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37. Fidelitas Nachtlauf 2015

[eingestellt am 21. Juni 2015]

By: Gabi Gründling

Fotos: Peter und Gabi Gründling

die Stadionrunde nach dem Startschuß

Kleine Helfer ganz groß

Mehrfach geht’s über die Autobahnen

3. W40 80 km Petra Marton

Zufallszuschauer in Schale geschmissen

Startläufer der beiden schnellsten Staffeln (275 Raumausstattung Meder wird 2., 268 Team „1“ gewinnt)

Annettka Landmann kam zu spät und lief dem Feld hinterher bis auf Platz 63 vor

Startläufer Staffel 1. FC Kaiserslautern

Startläufer SV Langensteinbach

Er kam, sah und siegte: Ultrasieger Christian Messerschmidt

Fünfter und 4. M40 Sascha Bläsen

Matthias Nowak

Dritter 80 km Gernot Helferich

Torsten Meier

3. M50 Rainer Wollscheid

Startläuferin der Memler-Staffel G2

Harald Menzel

Armin Wunder

Kai-Uwe Nierbauer

Michael Frohberg

Marcell Dahringer und Simone Weser laufen Staffel statt Ultra

Rainer Möwald

Jens Lukas bei seinem 10ten Finama

Ralf Hauptmann

Horst Köstner

Andreas Gieler lief noch ordentlich nach vorne

Artur Krüger (1. M70), eingerahmt von Markus Fohr und Wolfgang Hennig, die gemeinsam ins Ziel laufen

Andreas Stephan

Ramon Wettstein

Manfred Breiner

Claudia Ulrich

Jürgen Rütz (25) kam eigens aus Österreich zum Finama

Ordnung muß sein

Stephan Zeisberg

Norman Bücher

Evi Perner

Elke Link-Holtermann

Monika Bäuerlein und Julia Schmidt liefen Seite an Seite auf Platz 3

Bernd Weber

Huch.. schon so spät!

Teddy Weiß

Mario Helfrich und Peter Gründling

Ruth Roth gehörte zur der Gruppe, die zwei Stunden eher starten durften

Wanderer Uwe Kahlert

Zweiter 80 km Stefan Hauck

Heinz Bender

Fliegender Staffelläufer

Matthias Nowak

Tobias Tschöke

Heinz-Peter Schwertges und Oliver Rottweiler

Genießt die Landschaft beim Wandern: Franziska Roser

Wanderer Uwe Bretzinger

.. und seine Kumpels von Post Südstadt Karlsruhe, Frank Gierich und Martin Pfistermeier

Rolf Bürk

Siegerin Anne Staeves

Staffelläufer Tim Weber

So viele Läufer auf einen Haufen gab’s selten

Uwe Traub

Zweite 80 km Verena Henkenhaf

Andreas Deck

Zuschauertribüne

Fred Seifert

Vor allem viele Staffeln wurden von Radfahrern begleitet

Martin Rudolph

Franz Holzleitner

Peter Böhm

Peter Rexer

Gerlinde Kieselbach lief eine Woche vor der 24 h-DM auch nur Staffel

Will im Oktober seinen ersten 100Meiler laufen: Jürgen Schwäger

Veranstaltet mit ihrem Mann Wolfgang den KuSuH 100Meiler im September: Angela Höfle

Frank Hanf

Running Frog Matthias Gehbauer

Kleiderbeutel

Marathonläufer Axel Maidorn-Groth

Sieger Marathon Benjamin Kreuscher

1. M40 Marathon Marcus Morlock

Zweiter Marathon Knut Baadshaug, vor ihm Patrick Saluz

Dritter Marathon Klaus Bensching

Marcus Baldauf, eigentlich Ultraläufer, auf der Marathonstrecke unterwegs

Dritte Marathon Claudia Franke

Siegerin Marathon Katja Stamm

„Weg da vorne“: Markus Nussbaumer, Johannes von Mierlo, Achim Völkle

Stephan Herbert in Langensteinbach

Frank Woitt

Andreas Gieler und Ralf Hauptmann

Burkhard Widera und Wolfram Andrae

Hefezopf mit und ohne Nuß füllt hungrige Ultraläufermägen

Dieter Ehrenberger

Andreas Mössinger

Marcus Luksch

Thomas Horter

Peter Zimmermann

Claudia Bäumler

Manfred Drößler

Leuchten auf den Pfosten markieren die Verpflegungsstelle in Langensteinbach

Thomas Hagel

Michael Steinmaier

Fatima Halbleib

Dieter Albrecht hat sich seine persönlichen Zwischenzielzeiten auf die Startnummer gekritzelt

