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13. Glaspalastlauf Sindelfingen

[eingestellt am 23. Februar 2015]

By: Jochen Höschele

Vor dem Start im warmen Glaspalast – wer hinten steht, kommt später raus ins Freie

Zunächst geht es auf Fuß- und Radwegen in Richtung Wald

Kritischer Blick

Erste Kontaktaufnahme mit dem geschotterten Waldboden nach 1,1km

Sogar die Sonne strahlte mit den Läufern um die Wette

Markus Berndl aus Brackenheim

Die erste kernige Steigung

Manch einer entscheidet sich hier schon für einen flotten Wanderschritt

Getränkestelle bei Kilometer 3

Frisch gestärkt geht es weiter….

…..in luftige Höhen

Schnee, so weit das Auge reicht (zumindest hier)

Katis Pace Team kurz vor der Bergwertung

Er blies den Läufern den Marsch

Dieselbe Getränkestelle, vier Kilometer später

Im Glaspalast, das Ziel ist erreicht und der Gewinn steht im Hintergrund rechts in weiß – Birgit Fender (links) und Kathrin Schramm sind hocherfreut

Tee und Äpfel gab es dann für alle Finisher vor der Halle

Beckmann, Baala und der Stadtbummel

Sindelfingen, den 22. Februar 2015 – Was sich ein bisschen wie ein Überbleibsel einer Fasnachtsberichterstattung anhört, nach Narhallamarsch und Tschingderassabum, ist doch eine eher nüchterne Beschreibung der Geschehnisse am gestrigen Sonntag. Stephanie Beckmann und Samir Baala, so lauten die Namen der Gewinner des diesjährigen Laufes um das in Leichtathletikkreise weithin bekannte Sindelfinger Schmuckstück, den Glaspalast. Kundigen muss nicht erklärt werden, dass es sich dabei um eine Halle handelt, in der schon diverse Leichtathletik-Großereignisse stattgefunden haben. Auch der Fußball-Junior-Cup findet alljährlich hier statt, mit namhaften Mannschaften aus der Welt des europäischen Ballsports.

Doch weder soll es hier um ein Hallenmeeting noch um das runde Leder gehen. Es ging zwar auch rund, das jedoch mehr im übertragenen Sinne am gestrigen ersten Sonntag der Fastenzeit. Gar nicht leistungsabstinent zeigten sich die Läufer, die in großer Zahl zum Austragungsort strömten. Zwar wurde die letztjährige Teilnehmermarke, als aufgrund des äußerst milden Winters wohl sehr viele Läufer bereits „wettkampfhungrig“ waren, nicht erreicht, doch der Organisator des Ganzen, Axel Stahl und seine Helfer des Stahl Eventservice, waren hinterher dennoch vollauf zufrieden. „Es war super, und auch die Resonanz des erstmals durchgeführten „Stahl Sport Shop“ Laufes über 6km war mit 55 Teilnehmern im Ziel wahrlich nicht schlecht.“

Auch Stephanie Beckmann, ehemalige Spitzenläuferin, war voll des Lobes und auch mit ihrer eigenen Leistung zufrieden. „Ich trainiere ja nicht mehr leistungsorientiert, und deshalb geht das heute voll in Ordnung“, meinte sie abschließend. Mit 39:47 min hatte die W35erin von der LG Leinfelden-Echterdingen zwar gerade mal drei Sekunden Vorsprung vor der Zweitplatzierten Jana Wörn (RSV Öschelbronn), doch war ein Zielfotoentscheid nicht notwendig. Dritte wurde in einem stark besetzten Frauenfeld die Starzacherin Judith Wagner in 40:07 min, die die mehrfache Glaspalastlauf-Siegerin Michaela Renner-Schneck (40:12 min) auf Rang vier und die frühere Stuttgartlauf-Siegerin Heike Volkert auf Platz fünf in 40:30 min verweisen konnte. Jana Wörn nutzte einen „Heimaturlaub“ zum Start am Glaspalast und wurde durch ihren Vater und ihren Bruder, die auch beide mitliefen, zur Teilnahme ermuntert. Die interne Familienwertung entschied die schnelle Jana übrigens auch deutlich für sich. Unter der Woche studiert sie Architektur in Innsbruck, deswegen haben läuferische Auftritte im Kreis Böblingen mittlerweile eher Seltenheitswert.

Im Feld der 404 Athletinnen und Athleten, die die 10km-Strecke absolvierten, setzten sich mit dem Franzosen Samir Baala, Johannes Bergdolt (Stahl Sport Shop Team) und Simon Dörflinger (Laufladen-Stuttgart.de) auch gleich die Favoriten an die Spitze. Martin Beckmann, Ehemann der späteren Siegerin Stephanie und vielen auch noch ein Begriff als einer der besten deutschen Marathonis der vergangenen zehn Jahre, hielt noch einigermaßen Kontakt zur Spitze und lief ein gutes Rennen auf dem nicht einfachen Rundkurs zwischen Glaspalast und dem Sindelfinger Wald. Die Steigungen sind zwar nicht übermäßig steil, summieren sich aber doch auf etwa 150 Höhenmeter, zudem weist der Lauf etwas „Überlänge“ auf, so dass Bestzeiten nicht unbedingt zu erwarten sind.

