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Hegmann, Tobias

[eingestellt am 20. Dezember 2014]

By: Jörn Harland

Fotos: privat

Aus dem Film “Forrest Gump“ kennt man den Spruch „Lauf Forrest, lauf!“ Das Motto von Tobias Hegmann lautet wohl ähnlich, so lange laufen wie es geht. Zuletzt kehrte der Klein-Umstädter mit einer Bronzemedaille von der 100km WM in Doha/Katar zurück. Mit Bestzeiten von 32:27 min. über 10km, 1:12:26 h im Halbmarathon, 2:31:52 h im Marathon und 7:31 h weisst der Zweiradmechaniker eine erhebliche Bandbreite an Distanzen auf. Gespannt sein darf man auf den nächsten Streich des ledigen Familienvaters. Seine Freundin und seine Freunde sind es ja gewohnt: Tobias ist mal laufen! 

Im Nachgang zu seinem sensationellen Erfolg habe ich Tobias ein paar Fragen gestellt.

Lauffragen 

1.    Wann und wie kam der Entschluss zum Ultralauf (100km Laufen)

Das hat sich so nach und nach ergeben. Erst 20 Marathons, dann den 50er in Rodgau weil es gerade um die Ecke ist. Dann war der Churfrankenlauf (73km), weil ich die Idee für diesen Lauf einfach genial fand. Dann kam die direkt die Nominierung für die TrailWM in Irland 2011. Dann wollte ich unbedingt nochmal im Nationaltrikot laufen und dachte bei den 100ern könnte es klappen und machen wollte ich es sowieso irgendwann mal. 

2.    Welches Ziel hattest du dir für dein Debüt in der 100km-Nationalmannschaft in Doha gesetzt? 

Ursprünglich wollte ich meine Bestzeit verbessern und unter die ersten 30 kommen. Bestzeit war dann aber durch das Wetter nicht möglich, und eine bessere Platzierung war durch meine Magenprobleme auch nicht drin. Am Ende war ich froh, es bei einer WM ins Ziel geschafft zu haben. Das ich dann in der Altersklasse die Bronzemedaille geholt habe, war dann mehr als unerwartet. 

3.    Wie war die Atmosphäre an der Strecke? Wie bist du mit den Bedingungen zurechtgekommen?

Zuschauer gab es bis auf die Betreuer und die Helfer keine. Die haben allerdings sehr gut angefeuert. Mit einem Stadtmarathon hier in Deutschland kann man das aber nicht im entferntesten vergleichen. Von den Einheimischen hat das niemanden interessiert. Die Wetterbedingungen waren hart. Zwar gar nicht mal so heiß wie vorhergesagt, aber eine extrem trockene Luft, man musste andauernd trinken. Auch der Sauerstoffgehalt war niedrig, fast wie in der Höhe. Mich hat es wie einen Großteil der Teilnehmer mit Magenproblemen erwischt, 2mal musste ich mich übergeben. Am Ende hat dann ohne Nahrungsaufnahme die Kraft gefehlt. 

4.    Welchen Wochenumfang hast du in der Vorbereitung für diese Leistung gemacht? 

Ich bin ich Schnitt 130-140 km gelaufen, Spitzenwert war so um die 170km. Dazu fahr ich so oft wie möglich mit dem Fahrrad zur Arbeit, einfach 26km. 

5.    Hast du spezielle Wettkämpfe in der Vorbereitung bestritten?

In der direkten Vorbereitung bin ich nur den Churfrankentrail gelaufen.

6.    Wie integrierst du dein Training als Vollzeit Berufstätiger in den Arbeitsalltag?

Morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit, Mittagspause 1:00 bis 1:10Std trainieren, abends wieder heim. Sonntags morgens dann lange Läufe, so dass ich um 9:00 Uhr fertig bin, d.h. wenn ein 60er auf dem Programm steht geht’s dann teilweise schon vor 4:00 Uhr los. 

7.    Welche Regenerationsmaßnahmen stehen bei dir an? 

Regeneration kommt leider ein bisschen kurz, speziell mache ich da nichts. 

8.    Hast du einen Trainer oder Mentor? 

Ich trainiere schon seit fast 20 Jahren nach Greif. Für  die Quali in Husum hatte ich dann einen Plan von Wolfgang Olbrich, die WM Vorbereitung habe ich dann ähnlich gestaltet, aber für mich alleine. 

9.    Nach dieser phänomenalen Leistung in Doha, was sind deine Ziele für 2015? Ist dieses Resultat überhaupt noch steigerungsfähig? 

