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30. Hamburg-Marathon

[eingestellt am 28. April 2015]

By: Volker Goineau

Fotos: Michael Strokosch und Volker Goineau

Buntes Treiben

Schnellster Deutscher Julian Flügel (Mi.) mit Tempomacher und Trainer

Die schnellsten Hamburger Mourad und Andrea

Das Feld ist unterwegs

Andrea Diethers glücklich nach der Siegerehrung

Siegerehrung HH-Meisterschaft Männer

Siegerehrung HH-Meisterschaft Frauen

Siegerehrung Dt. Polizeimeisterschaft Männer

Siegerehrung Polizeimeisterschaft Frauen

Große Gruppe um die Frauenspitze

Hamburg läuft!

Der „Afrika-Express“

Der Brasilianer Marilson Gomez dos Santos

Duell an der Spitze

Mourad Bekakcha auf der Strecke

Andrea Diethers auf der Strecke

Lukas Rotich und Meseret Hailu siegen bei Nieselregen

Hamburg, 26.4.2015 - In diesem Jahr erlebte der zweitgrößte deutsche Marathon ein Jubiläum. Seit 1986 werden in der Elb-Metropole die 42,195 km quer durch die City ausgetragen und der Lauf hat sich als größtes Frühjahrs-Rennen über diese Distanz etabliert. Sowohl was die Teilnehmerzahl als auch die sportliche Klasse anbelangt bietet Hamburg längst einen der internationalen Top-Marathons. So stehen die Streckenrekorde bei 2:05:30 h (Eliud Kipchoge, 2013) und 2:24:12 h (Netsanet Achamo, 2012).

Die Temperaturen waren mit 10-16°C im Verlaufe des Rennens optimal. Allerdings setzte ungefähr mit dem Startschuss ein leichter Regen ein, der während der meisten Zeit anhalten sollte. Dieses Wetter war nicht jedermanns Sache; außerdem kamen dadurch natürlich weniger Zuschauer an die Strecke als in den vergangenen Jahren. Von den gemeldeten Läufern verzichteten fast 4000 auf einen Start, davon rund 700 kurzfristig, was eventuell auch am Wetter lag. Insgesamt konnten die Organisatoren mit 15.279 gestarteten Marathonläufern, von denen 14.737 das Rennen beendeten ein deutliches Teilnehmer-Plus gegenüber dem Vorjahr verzeichnen.

Der Lauf wurde um 9 Uhr in der Karolinenstraße vor dem Messezentrum gestartet. Es begann mit einem Fehlstart, denn einige der Afrikaner liefen zu früh los, da sie den 10-Sekunden-Countdown in deutscher Sprache wohl nicht ganz verstanden hatten. Danach hielten sie inne, es wurde allerdings nicht zurückgeschossen, sodass das Feld sich nun in Bewegung setzte. Es gingen hierbei mehrere Sekunden verloren. An der Spitze bildeten die Ostafrikaner eine große Gruppe, geführt von mehreren Tempomachern, die ein tempo von 3:00 Minuten pro Kilometer einschlagen sollten. Es wurde etwas langsamer; die Halbmarathonmarke passierten die Spitzenläufer nach 63:48 min. Am Ende des Rennens entwickelte sich ein Duell zwischen dem Kenianer Lukas Rotich und dem Eritreer Ghirmai Ghebrselassie, das Rotich in 2:07:17 h mit 30 Sekunden Vorsprung zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Den dritten Platz erreichte der Kenianer Stephen Chebogut in 2:08:01 h. Hinter zwei weiteren Kenianern lief der Mongole Ser-Od Bat-Ochir in 2:10:15 h auf den sechsten Platz.  Schnellster Europäer wurde der Belgier Koen Naert auf Rang 13 in 2:13:39 h.

Die beiden vermeintlich schnellsten deutschen Läufer Julian Flügel und Steffen Uliczka wollten, geführt von einem Kenianer sowie Julians Vereinskollegen Sebastian Reinwand, die Halbmarathonmarke nach ca. 67 Minuten passieren. Julian hatte als Ziel, seine Bestzeit von 2:14:20 h möglichst zu unterbieten, während der frühere Hindernisläufer Steffen bei seinem Marathondebüt ebenfalls eine Zeit von 2:13 bis 2:14 Stunden anpeilte, um sich der Olympianorm, die wohl bei 2:12:30 h liegen wird, schon einmal zu nähern. Ende März war er bei seinem ersten ernsthaften Halbmarathon in Berlin immerhin 64:16 min gelaufen.

