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3. Trail Römische Weinstraße

[eingestellt am 03. August 2015]

By: Gabi Gründling

Fotos: Gabi & Peter Gründling

Jede Menge stairways to heaven

Leiwen, 02. August 2015 - „Die Mosel-Region ist Deutschlands älteste Weinregion und eine der klassischen europäischen Weinbauregionen. Die steilen Hänge der Flusstäler  sind dicht mit Reben bepflanzt, die Steillagen prägen das Gebiet wie kaum eine andere Weinlandschaft der Welt.“ So steht es auf der Internetseite des „Weinkulturlands Mosel“ geschrieben.

Von den Steilhängen konnte sich sprichwörtlich körperlich überzeugen, wer am ersten Augustwochenende in das Örtchen Leiwen im Kreis Trier-Saarburg reiste. Dort fand zum ersten Mal der 4. Trail Römische Weinstraße statt. Was keinen Widerspruch darstellt, denn bisher war der Austragungsort das mit dem Auto 20 km und zu Fuß nur 12 km entfernte Riol.

Die Mosel gilt als älteste deutsche Weinbauregion. Archäologische Funde belegen, dass bereits die Römer im 1. Jahrhundert n. Chr. hier Weinreben angebaut haben. Die römische Weinstraße folgt zum Teil den alten Versorgungsstraßen, die parallel zum Fluß angelegt waren. Insgesamt 19 Urlaubsorte liegen entlang der Straße. Unter ihnen sowohl Riol als auch Leiwen – der Name der Trailveranstaltung konnte also auch nach dem Ortswechsel problemlos erhalten bleiben.

Mußten in den letzten Jahren auf der langen Strecke über 80 km zurückgelegt werden, waren es aufgrund des Ortswechsels in diesem Jahr nur noch rund 70. Ursprünglich ausgeschrieben war der Ultratrail mit 68 km. Aufgrund einer baustellenbedingten Streckenänderungen wurden am Ende über 72 daraus.

In den vergangenen Jahren fand der Trail samstags statt. Weil es einfacher ist, Helfer für das Wochenende als schon für den Freitag zu finden, wurde die lange Strecke, für die es zwei UTMB-Punkte gab, dieses Jahr kurzerhand auf den Sonntag verlegt. Damit man sich aber noch einen dritten Punkt erlaufen konnte, gab es samstags die Möglichkeit, 34 km zu trailen und sich so für den „TRW104“ anzumelden. Die 34 km-Strecke war nur für diejenigen ausgeschrieben, die auch sonntags noch die 70 km laufen wollten, also in Summe dann 104 km. Wem 70 km zu lang waren, der hatte sonntags noch die Möglichkeit, 31 km zu trailen.

Die Steillagen der Mosel nutzte Veranstalter Markus Krempchen, der auch für den im November stattfindenden 50 km-Trail Uewersauer in Luxemburg verantwortlich zeichnet, weidlich aus, um „seinen“ Läufern ein schönes Trailerlebnis zu bescheren. Es ging die Steillagen rauf und runter – mal über die vielen Treppen in den Weinbergen (Dieter Schneider-Holbach meinte dazu „gefühlte 5.000 Stufen auf der Kurzstrecke“), mal einfach zwischen den Wingertzeilen. An so manchem steilen Stück mußte man durchaus die Haltestangen der Rebstöcke zu Hilfe nehmen, um selbst Halt zu finden. Zwischen den Trailabschnitten gab es zum Erholen und der Umgebung geschuldet auch den einen oder anderen Kilometer Ziehweg – auf Feldwegen oder gar Asphalt. So mußte zum Beispiel Trittenheim durchquert werden. Am Ende des Ortes war bei km 16,5 die erste Versorgungsstelle. Von hier aus ging es noch ein gutes Stück auf Asphalt parallel zur Mosel weiter am alten Trittenheimer Bahnhof vorbei und an der Sonnenuhr „Non plus Ultra“ die schon auf Neumagen-Drohner Gemarkung im Felsen thront. Dann ging’s wieder hinauf in die Weinberge und zurück Richtung Versorgungspunkt, den man nach weiteren 6 km nochmals anlief. Schon von Weitem konnte man ihn unten im Tal liegen sehen – und dann kam er einfach nicht näher, weil die Strecke hoch droben auf dem Weinberg noch so manche Kurve drehte. Während es für die 31 km-Trailer nun nur noch knapp 9 km bis ins Ziel waren, ging für die 70 km-Läufer die Party erst richtig los. Sie hatten insgesamt ausgeschriebene 3.600 Höhenmeter zu überwinden, während die Kurzstrecke mit 1.000 Höhenmetern angegeben war.

