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33. Winterlaufserie Rheinzabern - der 10er

[eingestellt am 14. Dezember 2014]

By: Gabi Gründling

Fotos: Peter Gründling

Start zur 33. Winterlaufserie

1116 Läufer, das ist schon eine „Masse Mensch“

Die Spitze kurz vor km 7 – Frederik Unewisse noch mit Abstand hinter Abebe Biruk

Abebe Biruk „verliert“ das Rennen auf den letzten 100 m

Mit Startnummer 2 in die Hall of fame: Frederik Unewisse

Die Kontrahenten im Ziel

Dritter Johannes Bergdolt und Vierter Michael Schramm

Fünfter Maik Weickum

Sechster gesamt und 5. MHK Joshua Sickinger

2. M30 Clemens Silabetzschky

3. M30 Matthias Müller

1. MJU20 Fabian Katz

Leicht verdeckt von Panagioti Kollias-Pityrigkas: 2. MJU20 Daniel Jeckel, dahinter 3. MJU20 Linus Stimmel

1. M45 Marcus Imbsweiler

Oliver Trauth vor 1. M50 Matthias Koch

Verdeckt als Dritter 2. M45 Michael Harsch

3. M45 Gunnar Dussa und 1. M40 Stephane Wenger

1. MJU18 Jeremy Bensz

1. M35 Nicolas Kuntz

Siegerin Tinka Uphoff

Zweite Nina Stöcker

2. M50 Jörg Hooß, dahinter 3. M50 Alf Matuschak (805)

Dritte Veronika Ulrich

2. WHK Anna Kusch

1. M65 Gerhard Baus, dahinter im grünen Singlet 2. M55 Bernhard Scheib

3. WHK Maren Schmitz

1. W35 Daniela Kenty

2. W45 Martina Kugele

2. M65 Dietmar Kohn (951)

2. W30 Tanja Wittmann

Mit Kappe: 1. W50 Regina Vielmeier

3. M65 Werner Heiter

3. W50 Ulrike Hoeltz

3. M80 Ludwig Mesel

2.626te Moderation: Jochen Heringhaus

Ein Pfandbecher für jeden Zieleinläufer

Beliebt: die Rheinzaberner Waffeln

Da freut sich die Waschmaschine

Doppelstreckenrekord und hessischer Dreifachsieg

Rheinzabern, 14. Dezember 2014 - die beiden schnellsten Männer beim schnellsten 10er der Pfalz liefen unter dem erst seit einem Jahr bestehenden Streckenrekord und die schnellsten drei Frauen kamen alle aus Frankfurt und Umgebung - das ist der Schnelldurchlauf des Starts zur 33. Winterlaufserie in der südpfälzischen Gemeinde. 

Für Pfälzer Verhältnisse ist die Strecke sehr flach und vor allem: komplett asphaltiert. Trotz mehrerer Unterführungen und dem leichten Anstieg zwischen km 7,5 und 8,5 ist die Strecke sehr schnell und daher weit über die Grenzen der Pfalz hinaus bekannt und beliebt. Die Gäste, die die Laufparty des TV Rheinzabern besuchen, kommen aus Baden, Württemberg, dem Saarland und Hessen in die Pfalz gefahren. Dafür nehmen manche eine sonntägliche Anfahrt von bis zu zwei Stunden in Kauf. 

Für den Serienstart 2014/2015 hatten die Meteorologen eigentlich Trockenheit und Sonne gemeldet. Aber erstens kommt es anders als man es zweitens denkt und so mußte Vanman Jochen Heringhaus seine 2.626te Moderation wie schon die beiden vorhergehenden an diesem Wochenende in feuchter Umgebung durchziehen. Kurz nach dem Start, der traditionell wegen des Fahrplans der Deutschen Bahn um 10.05 h erfolgt, ließ der Regen aber nach und es nieselte nur noch leicht. Temperaturen von 7 Grad und die feuchte Luft bildeten für die Läufer fast perfekte Laufbedingungen. Nicht zu kalt für die Bronchien, gute klare Luft, eine flache Strecke – Bestzeitenherz, was willst Du mehr? 

Und wie so oft purzelten die Bestzeiten in Rheinzabern gleich reihenweise. Obwohl der Winter ja nach herrschenden Trainingsregeln eigentlich dem Aufbau der kommenden Sommersaison dienen sollte, nutzen alljährlich viele Sportler die üblicherweise stark besetzte Veranstaltung zur Verbesserung ihrer Bestzeit. Seit 2003 waren die Teilnehmerzahlen beim 10er am 3. Advent immer deutlich vierstellig. Mit sage und schreibe 1.339 AthletInnen erlebte Rheinzabern vor Jahresfrist das zweitstärkste Teilnehmerfeld seiner Geschichte. In diesem Jahr kamen 1.116 ins Ziel – bei etwas über 600 Voranmeldungen. Den „Schwund“ kann man sicher im schlechten Wetter suchen. Wenn’s beim Klang des Weckers am Sonntagmorgen draußen in Strömen regnet, siegt bei so manchem sicher der innere Schweinehund. 

