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4. Hartfüsslertrail

[eingestellt am 10. Mai 2015]

By: Gabi Gründling

Fotos: Gabi & Peter Gründling

Startnummernausgabe – die Transponder

Veranstaltungschef Hendrik Dörr meldet um von 58 auf 30 km

Martin Schedler – von Anfang an am Anfang

Vorbereitungen

Entspannt vorm Start

Auch die schnellen Hirsche sind entspannt: Max Kirschbaum (Zweiter 58 km), Michael Weishaar, Christian Zimmer (Dritter)

Siegerin 58 km Pamela Veith im Vorstartgetümmel

Dudelsackpfeiferin bei km 1

Die erste Halde

Gegenverkehr – vorne Beate Ufer, Siegerin Masters women 58 km

Ein Posaunist auf dem Gipfel der ersten Halde

Am 1. VP gibt’s noch Becher

Die Fuji-Halde

Scheune Neuhaus

Buffet

VP3

VP4

-

Götz Siebert

Nach dem Start des 30ers

Stau an der Treppe

Es gilt die StVO

Fotosession unterwegs

Kleines Selfie gefällig?

Blick nach Püttlingen

Schlußläufer 30 km

Fotografin auf der Fuji-Halde

Sieger 58 km Martin Schedler

Zweiter Max Kirschbaum

… ist platt

Die Kohlehalden lassen grüßen

Dritter Christian Zimmer

Silke Wienforth und Hans-Jürgen Weber glücklich nach 30 km Ziel

Vierter Philipp Sahm

5. Dirk Salm

Die 2 hatten Spaß

7. Frank Brengartner

Siegerin Pamela Veith

Sieger master men Patrick Corbisez

Zweiter master men Stefan Klos

Schöne Glasmedaillen für die Ultras

Gut getapt ist gut gestreift – die Sonne macht’s möglich

-

Zweite Aiofe Quigly

Jürgen Mosler

Ein ganzes Rudel

Dritte Karol Tanghe

Der Preis für die Sieger der Altersklassen

Nur die Harten kommen in den Garten

Saarbrücken, 10. Mai 2015 – zum vierten Mal fand am Sonntag im Saarbrücker Stadtteil von der Heydt, einer alten Grubensiedlung, der Hartfüsslertrail statt. Die gesamte Infrastruktur ist zu Gast in der Sporthalle der Schule für soziale Entwicklung. Es handelt sich dabei um eine Förderschule für schwer Erziehbare. Der Hartfüsslertrail wird dort ins Schulprogramm integriert. Es gibt jedes Jahr eine Projektgruppe, die sich gezielt auf das Laufhighlight im Mai vorbereitet. So durften auch in diesem Jahr wieder 15 Kids mitlaufen, deren Startplätze von der Veranstaltung selbst gesponsert werden. Toufik Hebbar (Jahrgang 2001) lief die 7,5 km in 39:41 min und war damit immerhin Sechster im Gesamteinlauf von 84 Kurzstrecklern.

 

Der Begriff „Hartfüssler“ etablierte sich Anfang des 20. Jahrhunderts. So nannte man die Bergleute, die jeden Tag, Jahr für Jahr, weite Wege zu Fuß aus sich nehmen mußten, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. Im Juni 2012 wurde nach 250 Jahren der Kohlebergbau im Saarland komplett eingestellt. „Nach der Beendigung des Bergbaus im Saarland kommt der Entwicklung von Folgenutzungskonzepten für Bergbauflächen eine vorrangige Bedeutung zu. Dabei sorgt unser Partner, die RAG Montan Immobilien GmbH  für die nachhaltige Flächenentwicklung und die ökologische Aufwertung ehemaliger Bergwerksflächen im Saarland und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel.“, so kann es auf der Veranstaltungshomepage nachlesen. Hendrik Dörr, Ideengeber und Kopf des Hartfüsslertrails, arbeitet bei der RAG und konnte seinen Arbeitgeber davon überzeugen, eine Laufveranstaltung als ein Folgenutzungskonzept zu unterstützen. Und so kam es, daß jährlich im Mai immer mehr Läufer aus aller Herren Länder ins kleine Saarland pilgern, um einen Trail zu erleben, auf dem nicht nur Trail drauf steht sondern auch drin ist.