Markiert war zumindest die 31 km-Strecke gut, trotzdem gibt es natürlich immer wieder Läufer, die selbst deutlich angebrachte Pfeile übersehen und zum Irrläufer werden. Traillaufen hat eben auch etwas mit Aufpassen zu tun. Auf der Langstrecke gab es mehr Verwirrung, zumal sich die Strecke am Ende wieder überschnitten, die 70 km-Läufer aber noch eine 10 km-Zusatzschlaufe laufen mußten, bis sie gen Ziel steuern durften. Da die 34 km-Runde vom Vortag an dieser Stelle auch vorbei ging und mit „104“ markiert war, wußten manche Läufer bei den vielen Pfeilen auf dem Boden nicht mehr, welcher denn nun der richtige war und kamen deutlich zu früh ins Ziel. Dasselbe war am Samstag schon einigen 34ern passiert, die am Ende nur 27 km auf dem Tacho hatten. Während Martin Schedler, dem dies samstags auch passiert war, umdrehte, zurück lief und die Strecke ordnungsgemäß zuende lief, wurden die Zeiten anderer Läufer hochgerechnet. Bei Lichte besehen, müssten sie sich eigentlich ein DNF eintragen lassen, denn sie sind die Strecke(n) definitiv nicht wie verlangt gelaufen. Nun ging es aber nicht nur um Ruhm und Ehre sondern auch um begehrte UTMB-Punkte. Die Veranstalter am Mont Blanc verlangen von Jahr zu Jahr mehr Qualifikationspunkte, die bei immer weniger Läufen zu erbringen sind. Dafür lassen sie sich von den Punkte vergebenden Veranstaltern auch noch bezahlen. Was natürlich dann zu einem inneren Zwiespalt bei selbst laufenden Veranstaltern wie Markus Krempchen führt: er hat schon die Beiträge an die ITRA bezahlen müssen, die die Punkte vergibt. Die Läufer sind zum Teil von recht weit angereist, um sie in Leiwen und Umgebung ihre Punkte zu erlaufen. Nicht jeder schafft es, da hart zu bleiben und ein DNF in die Liste einzutragen. Für und Wider gibt es sicher für beide Vorgehensweisen, jeder unserer Leser sollte das für sich beurteilen. Übrigens sind ganze drei LäuferInnen wegen Verlaufens nicht in der Wertung……

Der Lauf stand ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit und Fair Trade. Die T- bzw. Poloshirts, die man mit den Startunterlagen bekam, waren aus Bio-Baumwolle. Jeder Läufer mußte seinen Becher mit auf die Strecke nehmen, an den Versorgungsstellen wurden keine bereit gehalten. Was wohl der Läufer gemacht hat, dessen leuchtend gelber Becher verloren am Streckenrand lag? Für Veganer gab es eigene Verpflegung, die Riegel im Startbeutel waren Bio, der Kaffee und das Obst Fair Trade. Trotzdem haben auch diesmal wieder einige Zeitgenossen ihre Gelchip- und Riegelpapiere und Geltüten in der Natur entsorgt. Dabei wurde eigens beim Briefing nochmals darum gebeten, nichts auf der Strecke liegen zu lassen. Eigentlich sollte das jedem Läufer eine Selbstverständlichkeit sein und nicht mal eine Bitte seitens der Veranstalter erfordern!

Für den 31er gab es, da die 70er 14 Stunden Zeit hatten, kein Zeitlimit, obwohl sie erst um 8 Uhr, zwei Stunden nach den Ultratrailern, in die Weinberge entlassen wurden.

Moritz auf der Heide startet für die LAZ Puma Rhein-Sieg, lebt aber im französischen Annecy. Obwohl der 28jährige Trailläufer mit Leib und Seele ist, wagte er sich im April an die 100 km auf flacher asphaltierter Strecke. In St. Leon-Rot wurde er mit 7:26:39 h Dritter der Deutschen Meisterschaft in dieser Disziplin. In Leiwen brauchte er 2:30:54 h, um die Kurzstrecke als Sieger zu verlassen.

Ein Gespann der LLG Wustweiler kam zusammen auf Platz 2 – Bastian Jäcker und Daniel Weber kamen gemeinsam nach 2:43:54 h zurück zur Turnhalle neben dem Leiwener Schulgebäude.

Auf dem Parkplatz sah man Autos aus den Niederlanden, Belgien und vor allem auch aus Luxemburg. Tatiana Quesada startet zwar für einen Luxemburger Verein, CAE Grevenmacher, lebt aber im Saarland. Von 135 Kurzstrecklern kam sie als 9te gesamt ins Ziel. Nach 2:55:40 h lief sie über die ChampionChip-Matte im Schulhof. Gemessen wurde aber dennoch nur die Bruttozeit, beim Start war die Matte nicht aktiv.