Dieter Albrecht und Gerhard Bracht

Schlußläufer der schnellsten Staffel John Harrisson Pockler in einem Hemd, das schon sein Onkel vor 40 Jahren zum Laufen trug

Noch 500 m bis ins Ziel

Florian Klug auf dem Weg ins Ziel

die alte Dame war schon beim Volkslauf, dem Vorgänger des Finama, mit an Bord

Ultradebutant Gert Guns läuft ab und zu rückwärts, um seine Muskulatur zu entlasten

Von Erst- und Wiederholungstätern

Karlsruhe, 20. Juni 2015 - Die Läufer des 80 km langen Fidelitas Nachtlaufs waren gerade mal einen halben Kilometer unterwegs, da passierten sie, ohne es zu wissen, eine ganz besondere Zuschauerin. Die alte Dame in hellblau ist ein Fan der ersten Stunde, war schon mit an Bord, als der Nachtlauf noch gar kein Ultramarathon sondern noch ein Volkslauf war. Damals war sie sogar bei der Vereinsgründung mit im Team. Irgendwann kam der Chef des Ganzen begeistert aus Biel zurück und die Idee zum „kleinen Bruder von Biel“, dem 80 km langen Fidelitas Nachtmarsch (daher auch die Abkürzung Finama) war geboren. Heute wohnt die rüstige Seniorin in einem Stift nur 200 m von der Strecke entfernt und läßt es sich nicht nehmen, zu gucken, wer sich da so alles auf die Strecke begibt.

Bereits zum 37ten Mal wurde am Samstagabend um 17 Uhr das Startsignal zum Nachtlauf gegeben, der seit sechs Jahren auch noch einen Ableger in Marathonlänge bekommen hat. Der wird um 20 Uhr in Mutschelbach gestartet, bei km 38 des Ultralaufs. In den drei Stunden seit dem Startschuß an der Ettlinger Allee in Karlsruhe schaffen es nur die schnellsten Staffeln über 3 x 20 km, Mutschelbach zu erreichen. So kommt es, daß letztlich die schnellen Ultramarathonis auf die langsamen Marathonis auflaufen. Da das Teilnehmerfeld aber übersichtlich und die Strecke breit genug ist, kommt es nicht zu Behinderungen. Im Gegenteil. Marathonläufer Klaus Harnisch (69), der in jüngeren Jahren vier Mal den Ultra lief und nun zum dritten Mal auf der Marathonstrecke unterwegs war, meinte dazu „Für mich ganz hinten ein einsamer Lauf, aber ab Marxzell holten dich die 80er Ultras immer wieder ein. Ein "Hallo, alles klar" war obligatorisch. Man passt eben aufeinander auf.“

Mit 37 Austragungen dürfte der Finama übrigens der älteste noch existierende Ultramarathon Deutschlands sein. In diesem Jahr fand er bei sehr läuferfreundlichem Wetter statt, einzig die vielen Helfer, die in der Nacht die Verpflegungsstellen betreuen, dürften ziemlich gefroren haben. Die letzten Läufer und Wanderer erreichten das Ziel immerhin erst morgens um 8 Uhr. Zwar weist die Ergebnisliste als langsamste Zeit 15:05:28 h aus, aber die Wanderer dürfen schon um 15 Uhr auf die Strecke, so daß das die Einsatzzeit für die Helfer an der Strecke und im Ziel verkürzt.

Warum der Zuspruch so gering ist, warum nur 142 LäuferInnen das Ziel erreichten, das wissen wohl nur die Laufgötter. Zwar gibt es inzwischen viel mehr Ultramarathons als noch vor fünf oder zehn Jahren, aber 80 km sind eine Streckenlänge, mit der man sich an noch längere Strecken herantasten kann. Der Rennsteig mit seinen 72 km zog in diesem Jahr wieder über 2.000 Läufer an. Außerdem muß man nicht auf einer kleinen Runde kreiseln sondern kann eine große Runde durch die Außenbezirke von Karlsruhe, durch das Pfinztal bis hinein in den Enzkreis laufen. 16 Stunden hat man dafür Zeit, an nicht weniger als 20 Versorgungsstellen bekommt man unter anderem Tee, Wasser, Süßes und Salziges an fester Nahrung. Für manche Kontrollstellen kann man Gepäck abgeben, so daß man nicht von Anfang an eine Jacke für die Nacht und vor allem die unverzichtbare Stirnlampe mitschleppen muß. Ein Rucksack ist bei diesem Lauf eigentlich nicht nötig.

