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Die F-AS-T Formel: Was erfolgreiche Sportler anders machen - Wolfgang Feil

[eingestellt am 27. Mai 2015]

By: Carina Weidler

Dr. Wolfgang Feil ist laut Bucheinband einer der führenden Nährstoffexperten Deutschlands und seit über 20 Jahren Nährstoffberater mehrerer Nationalmannschaften, Bundesligavereine und Spitzensportler. Gemeinsam mit seiner Tochter, der Extremsportlerin und Sport-Ernährungsspezialistin Friederike Feil, hat er eine Ernährungsstrategie entwickelt, die insbesondere Sportlern einen verbesserten Fettstoffwechsel, höhere Leistungsfähigkeit und schnellere Regeneration bei verringerter Krankheits- und Verletzungsanfälligkeit verspricht. Seine „Formel für Leistungsentwicklung“, die sinnbildlich aus der Wortkombination F-AS-T besteht, besteht aus den drei Bereichen „F“ = Fettstoffwechsel, „AS“ = allgemeine Stabilität, „T“ = Topleistung im Wettkampf.

Das Buch bietet eine angenehme Mischung aus fachlichen Informationen und verständlicher Sprache, sodass Sportinteressierte, die sich schon ein bisschen mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt haben, gut mit den Inhalten zurechtkommen, ohne ständig Fachbegriffe nachschlagen zu müssen. Dr. Feil möchte mit dem Buch allen Ansprüchen, vom Einsteiger bis zum Leistungssportler, gerecht werden: „Das Buch wächst mit deinen Anforderungen“, erklärt er dem Leser in der Einleitung. Ob man sich zunächst nur mit der Fettstoffwechselaktivierung befassen möchte, den Schwerpunkt auf die allgemeine Stabilität legen möchte oder sich optimal auf einen Wettkampf vorbereiten möchte – die Pfeiler der Leistungsformel sind auch einzeln anwendbar.  Den größten Erfolg verspricht er natürlich bei der Kombination  der Pfeiler. Auch Bedenken zur teilweise etwas kompliziert erscheinenden praktischen Anwendung nimmt er bereits in der Einleitung: „Aus unseren Erfahrungen […] wissen wir, dass du dich bereits durch Umsetzen von 60-80% des Buchinhaltes nach einem Monat besser fühlst. Du merkst, wie viel leichter es dir fällt, fit, aktiv und sportlich durchs Leben zu gehen.“ Zusätzlich verspricht er, dass sich der Körper durch die Anwendung der FAST-Formel sein Idealgewicht sucht, sowie verringerte Verletzungsgefahr und Infektanfälligkeit. Zudem soll man mehr Fett verbrennen, effektiver trainieren und schneller und stärker werden.

Das klingt zu schön, um wahr zu sein… Wie soll das funktionieren?

Als Dr. Feil Ende der 80er Jahre begann, sich mit dem Thema Sporternährung auseinander zu setzen,  herrschte die (auch heute noch weit verbreitete) Meinung vor, dass für eine gute Leistungsfähigkeit vor allem eine kohlenhydratreiche Ernährung Voraussetzung sei – ergänzt mit ausreichenden Mengen an Eiweiß und Vitaminen.  Auch heute schwören viele Sportler, insbesondere Ausdauersportler, auf Kohlenhydrate, um genug „Power“ für Training und Wettkampf zu haben. Nudeln und Müsli werden häufig als „Kraftfutter“ angesehen – nicht jedoch von Dr. Feil. Das ganze Konzept zu erklären würde hier den Rahmen sprengen, aber ich möchte beispielhaft auf den Punkt „Fettstoffwechselaktivierung“ eingehen:

Nüchterntraining, um den Fettstoffwechsel zu trainieren? Kennen wir (vor allem Langstrecken-Ausdauersportler) schon. Der Körper hat nahezu unerschöpfliche Fettvorräte, die man allerdings (leider!!!) in der Regel nicht gut „anzapfen“ kann – wissen wir auch schon. Neben dem (viel diskutierten) Nüchterntraining gibt es laut Dr. Feil eine zweite Möglichkeit, den Fettstoffwechsel zu aktivieren: Training mit niedrigen Kohlenhydratspeichern, so genanntes „Train Low“. Dafür ist eine langfristig kohlenhydratreduzierte Ernährung notwendig. 

Was steckt dahinter?

Wenn dem Körper permanent ausreichend Kohlenhydrate zur Verfügung stehen, aktiviert er seinen Fettstoffwechsel nur wenig. Kohlenhydrate kann der Körper viel „leichter“ verbrennen, da der Körper für die Fettverbrennung mehr Sauerstoff verbraucht. Fettverbrennung ist also für den Körper „anstrengender“. Wozu sich also die Mühe machen, die Fettreserven anzuzapfen? Ein weiterer Grund dafür, dass der Körper zuerst die Kohlenhydrate verbrennt: Er hat für Kohlenhydrate kaum andere Verwendung, außer, sie als Energiequelle zu verbrennen. Was nicht verbrannt wird, muss in Fettpölsterchen „umgewandelt“ und gespeichert werden. Da wäre es ja unsinnig, das Fett aus den Fettpölsterchen zu „holen“ und zu verbrennen, um dann die Kohlenhydrate wieder als Fettpölsterchen einzulagern. Kohlenhydrate werden also immer zuerst verbrannt (auch, weil wir das unserem Körper durch ständiges Vorhandensein von Kohlenhydraten so „antrainiert“ haben!). Erst wenn die Kohlenhydratspeicher leer  sind, ist der Körper gezwungen, vermehrt auf Fettzellen zurückzugreifen.  Zudem wird durch eine kohlenhydratarme Ernährung die Mitochondrienbildung angeregt. Mitochondrien sind die „Kraftwerke der Zelle“, in denen die Nährstoffe verbrannt und dadurch Energie bereitgestellt wird. Wenn durch eine kohlenhydratarme Ernährung wenig Kohlenhydrate und damit schnell und leicht verfügbare Energie zur Verfügung stehen, werden vermehrt Mitochondrien gebildet, damit der Körper dennoch seine Leistung aufrecht erhalten kann.

