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8. Grafenauer Dreikönigslauf

[eingestellt am 08. Januar 2015]

By: Jochen Höschele

Axel Stahl (rechts), Streckensprecher und Chef der Winterlaufserie, führt vor dem Start noch so manches Interview

Startaufstellung zum 5,3- und 10km-Lauf, mit der Startnummer 217 der spätere Zweite über 10km, Daniel Noll

Noch schnell ein weiteres Interview, dieses Mal mit der späteren Siegerin Katharina Becker

Kurz nach dem „Drecksbuckel“ bei Kilometer sechs…

…..erreicht man die Verpflegungsstelle

Blick durch das lichte Gehölz auf das Läuferfeld

Eine fast völlig schnee- und eisfreie Strecke sorgte für sehr gute Laufbedingungen

Die letzten drei Kilometer wurden die Läufer von der Sonne verwöhnt

Madeleine Walter vor Jürgen Langer (238) – noch sind etwa zwei Kilometer zu laufen

Der Chip wird gleich im Ziel von den Helfern eingesammelt

Zielverpflegung im Pavillonzelt

Hochwasser und tiefe Temperaturen zauberten eine Natureisbahn an die Wiesengrundhalle in Grafenau, sehr zur Freude der vielen Kinder

Ilka Adler (11) und Sandra Langguth als Fünfte beziehungsweise Siebte ihrer jeweiligen Altersklassen im Ziel

Birgit Fender freut sich

Mathias Neitzel (434) und Nadine Mornhinweg

M55-Sieger Werner Hasler begleitet die W70-Siegerin Heidi Azeroth (241) ins Ziel

Walter Wiedenmann, gut gelaunt wie immer

Dieses Mal war sie ihrem Ehemann dicht auf den Fersen: Hannelore Wiedenmann war drei Minuten schneller als im Vorjahr

Gesche Will aus Ostfildern

Kunst im Wald (Teil eins)

Kunst im Wald (Teil zwei)

Siegerehrung Frauen, Platz eins bis fünf: 5. Nicole Benning, 4. Isabelle Zimmerhakl, 3. Stephanie Beckmann, 2. Fiona Dermann, 1. Katharina Becker (von links nach rechts)

Siegerehrung gesamt, Männer von links nach rechts: 1. Simon Dörflinger, 2. Daniel Noll, 3. Martin Beckmann, 4. Benjamin Schmid, 5. Johannes Hasselmann

Altersklassensiegerinnen W70 abwärts (von links nach rechts): Heidi Azeroth (W70), Adelheid Haug (W60), Dora Kusio-Torkler (W50), Heike Schnaufer (W45), Stephanie Beckmann (W35), Tamara Walter (W30), Nicole Benning (W40)

Erst die Spitzhacke, dann die Spitzenleistungen

Grafenau, den 6. Januar 2015 – Wer im Winter einen Volkslauf organisiert, muss wissen, worauf er sich einlässt. Üblicherweise ist dann kaum mit hohen Temperaturen zu rechnen, dafür umso eher mit den „bekannten Größen“ wie Frost, Eis, Schnee und Sturm. Wohl dem, der darauf vorbereitet ist und notfalls auch kurzfristig reagieren kann.

Die Macher des Grafenauer Dreikönigslaufes hatten in der Vergangenheit schon mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen, allen voran mit großen Schneemassen.

Wenige Tage vor der diesjährigen Austragung sah im Wald und auf den Fotos, die auf die Webseite gestellt wurden, alles noch so aus, wie es sich richtige Wintersportler idealerweise vorstellen. Eine vollkommen schneebedeckte Strecke ließ vermuten, dass 2015 grobstolliges Material an den Füßen angesagt sein dürfte.

Doch es kam anders, als Anfang des Jahres noch vermutet. Plötzlich einsetzende starke Regenfälle in Verbindung mit deutlichen Plusgraden ließen die Schneedecke rasch dahinschmelzen und der Rest verwandelte sich in eine rutschige Eisbahn. Den Rest besorgte die fleißige Helfermannschaft des Grafenauer LOS- Lauftreffs, der auch als Veranstalter des Dreikönigslaufes fungiert. In einem über zwei Tage andauernden Arbeitseinsatz hackten die Helfer die zahlreichen eisigen Stellen auf und schufen so einen quasi durchweg problemlos zu belaufenden Untergrund – zu 98 Prozent eisfrei, wie sie nicht ohne Stolz auf der Internetseite bemerkten.

Die äußeren Bedingungen sollten dann auch tatsächlich keinerlei Anlass zur Klage geben – einer kalten Nacht an Dreikönig folgte ein strahlend schöner, sonniger Tag. Für etliche ein Grund, kurzentschlossen nach Grafenau zu kommen und nachzumelden. Letztlich stellten sich mehr als 340 Sportler über 10km und beinahe 60 beim „Jedermannlauf“ über 5,8km.

