Kanzlei.org - laufend gut beraten

18. Nanstein-Berglauf

[eingestellt am 21. März 2015]

By: Gabi Gründling

Fotos: Peter Gründling

geschäftiges Treiben

Kleiderbeutelabgabe und warmlaufen lassen sich gut verbinden

Jeder Kilometer ist markiert

André Bour und Jonas Lehmann laufen sich warm

Letzte Vor-Lauf-Scherze

Fachsimpelei unter Altersklassenkollegen (vorne) und Vereinskameraden

Und los geht’s…

Letzte Woche in Jerusalem, diese Woche in Landstuhl: Rudi Speer

Wer genug Luft hatte, konnte vielleicht sogar ein bißchen Aussicht genießen

Sieger Jonas Lehmann

3. M20 Max Kirschbaum bei der Konkurrenzbeobachtung

2. M30 Philipp Eisel noch knapp vor 1. M30 Marcel Job

Siegerin Melanie Noll

2. M35 Ralf Gehrmann und 2. M45 Karl-Peter Böshar

3. M35 Wolf Ofner, dahinter 1. M55 Jürgen Binder

2. Tanja Grießbaum

Frank Mörschel

Craig Clark vor Jonas Janzer und Lennart Nies – ins Ziel kamen die 3 M20er in der Reihenfolge Nies-Janzer-Clark

Starke Frauen

Landstuhl, 21. März 2015 – der Nanstein-Berglauf ist nun volljährig – die LLG Landstuhl rief zum 18. Mal zum Sturm der Burgruine Nanstein über den Dächern der Stadt. Genau genommen war es erst der 17. Berglauf, denn 2013 mußte die Veranstaltung witterungsbedingt abgesagt werden. Dieses Jahr war das Wetter absolut lauftauglich. Zwar machte der Frühling nach einigen schönen Tagen Mitte der Woche nochmal ein Päuschen, aber 9 Grad, Windstille und das Ausbleiben des vorhergesagten Regens sorgten für perfekte Laufbedingungen.

Allerdings spielte die Autobahnmeisterei bzw. die Straßenverkehrsbehörde den Läufern übel mit. Auf der A6 waren genau an der Ausfahrt Ramstein-Miesenbach, die zur Sickingensporthalle führt, zwei der drei Fahrspuren gesperrt. Dadurch und durch einen größeren Unfall auf eben diesem Streckenabschnitt stand so mancher Teilnehmer bis zu einer Stunde im Stau. So schmolzen so einige Zeitpolster wie Eis in der Sonne und der Start wurde um fünf Minuten verschoben, weil noch so viele Läufer an der Startnummernausgabe beschäftigt waren. Einigen reichte diese Zeit trotzdem nicht, sie hetzten hinter dem Feld her, teilweise ohne Startnummer. Einfach, weil sie da waren. Zehn von ihnen, die sich noch an der Startnummernausgabe meldeten, wurden anschließend in mühevoller manueller Kleinarbeit in die Ergebnisliste eingepflegt. Keiner von ihnen war ein „Rangkandidat“, aber auch in Landstuhl gilt es, wichtige Punkte für den Berglaufpokal zu sammeln. Schließlich bekommen am Ende des Jahres alle Teilnehmer mit 6 Läufen einen Sachpreis. Wer an allen 7 Läufen teilgenommen hat, bekommt einen höherwertigeren Sachpreis.

288 Finisher zählt letztlich die Ergebnisliste – wie viele es ohne Verkehrschaos gewesen wären. Der Teilnehmerrekord von 2009, als 350 LäuferInnen das Ziel erreichten, war aber sicher nicht in „Gefahr“.

