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Leben an der Seite eines Leistungssportlers - Christian Poppitz

[eingestellt am 10. August 2015]

By: Gabi Gründling

Christian und Heike vor dem 100 Meilen-Lauf in New York

Es ist sicher nicht immer einfach – das Leben an der Seite eines Leistungssportlers. Wir wollen mit dieser kleinen Reihe versuchen, Euch einen Einblick zu geben. Wir haben dazu je einen Läufer und eine Läuferin aus dem Amateurbereich und dem Profibereich ausgesucht, deren PartnerInnen sich zu einem Gespräch bereit erklärt haben. 

Auch unser zweiter Interviewpartner bewegt sich an der Seite seiner Partnerin im Amateurbereich: Christian Poppitz (50), Innenarchitekt und Lebensgefährte von Ultraläuferin Heike Bergmann. Heike ist auf den ganz langen Strecken zuhause, gehört zum 24 Stunden-Nationalteam war 2013 Dritte beim Spartathlon.

Heike hat eine normale 40 Stunden-Stelle im Jobcenter. Sie ist in der Szene für ihren Trainingsfleiß bekannt. 25 Stunden steckt sie eigentlich jede Woche in Laufschuhen, wenn größere Wettkämpfe anstehen, werden daraus auch mal 30 und mehr. Dazu ist sie noch begeisterte Mutter und Zweifachoma. Damit sie das alles unter einen Hut bekommt, beginnt ihr Arbeitstag in der Regel schon um 6.30 Uhr.

Klar, daß da der Partner gefordert ist.

Christian ist ein Münchner in Thüringen. Kennengelernt haben sich die beiden vor 10 Jahren, als Christian der Hobbyschlagzeuger zusammen mit ein paar Freunden in einer Kneipe in Heikes Nähe spielte. Da er als freiberuflicher Innenarchitekt örtlich relativ ungebunden war, verschlug es ihn also der Liebe wegen nach Thüringen. Zwischendurch führen die beiden immer mal wieder eine Wochenendbeziehung, wenn Projekte den Spezialisten für Büroplanung zum Beispiel nach München oder auch Frankfurt verschlagen.

Wenn Christian von zuhause arbeitet, kümmert er sich mehr um den Haushalt. „Soweit ich es Heike recht mache“ lacht er. Damit sie sich in Spitzenlaufzeiten nicht noch einen Kopf um das leibliche Wohl der beiden machen muß, hat er sogar kochen gelernt. So richtig im Kochkurs für thailändische Küche. Es darf aber natürlich gerne auch „ganz normale Läuferküche“ sein.

2005 war Heike nur auf Strecken bis zur Marathondistanz unterwegs. Das zeitaufwendigere Ultratraining kam erst später, 2008 lief sie zuhause am Rennsteig erstmals weiter als 42,195 km. Und so sind beide zusammen in ihre heutige Trainings-Lebens-Situation hineingewachsen.

Christian hat seinerzeit wegen Heike angefangen zu laufen, aber ihm fehlt nach eigener Aussage ihre Disziplin und oft auch die Motivation. Drei Mal hat er es bis jetzt ins Marathonziel geschafft. Wenn es sich anbietet, läuft er durchaus mal einen 10er oder Halbmarathon, solange Heike dann bei derselben Veranstaltung auf der Marathonstrecke unterwegs ist. Aber oft mit zu wenig Training und angestachelt von Heikes Bedenken ob seines Leistungsstands.

Ansonsten macht ihm das Betreuen so viel Spaß, daß er selbst seinen 50ten Geburtstag im März an der Wöhrder Wiese in Nürnberg verbrachte – Heike lief den 6-Stundenlauf, um für die 24 h-WM in Turin zu trainieren. Klar, daß Christian auch dort zum offiziellen Betreuerstab gehörte.

Wenn’s sein muß, steigt er für den Support auch schon mal aufs Rad. Als Heike im Juni bei einem 100 Meilen-Rennen durch New York am Start war, begleitete Christian sie die erlaubten 37 Meilen auf dem Drahtesel.

Sein Schlagzeug ist zwar für alle Fälle noch aufgebaut, „aber ich hämmere nicht mehr darauf rum. Alles zu seiner Zeit und wenn ich noch in einer Band spielen würde, bekämen wir das zeitlich gar nicht mehr hin.“

Wie Ihr seht, hat Christian sein Leben für seine Beziehung zu seiner leistungsorientierten Lebensgefährtin umgekrempelt – aber er findet das völlig in Ordnung, vermisst nichts. Zumal es die beiden durchaus auch schaffen, mal ganz ohne ein Laufevent im Kalender in Urlaub zu fahren.


Kossmann Laufdesign