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1. AÜW Illermarathon Immenstadt-Kempten

[eingestellt am 07. Juni 2015]

By: Gabi Gründling

Fotos: Peter und Gabi Gründling

Streckenbesichtigung noch im Hellen

Auwaldstadion in Immenstadt

Die Meute sammelt sich

Letzte Anweisungen von Joachim Saukel

Jetzt schon müde?

Fans

Versorgungspunkt

Der erste Staffelläufer verläßt das Stadion mit weitem Vorsprung

Hannes Nägele – die Stimme nicht nur des Illermarathons

Regenschutz

Marathonsiegerin Barbara Mallmann

1. W45 Barbara Guranti

Bei ihrem 1. Marathon 3. W50 Malgorzata Gornik

Kati Schramm und Antje Schuhaj

In der Aula der Auwaldschule war die Startnummernausgabe

Diedrich Claaßen

Henkersmahlzeit

Der Shuttlebus spuckt die Läufer aus

3. Marathon Pia Winkelblech

Die Führungsradler

Fotoshooting

Aus Nienburg angereist: Manfred Dachs und Jan Wessel

Warm war’s

Schlußfahrer des Marathons: Georg Hieble und Christoph Marschall

Die Marathonis sind los

Potzblitz!

Immenstadt, 06. Juni 2015 - Wo Breitach, Stillach sich und Trettach küssen, sie ihren Namen büßen müssen. Ab Oberstdorf fließen sie dann gemeinsam 147 km lang als „Iller“ nach Ulm, wo die Iller sich in die Donau ergießt. Der Name „Iller“ kommt aus dem Keltischen und heißt wo viel wie „eilig“. Der Fluß ist quasi wie gemacht für sportliche Betätigungen aller Art – nicht nur auf dem Wasser selbst sondern auch entlang seines Ufers. 24 Jahre lang gab es den Illermarathon von und bis Immenstadt immer entlang des eiligen Wassers. Die Teilnehmerzahlen wurden immer niedriger. So gut wie jeder, der hier in der Gegend lebt und läuft, verbringt einen Teil seines Trainingsalltags entlang der Iller. Als Wettkampfstrecke büßte sie daher zunehmend an Attraktivität. Joachim Saukel lebt, läuft und arbeitet in Kempten und auch er spult regelmäßig seine Trainingskilometer am Illerufer ab. So kam er auf die Idee, den Fluß und seine Umgebung im Dunkeln als Wettkampfstrecke zu präsentieren. Was man tags wahrnimmt, unterscheidet sich sehr wohl von dem, was man nachts sieht, spürt, hört und riecht, wenn man durch durchaus bekannte Landschaft läuft.

So kam es, daß er mit dem bisherigen Organisator des Illermarathons, Hans-Peter Refle (LG Immenstadt) sprach, der ganz froh darüber war, endlich einen Nachfolger mit einem neuen Konzept gefunden zu haben – und schon hatte Saukel ein neues Baby. Und zwar eines, das auch seine große Helferschar an die Grenze brachte. Teilweise ab morgens um 10 Uhr waren sie bis tief in die Nacht auf den Beinen, um die Veranstaltung auf einer Punkt-zu-Punkt-Strecke von Immenstadt nach Kempten zu stemmen. Das Allgäuer Überlandwerk als Titelsponsor und Gastgeber des Zieleinlaufs hatte tagsüber noch Tag der offenen Tür und baute dann ab 17 Uhr den Zielbereich auf. Zielschluß für die zwei Tage zuvor offiziell vermessene Marathonstrecke war 2 Uhr nachts. Der Startschuß fiel um 20 Uhr im Auwaldstadion in Immenstadt, also hatte man 6 Stunden Zeit für die 42,195 km mit 243 m bergauf und 306 m bergab (barometrisch gemessen mit der Uhr von Laufticker-Chef Peter Gründling). Die Marathonis liefen erst illeraufwärts nach Sonthofen, um dann ans andere Ufer zu wechseln und via Immenstadt nach Kempten zu laufen.

Außer als Solist konnte man die Strecke auch als Teil einer Ekidenstaffel zurücklegen. Ekidenstaffeln sind in der Leichtathletik eine festgelegte Aufteilung, regelmäßig finden hier auch internationale Wettkämpfe statt, zu denen der DLV auch jährlich Teams schickt. Die Marathondistanz wird dabei wie folgt in sechs Häppchen geteilt: 5-10-5-10-5-7,195.

202 Marathonis hatten sich angemeldet, von denen 172 tatsächlich ihre Startnummern in der Aula der Auwaldschule in Immenstadt abholten und 170 das Ziel erreichten. Die Ordensschwester Claudia Rieß (Bona Runners) kam zusammen mit Günter Dürr von den Gipfelstürmern Immenstadt nach 5:17:23 h ins Ziel. Die Abbauarbeiten und die Siegerehrung konnten also eine dreiviertel Stunde eher beginnen als geplant. Dürrs Frau Gisela war übrigens auch auf der Strecke und 15 min schneller als ihr Mann.