Inzwischen haben sich die angebotenen Streckenlängen bei 7,5 – 14 – 30 – 58 eingependelt. Der Zivilisation geschuldet, wird die Strecke auch immer mal wieder von asphaltierten Wegstücken unterbrochen und natürlich gibt es auch breitere Waldwege. Die sind aber in der Minderzahl und die Strecke wird von Jahr zu Jahr ein bißchen anspruchsvoller. So muß man durch den sogenannten „Urwald“, der nicht mehr bewirtschaftet wird. Das heißt aber auch, daß niemand mehr umgefallene Bäume entfernt und die Wege frei zugänglich hält. Durch die Stürme des vergangenen Jahres sind deutlich mehr Streckenteile schwer passierbar geworden. Jeder kennt sicher Strecken, auf denen hin und wieder mal ein Baum quer liegt, über den man notfalls auch mal kraxeln muß. Beim Hartfüsslerteil gibt es neuerdings Wegstücke, die quasi „unkraxelbar“ sind – besser ist es, man umläuft die kreuz und quer liegenden Bäume, indem man den seitlichen Hang hoch und einige Meter weiter wieder runter steigt, springt und rutscht.

Eine weitere Besonderheit sind riesige tiefe Matschflächen, die man vorsichtig überqueren oder einfach durchrennen kann. Gut bedient ist, wer mit dem kleinstmöglichen Bodenkontakt mehr oder weniger darüber fliegt. Die schnellen Hirsche und guten Trailläufer beherrschen das recht gut, je weiter hinten im Läuferfeld man guckt, desto ungelenker werden in der Regel die Bewegungsabläufe.

Die „besonderste Besonderheit“ aber sind die ehemaligen Kohlehalden. Auf der 30 km-Strecke muß man derer drei erklimmen, aber der 58 km-Strecke gar vier. Oben kann man dann die Aussichten genießen – und muß bei den meisten Halden denselben Weg wieder zurück, den man gekommen ist. Nur wenige schaffen es, durchgängig zu laufen. Selbst manche der schnellen Hirsche geben zu, die Halden teilweise im Gehschritt zu bezwingen – und sich dann gegebenenfalls weil’s schneller geht, halb auf dem Allerwertesten die Halden wieder hinab zu stürzen. Der heftigste Abstieg wartet an der (Abraum)Halde Göttelborn. Oben auf dem Plateau dieser Mondlandschaft steht in großen gelben Markierungsfarbebuchstaben auf dem Boden „Heavens Gate“ und ein Pfeil weist zur Abbruchkante. Von dort geht’s steil bergab. Es wird erzählt, daß eine Gruppe Läufer das zuerst für einen Scherz hielt und erfolglos nach einem Umweg für den Abstieg suchte, der weniger steil wäre.

700 Startplätze waren über alle vier Distanzen zu vergeben – und erstmals war der Lauf ausgebucht. Einige Tage vorm Lauf hieß es „rien ne va plus – Nachmeldungen werden nicht mehr entgegen genommen“. Schon an der Autobahnausfahrt, ca. 1 km von der Schule entfernt, standen dann am Sonntag Schilder, die darauf hinwiesen, daß es zwecklos wäre, weiter zu fahren, einen Parkplatz zu suchen und dann doch unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren zu müssen. 617 Läufer und Walker wurden letztlich im Ziel erfasst.

Das Herzstück der Veranstaltung ist der Ultramarathon. Obwohl es mehr Läufer gibt, die auf die 30 km-Strecke gehen, gilt den Ultramarathonis das Hauptaugenmerk. Obwohl die Internationale Trailorganisation ITRA, die Qualifikationspunkte für den Ultratrail du Mont Blanc vergibt, in diesem Jahr erstmals Gebühren für die Punkte erhob, hatte man sich beim Hartfüssler Trail entschieden, dieser Forderung nachzugeben, ergo hatte sich jeder, der die 58 km lange Strecke bezwang, einen der beliebten Punkte erarbeitet.

