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7. Ermstal-Marathon

[eingestellt am 13. Juli 2015]

By: Jochen Höschele

Kurz vor dem Start der halben und ganzen Marathondistanz sehen Kathrin Schramm und der Doppel-Axel noch ziemlich frisch aus

Joachim Kortyka nach etwa zwei Kilometern in Neuhausen

In Neuhausen muss ein Pendelstück gelaufen werden, damit die Sportler auch tatsächlich 21,1km zurückgelegt haben, wenn sie wieder am Kelternplatz in Metzingen ankommen

Durch den gemeinsamen Start der Marathonis und Halbdistanzler ist hier, nach etwa drei Kilometern, das Feld noch recht dicht beisammen

Stundenlange musikalische Anfeuerung wurde den Athleten vom Anhänger aus geboten

Johannes Bergdolt (VfL Sindelfingen) siegt über 10km in 33:03 min

Daniel Noll (TSV Glems) belegt nur drei Sekunden hinter Bergdolt den zweiten Platz

Überlegene Siegerin in neuem Streckenrekord von 34:59 min wird mit Sabrina Mockenhaupt eine deutsche Spitzenläuferin, die sogar noch Zeit für ein kurzes Winken findet

Platz 50 bei den Männern und Vierter in der Altersklasse für Florian Schwarzmann vom LT Filderstadt (1899)

Evita Leiber aus Dettingen (1409) wird nach 45:32 min 16. Frau beim 10km-Lauf und Dritte in der weiblichen Hauptklasse

Nicole Schwindt von der LAV Stadtwerke Tübingen war einmal mehr eine Klasse für sich: In 44:20 min setzte sie sich in ihrer Kategorie klar durch und erreichte Platz elf von 383 Frauen beim 10km-Lauf

Am Ortseingang von Dettingen werden die Halben und die ganzen Marathonläufer von den entgegenkommenden „Zehnern“ getrennt

Bei sommerlichen Temperaturen war kühles Nass sehr gefragt

Hirum Mwangi Wandangi vom LC Uster aus der Schweiz dominierte den Halbmarathon in 1:10:46 h

Zweitschnellster Halbmarathoni war Gadissa Beyene in 1:12:53 h

Da kommen auch schon die Führenden des Marathons: Links Richard Schumacher, der spätere Sieger (AST Süßen; 2:36:40 h) und neben ihm der Zweite, Peter Keinath (Kardiosport; 2:46:08 h)

Patrick Hilpert, hier noch an dritter Stelle liegend, kommt als Fünfter des Halbmarathons nach 1:19:09 h an

Wolfgang Gauss (in schwarz) belegt Platz vier beim Halbmarathon und gewinnt in 1:18:50 h die M45. Dahinter in grün der sechstplatzierte Roland Bayer aus Böblingen, der genau 80 Minuten benötigt und die M35 gewinnt

4. M30 beim Halbmarathon in 1:21:32 h wird Patrick Kissling aus Rangendingen

Silke Holzmann vom SV Ohmenhausen war im Halbmarathon in 1:30:59 h siegreich

Pamela Veith (etwas verdeckt ganz links) lief lange gemeinsam mit Frank Seidel

Die Ruine oberhalb von Bad Urach rückt ins Blickfeld, dann kann es also nicht mehr weit sein bis zum Wendepunkt dort

Nicht nur beim Comrades in Südafrika war Klaus Neumann (vorne) schon diverse Male, auch dem Ermstal stattete er bereits mehrere Besuche ab. Dahinter in blau Georg Hilden von den „Red Wine Finishers“ – ob er wohl Rebensaftdoping betreibt?

Auf dieser Bahn konnte man ferngesteuerte Autos herumflitzen sehen, wenn man zum richtigen Zeitpunkt an dieser Stelle vorbeilief

Peter Keinath im Dettinger Stadion schon deutlich hinter Richard Schumacher auf Rang zwei laufend

Der Marathonfünfte Christopher Greenaway gewinnt die M40 in 3:06:44 h

Markus Spägele vom SV Mindelzell belegt nach 3:03:33 h den…nein, den vierten Platz beim Marathon

Pamela Veith, die Siegerin des Ermstal-Marathons in 3:17:11 h, hier nach etwa 26 Kilometern immer noch in Begleitung von Frank Seidel

