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Grüße aus dem Mental

[eingestellt am 19. Februar 2015]

By: Harald Krauß

Ich bin zwiegespalten. 

Auf der einen Seite höchst empfindlich, wenn es um kratzige Kleidung geht. Vor ein paar Jahren probierte ich einen Pullover aus Schafswolle an, den ich mir, Sekundenbruchteile nachdem er auf meinen nackten Unterarmen auflag, schreiend vom Leibe riss. Das waren, wie gesagt, nur Arme und ein Stückchen Hals. Wolle? Nehme ich gerne, wenn ich mal die Motorhaube meines Autos entlacken will.

Das ist die eine Seite der Medaille. 

Andererseits fasziniert mich Merinowolle. Meine Lieblingssocken sind aus Merino, und Mützen aus diesem Stoff schätze ich sehr. Warm auch wenn sie triefend nass ist, geruchsneutral, schafft sie ein wunderbares Körperklima. 

Obzwar als superweich angepriesen, empfinde ich Prinzessin auf der Hülsenfrucht auch bei diesem Material ein leichtes Kratzen. Daher behelfe ich mir gerne mit einer Basisschicht aus Kunstfaser (weich!), über der Merino für Klimakomfort sorgt. 

Merino begeistert mich, ich kann mich nur selten dazu überwinden, es direkt auf der bloßen Haut zu tragen. Verschiedene Marken, das erfuhr ich im Selbstversuch, sind unterschiedlich "nicht weich". 

Mein Dilemma: Ich würde gerne wollen, traue mich bloß nicht recht zu machen. 

Was tun? 

Meine Überlegungen führten mich auf den Gedanken, das Problem ließe sich mental lösen. Also reiste ich zur Kur in das schöne Mental. Eine Reise, von der ich mir erhoffte, sie möge das Pendel weiter zugunsten von Merino ausschlagen lassen. 

Zunächst besann ich mich, dass schwitzige Haut empfindlich auf Reize reagiert. Im ersten Versuch trug ich ein dünnes Leibchen aus Merinowolle direkt auf der Haut, als ich zu einem viertelstündigen Spaziergang aufbrach. Es fühlte sich etwas rau an, sonst war alles in Ordnung. 

Dadurch ermutigt, fiel einige Monate später der Startschuss für die nächste Stufe: ich wollte eine dreiviertel Stunde Laufen. Schwitzen ist dabei mehr als nur eine Möglichkeit, es ist sogar höchst wahrscheinlich. 

Ich ertappte mich, wie ich meine merinobedeckte Oberkörperoberfläche ständig abhorchte: "könnte nicht...ist es etwa...?". Mehr als ein leichtes Pieken von Zeit zu Zeit war auch bei höchster Konzentration nicht zu spüren. Wie beim tropfenden Wasserhahn lag ein Teil der Aufmerksamkeit auf dem unerwünschten, doch erwarteten Geräusch. 

Von diesem Vergleich inspiriert, zündete ich die Mentalrakete. 

"Es kratzt nur im Kopf" 

Herzliche Grüße aus dem Mental.


Kossmann Laufdesign