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35. Berliner Halbmarathon

[eingestellt am 31. März 2015]

By: Volker Goineau

Fotos: Antje Böttcher und Volker Goineau

Der Cross-DM-Dritte Stefan Hubert (neue PB, 66:08 min)

Buntes Treiben

Die ASICS-Frontrunner Julian Flügel (li.) und Matthias Müller

Viertschnellster Deutscher Paul Schmidt (64:58 min)

Gleich geht’s durch’s Brandenburger Tor

Gruppe um Julian Flügel und Paul Schmidt

Es war lange eine große Gruppe

Isabellah Andersson mit männlichen Begleitern

Spitzenläufer kurz vor dem Brandenburger Tor

Schnellster Deutscher Steffen Uliczka

„Stützel-Flügel“-Gruppe mit Pacemaker

Der Afrika-Express

Arne Gabius mittendrin

Der Äthiopier Kade Nesero (Platz 14 in 64:14 min)

Der US-Amerikaner Gabe Proctor (Platz 13 in 64:13 min)

Kenianische Siege bei der „verkappten“ Deutschen Meisterschaft

Berlin, 29. März 2015 - Der größte deutsche Halbmarathon, erlebte in diesem Jahr seine 35. Auflage. Dieses Rennen zählt bekanntlich seit geraumer Zeit zu den größten und schnellsten der Welt über die 21,1km-Distanz. Es findet entweder am ersten April-Sonntag oder am letzten März-Sonntag statt, so wie in diesem Jahr. Somit mussten die Teilnehmer die Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit in der Nacht vor dem Rennen beachten. Die Nacht war somit eine Stunde kürzer.

Am Sonntag fiel mit zehnminütiger Verspätung um 10:15 Uhr der Startschuss für die Läufer, nachdem zuvor bereits die Inlineskater und Rollis auf die Strecke geschickt worden waren. Es waren auch in diesem Jahr über 30.000 Sportlerinnen und Sportler dabei. Die Temperaturen lagen im Bereich 6 bis 10°C, dazu war es etwas regnerisch und windig. Der Wind blies aus südwestlicher Richtung, wodurch die Läufer auf der zweiten Hälfte der 21,1km-Schleife, die quer durch die City führt und einer kleinen Sightseeing-Tour gleicht, Rückenwind hatten. Somit waren es keine allzu schlechte Bedingungen für persönliche Bestzeiten, jedenfalls wenn man auf der ersten Streckenhälfte in einer Gruppe laufen konnte.

Die Top-Favoriten kamen wieder einmal aus Kenia und Äthiopien; bei den Frauen zählte mit Isabella Andersson eine Schwedin zu den Sieg-Anwärterinnen, wobei sie ebenfalls aus Kenia stammt. Aus deutscher Sicht galt die Haupt-Aufmerksamkeit bei den Frauen Katharina Heinig und Nina Stöcker. Auch die 22jährige Karlsruherin Melina Tränkle, sollte eine Rolle spielen. Bei den Männern waren in diesem Jahr sehr viele Athleten aus der nationalen Spitze am Start. So wollte Arne Gabius nur zwei Wochen nach seinem 9. Platz beim Ney-York-Halbmarathon in 62:34 min in Berlin seine Bestzeit von 62:09 unterbieten. Der mehrfache WM- und Olympiateilnehmer im Hindernislauf Steffen Uliczka aus Kiel, der sich nun Richtung Marathon orientiert, stand vor seinem ersten ernsthaften Halbmarathon. Außerdem mit dabei: Julian Flügel, Simon Stützel, Marcel Bräutigam, Paul Schmidt, Stefan Hubert u.a. Also war der Berliner Halbmarathon eigentlich so etwas wie eine inoffizielle Deutsche Halbmarathon-Meisterschaft, zwei Wochen vor der DM, die im Schleswig-Holsteinischen Husum stattfinden wird, jedoch in der Breite der Spitze wohl kaum so stark besetzt sein wird wie das Rennen in der Hauptstadt.