Nicht wegen des Staus sondern „ganz relaxed“ erst eine halbe Stunde vorm Start tauchte Jessica Kammerer an der Startnummernausgabe auf. Auch wenn sie für TuS 06 Heltersberg startet – wie so viele „Heltersberger“ wohnt sie gar nicht in dem Ort im Landkreis Südwestpfalz. Jessica lebt in Ramstein-Miesenbach, hatte also ein Heimspiel. Hier am Nanstein lief sie 2008 ihren ersten Volkslauf überhaupt. Bei der 18. Durchführung erlief sie sich mit Startnummer 999 in 30:47 min Rang 3.

Die beiden Frauen vor ihr waren nicht zu halten. Melanie Noll (TSV Annweiler) war, wie immer wenn sie in der Pfälzer Berglaufszene auftaucht, die Favoritin. Mit 29:33 min hielt sie seit 2012 den Streckenrekord auf der seit 2011 aufgrund von Auflagen des Naturschutzes gegenüber früher leicht verkürzten Strecke. Daß sie mit Tanja Grießbaum (LG Rülzheim) so starke Konkurrenz haben würde, damit hätte wohl im Vorfeld niemand gerechnet. Aber Tanja studiert zur Zeit im walisischen Cardiff und hat sich dort der Lauftrainingsgruppe angeschlossen. Cardiff gilt als beste Sporthochschule in Großbritannien. Was die Sporthochschule Köln in Deutschland ist Cardiff auf der Insel. Tanja ist die Einzige in ihrer Trainingsgruppe, die keinen Sport studiert. Das Hauptaugenmerk der Gruppe liegt auf der Mittelstrecke bis hin zu 3.000 m in der Halle. Außerdem wird steht viel Cross auf ihrer Agenda. Bei den britischen Hochschulmeisterschaften wurde sie Sechste. Sie hat also in den letzten Monaten sehr viel für ihre Grundschnelligkeit getan und Bergauf-Bergab-Strecken wie die in Landstuhl liegen der 23jährigen. Die ersten 3 km lief sie vor Melanie Noll, die nächsten ca. 3,5 km liefen die beiden zusammen, gegen die Bergqualitäten der 31jährigen Konkurrentin hatte Tanja dann aber auf dem letzten Anstieg keine Chance.

Mit 28:33 bzw. 28:45 min liefen beide noch deutlich unter dem alten Streckenrekord in den Zielkanal. Das nächste Duell der beiden steht schon in der kommenden Woche am Donnersberg auf dem Plan. Allerdings sind die 13 km beim Rocky Mountain Lauf deutlich mehr, als Tanja in den letzten Monaten gelaufen ist. Am Ostersamstag will sie in Rheinzabern bei der Pfalz-Halbmarathonmeisterschaft gleich auf einer noch längeren Strecke punkten, bevor es nochmal für ein paar Wochen zurück geht nach Cardiff. Wenn sie aus Wales zurück kommt, hat sie ihr Studium „international business management“ beendet und begibt sich auf Jobsuche. Am liebsten würde sie in der Großindustrie oder im europäischen Parlament in Straßburg arbeiten.

Läuferisch haben beide Frauen für den Sommer Qualifikationspläne für einen Einsatz im Nationaltrikot. Während Tanja bei der sich für die WM empfehlen möchte, die im September auf einer Bergauf-Bergab-Strecke „ausgerechnet“ in Wales ausgetragen wird, steht diese für Melanie Noll eher nicht zur Debatte. Wie auch Jonas Lehmann möchte sie sich gerne für die EM qualifizieren, die im Juli auf einer reinen Bergauf-Strecke auf Madeira über die Bühne geht. Ein Qualifikationsrennen wird sicher die Deutsche Berglaufmeisterschaft sein, die dieses Jahr im Mai im Rahmen des Hundseck-Berglaufs in Bühlertal angesetzt ist.

