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5. Night 52

[eingestellt am 19. Juli 2015]

By: Jochen Höschele

Der Sieger Michael Sommer und der drittplatzierte Achim Zimmermann (913) kurz vor dem Start des Night 52

Startaufstellung am historischen Simmelturm

In der ersten Reihe stehen die schnellen Jungs: 3. Achim Zimmermann (913), Sieger Michael Sommer (in orange mit Sonnenbrille), 2. Jens Santruschek (896)

Joey Kelly war auch da, lief aber nicht mit

17:45 Uhr, das Feld der Ultraläufer setzt sich in Bewegung

Der schöne Marktplatz von Bretten wird bereits kurz nach dem Start und dann beinahe 50km später von neuem überquert

Viel schmuckes Fachwerk und schöne Brunnen zieren die Brettener Altstadt

Die ersten Kilometer brannte die Sonne ziemlich erbarmungslos auf die Läufer hernieder

Blick zurück auf Bretten

Teils müssen richtig steile Rampen erklommen werden, mancher verfällt hier schon in den Wanderschritt

Maisfelder vor Brettener Hintergrund

Feldweg mit Aussicht

Getreide vor grünen Hügeln ist kraichgautypisch

Bitte keine nicht autorisierten Fotos!

Mehr Getreide, mehr Wald und ein paar versprengte Läufer – ein Motiv von den ersten sechs Kilometer

Freiheitsstatue in Sprantal

Sprantal

Erste Verpflegungsstelle bei Kilometer 7,5

Der Laufjoe Kelbel ist auch da, erinnert aber mit dieser Sonnenbrille eher an einen Cop aus einer US-Fernsehserie

Am Ortsausgang von Sprantal wartet schon der nächste Anstieg

Karlheinz Kobus, dem 33fachen Finisher der 100km von Biel, war’s anfangs zu warm

Selbst die Sonnenblumen wenden sich ab, ob das wohl an der herben Ausdünstung der Läufer liegt?

Ach, nein, die Sonnenblumen rechts der Laufstrecke wenden sich den Läufern zu, dann kann’s wohl doch nicht so schlimm sein

Immer den grünen Pfeilen nach, aber nur denen für die Läufer (im Bild der untere)

Tierisch neugierig

Es wurde weniger gemäht und gedroschen als in den Vorjahren

Und täglich grüßt das Kornfeld (Bett ist nicht zu sehen)

Encore des tournesols!

Ich glaub, mich tritt ein….nein, das Pferdchen war ganz friedlich

Zweite Verpflegung, dieses Jahr nicht am Auenhof, aber dennoch in Bauschlott. Es ist noch Hefezopf da….

Spontane Abendkuhdemo gegen den „Südlink“ (nicht angemeldet)

Idylle kurz vor dem Aalkistensee

Petri Heil am Aalkistensee

Und noch einmal: Der lauschige Aalkistensee (der Schirm rechts ist ein Sonnen- und kein Regenschutz!)

An dieser Stelle wurde dem Fotografen die letzte Siegchance durch einen renitenten Bauern genommen, der sein knatterndes Gefährt rücksichtslos in die Fahrrinne lenkte und diese dadurch ad infinitum blockierte

Saturday Night 52 Fever

Bretten, den 18. Juli 2015 – Elf Sekunden waren es, die über Sieg und Platz bei den Männern entscheiden sollten. Elf Sekunden bei einem Lauf, der (offiziell) 52km und tatsächlich wohl eher an die 54km lang gewesen ist, das ist kaum mehr als ein Wimpernschlag. Beinahe vier Stunden, exakt 3:55:01 h, benötigte der Sieger Michael Sommer (Heart and Sole Stuttgart) und verwies den zweimaligen Sieger Jens Santruschek (Kinostar Bretten) auf den undankbaren zweiten Rang. Das war der knappste Ausgang des Rennens seit der Night52 2011 aus der Taufe gehoben wurde. Dritter wurde mit Achim Zimmermann Sommers Teamkollege vom TransAlpine-Run 2014 in 4:03:58 h. Bei den Frauen setzte sich Annett Bahlcke (LG Nord Berlin) in 5:07:43 h recht komfortabel vor Susanne Elsäßer (IGL Reutlingen; 5:15:51 h) und Stephanie Kühner (SpVgg Holzgerlingen LT; 5:17:49 h) durch.