Ich stelle mir das so vor: In einem riesigen Fahrzeug sind 5 Motoren verbaut. Mit Super Plus betankt, schafft das Fahrzeug 1000 Kilometer in einer Stunde. Wenn man E10 tankt, würde das Fahrzeug nur noch 500 Kilometer in einer Stunde schaffen. Das ist dem Fahrzeug zu wenig– und glücklicherweise ist es anpassungsfähig! Also bildet es zusätzliche Motoren. Mit 8 Motoren schafft das Fahrzeug jetzt auch 800 Kilometer in einer Stunde. Es ist nicht ganz so schnell wie vorher, aber mit der Geschwindigkeit kann es gut arbeiten. Und wenn es dann, an wichtigen Tagen, an denen es ganz besonders darauf ankommt, Super Plus tankt, schafft es 1600 Kilometer in einer Stunde! Der zweite Teil des Vergleichs ist auch ein wichtiger Teil der Dr. Feil Strategie:  Man kombiniert  das  „Train Low“ - Prinzip mit „Compete High“, „tankt“ also die Speicher vor Wettkämpfen mit Kohlenhydraten voll.

Nicht nur die verstärkte Mitochondrienbildung spricht laut Feil für eine kohlenhydratärmere Ernährung durch dauerhaft gefüllte Kohlenhydratspeicher soll der Körper schlechter auf Insulin ansprechen, wodurch sich Entzündungen im Körper erhöhen können und es zu Vitamin- und Mineralienmangel kommen kann. An dieser Stelle (und wenigen anderen) fehlt mir allerdings etwas Hintergrundinformation: Warum der Körper schlechter auf Insulin anspricht und sich dadurch die Entzündungen im Körper erhöhen können ist kann man biologisch recht einfach erklären – schade, dass dem Leser das vorenthalten wird, denn wenn man versteht, warum man etwas tut, tut man es in der Regel mit mehr Überzeugung und Konsequenz.

Natürlich müssen nicht alle Kohlenhydrate vom Speiseplan gestrichen werden: An dieser Stelle geht Dr. Feil wieder tiefer ins Detail und erklärt genau, was erlaubt ist, was in Maßen genossen werden darf, und was man besser streichen sollte. Auch Tipps für den Einstieg in ein kohlenhydratärmeres Leben werden gegeben, denn die Umstellung fällt vielen schwer. Auch den Themen Versorgung mit Fetten („fettschlau“) und hochwertigen Eiweißen sowie zur Mahlzeitenhäufigkeit gibt es genaue Vorgaben. Eine Nährstoffpyramide sowie einige Tabellen zur Nährstoffversorgung bei verschiedenen Trainingsbelastungen für verschiedene Sportarten machen die Empfehlungen sehr konkret.

Ich habe die Ernährung nach Dr. Feil selbst ausprobiert. Für den Einstieg war mir das komplette Konzept zu drastisch. Mit einer Umstellung in kleinen Schritten habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich probiere immer mal etwas aus, und was mir gut bekommt, integriere ich in meinen Sport- und Ernährungsalltag. An manchen Stellen hört man als Kritik, dass Dr. Feil in diesem Buch versucht, seine Nahrungsergänzungsmittel (Ultra  Sports) an den Mann zu bringen – das empfinde ich nicht so. Er schlägt vor, welche Mikronährstoffe er substituieren würde, verzichtet aber auf penetrante Hinweise auf seine Produkte. Auch bei Gels und Sportgetränken erklärt er, was ein gutes Gel in seinen Augen enthalten muss, ohne „the one and only“ aus seiner Produktlinie anzupreisen.

Was ich hingegen kritisieren möchte: Den Titel! „Was erfolgreiche Sportler anders machen“ impliziert, dass die einzige Möglichkeit, ein erfolgreicher Sportler zu sein, die Anwendung der FAST-Formel ist. Zugegebenermaßen kann Dr. Feil  eine beeindruckende Referenzliste an erfolgreichen Sportlern aufweisen – u.a. Timo Bracht, Norman Stadler, Svenja Bazlen, Arne Gabius, Jan Frodeno, Falk Cierpinski, Ingalena Heuck, … . Dennoch gibt es ebenso gute Sportler, die mit anderen Ernährungskonzepten ebenso erfolgreich sind.

 

  • Taschenbuch: 200 Seiten
  • Verlag: Forschungsgruppe Dr. Feil; Auflage: 2 (1. November 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3000460705
  • ISBN-13: 978-3000460708
  • 19,95 €

 

 

 


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