M30-Dritter Michael Diel vom Team Ultrasports läuft 3:22:17 h

Fönai Förenc (143) aus Ungarn läuft nach 3:26:58 h als Zehnter in Metzingen ein

W45-Siegerin Christiane Buxton aus Reutlingen unterbietet die 3:40 h um eine Sekunde

Lokalmatador Peter Keinath hat noch etwa drei Kilometer vor sich, ehe er nach 2:46:08 h die Ziellinie überquert

Bernd Vöhringer vom SV Auingen wird Dritter des Marathons in 2:51:53 h und gewinnt die M45

Sechster Platz für Peter Grosshans vom TSV Böhringen in 3:16:51 h

Pamela Veith läuft durch ihren Heimatort Dettingen und wird nicht nur dort begeistert angefeuert

Basilia Förster vom Team Erdinger Alkoholfrei belegt in 3:24:48 h den zweiten Platz bei den Frauen und gewinnt die Altersklasse W35

Dritte Frau beim Marathon: Sandra Fätsch (Team Erdinger Alkoholfrei) in 3:32:59 h

Ein geglücktes Comeback

Metzingen, den 12. Juli 2015 – Er ist zurück. Nach einem Jahr Pause wieder im Laufkalender zu finden. Dort, wo man am Rande der Schwäbischen Alb auf einer Pendelstrecke zwischen der für ihre vielen Fabrikverkäufe (neudeutsch Outlet Center) bekannten Kleinstadt Metzingen und Bad Urach wahlweise 10km, Halbmarathon oder die klassischen 42,195km laufen kann, fand am vergangenen Sonntag der siebte Ermstal-Marathon statt. Korrekterweise muss hier gleich eingefügt werden, dass die Strecke des 10km-Laufes „nur“ von Bad Urach hinab nach Metzingen führt, denn damit haben die Sportler schon die erforderliche Distanz absolviert. Diejenigen, die einen halben oder gar ganzen Marathon rennen möchten, beginnen dieses Unterfangen in Metzingen am Kelternplatz. Dort befindet sich auch das Wettkampfzentrum in einer der Keltern, hier werden Startnummern und nach dem Lauf dann Preise für Sieger und Platzierte ausgegeben. Drumherum, teils in Pavillonzelten, teils ganz im Freien, werden diverse Köstlichkeiten angeboten, auch Info- und Verkaufsstände sind aufgebaut. Das ganze Städtchen pulsiert und alle sind auf den Beinen, was sich später auch entlang der Strecke manifestieren wird.

Sie ist zurück. Und lief im Ermstal ihren ersten Zehn-Kilometer-Lauf seit einer Sprunggelenksoperation mit anschließender Reha im pfälzischen Herxheim. Private Gründe führen sie seit einiger Zeit regelmäßig an den Fuß der Schwäbischen Alb, und was lag da näher, als das Comeback just dort zu geben? Dass es geklappt hat, machte nicht  nur Sabrina Mockenhaupt alias „Mocki“, von der hier die Rede ist, Freude. Als die Nachricht in der Presse verbreitet wurde, war die ganze Region noch mehr elektrisiert, als ohnehin schon. Dem Start um 9 Uhr in der Frühe am Sonntag wurde noch mehr entgegengefiebert, die Zuschauer fanden sich in großer Zahl an der Laufstrecke ein und feuerten Spitzen- wie Freizeitläufer nach Leibeskräften an.

Dass die Ermstäler nicht nur ein sachverständiges, sondern auch ein faires und freundliches Publikum sind, zeigte sich daran, dass der Beifall für die letzten der Marathonis, die nach etwas mehr als den an sich zugestandenen fünfeinhalb Stunden Laufzeit am Ziel in Metzingen ankamen, besonders kräftig ausfiel. Auch die unzähligen Wasser- und Schwammstationen wussten vor allen Dingen diejenigen zu schätzen, die die nahezu schattenfreie Strecke am längsten genießen durften.