Der Rennverlauf bei den Männern deutete zunächst überhaupt nicht auf ein derart knappes Ende hin. Jens Santruschek, Sieger der Premiere 2011 und des Vorjahres (2014 bei Temperaturen über 30 Grad in glatt vier Stunden), hatte das Heft fest in der Hand. Doch wie es so schön heißt, gilt ganz speziell im Ultralauf: „Hinten ist die Ente fett“. Übersetzt in Nicht-Läuferlatein heißt das nichts anderes, als dass vermeintlich riesige Abstände auch ganz schnell zusammenschmelzen, wenn man etwas zu forsch losgelaufen ist. Die Kilometer werden endlos, und das Ziel scheint in unerreichbare Ferne  zu rücken. Dennoch lag Jens Santruschek bis zwei Kilometer vor dem Ziel vorne, erst am letzten Anstieg kurz vor der Stadtgrenze zog der neunfache Deutsche Meister im 100km-Straßenlauf, Michael Sommer, am Brettener Lokalmatadoren vorbei und gewann gleich bei seinem ersten Start in der Melanchthonstadt. Im mit überdimensionierten Teelichtern stimmungsvoll beleuchteten Stadion des TV Bretten, auf dessen Laufbahn die finalen 350 Meter zurückgelegt wurden, kochten jedoch nicht nur angesichts dieses sehr spannenden Rennausgangs die Emotionen beinahe über. Bis zu den letzten Zieleinläufen gegen zwei Uhr früh harrten etliche Zuschauer und Läufer aus, um auch jenen Beifall zu spenden, die sich etwas mehr Zeit als die eigentlich offiziell zugestandenen 7:15 Stunden gelassen hatten.

Sommer äußerte sich sehr zufrieden, hatte erst nach etwa 48 Kilometern von einem Staffelläufer die Information erhalten, dass er Jens Santruschek mittlerweile sehr nahe gekommen war. „Nach dem steilen Berg bei 48 sah ich ihn dann etwa 400 Meter vor mir“, so der 51jährige Sommer. Er pirschte sich dann gewissermaßen an den Führenden heran und lag bei Kilometer 50, am letzten steilen Anstieg, nur noch 30 Meter zurück. „Der Rest war dann Geschichte, oben am Berg bin ich vorbei und die letzten drei Kilometer flott, aber kontrolliert gelaufen. Es war alles wunderbar, muskuläre Probleme sind bei mir nicht aufgetreten. Die Wärme mag ich ja, und insgesamt wurde es im Laufe des Rennens von den Temperaturen sogar angenehmer. Es war zwar nicht so geplant, hat aber alles perfekt gepasst. Von Knittlingen bei Kilometer 24 bin ich zehn Kilometer lang mit meinem TransAlpine-Partner Achim Zimmermann gelaufen und habe dann aber versucht, das Tempo hochzuhalten, als Achim etwas nachließ. Insgesamt war alles top, auch die Siegerehrung ging erfreulich schnell über die Bühne und die Zielverpflegung war richtig klasse. Eine sehr schöne, empfehlenswerte Veranstaltung.“