Die Langstreckler werden morgens um 9 Uhr als erstes in die Weite der Halden und Wälder entlassen. In der Nacht hatte es noch geregnet, aber am Morgen war es trocken, der Himmel blau. Es versprach nicht nur ein schöner Tag zu werden sondern auch ein warmer. Einen Liter Getränk mußten die Läufer als Pflichtgepäck mitnehmen und bei nur fünf Verpflegungsstellen wird so mancher froh darüber gewesen sein. Erstmals gab es nur noch an der ersten Versorgungsstelle, die ausschließlich Iso und Wasser für die Läufer bereit hielt, Einwegbecher. Zweiter Teil der Pflichtausrüstung war ein eigenes Gefäß, um an den übrigen Verpflegungsstellen, an denen es auch reichlich zu essen gab, nachtanken zu können.

Vom ersten Meter an nahm Martin Schedler die Beine unter den Arm und erarbeitete sich auf den ersten 500 m schon einen Vorsprung von 20 m. Allerdings verlief er sich dann gleich und rollte einen Teil des Feldes nochmal von hinten auf, bevor er von dannen eilte. Für den langaufgeschossenen Saarländer der für Salomon und die LAZ Saarbrücken unterwegs ist, war der Lauf der letzte Test vor der am 30. Mai im französischen Annecy stattfindenden Trail-WM. Dort stehen dann 85 km auf dem Plan. Schon im letzten Jahr war er als Erster über den Zielstrich gelaufen, seinerzeit im neuen Streckenrekord von 4:37:32 h. Obwohl die Strecke in diesem Jahr deutlich anspruchsvoller und die quer liegenden Bäume zudem zeitraubend waren, war er nur 1:12 min langsamer. Auf den ersten Kilometern hatte er einen zusätzlichen Adrenalinschub durch einen ihn anspringenden Hund, der wohl sicher nur spielen wollte.

Max Kirschbaum, hinter Schedler in 4:59:39 h Zweiter, nannte es auf Facebook „Kampfhundattacke“. Als er ins Ziel kam, war er richtig fertig – und heilfroh über seinen zweiten Platz. Die Hände des gelernten Autoschlossers sahen aus, als ob er unterwegs einen alten Dieselmotor zerlegt hätte – er hatte sie sich „geschwärzt“ als er auf allen Vieren die Halde runterrutschte.

Auch der Dritte, Christian Zimmer, zeigte sich mehr als zufrieden. Außer zu einem 5 km-Lauf in Merzig hatte er in diesem Jahr noch nicht die Wettkampfschuhe geschnürt. Nach dem Hausbau und der Geburt von Sohn Jonas im Juni 2013 steht für den 35jährigen die Familie im Vordergrund. Wie er ist auch seine Frau bei der Polizei und die beiden jonglieren das Familien- und Laufleben zwischen Bereitschafts- und Schichtdiensten. Mit 5:05:13 h war er sogar noch vier Minuten schneller als bei seinem Sieg vor zwei Jahren.

Einen klaren Favoritensieg gab es auch bei den Frauen. Wie so oft kam Pamela Veith, sah und siegte. Auch sie wird in Annecy im Nationaltrikot starten. Die 42jährige Kusterdingerin ist eine der wenigen LäuferInnen, die gleichzeitig in zwei Nationalteams nominiert sind. Als vierfache deutsche 100 km-Meisterin – ihr letzter Titel liegt gerade einen Monat zurück – gehört sie auch seit einigen Jahren dem 100 km-Nationalteam an. Deutsche Meisterin im Ultratrail war sie aber auch schon zwei Mal. Zuletzt erlief sie sich den Titel 2014 beim Keufelskopf-Ultratrail und löste damit das Ticket für die nur alle zwei Jahre stattfindende WM. Als Neunte im Gesamteinlauf pulverisierte sie mit 5:39:25 h den gerade mal einen Jahr alten Streckenrekord von Iris Stern, verbesserte ihn um eine satte Viertelstunde.

Ganz das Gegenteil zur erfahrenen Veith ist Aoife Quigly, die mit Tränen in den Augen nach 5:52:39 h über die Ziellinie sauste. Die 24jährige Engländerin studiert zur Zeit in Heidelberg, wird Konferenzdolmetscherin für Deutsch und Französisch. Der Hartfüsslertrail war ihr erster Ultramarathon überhaupt. Bisher war sie nur flache Asphaltmarathons gelaufen. Seit sie in Heidelberg wohnt, trainiert sie auch rund um die Stadt am Neckar bis hinein in den Odenwald. Auf den Hartfüsslertrail bereitete sie sich vier Monate vor. Ihre Mühen wurden mit einem für sie selbst überraschenden zweiten Platz belohnt. Wie alle anderen schwärmte sie von der Strecke die sich bei Kaiserwetter sehr gut präsentierte. 