Auf Platz 4 eine „alte Bekannte“ der Pfälzer Berglaufszene: Sabine Rankel konnte in jüngeren Jahren sieben Mal am Nanstein siegen. In der W45 läuft sie noch immer so mancher jungen Frau davon. Fünfte wurde eine junge Triathletin. Die 25jährige Nadine Kießling studiert in Kaiserslautern und legt viele Wege mit dem Rad zurück. Ein Auto hat sie nicht, wie inzwischen wohl zunehmend immer mehr sportliche Studenten. Nach Landstuhl war sie allerdings mit dem Zug gekommen – genau wie Nico Fuchs, ebenfalls Student in Kaiserslautern und ebenfalls Triathlet. Die beiden waren früher beide in der Triathlongruppe des 1. FC Kaiserslautern, Nadine trainiert inzwischen mit den Trias der TSG Kaiserslautern.

Nico Fuchs blieb, obwohl als Achter im Gesamteinlauf zu Füßen der Burgruine angekommen, nur die unbeliebte „Holzmedaille“ in der M20. Die Plätze 1-3 in dieser starken Altersklasse gingen an Sieger Jonas Lehmann, den Zweiten Tim Könnel, der seinen Teamkollegen André Bour auf den letzten Kilometern noch einsammeln konnte sowie Max Kirschbaum, der neu für die LG Ohmbachsee unterwegs ist und Gesamt-Fünfter wurde. Kirschbaum ist Trailspezialist, den es auch schon mal auf die langen Strecken zieht. In diesem Jahr steht der Zugspitz-Ultratrail über 100 km an, der die Läufer von und bis Grainau 1x rund um das Zugspitzmassiv führt.

Jonas Lehmann war mit 25:11 min noch recht deutlich von den 24:35 min entfernt, die sein Vereinskollege Matthias Hecktor 2011 als Duftmarke setzte. Bergauf-Bergab-Strecken liegen ihm nicht so und er findet es immer schwer, einen guten Laufrhythmus zu finden. Beim Rocky-Mountain-Lauf dürfte ihm das leichter fallen, auch dort wird er wieder als Favorit ins Rennen gehen.

Mit Tim Könnel (25:27 min), André Bour (25:35 min) und Tom Heuer (26:21 min) folgten ihm gleich drei seiner Heltersberger Teamkollegen ins Ziel.

Etwas weiter hinten aber noch lange nicht unter den Letzten kam der fast 80jährige Ludwig Mesel ins Ziel. 47:14 min brauchte der sportliche Senior für die mit 350 Höhenmetern gespickten 7,1 km und wurde Gesamt-238, ließ also noch 50 LäuferInnen hinter sich. „Bloß nicht hängen lassen“ ist das Motto des Goldies. „Man muß immer was tun, auch wenn ich lange nicht mehr so schnell bin wie früher“. Sein Motto beim Berglauf: immer laufen, nie gehen. Oder auf Pfälzisch: immer rennen, nie laufen. Er ist der Meinung, daß man zu sehr aus dem Rhythmus kommt, wenn man an steilen Passagen in den Gehschritt verfällt, auch wenn man laufend nicht schneller ist als man es gehend wäre.

„Train hard, Party harder“ ist das Motto eines Teams, das außerdem „Das Wolfsrudel“ auf seinen Kapuzenpullis stehen hatte. Es handelt sich dabei wohl um den Sport-Leistungskurs eines örtlichen Gymnasiums.

Traditionell gehen bei den Landstuhler Volksläufen auch immer viele amerikanische Lauffreunde am Start. Den Abschluß des Feldes bildete in diesem Jahr „The Watson Family“. Mike Watson begleitete seine Kinder Aubryana (11) und Emory (10) hinauf zur Burg. Daß die beiden auch die jüngsten Teilnehmer waren, versteht sich fast von selbst. Ihr Start war überhaupt nur deshalb möglich, weil die gesamten Pfälzer Bergläufe nach offiziellen DLV-Spielregeln keine echten Bergläufe sind und nur deshalb dürfen Kinder unter 14 überhaupt die Pfälzer Gipfel stürmen.

Veranstaltungsseite: www.llg-landstuhl.de

Ergebnisse: www.laufinfo.eu


Kossmann Laufdesign