Die Siegerin der Frauen, Annett Bahlcke, weilt mindestens ein Mal pro Monat in der Umgebung, und wenn es gerade reinpasst, nimmt sie auch die Gelegenheit wahr, an einer Laufveranstaltung teilzunehmen. In Bretten war sie zuvor noch nie, und wie ihr männliches Pendant krönte sie die Premiere ebenfalls sogleich mit einem Sieg. Ähnlich wie bei Michael Sommer verfolgt sie mit diesen „Trainingswettkämpfen“ ein übergeordnetes Ziel. Sie will Ende September beim legendären „Spartathlon“ von Athen nach Sparta über 245km nonstop in höchstens 36 Stunden das Ziel erreichen. Das ist das Zeitlimit für diesen Lauf, bei dem die Athleten in den Spuren der griechischen Botenläufer versuchen, innerhalb von Sonnenaufgang am Freitag bis Sonnenuntergang am Samstag von der Akropolis bis zur Statue des Königs Leonidas in Sparta zu gelangen. Auch ihr hat die Strecke sehr gut gefallen. „Schön ruhig durch die Weinberge, der Wald nachher war toll“, so eine zufriedene Siegerin. „Der Lauf ist auf jeden Fall anspruchsvoll, ab 20 Uhr wurde es dann auch angenehm, weil es eben nicht mehr so warm war.“ Wer beim Spartathlon ins Ziel kommen will, muss mit Wärme umgehen können. Daher auch in dieser Hinsicht ein gutes Training. In den nächsten Wochen wird sie noch einige weitere solche Trainingsläufe unter Wettkampfbedingungen absolvieren.

Sommer hingegen wird sich damit „begnügen“, bei der 100km-Welt- und Europameisterschaft im niederländischen Winschoten das Deutsche Team anzuführen. Die Anzahl seiner Einsätze im Nationaltrikot beträgt mittlerweile weit über 20 in mehr als zwei Jahrzehnten, was seine Extraklasse im Ultralauf verdeutlicht. Auch in diesem Jahr blickt er schon auf einen erfolgreich absolvierten „Hunderter“ zurück, der ihm die Deutsche Vizemeisterschaft am 11. April in St. Leon-Rot einbrachte.

Erst Anfang Juni war der drahtige Oberstenfelder beim 50km-Lauf in Schefflenz siegreich, wo es sogar noch deutlich wärmer war, als am Samstagabend im Kraichgau.

Viel Lob gab es für die Organisatoren und deren Engagement. Die Strecke, die mit ihren knapp 900 Höhenmetern durchaus als anspruchsvoll bezeichnet werden darf, führt durch typische Landschaften des Kraichgau: Getreidefelder und Wälder. Während es zwischen Mais und Gerste vielen deutlich zu warm und schattenfrei war, sorgten zum einen die sieben Verpflegungsstellen (davon eine zusätzliche Wasserstelle) und einige „inoffizielle“ Erfrischungsstellen für Abkühlung und notwendigen Energienachschub. Die allzeit freundlichen Helfer waren ein Labsal für diejenigen, denen das Vorwärtskommen bei abendlichen Temperaturen von über 25 Grad schwerfiel. Ein ganz besonderer Service sind die vom Veranstalter eingesetzten Radfahrer, die zwischen den Läufern hin- und herpendeln und sich immer wieder nach deren Wohlbefinden erkundigen. Bei auftretendem Durstgefühl darf auch schon einmal die Flasche des Radfahrers leergenuckelt werden, ohne dass man dabei ein schlechtes Gewissen haben muss.

Fast schon Partycharakter hat dann die Atmosphäre im Ziel, dem Stadion des TV Bretten. Neben der Zielverpflegung, die an sich schon üppig und vielseitig genug ist (wie übrigens auch das Angebot an den VPs auf der Strecke), gibt es noch Gegrilltes, das man käuflich erwerben kann. Wenn dann auch noch, wie in Bretten beim Night52 bisher fast immer, die nächtlichen Temperaturen hochsommerlich sind, kann man es auf den Bierbänken auf dem Rasen des Stadions oder am Rande der Laufbahn beinahe aushalten, bis die Sonne morgens wieder aufgeht, und Läuferlatein austauschen oder einfach die laue Nacht und den Sternenhimmel genießen.

Läuferherz, was willst Du mehr?

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.night52.de

 

 

 


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