Zu den 142 Ultramarathonis kamen noch mal 44 Staffeln und 49 Marathonis, die im Stadion der SG Südstern Karlsruhe durch den Zielbogen liefen. In den letzten Jahren wurde der 80er im benachbarten Stadion des Post Südstadt Karlsruhe gestartet und endete bei der SG Südstern. Nun hat man sich aus praktischen Gründen entschieden, jedes Jahr nur noch ein Stadion zu „belagern“ und das im Wechsel bei Post Südstadt und SG Südstern zu tun.

Es war 22:07 Uhr, als der erste Zieleinlauf bejubelt werden konnte. Die schnellste Staffel in der Besetzung Balling-Trauth-Flügel-Pockler hatte ihr Tagwerk beendet. Oliver Trauth, lang aufgeschossener Läufer des TV aus dem südpfälzischen Herxheim war, wie man es von ihm kennt, mit dem Rad nach Karlsruhe gekommen, fuhr dann auch zu seinem Wechsel, von so sein Rad von einem Laufkollegen bis im Auto mitgenommen wurde. In Langensteinbach hievten die beiden das Gefährt wieder aus dem Kofferraum und Oliver machte sich wieder auf den Weg. Am Ziel wurde er dann allerdings nicht gesichtet. Der Schlußläufer, John Harrison Pockler, feierte dort ganz einsam den Sieg seines Teams. Der Pfälzer lebt und arbeitet inzwischen in Frankfurt. Seinen Vornamen verdankt er seiner britischen Mutter, er selbst hat zwei Pässe. Im September will er in Winschoten seinen ersten 100 km-Lauf absolvieren. Mit einer Marathonbestzeit von 2:40 h rechnet er mit einer Laufzeit von gut 8 Stunden. Sein weißes Singlet mit dem großen Schriftzug „Wakefield“ hat eine ganz besondere Geschichte, die John so erzählt: „Mein Onkel Robert Harrison (wir nennen ihn alle Bob) aus England, Wakefield ist vor knapp 40 Jahren bei den Wakefield Harriers gelaufen. Er war ein guter Rugbyspieler aber aufgrund einer Vielzahl von Verletzungen mußte er damit aufhören. Das sensationelle Trikot in dem er selbst einige harte Wettkämpfe hinter sich gebracht hat, habe ich für meinen kommenden 100 km Lauf am 12.09.2015 in Winschoten (Niederlande) geerbt. Beim Fidelitas Nachtlauf durfte das Trikot schon einmal ein bißchen Wettkampfluft schnuppern bevor es den Härtetest bestehen muß.“

Nur eine weitere Staffel schaffte es vor den schnellsten Marathonis ins Ziel – das Team der Raumausstattung Meder brauchte 5:15:42 h. Drittschnellstes Team waren die Sportfreunde Forchheim, die nach 6:05 h das Ziel erreichten.

Der erste jubelnde Einzelläufer war Benjamin Kreuscher (LG Steinlach). Der junge Athlet hatte sich den Nachtmarathon für sein Marathondebut ausgesucht – und beendete ihn nach 2:55:14 h als Sieger. Er hatte sich in Ettlingen kurz verlaufen und als er zurück auf die Strecke gelotst wurde, lief er „unter Adrenalin“ rasend schnell am in Stuttgart lebenden Norweger Knud Baadshaug vorbei, der inzwischen die Führung übernommen hatte und nahm ihm noch gut zwei Minuten ab. Baadshaug brauchte 2:57:27 h. Dritter im Treppchenbund war Klaus Bensching vom TVE Weiher. Dieser war mit seinen 3:02:47 h überaus zufrieden. In anderen Jahren wäre er mit dieser Zeit als Sieger ins Ziel gelaufen.Bisher gab es noch keinen Marathonsieger, der unter 3 Stunden lief. Einzig Horst Breyer war beim Debut 2010 mit 3:00:41 h ganz nah dran.

Beim Marathon waren nur sechs Frauen am Start. Katja Stamm war mit 4:13:21 h die schnellste von ihnen. Armelle Madec (4:23:54 h) und Claudia Franke (4:42:12 h) machten das Podium komplett.

