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Kuhlen, Andreas

[eingestellt am 03. Februar 2015]

By: Volker Goineau

Fotos: Georg Kuhlen

Von 800m bis Marathon 

Im September 2014 finishte der 31jährige Andreas Kuhlen den Berlin-Marathon nach 2:28:07 Stunden. Es war sein erster beendeter Marathon, sodass die Freude über das Finish überwog, auch wenn er auf der zweiten Rennhälfte mehr als 6 Minuten im Vergleich zur ersten Hälfte verloren hatte. Bis zu diesem Marathon hat Andreas jedoch schon eine lange Zeit als Läufer hinter sich, wobei er eine ganze Weile auf den Mittelstrecken zu Hause war. 

Geboren wurde Andreas im September 1983 im niedersächsischen Cloppenburg. Als Kind spielte er zunächst Tennis und vor allem Tischtennis. Hier brachte er es immerhin bis zur Männer-Regionalliga, in der er als 16/17-jähriger mitspielte. Nebenbei hatte er als 12jähriger mit der Leichtathletik beim BV Garrel begonnen, nachdem sein älterer Bruder Georg ihn mit zum Training genommen hatte. Hier zeichnete sich schnell ab, dass es ihn zu den Mittel- und Langstrecken ziehen würde. Sein erster Trainer war Heiner Göttke, bei dem er bis 2003 bleiben sollte. Im Schüler-Alter, also mit 12-15 Jahren, lief er bereits längere Strecken. So rannte er mit knapp 12 Jahren die 10km in unter 40 Minuten (39:50 min) und ein Jahr später 5km in 17:48 min. Ab der B-Jugend konzentrierte sich Andreas zunächst vermehrt auf die Mittelstrecken. So lief er in der B-Jugend die 800m in 1:59,89 min und 1500m in 4:09,7 min. Er startete aber auch im damals in der B-Jugend üblichen 7,5km-Straßenlauf, wo er 25:35min erzielte. In der A-Jugend erreichte er Zeiten von 1:56,52 min über 800m, womit er überraschend Norddeutscher A-Jugendmeister wurde, sowie 4:06,09 min über 1500m. Außerdem lief er die 10km in 33:33 min und die 15km in 51:38 min. 

Erfolgreich auf den Mittelstrecken 

Im jungen Erwachsenenalter blieb Andreas den Mittelstrecken treu. 2003 übernahm er seine Trainingsplanung selbst, bevor Dieter Baumann sein Training übernahm. Von Dieter hat Andreas nach eigener Aussage sehr viel gelernt, auch was das „Drumherum“ bei der Wettkampf-Vorbereitung angeht. 

Im letzten Junioren-Jahr (2005) lief er mit 1:53,99 min über 800m hauchdünn die Junioren-DM-Norm, wo er sich dann allerdings auf 1:51,39 min verbesserte und den achten Rang belegte. In der Halle lief er generell lieber die 1500m. Schließlich ist hier die DM-Norm auch etwas leichter zu realisieren. 

Den Strecken von 800 bis 1500m galt in den Folgejahren weiterhin sein Hauptaugenmerk. Ab dem Jahr 2005 trainierte er mehr und intensiver, absolvierte zumeist 10 bis 13 Einheiten pro Woche. So kamen häufig 140-150 Wochenkilometer zusammen, für einen Mittelstreckler trainierte Andreas immer relativ Ausdauer-betont. Neben dem Sport nahm er ein Fern-Studium für Sportmanagement in Düsseldorf auf. Später studierte er auch noch BWL in Oldenburg. 

Im Jahr 2009 lief er seine Mittelstrecken-Bestzeiten von 1:50,61min, 2:22,58 (1000m) und 3:46,79min. Außerdem war er des Öfteren Mitglied einer erfolgreichen 3*1000m-Staffel der LG Braunschweig, für die er von 2007 bis 2012 lief. Unter anderem lief er hier mit Jonas Hamm und Sören Ludolph, mit denen er, ebenfalls 2009, 7:11,67 min lief. 

Weg zu den Langstrecken 

Im Jahr 2010 lief Andreas seine 3000m- und 5000m-Bestzeiten mit 8:21,79 min und 14:40,69 min. Die Mittelstrecken lief er jedoch weiterhin. In den Folgejahren verlegte er seinen Schwerpunkt jedoch immer mehr in Richtung längere Strecken. Im Sommer 2011 beendete Dieter Baumann seine Trainertätigkeit, sodass Andreas seine Trainingsplanung nun wieder selbst übernahm. Im Herbst lief er beim als Sieger beim Oldenburger Citylauf die 10km in 30:59 min. Diese Zeit verbesserte er im September 2012 bei der DM in Nagold auf 30:51 min. Hier holte er mit seinen Mannschaftskollegen Heiko Baier und Karsten Meier von der LG Braunschweig die Bronze-Medaille in der Mannschaftswertung. 

