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Nerkamp, Jens

[eingestellt am 20. Dezember 2014]

By: Jörn Harland

Fotos: Josef Nerkamp

Der Blondschopf aus dem Norden Deutschlands ist 25 Jahre alt und wohnt in Kassel. Gebürtig aus Garrel in Niedersachsen ist der Student der Germanistik und Politikwissenschaft in diesem Jahr so richtig durchgestartet. Mit Bestzeiten von 3:50,96 min. über 1500m, 8:14,27 min. über 3000m und 14:12,14 min. über 5000m hat Jens eine solide Grundschnelligkeit. Sein Talent auf den langen Distanzen stellte er dann in diesem Frühjahr mit 1:05:53 h bei den Deutschen Halbmarathon Meisterschaften und mit 29:16,77 min. über die 10.000 m, ebenfalls bei den Deutschen Meisterschaften, eindrucksvoll unter Beweis. 

Ich habe Jens ein paar Frage zu seiner phänomenalen Entwicklung gestellt, wie er trainiert und was er für Ziele für die Zukunft hat.  

Lauffragen

1.   Die meisten deiner Bestzeiten sind aus 2014, du hast zahlreiche Top Platzierungen in der deutschen Bestenliste aufzuweisen. Wie kam der Leistungssprung in diesem Jahr? 

Die guten Ergebnisse während der Saison 2014 sind mit einem qualitativ sehr guten und konzentrierten Grundlagentraining im Winter zu erklären. Ich konnte von Woche zu Woche einen guten Kilometerschnitt halten. In der Spitze habe ich knapp 130km trainiert, da ist also auch noch Entwicklung möglich. Aber generell habe ich meine Ausdauerwerte ganz gut verbessert und konnte so auch Dauerläufe und Intervalle auf höherem Niveau absolvieren. Leider habe ich im späteren Verlauf der Saison Athletiktraining und Grundlagen etwas schleifen lassen. Ich bin mir sicher, wenn ich konzentriert eine ganze Saison gut trainiere, dass noch die ein oder andere deutliche Steigerung drin ist. 

2.   Auf welche Leistung bist du besonders stolz?

Da gibt es mehrere. Da ist zum einen mein 10000m Debüt in Aichach in 29:16,x oder die 5000m bei der DM in Ulm, als ich zum ersten Mal bei einer Meisterschaft der Aktiven ansatzweise zeigen konnte, was in mir steckt. Sehr stolz bin ich auch auf den vierten Platz bei der Halbmarathon DM in Freiburg, wo ich in neuer persönlicher Bestzeit von 1:05:53h ins Ziel kam. Das war erst mein zweiter Halbmarathon. 

3.   Wann und wie kam der Entschluss es mal über eine längere Distanz, genau genommen den Halbmarathon, zu versuchen?

Ich wurde sozusagen ins kalte Wasser geworfen. Mein Trainer hat das für mich geplant und wir hatten bei der DM in Refrath gute Chancen auf das Treppchen zu laufen. Also bin ich in erster Linie für unser Team gelaufen. Leider war das ursprüngliche Team dann größtenteils krank oder verletzt, da hab ich mich völlig auf mich konzentriert. Ich hatte richtig Respekt vor dieser Strecke. Am Ende konnte ich mit 66:44min und Platz 6 bei der DM debütieren. Seitdem laufe ich gerne die Langstrecken. Ähnlich lief es 2014 mit den 10000m. Ich bin gespannt, was als nächstes für mich geplant wird. 

4.   Wie integrierst du dein Training in den Arbeitsalltag?

Da ich mit 7-9 Trainingseinheiten relativ wenig Zeitaufwand habe, kann ich es ganz gut in meinen Stundenplan integrieren. Ich versuche meine Stunden jedoch so zu legen, dass ich morgens und abends bzw. nachmittags ein kleines Zeitfenster habe, um flexibel trainieren und meinen Umfang individuell steigern zu können. 

5.   Hast du einen Trainer oder Mentor?

Ich trainiere unter Winfried Aufenanger. Ich vertraue seiner Erfahrung, für mich ist es perfekt. 

6.   Nach dieser phänomenalen Saison 2014, was sind deine Ziele für 2015? 

Ich möchte mich natürlich weiter steigern und ich denke, dass es möglich ist. Weiter möchte ich bei Meisterschaften und in der Bestenliste weiter nach vorne. Das wichtigste dabei ist für mich aber, dass es Spaß macht. 

7.   Wie viele Paar Schuhe verschleißt du in einer Laufsaison? 

Gar nicht so viele. Ich habe keinen Sponsor und mein Budget als Student ist begrenzt. Zurzeit laufe ich mit zwei verschiedenen Laufschuhen. Eigentlich zu wenig. Im Jahr komm ich dann ca. auf 6 – 7 Paar. 

8.   Trainierst du auch alternativ oder läufst du nur? 

Bisher bin ich eigentlich nur gelaufen. Hatte auch weniger Probleme mit Verletzungen. Aber ich versuche jetzt Aquajogging, Fahrradfahren und Schwimmen ins Training zu integrieren. Ich denke, dass es mich voranbringen wird, in Addition zum normalen Lauftraining. 

9.   Welche Regenerationsmaßnahmen stehen bei dir an? 

Montags mache ich einen regenerativen Dauerlauf und gehe anschließend in die Kurhessen Therme. Dort kann man ganz gut entspannen. Physiotherapie hatte ich bisher nur in akuten Fällen, aber wir sind dabei das zu ändern, damit eine Betreuung während des Trainingsalltags möglich ist. Und sonst versuche ich seit diesem Herbst meine Ernährung zu verbessern, das sollte auch gut für die Regeneration sein. 

10.   Gebürtig bist du aus Norddeutschland, dort ist es flach. In deiner Wahlheimat Kassel hingegen ist es bergig. Wie kommst du mit dieser Herausforderung zurecht? 

Am Anfang war es eine Herausforderung für mich. Ich war es gewohnt immer schön flach zu laufen. Aber mit der Zeit habe ich die „Berge“ lieben gelernt. Sie geben mir auch die nötige mentale Kraft nicht aufzugeben, wenn es mal schwer wird. Natürlich gibt es Tage an denen ich das ständige bergauf laufen verfluche, aber die sind sehr selten geworden. 

11.   Für wann planst du Richtung Marathon zu gehen?

Mal sehen. Bis vor kurzem habe ich nicht mal im Traum dran gedacht, aber manchmal kommt der Gedanke doch auf. Aber ich muss mich erst einmal auf den Unterdistanzen verbessern. Deswegen wird es wohl noch etwas dauern. 

Allgemeine Fragen

1.   Film oder Buch? 

Film ist zwar auch ein schönes Medium, aber das Buch ist einfach ungeschlagen! 

2.   Bier oder Wein?

Bier 

3.   Berge oder Meer? 

Auch wenn ich das Meer sehr schön finde, haben es mir Berglandschaften angetan. 

4.   Bayern München oder Borussia Dortmund?

Auch wenn es gerade nicht so gut läuft: Werder Bremen, lebenslang grün weiß!!! 

5.   Fleisch oder Gemüse? 

Ich mag beides sehr gerne, in letzter Zeit tendiere ich aber eher zum Gemüse


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