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Sporttherapie bei Krebserkrankungen - Melanie Rank, Verena Freiberger und Martin Halle

[eingestellt am 11. Januar 2015]

By: Nicole Benning

Sporttherapie bei Krebserkrankungen - Grundlagen, Diagnose, Praxis

Dass Sport und regelmäßige Bewegung bei der Verhinderung der Entstehung von Krebserkrankungen eine wichtige Rolle spielen, ist sicher hinlänglich bekannt und weder unter Medizinern noch unter Laien umstritten. Dass Sport aber auch ein wichtiges Therapieelement bei Krebserkrankungen ist und sein kann, wissen längst nicht alle. Bzw. viele denken, Sport bei Krebs, das ist nicht zu vereinen.

Nur 20-40% der Patienten sind nach der Diagnose noch körperlich aktiv, so schreiben es die Autoren Melanie Rank, Verena Freiberger und Martin Halle in ihrem Vorwort. An dieser Stelle sei die Frage erlaubt, wie viele sich denn vor der Erkrankung regelmäßig bewegt haben. Alle drei Autoren sind Mediziner am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Sie richten ihr 176 Seiten umfassendes Werk an Ärzte und Physio-  und Sporttherapeuten und wollen ihnen einen Leitfaden liefern, wie Tumorpatienten ergänzend zu ihrer onkologischen Therapie behandelt werden können.

Da es sich bei der Verfasserin dieser Zeilen um eine Nichtmedizinerin handelt, können die dargestellten medizinischen Fakten nicht beurteilt werden. Was aber aus eigener zugegeben sehr persönlicher Erfahrung als betroffene Tumorpatientin sehr gut eingeschätzt werden kann sind die Auswirkungen von Sport und Bewegung im Rahmen einer Tumortherapie.

Nach kurzen Ausflügen zur grundsätzlichen Ursachen von Krebserkrankungen und Risikofaktoren sowie dem schützenden Einfluss von ausreichender Bewegung auf die Krebsentstehung wendet sich das Buch schnell den Tumorerkrankungen zu. Eine Krebserkrankung hat für den Betroffenen meist in mehrerer Hinsicht schwere Folgen für die körperliche Leistungsfähigkeit. Zum einen ist man aufgrund der Erkrankung selbst eingeschränkt, zum anderen sind die angewandten Therapien „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ und mit seitenlangen Nebenwirkungen garniert. Mit dem, was man als Otto-Normal-Mensch landläufig als Nebenwirkungen bei „handelsüblichen Medikamenten“ kennt, hat das hier wenig zu tun. Im Fall von operativen Eingriffen handelt es sich oft um große Operationen mit wochenlangen Krankenhausaufenthalten. Die psychischen Folgen stehen außerdem noch mal auf einem ganz anderen Blatt Papier. Eine sehr anschauliche Tabelle zeigt schön die potenziellen Nebenwirkungen und Beeinträchtigungen je nach Therapieform auf.

Anhand von verschiedenen ausgewählten häufigen Tumorerkrankungen wird im Anschluss der positive Einfluss von körperlicher Aktivität übersichtlich und gut verständlich dargestellt. Alle Erkrankungen zeigen eine höhere Überlebensrate im Falle von gesteigerter körperlicher Aktivität.

Neben der Überlebensrate spielt die Lebensqualität während einer Tumorerkrankung eine große Rolle für Betroffene. Selbstverständlich ist jeder Fall anders gelagert, jeder Mensch, jede Erkrankung ist anders. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass sowohl das die Lebensqualität stark herabsenkende Fatigue-Syndrom als auch Dinge wie Ödeme, Verdauungsstörungen und Hautirritationen durch regelmäßige Bewegung deutlich gemildert werden. Das Maß der Bewegung ist natürlich individuell sehr unterschiedlich. Jemand, der vor der Diagnose immer wieder eine Stunde gewalkt ist, hat ein anderes Maß als etwa ein Profirennradfahrer. Dass Bewegung und zugehörige schöne Erlebnisse auch die Psyche stärken ist selbstredend. Die Autoren weisen daher darauf hin, dass vor der Sporttherapie eine umfassende Beratung über Art und Umfang durchgeführt werden sollte, um die individuelle Belastbarkeit zu ermitteln.

Im Folgenden werden verschiedene Trainingsformen und -zielsetzungen für unterschiedliche Tumorerkrankungen dargestellt, vor allem nach einer erfolgten Operation. Neben der grundsätzlichen Feststellung, dass Bewegung eine Tumortherapie stark unterstützen und Nebenwirkungen mildern kann ist dies sicherlich das interessanteste Kapitel des Buches. Denn gleich nach der Frage an den Arzt oder sich selbst, ob man sich denn bewegen dürfe kommt die Frage, in welchem Umfang. Zahlreiche Mobilisierungs- und Kräftigungsübungen sowie Methoden der Koordinationsverbesserung werden vorgestellt und beschrieben, die sicher vor allem für Patienten ohne besondere sportliche Vorbildung eine große Hilfe sind.

Die Autoren schufen mit ihrem Buch einen Praxisleitfaden und es ist – auch aus Patientensicht - sehr erfreulich, dass sich dieses wichtigen Themas angenommen wird. Die Meinung, dass man sich bei Tumorerkrankungen schonen soll, sollte seit langem der Vergangenheit angehören. Nach Lektüre des Buches gibt es sicher ein paar mehr Überzeugte.

  • Taschenbuch: 180 Seiten
  • Verlag: Schattauer; Auflage: 1., Aufl. 2012 (3. April 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3794528344
  • ISBN-13: 978-3794528349
  • 34,99 €

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