Im Sommer 2013 erzielte er beim hella Halbmarathon in Hamburg mit 67:13 min eine neue Bestzeit. Den Rostock-Marathon Anfang August gewann er sowohl 2013 als auch 2014, mit Zeiten von etwas über 2:30h. Am 12. Oktober 2014 lief er bei den „ASICS Grand 10“ in Berlin mit 30:35 min nah an seine Bestzeit heran und war entsprechend motiviert für den Dresden-Marathon nur eine Woche später. Vielleicht etwas übermotiviert, wie anfangs beschrieben. Doch davon lässt Paul sich nicht aus der Bahn werfen. Er wird in den nächsten Jahren als Sportarzt und Kardiologe unter anderem die hiesige Laufszene unterstützen und möchte weiterhin Laufwettkämpfe bestreiten. Im Medical Team des DLV betreut er seit 2013 zusammen mit Dr. Kieb die Geher. Seine Traumziele sind Zeiten von unter 30:00 min über 10km bzw. unter 2:20 h im Marathon und er ist selbst gespannt, ob er dies mit dem relativ geringen Trainingsaufwand neben seiner beruflichen Tätigkeit erreichen kann.

 

Geb. am 17.8.1985 in Dippoldiswalde bei Dresden
Größe/Gewicht: 184 cm/ 67 kg
Trainer: trainiert sich selbst (mit Unterstützung von Dr. Matthias Kieb)
Lieblings-Trainingseinheit: „schneller 30er“ 

persönliche Bestzeiten
1000m 2:29,48 min (2004 H)
Meile 4:19,8 (2010 H)
3000m 8:34 min (2004), 8:30,8 (2014 Training)
5000m 14:46,49 min (2007)
10km 30:32 min (2012)
HM 67:13 min (2013)
Marathon 2:22:03 h (2011)

 

 

 


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