Am anderen Ende der Skala, also bei den schnellen Läufern, waren naturgemäß die „Kurzarbeiter“ von der 10km-Distanz zu finden. Johannes Bergdolt vom VfL Sindelfingen hieß der Sieger, der nach 33:03 min die Chipzeitmessung auf dem Kelternplatz auslöste. Ganze drei Sekunden auf den für den TSV Glems laufenden Daniel Noll betrug sein Vorsprung. „Ich habe wohl zu wenig trainiert und war einfach nicht fit genug, so richtig zufrieden bin ich jedenfalls nicht“, so der Gewinner im blauen Sindelfinger Dress anschließend. Markus Ruopp vom SV Ohmenhausen war es nach 34:26 min vorbehalten, den dritten Platz auf dem Podest zu erklimmen. „Ich bin sehr zufrieden, mein Knie hat nach der Operation gut gehalten, das ist die Hauptsache. Und die beiden vorne waren schlichtweg zu schnell für mich.“

Eine Klasse für sich und in 34:59 min so schnell wie noch keine vor ihr auf der leicht abfallenden Strecke von Bad Urach nach Metzingen war die zierliche Siegerländerin Sabrina Mockenhaupt. „Zwischen 37 und 38 Minuten“, so ihre Ansage vor dem Lauf, traue sie sich nach ihrer Sprunggelenksoperation und erst zwei Wochen Trainings durchaus schon wieder zu. Dass es gleich um so vieles schneller voran ging, lag zum einen am fantastischen Publikum und an der wohl optimal verlaufenen Heilung nebst erfolgreichem Regenerationstraining im pfälzischen Herxheim. Jetzt plant „Mocki“ sogar, in zwei Wochen bei der Deutschen Meisterschaft an den Start zu gehen. Die Generalprobe ist jedenfalls mehr als geglückt, und die kleine Athletin hatte alle Hände voll zu tun, um nach ihrem Sieg die Autogrammwünsche der Zuschauer in Metzingen zu erfüllen, Selfies von sich mit anderen machen zu lassen und das Publikum abzuklatschen. Für das Abklatschen drehte sie nach erfolgtem Zieleinlauf sofort um und sicherte sich so noch zusätzliche Sympathien beim sowieso schon „mockinfizierten“ Publikum. Bei so viel „Mockimania“ ging es fast schon unter, dass in Katrin Kommer (SV Ohmenhausen; 40:05 min) und der Dettingerin Stefanie Deuschle (LG Dettingen; 41:07 min) zwei lokale Größen auf die Plätze kamen. Sowohl Kommer als auch Deuschle waren angesichts ihrer eigenen Leistung vollauf zufrieden und freuten sich ebenso, einmal mit einem Laufstar wie Sabrina Mockenhaupt gemeinsam an der Startlinie gestanden zu haben.

Der gemeinsame Start von über 500 Sportlern am Kelternplatz, von denen mehr als 400 den Halbmarathon liefen, war Anlass für Spekulationen. Schließlich fanden sich unter den großteils bekannten Athleten auch zwei dunkelhäutige ein, denen das Laufen quasi in die Wiege gelegt wurde. Würden sie die volle oder nur die halbe Distanz angehen? Die Antwort auf diese Frage war nach gut einer Stunde beantwortet, denn länger als gut 70 Minuten brauchte der Sieger, Hirum Mwangi Wandangi vom LC Uster in der Schweiz nicht für die 21,1km. Er war genauso schnell wie Markus Ruopp bei seinem Halbmarathon-Streckenrekord im Ermstal. 70:46 min ganz exakt benötigte das Fliegengewicht im roten Trikot und war damit mehr als zwei Minuten schneller als sein Pendant, Gadissa Beyene, der nach 1:12:53 h nach Metzingen zurückkehrte. Noch vor dem Drittplatzierten des Halbmarathons, Florian Neu (Schubert & Riepl Running Team; 1:18:19 h) wendeten die beiden schnellsten Marathonis in Metzingen: Richard Schumacher (AST Süßen) und der Glemser Peter Keinath (Kardiosport) lagen bei „Halbzeit“ noch quasi gleichauf Seite an Seite. Zurück zu Florian Neu – dieser hatte auf den letzten fünf Kilometern noch Reserven und konnte sich so noch nach vorne arbeiten, obwohl die Sonne gerade hier ziemlich erbarmungslos vom Himmel brannte. Kurz und bündig fasste er zusammen: „Stimmung und Wetter gut. Zum Schluß ging dann noch was, das hat Spaß gemacht.“ Bei den Frauen war es Silke Holzmann vom SV Ohmenhausen vorbehalten, den Siegerpreis entgegen zu nehmen. 1:30:59 h lautete ihre Zeit, und vor allem bergab lief es bei ihr gut. Da sie doch recht deutlich in Führung lag, konnte sie auf den letzten Kilometern sogar noch etwas das Tempo drosseln und Kräfte sparen. Carmen Huiss aus Tübingen war nach 1:37:30 h nicht nur als Zweite des Halbmarathons im Ziel, sie gewann auch gleich noch in der Altersklasse W40. Mira Wunderlich (Fast Feet Tübingen), die Drittplatzierte, triumphierte ihrerseits in 1:41:30 h in der weiblichen Hauptklasse.