Insgesamt blieben 15 Läufer unter drei Stunden. Annette Frings (Selbstläufer Altenahr) war als zweite Frau mit 3:00:45 h die Erste, die die 3 h-Marke überlief. Nicht ganz fünf Minuten vergingen, da war mit der 26järigen Lisa Mehl das Podium voll.

Silke Knop und Thomas König liefen Hand in Hand nach 6:50:36 h über die Ziellinie und machten den Deckel auf die 31 km-Kiste.

Mit 41 von insgesamt 136 StarterInnen oder umgerechnet 30,32% war die Frauenquote dabei außergewöhnlich hoch.

45 LäuferInnen (36 Männer, 9 Frauen) hatten sich für das Leiwener Doppelpack entschieden, sie holten sich drei Punkte für den UTMB, indem sie insgesamt 104 km liefen. Der schnellste Mega-Ultratrailer war – wie im Vorfeld nicht anders erwartet – Martin Schedler. 8:59:33 h benötigte er für die 104 km und hatte damit fast zwei Stunden Vorsprung auf Platz 2. Die 70 km vom Sonntag spulte er dabei in 6:27:06 h ab. Sein Laufprogramm ist vor allem im Sommer gut bestückt, denn am liebsten läuft der hoch aufgeschossene Saarländer am und im Berg. Im August geht’s noch zu einem Trail nach Südfrankreich und in den Vorarlberg. Dort werden er und seine Freundin Manon Mathis nicht nur an einem 14 km-Trail teilnehmen sondern auch eine Location für ihre nächstes Jahr anstehende Hochzeit Ausschau halten.

Auf der 70 km-Runde mußte Martin sich aber am Sonntag mächtig strecken, um auch als Sieger ins Ziel zu laufen. Mit Sebastiaan Francke hatte er einen ebenbürtigen Gegner, der erst auf den letzten 10 km abreißen lassen mußte und nach 6:36:20 h ins Ziel kam. Auch die beiden anderen Platzierten des reinen 70ers, Manuel Herren und Silver Eensaar blieben mit 6:55:55 h und 6:57:57 h noch unter der 7 h-Marke – das Podium ging damit komplett ins Ausland.

Markus Kornaleswki (10:48:46 h) und Dan Thuy (11:03:59 h) erklommen beim Doppelpack die übrigen Treppchenplätze.

Neun Frauen wagten sich an die zweitägige Herausforderung. Die Wiesbadenerin Gundi Weckenmann (13:29:42 h), Annette Friedel-Wolfrom (14:11:24 h), Elisabeth Butz (14:24:18 h) und Tanja Niedick (14:58:50 h) waren die vier schnellsten von ihnen. Tanja war eigens fast 600 km aus dem Alten Land, dem größten Obstanbaugebiet Europas an die Mosel gefahren – allerdings nicht zum ersten Mal, sie ist Stammgast beim Trail Römische Weinstraße.

Nochmal gut 100 km länger war die Fahrtstrecke für die Siegerin des reinen 70ers. Yvonne Lehnert kommt aus Berlin und freute sich nach 9:17:59 h auf ein Gläschen Moselwein und die am Abend anstehende Geburtstagsfeier einer Freundin, die zusammen mit anderen Partygästen die 31 km absolviert hatte. Für Yvonne war es der neunte Ultramarathon in diesem Jahr. Die Treppen in den Weinbergen dürften ihr nichts ausgemacht haben, denn im April wurde sie beim Mount Everest Treppenmarathon im sächsichen Radebeul Vierte, lief dort 24 Stunden lang insgesamt 84 km Treppen rauf und runter.

Eine gar nicht lahme Ente war einmal mehr die Hermeskeilerin Anne Christ, die im Internet seit Jahren als „lahmeente“ unterwegs ist. Nach einem „Erholungsurlaub im Motivationsloch“ ist sie jetzt wieder guter Laufdinge und strahlte nach 9:55:25 h Laufzeit als Zweite mit der Sonne um die Wette.

Mady Elsen komplettierte das Treppchen nach 10:02:46 h.

Die Langstreckler hatten 14 Stunden Zeit, das Ziel zu erreichen. Die beiden letzten der insgesamt 106 Finisher kamen nach 13:40:16 ins Ziel, die Helfer um Markus und Angela Krempchen konnten also etwas früher Feierabend machen.

http://www.trail-trw.org/

 

 

 


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