21 gemeldete Ekidenstaffeln bedeuteten 126 weitere Beinpaare auf der Strecke.

Außerdem wurde eine 26 km-Variante angeboten, die die Schleife nach Sonthofen ausließ, aber sonst komplett der Marathonstrecke zwischen Immenstadt und Kempten folgte. Saukel & Co verpaßten ihr den Namen „Iller Trail“. Trail war das aber definitiv keiner. Das Geläuf setzte sich aus breiten geschotterten Wegen und Asphalt zusammen. Wahrscheinlich muß man einen Landschaftslauf heute einfach „Trail“ nennen, damit sich die Läufer dafür interessieren. Gemeldet waren hier 307 Kurzstreckler, 264 erreichten das AÜW-Gelände in Kempten, fünf stiegen unterwegs aus. Die nicht abgeholten Startnummern stellten für den Veranstalter keinen unkalkulierbaren Verlust dar, denn die Startgebühr war im voraus per Lastschrift zu entrichten. Die 26 km-Läufer starteten eine halbe Stunde nach den Marathonis, so daß sich das Feld unterwegs noch etwas vermischte, aber so auseinandergezogen war, daß es nicht zu Problemen führte.

Die Veranstaltung wurde unter der Auflage genehmigt, daß alle Läufer ab 20.30 Uhr eine eingeschaltete Stirnlampe zu tragen hatten und ein Leuchtleibchen, das mit der Startnummer verteilt wurde. Hin und wieder sah man Polizeiautos cruisen, wo die Strecke bewohntes Gebiet streifte – offenbar wurde die Einhaltung der Auflagen auch kontrolliert. 20.30 Uhr war dabei wohl eine sehr willkürliche Festlegung, denn Anfang Juni ist es tatsächlich erst gegen 22 Uhr wirklich dunkel.

War es in den zwei Tagen vor dem Lauf und auch am Lauftag erstmals in diesem Jahr hochsommerlich, so gab es für den Laufabend Unwetterwarnungen, die Starkregen, Hagel, Gewitter und Sturmböen mit bis zu 104 km/h verhießen. So mancher Teilnehmer fuhr nach Immenstadt mit der Befürchtung, daß der Lauf noch abgesagt würde. Die Macher waren sich aber sicher, daß der Gewitter-Kelch an den Illerauen vorbeigereicht würde. Und sie sollten Recht behalten. Die Marathonläufer liefen bei recht starkem Gegenwind nach Sonthofen und direkt auf eine Gewitterfront zu, die Sonthofen aber nicht erreichte, bis die Läufer wieder auf dem Rückweg waren. Auf dem Weg nach Kempten konnte man in der Ferne Wetterleuchten und riesige Blitze beobachten, hörte auch deutliches Donnergrollen, aber das einzige, was man wirklich abbekam, waren Wind und warmer Regen. Daß es regnete war wahrscheinlich ein Segen, denn in der Schwüle, die vorher herrschte, wäre die Quote der Abbrecher sicher viel höher gewesen.

Startläufer der ersten Ekidenstaffel vom Team „Laufsport Saukel B Faster“ war Domenik Poschenrieder. Nach den 650 m, die das Marathonfeld erst noch im Auwaldstadion abspulen mußte, hatte er schon mehr als 50 m Vorsprung. Auch seine Nachläufer hielten das Tempo hoch und so siegten die sechs Herren in 2:33:07 h und 35 min Vorsprung vor dem Team2 des Skiclubs Kempten. Auf Gesamtrang 3 dann schon die schnellste Frauenstaffel, ebenfalls vom Laufsport Saukel B Faster-Team. Die Mädels waren 3:09:35 h unterwegs. Auf Platz 16 findet man eine Prominentenstaffel „Promis laufen für Plan B“, die vom AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke angeführt wurde. Lucke hatte den Startschuß gegeben und sich dann ins Starterfeld eingereiht.

Fünf Läufer blieben bei dieser Debutveranstaltung unter drei Stunden, insgesamt sechs waren schneller als die zweitschnellste Staffel. Die Ergebnisliste wird angeführt von Steffen Wittmann, den sie im Allgäu „Beff“ nennen. Sein Statement am Tag nach seinem Erfolg: „Der Lauf war der absolute Wahnsinn! Der Start phänomenal, tolle Kulisse mit all den Lampen - die Strecke war bei Nacht schwerer als erwartet ... haben wir wohl alle etwas unterschätzt! Ich kenne eigentlich jeden Winkel auf dem Kurs aber in der Nacht sieht alles anders aus, viel mehr Konzentration und Aufmerksamkeit sind gefordert. An der Iller laufe ich öfter aber meist zwischen meinem Heimatort Krugzell und Kempten ... den südlichen Abschnitt bin ich eher auf dem Rad unterwegs.“ Sein Führungsradfahrer war noch in einen Unfall mit einem Läufer verwickelt, der ausrutschte und direkt vors Rad fiel. Es haben sich aber alle schnell wieder aufgerappelt und weiter ging es. Wittmann, der für die Laufarena Allgäu unterwegs ist, brauchte 2:52:26 h, die nun 2016 das Maß der Dinge sind.

