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33. Winterlaufserie Rheinzabern - der 20er

[eingestellt am 08. Februar 2015]

By: Jochen Höschele

Fotos: Gabi Gründling & Jochen Höschele

Voranmeldung – alphabetisch sortiert

Die Läufer sind noch gar nicht unterwegs, da werden die ersten nicht mehr benötigten Schilder schon wieder abgeräumt

Eine Viertelstunde vorm Start – alles noch verwaist

Allerletzte Eisreste – neben der Strecke

Dieter Kronschnabel kommt mit dem Führungsauto zu km 1, um dort die Zeit anzusagen

Km 1 – Frederik Unewisse schon einige Schritte vor der Konkurrenz

Matthias Müller vor Jan Mattis Kuhn – so sah’s auch 19 km später im Zieleinlauf aus

Das Feld rollt an

Tim Weber (1180) hat gut lachen, er wird 2. M30 – Jannik Arbogast und Lucas Bittighofer kommen aber vor ihm ins Ziel

2. M40 Jens Laudage (824)

Anna Kusch wird Zweite und 2. WHK

2. W40 Natascha Bischoff

1. W65 Ingeborg Lang

Bärbel Fischer

Warten auf den nächsten Einsatz

Die Versorgungsstelle wird vorbereitet

Der Chef kontrolliert seine Jungs

2. MJU20 Daniel Jeckel

3. M30 Oliver Trauth, 1. M45 Marcus Imbsweiler

Tagessiegerin Melina Tränkle und 1. MJU20 Joshua Klein liefen 9 km Seite an Seite

1. M40 Thomas Wörner

In blau 2. M50 Alf Matuschak

Mit pinken Kompressionsstrümpfen: 2. M35 Alessandro Collerone

Daniela Kenty (in grau) und Jara Geißler (in rot) anfangs Seite an Seite. Hinter den beiden: Celia Kuch

Lief ein fulminantes Rennen: Frederik Unewisse

3. M55 Bernhard Scheib

Zweiter gesamt und 1. M30 Matthias Müller

Verena Gempper

3. MHK Joshua Sickinger

Dynamisch: Daniel Walter

1. M35 Tobias Balthesen (462) – Maximilan Hauptmann (135) wird 18ter gesamt und 10ter MHK

3. M40 Stephane Wenger

Ralf Breyer braucht auch im Winter eine Abkühlung

3. M45 Michael Ohler

Roland Rohde – einer der wenigen mit kurzen Hosen

3. M50 Bernd Ulrich (1216)

-

Dritte Serie und 1. W40 Marika Bernhard (1154)

2. W30 Julia Bush

3. M70 Wolfgang Decker

1. M65 Werner Heiter

Cornelia Durst hat ebensolchen

Peter Toobe

3. W45 Bettina Exß

Noch 150 m bis zum Gesamtstreckenrekord

2. M45 Gunnar Dussa

1. W30 Monika Rocktäschel und 1. W40 Marika Bernhard

1. M55 Michael Kessler

Seriensiegerin Daniela Kenty

2. M55 Roland Knöhr

Draa Di net um

Jochen Heringhaus in seinem Element

Nudeleimer für die Seriensieger

Torte für die teilnehmerstärkste Gruppe LSG Karlsruhe

der Start ist erfolgt

1. WJU20 Sophia Kaiser

1. M70 Edmund Schlenker (701)

Unangefochten: Unewisse siegt mit Streckenrekord
Daniela Kenty schnappt sich den Seriensieg
Gedenken an Abebe Biruk

 