Die Grafenauer Strecke ist auch ohne winterlichen Belag alles andere als einfach – etwa 300 Meter nach dem Start wartet mit einer Spitzkehre bergauf ein erster kleiner Engpass auf das noch nicht sortierte Feld. Danach folgt ein langgezogener Anstieg, dessen Ende erst nach gut zwei Kilometern erreicht ist. Bis Kilometer fünf führt die Strecke überwiegend bergab, ist aber auch in diesem Abschnitt mit einigen Gegenanstiegen „gewürzt“. Der eigentliche Hammer der Dreikönigslaufstrecke ist aber der sogenannte „Drecksbuckel“ zwischen Kilometer fünf und sechs. Hier geht es auf 300 Metern mit mehr als zehn Prozent Steigung so richtig zur Sache, und meist entscheidet sich auch an dieser Stelle, wer das Rennen gewinnt. Nicht so in diesem Jahr – längst waren, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen, die späteren Sieger ihren Mitstreitern weit enteilt. Katharina Becker (Binder Sport) lief mit 39:08 min nicht nur als Gesamt-23. ein, sie brach auch noch den alten von ihr selbst gehaltenen Streckenrekord. Da konnte keine andere mithalten, auch nicht die ehemalige Spitzenläuferin Stephanie Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen). Wie viele Läufer hat Becker die Zeit um den Jahreswechsel zum Training mit den Langlaufski genutzt und daher auf einen Silvesterlauf verzichtet. Mit Fiona Dermann (SpVgg Holzgerlingen Lauftreff) hatte die frühere deutsche Vizemeisterin im Halbmarathon Beckmann eine ebenbürtige Gegnerin, und die beiden liefen auch kurz hintereinander im Ziel ein. Nach 41:21 min blieben für Dermann die Uhren stehen, Beckmann benötigte elf Sekunden mehr und damit war das Podium bei den Damen bereits komplett. Dermann war im Ziel sichtlich zufrieden und strahlte über das ganze Gesicht. „Direkt hinter Katharina, das ist toll. Besonders gefreut hat mich heute, dass meine 15 Monate alte Tochter beim Bambinilauf mitgemacht hat.“ Dass das schnelle Ehepaar Beckmann dieses Jahr nicht wie sonst so oft beim Dreikönigslauf in Schwäbisch Hall am Start waren verdankten sie einer langen Erkältungsphase seit Dezember. „Wir waren ständig krank und mit den beiden Kindern und dem fehlenden Training hätte die weite Fahrt nach Schwäbisch Hall wenig Sinn gemacht. Da bleiben wir lieber hier in der Nähe; das ist viel einfacher und entspannter für die Familie.“

Unangefochten war der Sieg von Simon Dörflinger (Laufladen-Stuttgart.de) bei den Männern in 34:04 min, ebenfalls mit neuem Streckenrekord – eine Parallele zu Katharina Beckers Triumph bei den Damen, nur mit geringerem Abstand. Der Hechinger Daniel Noll belegte in 35:14 min vor dem M35-Sieger und ehemaligen deutschen Marathonmeister Martin Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen). Somit tat es Martin seiner Ehefrau Stephanie gleich und belegte den Bronzerang, eine weitere Parallele an diesem an Rekorden gewiss nicht armen Tag.

Bei den „Jedermännern“ (und –frauen) kam Carmen Keppler (SV Oberkollbach) zu einem glasklaren Sieg in 26:10 min vor Nadine Talmon-Gros (TG Dieltlingen; 30:35 min) und Siri Spence aus Böblingen in 32:21 min. Bei den Männern über die 5,8km-Distanz lag Markus Fritzsche (Skiklub Dresden-Niedersedlitz) in 21:00 min eine gute Dreiviertelminute vor Sven Kratochwil (Team AR Sport; 21:47 min) und Alexander Gajo (FKU Racing Team; 23:40 min). Im Vergleich zum Hauptlauf ist der Zuspruch auf der kurzen Strecke mit knapp 60 Finishern zwar eher gering, doch nicht minder lohnenswert. Der „Drecksbuckel“ bleibt einem hier zwar erspart, doch anspruchsvoll ist der Parcours allemal.

Auch in diesem Jahr konnte man sich ungewöhnlich lange an der Zielverpflegung laben, waren die Temperaturen und vor allen Dingen die kräftig scheinende Sonne dazu angetan, das Laufgeschehen gleich bei einem Becher Tee ausgiebig zu analysieren. Wahlweise konnte man auch noch frisches Obst dazu verzehren.

Die Siegerehrung findet dann in der Wiesengrundhalle statt, wo auch die Anmeldung und die Umkleidekabinen und Duschen zu finden sind. Sachpreise und Gutscheine werden überreicht, und besonderen Anklang finden alljährlich die großen Mürbteigbrezeln, die alle Platzierte in den Altersklassen ausgehändigt bekommen. Doch auch diejenigen, die aufgrund übermächtiger Konkurrenz oder unerklärlicher Leistungsschwäche nicht auf einem Podestplatz landeten, fanden in ihrer Starttüte entweder eine vegane Bolognesesoße oder wahlweise ein Waschmittel für Funktionstextilien. Ganz schön viel Gegenwert für moderates Startgeld. Wenn man dann noch bedenkt, dass etliche Helfer ihre Freizeit geopfert haben, um die Strecke optimal herzurichten, ist alleine das schon ein Grund, sich den Dreikönigslauf in Grafenau zu merken.

Auch im nächsten Jahr werden es viele Baden-Württemberger zu schätzen wissen, wenn am hiesigen Feiertag die Möglichkeit besteht, sich sportlich zu betätigen und eventuell vorhandene überflüssige Weihnachtspfunde loszuwerden. Fast schon bedauerlich, dass die Laufklientel aus den übrigen Bundesländern (außer Bayern, wo auch Feiertag ist) immer warten muss, bis der Dreikönigstag auf ein Wochenende fällt, um sich selbst einmal von der Grafenauer Veranstaltung begeistern zu lassen.

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.winterlaufserie-bb.de


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