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König, Christian

[eingestellt am 20. Dezember 2014]

By: Volker Goineau

Fotos: privat

zu Hause auf der König(s) - Distanz 

Betrachtet man die DLV-Jahresbestenliste 2014, findet man im Marathon der Männer auf Platz sechs den Namen Christian König. Der Läufer vom GutsMuths-Rennsteiglaufverein erzielte am 4. Mai beim Kassel-Marathon 2:18:17h, womit er seine letztjährige Bestzeit um 2:33 min steigern konnte. Bis zu dieser Leistung hat der heute 27jährige Thüringer einen langen und interessanten Weg hinter sich. 

Geboren wurde Christian im August 1987 in Nordhausen. Seine sportlichen Anfänge hatte er im Fußball. Als 12jähriger schloss er sich dem VfL 28 Ellrich (im Kreis Nordhausen) an und kickte ab der D-Jugend für diesen Verein, bis er für die 1. Herrenmannschaft in der Bezirksliga spielte. Dieser Verein besaß auch eine Laufgruppe, der Christian sich irgendwann anschloss. So lief er neben dem Fußball auch ab und zu und startete im Jahr 2007 als 20jähriger beim Berlin-Marathon, den er nach 3:13:52 h beendete. In den nächsten Monaten stand jedoch weiterhin der Fußball sportlich gesehen im Mittelpunkt, bevor er im Herbst 2008 seinen zweiten Marathon in Angriff nahm, erneut in Berlin. Diesmal bereitete sich Christian schon gezielter darauf vor und lief dabei 110-120 Wochenkilometer (in der direkten Marathon-Vorbereitung). Als Ergebnis kam eine Zeit von 2:46:05 h heraus, was sogar einen Nordhäuser Kreisrekord bedeutete. Nun hatte er Blut geleckt und fing im Jahr 2009 an, ambitioniert zu laufen und jagte nun nicht mehr dem runden Leder hinterher. So schaffte er es im Herbst desselben Jahres bei seinem dritten Berlin-Start, den Marathon mit 2:29:52 h unter 2:30 h zu laufen. Ein paar Wochen später ließ er beim Halbmarathon in Magdeburg mit 68:29 min eine noch deutlich hochwertigere Leistung folgen. Mit dieser Zeit war er in seinem letzten U23-Jahr der drittschnellste Läufer dieser Altersklasse in Deutschland über die 21,1 km. Während dieser Zeit (Sommer 2006 bis Januar 2010) absolvierte Christian eine Ausbildung zum Konstruktionstechniker. Hierbei musste er meistens in Vollzeit „ackern“, sodass er sein Training teilweise sehr früh morgens und dann auch noch abends abspulte, was eine harte Doppelbelastung darstellte.   

Wechsel nach Erfurt und Anschluss an die nationale Marathonspitze 

Im Jahr 2010 schloss er sich der Erfurter Trainingsgruppe von Trainer Dieter Herrmann an, um nun noch deutlich professioneller zu trainieren und weitere Fortschritte zu erzielen. Das trug auch bald Früchte: im Herbst lief er erneut den Berlin-Marathon und kam mit 2:22:31 h als zweitschnellster Deutscher ins Ziel. Mit dieser Leistung fand er den Anschluss an die (erweiterte) deutsche Marathonspitze. In dem Jahr belegte er den 5. Platz der DLV-Bestenliste. Nebenbei holte Chris sein Abitur nach, das er im Jahr 2011 erfolgreich ablegte. Anschließend nahm er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Nordhausen auf. Sportlich lief das Jahr 2011 nicht besonders gut. Nach einem Ausstieg beim Hitze-Marathon am 22. Mai in Hamburg, wo damals die Deutschen Meisterschaften ausgetragen wurden, trat er läuferisch erst einmal nicht mehr in Erscheinung, nahm sich eine Auszeit vom Wettkampfsport.

Im Jahr 2012 meldete Christian sich dann zurück in der Marathonszene. In Frankfurt am Main lief er Ende des Jahres nach 2:21:25 h als drittschnellster Deutscher ins Ziel und belegte damit den 9. Platz der DLV-Jahresbestenliste. Es zeigte sich also im Laufe der Jahre, dass Christian die Marathondistanz ans Herz gewachsen ist; die kürzeren Strecken lief er eher nur nebenbei. Er durchlief also keine „klassische“ Bahnläufer-Zeit, bevor es auf die Straßen-Langstrecken ging, sondern versuchte sich gleich auf dem „langen Kanten“. So entschloss er sich Ende 2012 mit seinem Trainingspartner Marcel Bräutigam zusammen die Trainingsplanung selbst zu übernehmen und den Fokus dabei ganz klar auf die Marathon-Distanz zu legen. 