Platz 3 ging nach Belgien: Karol Tanghe brauchte 6:17:16 h für die Strecke mit vom Veranstalter angegebenen 1.650 Höhenmetern. Wobei barometrische Uhren nur knapp 1.500 Höhenmeter anzeigten.

Beim Hartfüsslertrail wird nicht in den Altersklassenkategorien nach Deutscher Leichtathletikordnung gewertet, es gibt lediglich zwei Wertungsstufen: U50 und Ü50 (genannt „masters“).

Der schnellste 58 km-Master kam schon auf Platz 10 ins Ziel. Patrick Corbisez kommt aus dem französischen Forbach. Beim ebenfalls 58 km langen aber leichteren Grand Defi des Vosges in Niederbronn lief er im April noch 12 min langsamer als in Saarbrücken, wo er nach 5:39:48 h kurz hinter Pamela Veith sein Tagwerk beendete. Die Schneekugel für die Siegerin der Masterswertung ging an Beate Ufer, die als vierte Frau 6:36:58 h unterwegs war.

137 Ultramarathonis erreichten das Ziel, 130 von ihnen innerhalb der Sollzeit von 9 Stunden.

Mit 230 Voranmeldern, von denen 204 im Ziel registriert wurden, war der 30 km-Lauf die beliebteste Strecke. Sie wurden eine Stunde nach den Ultramarathonis auf die Strecke geschickt. Bis km 19,8 sind beide Strecken identisch. So laufen traditionell die schnellsten 30er in den Schwanz des 58ers hinein. Da das Feld dann aber schon weit auseinandergezogen ist, führt das zu keinen Reibungsverlusten.

Unter den 30 km-Läufern: drei Männer und drei Frauen von „Fitte Hütte Dillingen“. Die Betriebssportgruppe des drittgrößten Arbeitgebers im Saarland trifft sich immer dienstags und donnerstags zum einstündigen Lauftreff. Daneben laufen die Mitarbeiter der Stahlhütte auch noch samstags und/oder sonntags längere Strecken. Weitere sieben Betriebssportler liefen die 58 km-Runde.

Helen Wiehr (LAZ Saarbrücken, 3:06:47 h), Birthe Hilmes (LG Meulenwald Föhren, 3:07:14 h) und Jennifer Weber (Meddys Lauftreff Koblenz, 3:13:17 h) waren die drei schnellsten 30 km-Frauen. Das Podium bei den Männern ging an Timo Schmidt (Reckrunners, 2:29:09 h), Benjamin Betrand (LTF Köllertal/Team Hardseemafiatriathlon, 2:31:16 h) und Bastian Jäcker (LLG Wustweiler, 2:33:41 h), blieb als fest in saarländischer Hand.

Wo immer man hinhörte: alle LäuferInnen waren voll des Lobes für die schöne Strecke und die gute Organisation. Mit 700 Teilnehmern ist die Veranstaltung, wie Orgachef Hendrik Dörr auch selbst betonte, infrastrukturell am Limit. Duschen und Toilettenanlagen sind in der Halle nur sehr klein und der öffentliche Parkraum ist sehr beschränkt. Für kleines Startgeld bekommen die Läufer viel geboten, selbst ein Pastagutschein für eine Portion Nudeln nach dem Lauf ist im Preis inbegriffen. Ob der Lauf im nächsten Jahr zum gewohnten Termin im Mai stattfinden kann oder verlegt werden muß, ist noch nicht sicher – die Naturschutzbehörde verlangt vor der Genehmigung ein Artenschutzgutachten, in dem geprüft wird, ob Anfang Mai noch zu viele brütende Vögel etc. von einer Laufveranstaltung gestört werden könnten.

Viele Infos und der Link zu den Ergebnissen aller Distanzen finden sich hier: www.hartfuesslertrail.de  


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