Einer, der sich selbst überraschte, war Frederik Unewisse. Der Finanzwirt von der LG Region Karlsruhe hat zwar ein erklärtes Ziel für die diesjährige Serie: er will den Gesamtstreckenrekord von Norbert Kleibert aus dem Jahr 1988 knacken. Dieser lief damals in der Summe aus 10 km-Lauf im Dezember, 15 km-Lauf im Januar und 20 km-Lauf im Februar 2:21:17 h. Daß er schon beim ersten Termin den erst ein Jahr alten Streckenrekord von Simon Stützel knacken könnte, das hätte er selbst nicht gedacht. Nach seinen Trainingswerten lag eine Zeit schneller als die Stützelschen 30:35 min nicht in der Luft. Als er und der für die MTG Mannheim laufende Äthiopier Abebe Biruk kurz vor km 8 am Start-Ziel-Bereich vorbei stürmten, sah es noch nicht nach einem Sieg des langen Karlsruhers aus. Der Journalist von der Rheinpfalz stoppte für die beiden bei km 5 15:13 bzw. 15:19 min – sechs Sekunden sind bei dem Tempo schon eine ganze Menge. Und auch 3 km später hatte Biruk noch einiges an Vorsprung. Bis km 9 war dieser aber komplett dahingeschmolzen und auf den letzten 100 m, also am Anstieg aus der letzten Unterführung hinaus Richtung Zielkanal, spielte Unewisse seine Spurtstärke aus. Mit 30:29 min war der so gar nicht geplante erste Schritt zum Serienrekord perfekt. 2014 war ein exzellentes Jahr für Unewisse. Sechs seiner sieben Bestzeiten stellte er in der vergangenen Saison auf. So lief er z.B. bei der Dt. Leichtathletikmeisterschaft in Ulm 14:22,06 min über 5.000 m und beim heimischen Halbmarathon anläßlich des Badenmarathons im September 1:07:44 h über 21,097 km. Den Rheinzaberner Streckenrekord über 20 km, gehalten seit 1994 von Thomas Greger (1:02:05 h) hält er für genauso unerreichbar wie den 15 km-Rekord von Ivan Babarika (46:01 min, 2006). Aber für den Gesamtrekord muß er „nur noch“ gesund durch den Winter kommen und in der Summe aus den beiden kommenden Läufen 1:50:47 h laufen und hat damit mehr als zwei Minuten Luft zu den beiden Einzelrekorden. 

Auch Abebe blieb mit 30:31 min noch unter der Duftmarke von Simon Stützel. Die vorherige Streckenbestzeit von 30:48 min hatte immerhin 26 Jahre Bestand, diese jetzt 364 Tage. 

Dritter im Treppchenbunde war Johannes Bergdolt vom VFL Sindelfingen. Damit gingen die drei Umschläge für die Tagessieger alle nach Baden-Württemberg. Bergdolt kommt, wie Unewisse auch, von der Bahn. Mit seinen 31:39 min war er nur leidlich zufrieden, obwohl er eine halbe Minute schneller war als vor Jahresfrist. 2014 war ein gutes Jahr für den Studenten der Wirtschaftswissenschaften, über 5.000 m konnte er sich gleich um 40 Sekunden auf 14:24 min verbessern. Nun hofft er, in der kommenden Saison nochmal 20 Sekunden draufpacken zu können und sich so für die Leichtathletik-Europameisterschaften zu qualifizieren. 

Bei den Frauen hieß es „Hessinnen vorn!“ Die Schnellsten des Tages kamen ausnahmslos aus Frankfurt & Speckgürtel. Die beiden schnellsten Damen des letzten Jahres waren nicht am Start. Melina Tränkle startete am selben Tag im Nationaltrikot bei der Cross-Europameisterschaft und Tanja Grießbaum studiert derzeit im Wales und für den Weihnachtsurlaub war’s noch zu früh. 

Tinka Uphoff setzte sich morgens in Frankfurt in einen Bummelzug und fuhr nach Weinheim, von dort nahm Matthias Müller die ascis Frontrunner-Kollegin mit in die Pfalz. Die 31jährige Juristin wollte mal was anderes laufen als immer nur die Winterlaufserie in Rodgau-Jügesheim und dafür nahm sie gerne auch die weite Anfahrt in Kauf. Überrascht stellte sie fest, daß die Strecke gar nicht so flach war wie erwartet. Wer im Frankfurter Raum flache Strecken kennt, für den ist die Rheinzaberner Runde via Hatzenbühl und Jockgrim überraschend „bergig“. Nach ihrem letzten Marathon in München im Oktober war das ihr erster ernsthaft gelaufener 10er und die 36:08 min, die für die Athletin von Spiridon Frankfurt in der Ergebnisliste stehen, gingen auch so in Ordnung für sie. 