Beim 80 km-Lauf gab es einen in Deutschland unbekannten Überraschungssieger. Christian Messerschmidt kommt eigentlich aus dem Badischen, lebte einige Jahre in Frankfurt, war in dieser Zeit bei der LG Offenbach und zog mit Ultra-Urgestein Ulrich Amborn von Lauf zu Lauf. Vor ca. 10 Jahren mußte er berufsbedingt für einige Zeit in die USA – und blieb der Liebe wegen. Inzwischen lebt er mit Frau und zwei Kindern in South Carolina und läuft wegen der fehlenden Trainingszeit 50 km-Trails. Seit diesem Frühjahr schreibt 24 h-Weltmeister Florian Reus seine Trainingspläne, nachdem er 15 Jahre nach Greif trainierte. Nun war er für knapp zwei Wochen vor allem beruflich in Deutschland und nutzte seinen Aufenthalt für einen Start beim Finama. Seine Freude über den Sieg war riesig – auch wenn er meinte, er hätte davon profitiert, daß in der kommenden Woche die Deutschen Meister im 24 h-Lauf gesucht würden. So lief zum Beispiel der Vorjahreszweite Marcell Dahringer, wie viele seiner Laufkollegen vom TVE Weiher, nur Staffel und nicht die ganzen 80 km. Für Messerschmidt wurde es am Ende sogar nochmal richtig eng. Ganz alleine auf weiter Flur und im Dunkeln vertrödelte er ein bißchen die Zeit, als nach 75 km Stefan Hauck auf ihn auflief. Durch einen kurzen Dialog stellten die beiden fest, daß sie Konkurrenten auf der Ultrastrecke sind – und dann schaltete Messerschmidt, der in der kommenden Woche seinen 40ten Geburtstag feiert, den Turbo. Er erhöhte den Kilometerschnitt nochmal um satte 25 Sekunden und strahlte nach 6:45:22 h mit seiner Stirnlampe um die Wette. Stefan Hauck folgte ihm schließlich 43 Sekunden später.

Auf Platz 3 kam Gernot Helferich, Mitglied des Bärenfelsteams, nach 6:53:33 h ins Ziel. Für ihn war es seit 2008 der fünfte Start beim Finama – und seine schnellst Zeit. Er freute sich riesig, daß er es endlich mal geschafft hatte, am selben Tag anzukommen wie loszulaufen. Dabei hatte er sich den 80er eigentlich als „Strafe“ verordnet, weil er in letzter Zeit etwas trainingsfaul war. Offenbar war er ausgeruht genug, um sich beim Finama im Laufe des Abends nach vorne zu laufen.

Anne Staeves (LG Trampeltier) startete zum neunten Mal beim Finama, zum dritten Mal reichte es für sie zum Sieg. Dabei waren die 8:01:53 h ihre zweitlangsamste Finamazeit. Sie hatte in den vergangenen Wochen mit Fußproblemen zu kämpfen und meinte bei km 42 in Langensteinbach im Vorbeilaufen nur kurz trocken „nun nicht mehr so locker wie vorhin“.

Für Verena Henkenhaf (memler.de) war der Finama der erste Ultramarathon überhaupt. Als sie bei km 26 von der Laufticker-Reporterin erfuhr, daß sie auf Platz 2 liegt, konnte sie das kaum glauben. Aber sie hielt ihren zweiten Platz bis ins Ziel, das sie mit einer Radbegleitung nach 8:21:49 h erreichte.

Platz 3 wurde doppelt vergeben. Monika Bäuerlein und Julia Schmidt (beide LT Karlsruhe), die im Vorjahr den Marathon gewonnen hatte, trainieren oft zusammen und die ultraerfahrene Bäuerlein hatte der Lauffreundin versprochen, sie bei ihrem ersten Lauf über 80 km zu begleiten. Bisher war ihr längster Wettkampf der Hartfüsslertrail über 58 km, während für Monika Bäuerlein schon 3.651 km bei 42 Ultramarathons in der DUV-Statistikdatenbank zu finden sind – ihr längster Lauf war der Jurasteig Nonstop über 239 km im April diesen Jahres. Die beiden kamen gut über die Strecke und freuten sich, daß sie auch gemeinsam gewertet wurden. Bäuerlein gehört dem neu gegründeten „Freundeskreis Nachtlauf“ an, der zur Zeit noch nur ein Quintett ist, das sich über neue Ideen und Impulse für den Nachtlauf Gedanken macht. Ihm gehören außer Orgachef Karsten Haasters und Wolfgang Zeidler, der seit 28 Jahren für die Strecke zuständig ist, Rüdiger Fitz, Norman Bücher und Monika Bäuerlein an.

Bereits zum 19ten Mal war Friedbert Vetter (LT Philippsburg) am Start – und verlief sich um 5 km, weil er beim Telefonieren eine Abzweigung verpaßte und statt in Jöhlingen in Berghausen landete. Schöne neue Laufwelt…

Veranstaltungsseite: www.fidelitas-nachtlauf.de

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