Im Marathonlauf waren also die Augen vor allen Dingen auf die Lokalmatadoren gerichtet – die bereits erwähnten Schumacher und Keinath, vor allen Dingen aber die Dettinger Ultraläuferin im Trikot des TSV Kusterdingen, Pamela Veith. Die amtierende Deutsche Meisterin über 100km hatte zwar in der Presse verlauten lassen, dass sie nach einer fünfwöchigen Phase der Erholung, während der sie ihre Laufumfänge deutlich reduziert hatte, keine Wunderdinge würde vollbringen können. Aber eine Pamela Veith möchte natürlich, zumal bei ihrem „Heimrennen“, niemals eine schlechte Figur abgeben. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass Pamela an der Seite von Frank Seidel als erste Frau in Metzingen in die zweite Runde des Marathons ging. „Leider musste Frank so nach 27 Kilometern etwa abreißen lassen, dadurch war es natürlich etwas schwieriger. Und für eine richtig gute Zeit war es sowieso zu warm“, befand Veith im Siegerinterview. „Heute ging es nur um die Platzierung, die Zeit war wirklich zweitrangig. Angesichts der Temperaturen und meines Trainingszustandes bin ich aber mit den 3:17:11 h durchaus zufrieden.“ Der nächste läuferische Höhepunkt steht dann im September an, wenn in Plettenberg im Sauerland die Deutschen Meister im Traillaufen gekürt werden. Da stehen dann 69 bergige Kilometer auf dem Programm, einen ersten langen Trainingslauf unter Wettkampfbedingungen hat Pamela im Ermstal mit großem Erfolg hinter sich gebracht. Geradezu euphorisch war sie angesichts der Versorgung der Athleten mit Flüssigem an der Strecke. „So etwas habe ich noch nirgendwo erlebt, davon können sich so manche Veranstalter eine Scheibe abschneiden!“ Zurecht – denn Anwohner, Zuschauer und natürlich auch die offiziellen Verpflegungsstellen warteten mit Schwämmen, Wassereimern und Getränken auf, um die Wärme (bis zu 27 Grad wurden im Schatten gemessen, die Laufstrecke lag aber großteils in der Sonne) etwas erträglicher zu gestalten.

Basilia Förster vom Team Erdinger Alkoholfrei war in 3:24:48 h Pamela Veith zwar nie gefährlich nahe gekommen, aber dennoch nicht weit genug weg, dass die Dettingerin sich hätte eine Schwäche erlauben können. Dritte wurde in 3:32:59 h Sandra Fätsch (ebenfalls Team Erdinger Alkoholfrei).

Bei den Männern war der Ausgang des Rennens dann doch unerwartet eindeutig. „Die zweite Hälfte war die Hölle“ konstatierte der zweitplatzierte Peter Keinath im Ziel und war froh, als es nach 2:46:08 h ein Ende hatte. „Es war einfach zu heiß, ich hätte auch Tempo herausnehmen sollen“, war das Fazit des in 2:36:40 h siegreichen Süßeners Richard Schumacher, der den Kelternplatz aber ziemlich fertig erreichte. Seine Premiere im Ermstal krönte der Mann im gelben Trikot jedoch gleich mit dem Sieg, und wer weiß, vielleicht war er nach ein paar Bechern des im Ziel gereichten alkoholfreien Weizenbiers bereits wieder etwas regeneriert? Der Auinger Bernd Vöhringer, in 2:51:53 h der letzte Läufer unter drei Stunden, war indes vollauf zufrieden: „Es ist klasse gelaufen, genau wie geplant. Ich finde den Lauf unheimlich toll und für mich ist er immer wieder ein Highlight.“

Auch die Organisatoren dürften unterm Strich zufrieden sein. Die Teilnehmerzahlen der Veranstaltung von vor zwei Jahren wurden nicht ganz erreicht, das mag ein Wermutstropfen im Freudenbecher sein. Dafür waren die äußeren Bedingungen perfekt, für die Zuschauer fast noch eher als für die Sportler. Dennoch wurden mit 143 so viele Meldungen wie nie zuvor auf der Königsdistanz, dem Marathon, verzeichnet. Wenn das kein gutes Omen für die Zukunft ist….

 

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.ermstal-marathon.de


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