Seit dem Jahr 2013 läuft Andreas im Trikot des VfL Löningen. Und im Jahr 2013 stellte Andreas sich einer neuen Herausforderung: Marathon. Schließlich sei ein Läufer erst komplett, wenn er mindestens einen Marathon absolviert hat. Gut einen Monat nach seinem 30. Geburtstag stand er also beim Frankfurt-Marathon an der Startlinie. Doch irgendwie sollte es nicht sein. Er war trotz gewissenhafter Vorbereitung wohl nicht richtig auf die Marathondistanz eingestellt oder hatte sich für sein Debüt einfach zu viel vorgenommen. Jedenfalls beendete er das Rennen noch vor der Halbmarathonmarke, ohne sich wirklich erklären zu können, was eigentlich los war. 

Berlin-Marathon 2014 – endlich Marathoni! 

Elf Monate später stand der nächste Versuch an, diesmal in Berlin. Nachdem er im Laufe der Saison einige gute Mittelstreckenzeiten (u. a. 1:53,39 min über 800m) erzielt hatte, stand der Sommer im Zeichen der Marathonvorbereitung. Hier absolvierte Andreas teilweise knapp über 200 Wochen-Kilometer und hatte ein paar vielversprechende Vorbereitungsrennen. So lief er Ende August 10.000m in 31:06,31 min, wobei er die zweite Hälfte im Alleingang in 15:18 min herunterspulte. Am 28. September war es dann soweit: sein zweiter Marathonversuch, diesmal wollte er auf keinen Fall aussteigen. Mit einer kleinen Gruppe absolvierte Andreas die erste Hälfte in 1:10:45h, was ganz schön ambitioniert war. Auch diesmal hatte er wohl etwas zu wenig Respekt vor den 42,195 km. Doch mit einer großen Willenskraft kämpfte er sich bis ins Ziel, das er schließlich nach 2:28:07 h erreichte. Nun ist er ein Marathoni und war hinterher entsprechend glücklich darüber. Es sollen jedoch in den nächsten Jahren weitere Anläufe folgen, der nächste wohl im Herbst 2015. Schließlich möchte Andreas auch einmal gut und ohne nennenswerten Tempo-Verlust einen Marathon durchlaufen, am liebsten eines Tages unter 2:20 Stunden. Und die 10km-Distanz würde er gerne irgendwann unter 30 Minuten rennen. Die nötige Grundgeschwindigkeit bringt er als früherer Mittelstreckler auf jeden Fall mit. 

Dass er dem „Mythos Marathon“ verfallen ist, zeigt er auch in seiner Abschluss-Arbeit im Rahmen seines BWL-Studiums, welche er zu genau diesem Thema verfasst hat. Als ökonomischen Aspekt hat er den Event-Bereich hierbei mit in den Blickpunkt gestellt. Als „Diplom-Sportmanager“ hat Andreas sich nun selbständig gemacht und bietet „personal training“ sowie die eine oder andere Laufreise an. Mehr dazu kann man auf seiner Homepage lesen. Diese lautet www.800m.de und zeigt damit eindeutig, von welcher Strecke er kommt und dass sein Herz immer noch ein bisschen an der Mittelstrecke hängt. Sein Hauptaugenmerk gilt aber längst den Langstrecken und wir können gespannt sein, bis wohin sein Weg hier noch führen wird. 

 

Geb. am 22.9.1983 in Cloppenburg/Niedersachsen 

Größe Gewicht: 1,85 m/64 kg 

Verein: VfL Löningen 

Trainer: trainiert sich selbst 

Lieblings-Trainingseinheit: kurze Tempoläufe (10*200m) 

Persönlich Bestzeiten: 

800m 1:50,61 min (2009) 

1000m 2:22,58 min (2009) 

1500m 3:46,79 min (2009) 

3000m 8:21,79 min (2010) 

5000m 14:40,69 min (2010) 

10km 30:51 min (2012) 

Halbmarathon 69:29 min (2014) 

Marathon 2:28:07 h (2014)

 

 


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