Rheinzabern, den 8. Februar 2015 – Wenn Fußball die schönste Nebensache der Welt ist, wie ein geflügeltes Wort behauptet, dann ist Laufsport (mindestens) die zweitschönste. Dennoch „nur“ eine Nebensache. Das wurde den über 660 Teilnehmern beim 20km-Lauf in Rheinzabern, der den Abschluss der 33. Winterlaufserie bildete, gestern bewusst. Im Foyer der Sporthalle der IGS Rheinzabern hingen mehrere Plakate, auf denen von einem schrecklichen Ereignis zu lesen war, welches die Laufgemeinde und auch die Macher der Winterlaufserie um Daniel Hochmuth ganz unvorbereitet traf: Abebe Biruk, der Führende in der Serienwertung, hatte sich am vorigen Wochenende das Leben genommen. Der 30jährige Äthiopier, seit beinahe einem Jahr in Deutschland, war eine Bereicherung seiner Trainingsgruppe des Engelhorn Sports Teams sowie der MTG Mannheim gewesen und hatte auch bei seinen Auftritten in der Südpfalz Mitte Dezember und Mitte Januar jeweils beeindruckende Leistungen gezeigt. Das Duell mit Frederik Unewisse (LG Region Karlsruhe) war mit großer Spannung erwartet worden. Frederik, der beim 10km-Lauf mit 30:29 min zwei Sekunden vor Abebe gelegen hatte, musste diesem über 15km den Vortritt lassen. Acht Sekunden wären es gewesen, die die beiden Top-Athleten getrennt hätten…. Über die Gründe des Suizids kann nur spekuliert werden, daran wollen wir uns aber nicht beteiligen. Viel bedrückender erscheint die Tatsache, dass ein junger Mensch, der durch seinen Sport und seine ruhige, freundliche Art vermeintlich gut integriert schien, keinen anderen Ausweg mehr sah, als seinem Leben ein Ende zu setzen. Eine spontan von Abebes Trainingsgruppe initiierte Spendenaktion wurde vom TV Rheinzabern tatkräftig unterstützt und erbrachte am Sonntag 841 €, die vollständig Abebes Familie zukommen werden, um die Kosten für die Überführung nach Äthiopien und die Bestattung zu decken. 

Dass man weder von seiten der Organisatoren noch der Sportler einfach so zur Tagesordnung übergehen wollte, wird dadurch ebenso verdeutlicht wie durch die vielen Gespräche, in denen sich Betroffenheit und Entsetzen unter den Sportlern zeigten. Wirklich greifbar wurde dies auch während der Schweigeminute kurz vor dem Start. 

Unter rein sportlichen Gesichtspunkten war am gestrigen Sonntag dann die Frage vor allem die, ob Frederik Unewisse, der 22jährige von der LG Region Karlsruhe, den bestehenden Serienrekord von Norbert Kleiber aus dem Jahre 1988 knacken kann? Dazu müsste Frederik unter 64:08 Minuten laufen, alleine sicherlich keine ganz einfache Aufgabe. Doch der Finanzwirt löste sie mit Bravour. Schon nach einem Kilometer hatte er als Orientierung nur die beiden Führungsradfahrer vor sich und spulte wie ein Uhrwerk seine Kilometer in einem Schnitt von 3:10 Minuten ab. Weder Matthias Müller vom Laufteam Exotenwald noch Jan Matthis Kuhn (LC Eschenburg) konnten Unewisse folgen, auch sie liefen quasi die komplette Strecke alleine. „Als ich in 31:18 min bei Kilometer zehn durch bin, hatte ich schon ein sehr gutes Gefühl. Allerdings waren gerade die dann folgenden fünf Kilometer die härtesten, danach ging es dann wieder“, so der überlegene Sieger und neue Streckenrekordhalter (2:20:23 h). „Vor allem, als ich wusste, dass es auf jeden Fall reichen würde, den Rekord zu knacken, hat das nochmals einen Schub gegeben und ich konnte die letzten fünf Kilometer sogar noch forcieren. Das gibt mir schon Selbstvertrauen für den weiteren Saisonverlauf.“ In 1:03:14 h beim 20er lag er 54 Sekunden unter der Marke, die für das Aufstellen eines neuen Serienrekords erforderlich war. Unewisse, der nur mit Singlet und Shorts sowie Handschuhen leichtbekleidete Blondschopf, wusste aber diesen Sieg sehr wohl einzuordnen. „Eines ist klar – wenn das mit Abebe nicht passiert wäre, wäre es mir der Sieg nicht so verhältnismäßig leicht gemacht worden. Seine Trainingsgruppe und auch den Trainer kenne ich sehr gut, ihn konnte ich eben nur anlässlich der beiden gemeinsamen Läufe hier in Rheinzabern kennenlernen. Durch so ein trauriges Ereignis rückt erst wieder das ins Bewusstsein, was wirklich wichtig ist – und dass unser Sport zwar schön, aber doch nicht alles ist. Da wirst Du wieder richtig geerdet.“ Bei aller Bescheidenheit, die Frederik Unewisse an den Tag legte, musste aber auch er feststellen, ein Rennen „nahe am Optimum“ abgeliefert zu haben. „Klar ist es immer einfacher, wenn man zu zweit an der Spitze läuft, es fällt leichter, das Tempo hoch zu halten. Aber ich glaube, auch mit Abebe wäre ich heute höchstens 15 bis 20 Sekunden schneller gelaufen.“ Sein nächstes Ziel wird der Halbmarathon in Berlin sein, wo er am 29. März versucht, seine Bestzeit (67:44 min) aus 2014 zu verbessern. Traumziel wäre eine sub 66er Zeit. 