Nina Stöcker startet in Frankfurt für die Konkurrenz LG Eintracht Frankfurt. Aus Münster, wo sie mit einem Jurastudium begonnen hatte, wechselte sie in die Trainingsgruppe von Wolfgang und Katrin Heinig. Zugunsten des Leistungssports hat die 22jährige das Jurastudium an den Nagel gehängt und absolviert jetzt ein Fernstudium „internationales Management“ an der Fernuniversität Riedlingen, um ihre bis zu drei Trainingseinheiten pro Tag und 140-180 Wochenkilometer und ihre Ausbildung besser unter einen Hut zu bringen. Nach 36:15 min blieb die Uhr für sie stehen. Auch die blonde Neu-Frankfurterin war leidlich zufrieden mit ihrer Zeit. „Eigentlich hätte ich das Rennen im Endspurt gewinnen müssen, aber das war heute nicht drin, daher ist’s ok so, wie es ist“ konstatierte sie. 

Veronika Ulrich kommt aus Neu-Isenburg, startet auch für den dortigen TV. In Rheinzabern ist die inzwischen 46jährige eine alte Bekannte, denn hier war sie schon desöfteren am Start. Über ihre 37:03 min war sie eher unglücklich, zu gerne wäre sie eine Minute schneller gelaufen. 

Glücklich über eine neue persönliche Bestzeit war dagegen Pia Winkelblech (TV Kandel). Die 39jährige, die in Rheinzabern schon in ihrer neuen Altersklasse des kommenden Jahres, der W40, starten mußte, nutzte den Altersklassenwechsel dazu, sich endlich ihren Traum von einer Zeit unter 40 min zu erfüllen. Seit rund drei Jahren versuchte sie vergeblich, diese Schallmauer zu durchbrechen. Mit 39:59 min war’s nun zwar denkbar knapp, aber geschafft ist geschafft. Der dritte Platz in der W40 war ihr damit auch noch sicher. 

„Das harte Lauftraining der letzten Wochen hat sich gelohnt. PB auf 10 km um 1min verbessert“ verlieh Anna Kusch ihrer Freude über 37:57 min und den vierten Platz Ausdruck. Die Triathletin hatte eine kleine Wette mit einer Freundin laufen, die in der vergangenen Woche beim 7 km-Lauf in Hassloch 38:06 min „vorgelegt“ hatte. Spiel, Satz und Sieg Anna Kusch – um was die beiden Mädels gewettet haben, ist der Redaktion nicht bekannt. 

Holger Exner war nach seinem Halbmarathonsieg von Hassloch noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Wettkampfkräfte, deshalb stellte er sich als Hase für seine Vereinskollegin Laura Mees zur Verfügung. Nachdem sie in den letzten Jahren immer bei 41 bis 42 Minuten fest hing, sollte auch bei ihr endlich mal eine Zeit von unter 40 Minuten her. Mit 39:24 min gelang ihr das deutlich. Die Qualität des Feldes wird dem Leser der Ergebnisliste auch bewußt, wenn man sieht, daß ihr das gerade mal zu Platz 7 der WHK gereichte. Für Holger beginnt nun die Marathonvorbereitung – er möchte im April in Hamburg einen schnellen Marathon auf den Asphalt legen. 

Platz 777 und eine Zeit von 50:45 min – das ist das Ergebnis von Heiner Killi (LG Offenburg). Das Besondere an diesen Zahlen: Heiner läuft in der M80! Insgesamt waren drei M80er am Start. Klaus Wehowsky aus Lambsheim, wie Killi Jahrgang 1934, brauchte 53:48 min und der Jungspund in der M80, Ludwig Mesel (Jahrgang 1935) blieb mit 57:59 min auch noch deutlich unter einer Stunde. 

Am anderen Ende der Altersklassenskala gewann der 16jährige Georg Sickinger mit 35:08 min die MJU18. Der jüngste Läufer war Lukas Ring (TV Hatzenbühl). Er ist erst 12 Jahre alt und brauchte 50:32 min. 

Von den 30 schnellsten Läufern gehörten 20 der männlichen Hauptklasse und drei der MJU20 an. Nur einer, Marcus Imbsweiler, war M45, die restlichen sechs waren M30. Damit setzt sich der Trend des letzten Jahres, daß verstärkt schnelle junge Leute den Weg in die Südpfalz finden, fort. 

Der schnellste M50er war einmal mehr Matthias Koch (LAV Stadtwerke Tübingen), mit 34:23 min auf Gesamtrang 35. Genau in dem Alter, nämlich mit 35, fing er mit dem Laufen an, vorher war das Wasser sein Element. Da er im Frühjahr traditionell viel beruflich im Ausland unterwegs ist, läßt er den Start in die Wettkampfsaison „Sommer 2015“ auf sich zukommen, kann und will sich im Dezember noch nicht auf Wettkampftermine im Frühjahr festlegen. 

Insgesamt blieben 41 Läufer unter 35 min und 216 unter 40 min, davon 15 Frauen. In Rheinzabern gaben sich einmal mehr Qualität und Quantität die Hand. Zum 15 km-Lauf der vergangenen Serie kamen 1.127 Läufer – man darf gespannt sein, wie viele es sein werden, die sich Mitte Januar 2015 über die Kuchentheke, die frisch gebackenen Waffeln und die anderen Rheinzaberner Köstlichkeiten hermachen werden. 

Ergebnisse www.laufinfo.eu

 

 

 

 


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