Bei Julian lief es gut. Nach einer Halbmarathon-Zwischenzeit von 66:51 min war er ab der 25km-Marke auf sich allein gestellt und konnte das Rennen in 2:14:51 h auf Rang 16 beenden, womit er sich zufrieden zeigte. Zwar verfehlte er seine Bestzeit aus Frankfurt, war jedoch schneller unterwegs als bei seinem letztjährigen Debüt in der Hansestadt. Steffen hingegen lernte die harten Seiten des Marathons kennen. Bereits nach 15km fühlte er sich nicht mehr locker und musste nach und nach immer mehr Federn lassen, sodass er nach einer ersten Hälfte in 67:08 min das Ziel in 2:20:19 h erreichte. Er biss sich also tapfer durch und konnte somit wichtige Erfahrungen sammeln. Auf den letzten Kilometern wurde Steffen vom Magdeburger Frank Schauer passiert, der in 2:19:46 h als zweitschnellster Deutscher das Ziel erreichte. Der Deutsche Marathonmeister von 2013, der eine Bestzeit von 2:18:54 h vorzuweisen hat, war nach dem Rennen entsprechend glücklich. Der ebenfalls mit Ambitionen gestartete Tübinger Markus Weiß-Latzko (PB: 2:18:06 h) musste das Rennen bereits früh abbrechen, da er von Rückenschmerzen geplagt wurde.

Insgesamt 41 männliche Läufer blieben unter 2:30 h. Darunter auch Mourad Bekakcha vom Hamburger SV, der sich mit deutlichem Vorsprung den Hamburger Meistertitel sicherte. Mit einer Zeit von 2:26:49 h verpasste er seine Bestzeit vom letztjährigen Berlin-Marathon nur um acht Sekunden. Einen Platz vor Mourad erreichte der Trierer Michael Pfeil in 2:26:17 h das Ziel und sicherte sich damit den Titel des Deutschen Polizei-Meisters.

Im Rennen der Frauen kam es zu einem Zweikampf an der Spitze zwischen der Äthiopierin Meseret Hailu, die eine Bestzeit von 2:21:09 h vorweisen kann, und der Debütantin Sylvia Kibet aus Kenia, die auf den kürzeren Langstrecken schon sehr erfolgreich war. Letztendlich setzte sich Hailu nach 2:25:41 h durch. Kibet belegte den zweiten Rang in 2:26:16 h, gefolgt von Beata Naigambo aus Namibia (2:27:28 h). Mit Diana Lobacewske aus Litauen sowie Alina Prokopeva aus Russland blieben auch zwei Europäerinnen unter 2:30 h. Den sechsten Rang belegte Sabrina Mockenhaupt in 2:32:41 h. Nach Problemen in der Vorbereitung und einem „Boxenstopp“ nach ca. 25 km zeigte sie sich glücklich darüber, sich durchgekämpft zu haben.

Auf Rang 13 lief die Berlinerin Mayada Al-Sayad nach 2:41:44 h ins Ziel und erreichte damit die internationale Olympianorm. Damit wird sie wohl für Palästina in Rio de Janeiro an den Start gehen können. Zwei Plätze dahinter lief Andrea Diethers vom LT Haspa Marathon Hamburg bei ihrem Debüt eine Zeit von 2:44:24 h und sicherte sich mit ca. 17 Minuten Vorsprung den Hamburger Meistertitel. Dabei lief sie die zweite Renn-Hälfte sogar knapp eine Minute schneller als die erste. Mit ihrer Zeit liegt sie aktuell auf dem sechsten Platz in der Deutschen Bestenliste und freut sich nun bereits auf die Deutschen Marathon-Meisterschaften in Frankfurt Ende Oktober, wo sie auf eine noch etwas schnellere Zeit hofft.  Deutsche Polizeimeisterin wurde Rike Westermann in 2:54:47 h.

Insgesamt war der Hamburg-Marathon anno 2015 wieder einmal eine tolle Veranstaltung, die viele Läufer in toller Erinnerung behalten werden.

weitere Fotos von Michael Strokosch


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