Es dauerte ein ganzes Weilchen, ehe der Weinheimer Matthias Müller als Zweiter nach 1:05:40 h die Ziellinie überquerte. Auch er war mit seinem einsamen Rennen zufrieden, wurde zwar „hintenraus etwas langsamer“, aber das war zu verschmerzen. Wie Unewisse plant auch er in Berlin beim Halbmarathon seine Bestzeit von 1:08:30 h zu steigern. Im Marathon, wo seine Hausmarke seit Mai 2014 in Hamburg bei 2:25 h steht, schätzt er eine weitere Steigerung als äußerst schwierig ein. 

92 weitere Sekunden vergingen, ehe mit Jan Matthis Kuhn (LC Eschenburg) das Männerpodest des 20ers komplett war. Kuhn, der ebenfalls in Berlin antreten wird und ab und zu gemeinsam mit Matthias Müller trainiert, hofft, dass er dort den Abstand zum Weinheimer etwas verringern kann. „Ich habe praktisch überhaupt nicht auf Distanzen über zehn Kilometer trainiert, und das war auf der zweiten Hälfte schon spürbar. Insgesamt kann ich mich aber nicht beklagen, es ist schon ganz gut gelaufen.“. 

In der Serienwertung gingen die Podestplätze hinter Frederik Unewisse an den Vierplatzierten des 20ers, Joshua Sickinger (Engelhorn Sports Team; 1:07:20 h; Serie: 2:29:18 h) und Daniel Walter (Stimmel Sports), der beim 20er in 1:07:55 h Fünfter wurde und in der Serie auf 2:32:32 h kam. Knapp dahinter dann schon der schnellste M45er in der Serie, Marcus Imbsweiler von der TSG Heidelberg. 2:35:17 h stehen für ihn zu Buche. Marcus ist noch etwas unschlüssig, ob er sich nicht bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Erfurt über 3000m der Konkurrenz in der M45 stellen soll. „Da gibt es gar nicht so viel Schnelle“, meinte er lachend. Was aber auch daran liegen könnte, dass auch von den Jüngeren nur wenige schneller sind als er. 

Die Konstellation bei den Frauen im Kampf um die Krone der Seriensiegerin schien glasklar – Tinka Uphoff von Spiridon Frankfurt hatte nach zwei von drei Läufen einen komfortablen Vorsprung von beinahe fünf Minuten auf Daniela Kenty und Jara Geißler (beide Laufteam Exotenwald). Leider wurde Tinka Uphoff, vor einer Woche noch strahlende Siegerin beim 50km-Ultramarathon in Rodgau, durch eine Ohrentzündung außer Gefecht gesetzt. Gesundheit geht vor Seriensieg, und so reiste die Frankfurterin vernünftigerweise gar nicht erst in die Südpfalz. Was dazu führte, dass sich plötzlich die Teamkameradinnen um den Seriensieg streiten durften, und auch die Drittplatzierte Marika Bernhard (TV Herxheim) lag noch gut im Rennen, allerdings auch nur 30 Sekunden vor Josefa Matheis (TSG Eisenberg). Doch auch Matheis musste passen, so dass die Karten bei den Frauen wieder etwas neu gemischt wurden. Zwei Minuten Rückstand in der Serie auf Kenty und Geißler, das erwies sich dann für die W40erin Bernhard aber doch als zuviel. Sie lag nach 20km zwar in 1:20:55 h 16 Sekunden vor Jara Geißler, doch in der Serie konnte sie nicht mehr an der 20jährigen des Laufteams Exotenwald vorbeiziehen. Jara ihrerseits war nicht so ganz zufrieden mit ihrem Rennen, konnte sie doch auf der ersten Hälfte gemeinsam mit Daniela Kenty und einer weiteren Vereinskollegin, Celia Kuch (Vierte in der Serie in 3:02:06 h), das Tempo hochhalten und sich alle Chancen auf den Seriensieg offenhalten. „Auf der zweiten Hälfte habe ich dann nachgelassen, ohne dass ich wirklich wüsste, woran es gelegen hat.“ Gegrämt hat sie sich aber nicht, vielmehr war ihr die Freude über den erreichten zweiten Platz in der Serienwertung anzumerken. 2:58:50 h in der Summe der drei Wettbewerbe, dazu der Sieg in der WHK-Wertung der Serie, das kann sich sehen lassen. Nun freut sie sich, dass es über Ostern für drei Wochen nach Südafrika geht. Dort wird sie den im Rahmen des „Two Oceans Marathon“ angebotenen Halbmarathon laufen, „einfach als Genusslauf und ohne Ambitionen“. 