Samir Baala, dessen Bruder 2008 in Peking Bronze über 1500 m gewann, konnte sein Vorjahresniveau nicht ganz erreichen: 2014 hatte er noch in 32:12 min gewonnen. Am Sonntag „begnügte“ er sich mit 33:56 min, was ihn jedoch nicht weiter zu stören schien. Er befindet sich im Training für den Ende März stattfindenden „Eco-Trail de Paris“ wo er die 50km-Distanz absolvieren möchte. Seine Vorgabe hierfür? Er möchte den Lauf gewinnen, und hierfür war der Glaspalastlauf nicht nur ein gutes Tempotraining, auch als Standortbestimmung diente er dem in Straßburg beheimateten Franzosen. Baala war morgens angereist und hatte sich noch einen Stadtbummel in Stuttgart vorgenommen, ehe er am Abend die Rückfahrt ins Elsass antreten wollte. Sein härtester Konkurrent, der für das „Stahl Sport Shop Team“ laufende 20jährige Johannes Bergdolt, war angesichts des zweiten Platzes hinter Baala alles andere als zufrieden. „Das war nix heute, ich war bis Kilometer vier nur wenige Meter hinter Samir, dann bekam ich aber Seitenstechen und zwar so heftig, dass ich sogar einige Schritte gehen musste. Als es dann bei Kilometer 8,5 wieder richtig lief, war er bereits zu weit davongezogen und ich konnte seinen Vorsprung nicht mehr aufholen. Das ist ärgerlich, normalerweise hätte ich ihm gerne einen anständigen Fight geliefert. Wann ist der nächste Volkslauf, ich habe etwas gutzumachen“, setzte er, leicht genervt, hinzu. Aus dem knappen Rennen wurde zumindest beim Rennen rund um den Glaspalast nichts, doch wenigstens wurde Johannes in 34:31 min sicherer Zweiter. Auch, weil Simon Dörflinger, Parallele zu Bergdolt, nach etwa vier Kilometern Magenprobleme bekam und sein Tempo drastisch reduzieren musste. Er rettete zwar den dritten Platz in 35:24 min vor Martin Beckmann, doch auch für ihn lief es nicht nach Wunsch. Dörflinger liegt jedoch noch aussichtsreich im Rennen um den Gesamtsieg bei der Cup-Wertung der Winterlaufserie. Dazu müsste er allerdings in Magstadt am 15. März auch antreten, um den fehlenden dritten Wertungslauf für die Serie „einzufahren“. Übrigens entspricht der Zieleinlauf bei den Herre exakt dem des Vorjahres.

Ernsthafteste Konkurrenten im Kampf um den Seriensieg sind zum einen der Glaspalast-Vierte Martin Beckmann, zum anderen der Tages-Achte Wolfgang Gauß, der die notwendigen drei Läufe zu Buche stehen hat und Roland Bayer, der ebenfalls schon drei Mal teilgenommen hat.

Bei den Frauen liegt derzeit die in Sindelfingen achtplatzierte Fiona Dermann in Führung, doch auch Stephanie Beckmann, Lisa Kellermann (in Sindelfingen nicht angetreten) und Isabelle Zimmerhakl (Platz 14 beim Glaspalastlauf) haben gute Aussichten, sich in der Serie weit vorne zu platzieren. Allerdings fehlt ihnen, im Gegensatz zu Dermann, noch ein Lauf, so dass sie unbedingt in Magstadt antreten müssten, um in die Wertung zu kommen.

Auch diejenigen, die sich weniger um Sekunden und Platzierungen scherten, genossen nicht nur die recht angenehmen Temperaturen um fünf Grad plus und den Sonnenschein, den dieser Sonntagvormittag bescherte. Auch der Start im Glaspalast und der Zieleinlauf unterm Hallendach ist etwas Besonderes, ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem dieser Lauf punkten kann. In einer Jahreszeit, in der die Startgelegenheiten sowieso eher dünn gesät sind, mag das alleine schon ausreichen, um die Läufer an den Rand des Schönbuchs zu locken. Doch auch ansonsten ist das Leistungspaket stimmig und die Organisation vorbildlich. Wer zudem noch im Fasching etwas über die Stränge geschlagen hatte, konnte sich beim Glaspalastlauf gleich noch auf gesunde Art und Weise austoben. Auch nächstes Jahr wieder im Februar.

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.winterlaufserie-bb.de


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