Das ich jemals wieder bei einer WM eine Medaille gewinne ist eher unwahrscheinlich, da war ich schon zur rechten Zeit am rechten Ort. Mit so einer Zeit gibt es normal nichts zu holen. Aber meine 100km Zeit ist sicher noch ausbaufähig, da möchte ich schon noch möglichst nahe an die 7 Stunden kommen. Auch meine Marathonzeit möchte ich in naher Zukunft verbessern, einmal unter 2:30 h ist mein großer Traum. Was ich 2015 genau mache weiß ich noch nicht, aber ich denke 50km DM und dann probieren, ob es noch mal reicht, mich für die 100km WM in Winschoten zu qualifizieren. 

10. Wie viele Paar Schuhe verschleißt du in der Vorbereitung?

Ich laufen so viele verschiedene Schuhe zeitgleich, dass ich das gar nicht genau sagen kann, aber bei 5000km im Jahr kommt da schon was zusammen. 

11. Trainierst du auch alternativ oder läufst du nur?

Mit dem Fahrrad zur Arbeit, zu mehr bleibt kaum Zeit. 

12. Ich gehe davon aus, dass nunmehr erstmal eine Saisonpause einlegst oder was steht dieses Jahr noch auf dem Programm?

Nein, erstmal eine kleine Pause, dann geht schon die Vorbereitung für die 50km DM in Marburg Ende Februar los. Davor vielleicht mal noch ein schneller 10er. 

13. Was machst du nach einem 100km-Lauf? Wie oft schnürst du in dieser Zeit deine Laufschuhe?

Nach meinem ersten in Husum hatte ich lange gar keine Lust auf laufen. Da war ich froh über jede Ausrede und jeden trainingsfreien Tag. Da hab ich mir schwer getan, überhaupt wieder halbwegs regelmäßig zu trainieren. Ich hatte auch nicht vor dieses Jahr nochmal 100 km zu laufen, da ich die direkte Quali für Doha (7:15Std) nicht geschafft hatte. Als dann der Anruf kam, dass ich es über die Mannschaftsnorm geschafft hatte und mit kann, ging es sofort steil bergauf. Jetzt nach Doha hatte ich gar keine Probleme, ich hätte nach 3 Tagen schon wieder laufen können, habe aber dann doch eine Woche gewartet. 

14. Was sind deine langfristigen Ziele?

Einmal Marathon unter 2:30 h und einmal in Biel finishen, am liebsten auf dem Podest. 

Allgemeine Fragen 

1.    Was hilft dir, Entspannung im Alltag zu finden?

Lockere Läufe im Wald, Memory mit meiner Tochter spielen, unseren Hühnern im Garten zuschauen.

2.    Welche Hobbys hast du außer Laufen?

Laufen, Radfahren, Arbeiten, Familie, Haus mit Garten, da braucht man sonst keine Hobbys mehr.Fußball schaue ich mir ab und zu mal gerne an, besonders wenn Nürnberg spielt. 

3.    Mit welchem Prominenten würdest du gerne einmal essen gehen?

Haile Gebrselassie würde ich schon gerne mal kennen lernen. 

4.    Dein größter persönlicher Erfolg?

Meine Tochter, die ist wirklich gut gelungen. Ansonsten sportlich meine WM Medaille und meine Marathon und Ultrasiege. 

5.    Dein Lebensmotto?

Alles nicht zu ernst und sich selbst nicht zu wichtig nehmen.  

Erfolge:

International:

WM Bronze AK35 bei der 100km WM in Doha/Katar 2014
4. Platz Duathlon WM AK30 Frederikia/Dänemark 2005
5. Platz Duathlon WM AK30 Györ/Ungarn 2006 

National:

Deutscher Vizemeister 50km 2010
50km Deutschland Cup Sieger 2010
Qualifizierung zum 50k WorldTrophy  Finale 2011, 2012, 2014
Deutscher Meister im Duathlon Altersklasse  Einzel 2010 + 2011
Deutscher Vizemeister Duathlon Altersklasse Einzel 2006 + 2009
3. Deutscher Meister Duathlon Altersklasse Einzel 2012
Deutscher Meister im Duathlon AK 30/35 Mannschaft 2006 + 2009
Mehr als 70 Siege bei Volksläufen 

Marathonerfolge:

-      1. Platz Mittelrhein Marathon 2012
-      1. Platz Hessentagsmarathon Oberursel 2011
-      1. Platz Obermain Marathon 2006 und 2007
-      2. Platz Trail Marathon Heidelberg 2013
-      6. Platz Marathon Karlsruhe in pers. Bestzeit 2:31:52 Std
-      12. Platz Jungfraumarathon in 3:15:45 Std (1800hm!) 

Ultraerfolge:

-      1. Platz Rodgauer 50km Ultralauf 2011
-      1. Platz Churfrankenlauf  73km 2010, 2011, 2013 und 2014
-      2. Platz Rodgauer 50km Ultralauf 2010
-      2. Platz Bottroper 50 km Ultralauf 2010
-      3. Platz Rodgauer 50km Ultralauf 2014
-      3. Platz beim Transalpine-Run 2006
-      1. Platz Brüder Grimm Lauf 2006

 

 


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