Ihre Vereinskollegin Daniela Kenty nutzte die Gunst der Stunde und sicherte sich nach 1:20:23 h nicht nur den Tagessieg in der W35, sie gewann auch die Serienwertung in 2:57:56 h. Auch bei ihr lief es nicht völlig rund – „klar wäre ich gerne noch etwas schneller gelaufen. Aber es ging eben nicht, und das ist dann auch okay so.“ Nach der Teilnahme am Halbmarathon in Kandel im März, wo sie gerne eine Zeit unter 1:24 h laufen würde, hat sie sich für diese Saison neue Ziele gesetzt und unternimmt Ausflüge ins „Gelände“. Traditionell steht für sie das „Heimspiel“ beim Heidelberger Halbmarathon auf dem Programm, heuer aber erstmals auch eine Teilnahme am „Montafon-Arlberg-Marathon“, wo letztes Jahr der Exotenwälder Matthias Müller mit einem dritten Platz aufhorchen ließ. Vielleicht gelingt Daniela ja ein ähnlicher Coup? Zum Abschluss des Jahres liebäugelt sie noch mit einer Teilnahme am Trail-Marathon in Heidelberg, doch fällt diese Entscheidung wohl erst im weiteren Verlauf der Saison. Insgesamt bezeichnete sie die Streckenverhältnisse beim 20er als auch bei den vorhergegangenen Rennen als „ziemlich gut“, denn Wettkämpfe läuft sie im Winter nur dann, wenn die Straße schnee- und eisfrei ist. „Das tue ich mir nicht an, die Verletzungsgefahr ist zu groß und ich komme bei rutschigem Boden auch nicht gut zurecht“, räumte sie ein. 

Die strahlende Tagessiegerin war jedoch eine ganz andere: Melina Tränkle von der LG Region Karlsruhe stahl der Seriensiegerin ein wenig die Schau. Sie lief ein fulminantes Rennen, begleitet von ihrem Vereinskollegen Joshua Klein. Nach 1:11:36 h blieben die Uhren für Tränkle stehen, die bei den beiden vorherigen Läufen der Serie bedingt durch die Cross-EM und ein Trainingslager in Portugal nicht hatte antreten können. Beim 20er aber zeigte sie ihre ganze Klasse und lief als Gesamt-15. im Ziel bei Sprecher Jochen Heringhaus ein. Hochgerechnet hat sie bei diesem Lauf schon ihre bisherige Halbmarathonbestzeit von 1:15:32 h gesteigert, doch die Probe aufs Exempel kommt dann Ende März in Berlin. Auf der bekannt schnellen Strecke, die auch über die Straße des 17. Juni und den Kurfürstendamm führt, liegt dann für Melina eine neue Bestmarke förmlich in der Luft. 

Die Serienwertung bei den Mannschaften gewannen die Frauen des „Laufteam Exotenwald“ vor der LG Region Karlsruhe und dem TV Herxheim. Bei den Männern triumphierten die von Frederik Unewisse angeführten Läufer der LG Region Karlsruhe vor Stimmel Sports und der TSG Heidelberg. 

Traditionsgemäß gab es wieder eine Torte für die Mannschaft, die über die gesamte Serie die größte Anzahl an Finishern verzeichnen konnte. Alle Altersklassen- und Seriensieger durften sich über schöne Sachpreise freuen, eimerweise Teigwaren wurden aus der Halle getragen. Und am Ende der 33. Winterlaufserie stand wieder einmal fest: Die Gemeinde in der Südpfalz weiß, was Läufer schätzen. Und bietet das gleich vier Mal im Jahr. Nächste Gelegenheit, sich davon ein Bild zu machen, ist am Ostersamstag, wenn der 42. Rheinzaberner Osterlauf stattfindet.  

Ergebnisse www.laufinfo.eu


Kossmann Laufdesign