Wolfgang Sieder (SVO Germaringen) folgte ihm nach 2:57:09 h aufs Treppchen. Stefan Lang (Allgäu Outlet Racetam) setzte seinen Plan, in die Top10 zu laufen, in die Tat um und landete, unterstützt von einem Freund, der ihm vom Rad Gels reichen wollte, nach 2:58:24 h auf Platz 3.

Auch die schnellste Läuferin der Nacht war für die Laufarena Allgäu am Start. Barbara Mallmann, die im April Dritte bei der Deutschen Meisterschaft im 100 km-Lauf wurde und auch schon mehrfach in dieser Disziplin im Nationaltrikot unterwegs war, brauchte 3:26:37 h. Die diesjährige Athletensprecherin der Ultramarathon-Nationalteams stürzte unterwegs, mehr als ein blutiges Knie passierte ihr aber zum Glück nicht uns so siegte sie unbedrängt.

Zweite wurde mit Petra Berting (TV Weitnau) eine Athletin, die schon in der W55 startet. Nach 3:31:00 h konnte Hannes Nägele sie im Zielkanal begrüßen.

Platz 3 erlief sich die Pfälzerin Pia Winkelblech bei ihrem erst dritten Marathon. Die W40erin vom TSV Kandel startet für das Team Ultrasports Da sie sich in diesem Jahr bisher nur auf kurze Strecken verlegt hatte und im Vorfeld zum Illermarathon nur ein einziges Mal 30 km lief, war sie bis zum Schluß unsicher, was sie sich zutrauen konnte und ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, auf die 26 km umzumelden. Zusammen mit ihrem Mann verbrachte sie das verlängerte Wochenende zum Klettern und Mountainbiken auf dem Immenstadter Campingplatz, am Freitag hatten die beiden noch eine ausgedehnte MTB-Tour unternommen. Letzten Endes glänzte sie mit 3:36:14 h.

Dritte in der W50 wurde mit Malgorzata Gornik eine Marathondebutantin aus Bad Waldsee. Sie hatte ausgerechnet diese Veranstaltung für ihr Debut auserkoren, weil der Marathon in diesem Jahr Wertungslauf im Laufsport Saukel Laufcup ist und sie sich dadurch wichtige Punkte sichern konnte. Mit 4:06:19 h war sie sehr zufrieden. Im Training war sie bis zu 35 km und immer alleine gelaufen.

Tobias Franke (Laufsport Saukel B Faster) sicherte sich den ersten Sieg auf der 26 km-Strecke. Er legte fürs kommende Jahr 1:34:28 h vor. Luigi de Franceschi (SV Ohmenhausen, 1:35:14 h) und Martin Sambale (Laufsport Saukel B Faster, 1:36:15 h) folgten ihm aufs Treppchen.

Schnellste Kurzstrecklerin war Corinna Röhrle, die für die Allgäuer Überlandwerk GmbH am Start war. Mit 1:55:45 h war sie 18te gesamt und die einzige Frau unter 2 Stunden. Mit 2:00:24 h denkbar knapp lief Carola Dörries (Laufsport Saukel B Faster) an der magischen 2 h-Grenze vorbei. Claudia Böck (Laufladen Sonthofen, 2:03:38 h) war die Dritte im Treppchenbunde.

Die Sieger wurden in Kempten mit einem Feuerwerk begrüßt, alle Läufer liefen im Schein von Fackeln Richtung Ziel. Pendelbusse brachten nachmittags Läufer von Kempten nach Immenstadt und nachts andere zurück zu ihren Autos nach Immenstadt. Logistisch ist so eine Punkt-zu-Punkt-Strecke viel aufwendiger als eine Rundstrecke. Joachim Saukel ist mit der Teilnehmerzahl sehr zufrieden. Mindestens 500 wollte man erreichen, 650 war das Wunschziel. Auf der Strecke waren insgesamt 560 Läufer, gemeldet und gezahlt hatten 635 – Ziel also voll erreicht. „Fürs nächste Jahr haben wir sicher noch an manchen Stellen Verbesserungspotential“ stellte Saukel schon den 2. AÜW Illermarathon von Immenstadt nach Kempten in Aussicht. Bleibt zu hoffen, daß die vielen Helfer unterwegs, die sich als Streckenposten und Verpflegungshelfer Abend und Nacht um die Ohren schlugen, dann trocken bleiben.

 

Ergebnisse auf www.abavent.de


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