Kongeniales Trainingsduo, das die deutsche Marathonszene aufmischt 

Mit dem gleichaltrigen Marcel, der ursprünglich vom Biathlon kommt, spielt Christian mittlerweile eine gute Rolle in der nationalen Marathonszene. Das Jahr 2013 brachte für ihn zunächst eine Steigerung seiner Bestzeit um 10 Sekunden beim Düsseldorf-Marathon (2:21:15 h), bevor es im Oktober in München um den Deutschen Meistertitel ging. Hinter dem Überraschungssieger Frank Schauer (2:18:56 h) und nur ganz knapp hinter seinem Trainingskollegen Marcel belegte Christian in 2:20:50 h den Bronzerang und konnte seine Bestzeit ein weiteres Mal steigern. In der Vorbereitung war er übrigens auch den Münster-Marathon mit Marcel zusammen in 2:28:21 h gelaufen. Dies war eher ein langer schneller DL für die beiden. Ihr Trainingskonzept sieht viele solcher langen schnellen Läufe vor; so z. B. 35km in knapp unter 3:30 min/km. Somit entwickeln sie ein sehr hohes aerobes Niveau, was für einen guten Marathon unabdingbar ist. Außerdem absolvieren sie viele Marathon-spezifische Tempoeinheiten und Tempowechselläufe; der Wochenumfang erreicht in der Marathonvorbereitung des Öfteren 230-240 Km. 10km-Rennen absolviert Christian meistens während der Marathonvorbereitung, sodass er auf dieser Strecke mit Sicherheit noch längst nicht sein Potenzial ausgeschöpft hat.

Nach dem München-Marathon hatte Christian zum Jahresende 2013 noch ein weiteres Highlight: den Bietigheimer Silvesterlauf. Dieser Lauf nahe Stuttgart über 11,1 km bei nicht ganz flachem Profil zählt zu den bestbesetzten Silvesterläufen in Deutschland. Viele Langstreckler aus der deutschen Spitze sind hier regelmäßig am Start. Und Christian konnte im vergangenen Jahr mit einem starken dritten Platz in dem von Arne Gabius gewonnenen Rennen überraschen.   

Erfolgreiches Jahr 2014 und die Konzentration auf den Laufsport 

Im Jahr 2013 hatte Christian sein Studium abgebrochen; einen neuen Studiengang konnte er sich dann leider nicht finanzieren; sodass er sich seitdem auf den Laufsport konzentriert. Er versucht mit viel Überzeugungsarbeit Sponsoren für sich zu gewinnen, was z.T. auch schon ganz gut gelungen ist; wobei sich die Suche nicht immer einfach gestaltet. Das Wichtigste ist, mit sportlicher Leistung zu überzeugen. Und da war das Jahr 2014 ein gutes für Christian, das deutliche Fortschritte brachte und somit auch die Fokussierung auf den Sport rechtfertigt. 

Im Frühjahr stand die Vorbereitung auf den Kassel-Marathon am 4. Mai an. Gemeinsam mit Marcel wollte er den nächsten Schritt in Richtung deutsche Spitze machen. Vier Wochen vorher gingen beide bei den Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften in Freiburg an den Start. Hier konnten sie als homogenes Team mit Christian Seiler die Silber-Medaille in der Mannschaftswertung für den GutsMuths Rennsteiglaufverein holen, für den sie nun laufen. Dabei belegte Christian König in der Einzelwertung den 7. Platz mit neuer Bestzeit von 66:45 min. Damit konnte er endlich seine 68:29 min aus dem Herbst 2009 unterbieten und sich auch auf dieser Strecke in der erweiterten deutschen Spitze etablieren. Seine Freiburger Zeit bedeutet den 12. Platz in der DLV-Jahresbestenliste. 

Am 19. April lief Christian die 10km beim Paderborner Osterlauf in 30:58 min, bevor es 15 Tage später auf die Königs-Distanz ging. Gemeinsam mit Marcel und von einem kenianischen Tempomacher gezogen lief er ein flottes Rennen, das er in 2:18:17 h auf Rang 7 und 24 Sekunden hinter Marcel beendete. Somit war ein ordentlicher Leistungssprung geschafft, den er sich im Training hart erarbeitet hatte. 