Nach dem Start in der Karl-Marx-Allee unweit vom Alexanderplatz formierte sich der übliche „Afrika-Express“ an der Spitze. Nach einer 10km-Durchgangszeit von 28:33 min wurde es auf der zweiten Hälfte sogar noch ein wenig schneller, sicherlich auch bedingt durch den nun herrschenden Rückenwind. Zum Schluss gab es einen knappen Endspurt, den der 21jährige Äthiopier Birhanu Legese in 59:45 min mit weniger als einer Sekunde Vorsprung vor dem Kenianer David Kogei (59:46 min) für sich entschied. Als Dritter lief der Kenianer Abraham Cheroben, der bereits im Vorjahr den zweiten Rang belegt hatte, nach 59:49 min ins Ziel, das sich ebenfalls in der Karl-Marx-Allee, nur wenige Meter vom Start entfernt befand. Mit 59:59 min erzielte auch der Viertplatzierte Richard Mengich noch eine Zeit unter der „magischen“ 1h-Grenze. Als bester Europäer und Deutscher landete Steffen Uliczka auf Rang 15 in 64:16 min. Damit erreichte er zwar nicht ganz sein persönliches Zeitziel, konnte sich jedoch in der Deutschen Halbmarathonspitze etablieren. Der vermeintliche stärkste deutsche Läufer Arne Gabius war derweil nach 12km aus dem Rennen gegangen, bevor er dann doch in ca. 1:21 h bis ins Ziel lief.

Zweitschnellster Deutscher auf Rang 19 war Julian Flügel, der mit 64:57 min eine persönliche Bestzeit erzielte. Der fast 29jährige ASICS-Frontrunner von der TSG Roth möchte Ende April den Hamburg-Marathon laufen und dort seine Bestzeit von 2:14:20 h angreifen. Nur knapp hinter Julian liefen Tobias Gröbel und Paul Schmidt ins Ziel (beide 64:58 min). Vor allem bei Paul war diese Leistung überraschend stark, verbesserte er seine Bestzeit doch um 2:15 Minuten (!) Der 29jährige Sportmediziner, der mittlerweile in Berlin lebt, hat als nächstes sportliches Ziel die 10.000m-DM Anfang Mai auf seiner Agenda, wo er die 30min-Marke angreifen will. Nur acht Sekunden nach Paul (65:08 min) erreichte der Erfurter Marathonläufer Marcel Bräutigam das Ziel und konnte sich ebenfalls über eine deutliche Steigerung freuen. Der Berglauf-Spezialist und Dritte der diesjährigen Crosslauf-DM Stefan Hubert lief mit 66:08 min ebenfalls eine persönliche Bestzeit, was auch für viele weitere Läufer galt, die in den Minuten danach das Ziel erreichten. 14 Deutsche unter 70 min; insgesamt wurde diese Marke von 51 Läufern unterboten.

Von Läuferinnen wurde die 70min-Marke diesmal, im Gegensatz zu den letzten Jahren, nicht unterboten. So sicherte sich die Kenianerin Cynthia Kosgei nach 1:10:52 h den Sieg, mit einem Vorsprung von vier Sekunden vor ihrer Landsfrau Elizeba Cherono. Die Top-Favoritin Isabellah Andersson wurde in 1:11:31 h Dritte. Einen Platz dahinter landete die Österreicherin Anita Baierl (1:13:23 h). Schnellste Deutsche auf Rang acht wurde die 22jährige Melina Tränkle von der LG Region Karlsruhe, die mit einer Zeit von 1:15:34 h ihre persönliche Bestzeit nur ganz knapp verfehlte. Katharina Heinig war nach etwas mehr als 10km aus dem Rennen gegangen, nachdem es einfach überhaupt nicht lief und leichte Fußschmerzen sich erneut bemerkbar gemacht hatten. Die Ränge 10 und 11 belegten die beiden Berlinerinnen Mayada Al Sayad (1. VfL Fortuna Marzahn) und Cornelia Schnindler (SCC Berlin) in 1:17:14 bzw. 1:17:55 h. Mayada möchte gerne für Palästina an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften im Marathon teilnehmen.

Der Halbmarathon in der deutschen Hauptstadt wurde seinem Ruf als Weltklasse-Rennen mit toller Stimmung mal wieder vollends gerecht. Auch in den nächsten Jahren werden wieder viele Läufer aller Leistungsklassen durch die Berliner City laufen, wenn der große Frühjahrs-Klassiker ansteht.


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