Nach diesem Erfolgserlebnis war Christian hochmotiviert, um im Herbst auf der flachen Berliner Marathonstrecke seine Bestzeit erneut zu steigern. Hierfür zog es ihn im Sommer für mehrere Wochen ins Höhen-Trainingslager ins schweizerische St. Moritz. Zusammen mit Marcel hatte er für die Finanzierung ein „crowdfunding“ betrieben, also nach Sponsoren etc. gesucht. So kam die Zusammenarbeit mit dem Foto- und Event-Portal „Larasch“ zustande. Auf deren Website haben Christian und Marcel nun einen Blog, in welchem sie u.a. aus ihrem Trainingsalltag berichten. Sie haben hierfür das Projekt „Marathon 2:14:30h“ ins Leben gerufen, welches ihr langfristiges Ziel kennzeichnen soll. Mit dieser Zeit wäre wahrscheinlich auch ein Start bei einer internationalen Meisterschaft für Deutschland möglich, z.B. bei der Europameisterschaft 2018 in Berlin. 

Nach einem erfolgreichen Trainingslager und einer 10km-Bestzeit beim Hamburger Alsterlauf Anfang September (30:30 min) hat es beim Berlin-Marathon jedoch nicht sollen sein. Nach einer HM-Zwischenzeit von 68:14 min, was nur unwesentlich langsamer als geplant war, musste er das Rennen 2km später verletzungsbedingt beenden.

Der Blick richtet sich jedoch wieder nach vorne. Schließlich gehören Rückschläge im Leistungssport dazu. Nach einer mehrwöchigen Pause befindet sich Christian mittlerweile wieder im Aufbautraining für die neue Saison, in welcher er es möglichst schaffen will, den Marathon in 2:16h zu laufen. Zunächst steht jedoch wahrscheinlich wieder ein Start beim Bietigheimer Silvesterlauf an, den er als einen seiner Lieblingsläufe bezeichnet. Als weitere Lieblingsveranstaltung nennt Christian sein „Heimrennen“, den Rennsteiglauf, welcher Mitte Mai stattfindet und wo er sowohl über die HM-Distanz als auch beim „Marathon“ (43,5 km) schon erfolgreich teilgenommen hat. Um noch bessere Voraussetzungen für eine gute Marathonzeit zu haben, möchte er im  neuen Jahr auch seine Zeiten auf den kürzeren Strecken verbessern, so z.B. seine 3000m-Bestzeit von 8:27,45min. Gute Rahmenbedingungen zur Umsetzung seiner sportlichen Ziele hat er nun; schließlich kann er sich aufgrund der Unterstützung seines Vereins und mehrerer Sponsoren im Jahr 2015 als Laufprofi bezeichnen und sich auf das Training konzentrieren. Neben dem Blog auf www.larasch.de betreibt Christian eine eigene Homepage, auf welcher er seine Leser auf dem Laufenden über seinen läuferischen Werdegang hält und auch mehrere interessante Themen anspricht. So beschreibt er beispielsweise die Saltin-Diät, welche er zur optimalen Auffüllung seiner Kohlenhydratspeicher vor den Marathonläufen praktiziert. Auch vieles über Training im Allgemeinen und über seine Person kann man auf seiner Website nachlesen.

Wir können also gespannt sein, wohin der Weg des leidenschaftlichen Marathonläufers Christian König (sowie seines Trainingspartners Marcel Bräutigam) in den nächsten Jahren noch hinführen wird. 

Geb. am 31.8.1987 in Nordhausen (Thüringen) 

Größe/Gewicht 1,71 m/62 kg 

Verein: GutMuths Rennsteiglaufverein 

Trainer: trainiert sich selbst (gemeinsam mit Trainingspartner Marcel Bräutigam) 

Lieblings-Trainingseinheit: schneller langer Lauf (30-35 km in unter 3:30 min/km) 

Lieblings-Laufveranstaltung(en): Bietigheimer Silvesterlauf und Rennsteiglauf 

Homepage: www.chrisk-marathon.de  

PB 

3000m 8:27,45 min (2011)
10km 30:30 min (2014)
HM 66:45 min (2014)
Marathon 2:18:17 h (2014)


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